Sobald mehrere Menschen regelmäßig aufeinandertreffen, lässt sich gelegentlicher Streit kaum vermeiden. Gut, wenn Du mit Konfliktmanagement vertraut bist und weißt, wie Du Konflikte lösen kannst. Stehen Du und die anderen Beteiligten zusätzlich unter Stress und Druck, wächst das Risiko für Auseinandersetzungen deutlich.
Der Arbeitsplatz ist daher geradezu dafür gemacht, zur Streitarena zu werden. Hier treffen Deine Auffassungen und Standpunkte auf die von anderen. Jeder will Karriere machen. Und auf der Karriereleiter kann nun mal nicht jeder gleich weit hochklettern. Daraus ergibt sich zusätzliches Potenzial für Diskussionen, Auseinandersetzungen und regelrechte Kämpfe.
In diesem Ratgeber erfährst Du, wann Konfliktmanagement nötig ist und welche fünf Arten von Streit es gibt. Dazu kommen zehn Tipps gegen unnötige Konflikte. Und Du lernst fünf typische Streit-Gegner kennen.
Wann ist Konfliktmanagement nötig?
Mit dem Streit am Arbeitsplatz ist es so eine Sache. Auf der einen Seite sind Konflikte oft ziemlich kontraproduktiv. Sie lenken von den eigentlichen Aufgaben ab. Sie geben den Beteiligten ein schlechtes Gefühl und sorgen für eine angespannte Atmosphäre. Auf der anderen Seite ist der Übergang zwischen einer engagierten Diskussion und einem Streit fließend.
Greift jemand zu früh schlichtend ein, kommen wichtige Argumente nie zur Sprache. Dasselbe passiert, wenn ein Unternehmen aus Angst vor Konflikten jede Auseinandersetzung im Keim erstickt. Kontroverse Standpunkte werden dann nicht ausgetauscht. Viele Gedanken brauchen aber die kreative Atmosphäre eines Streitgesprächs. Ohne sie bleiben sie ungedacht.
Hinzu kommt: Ein richtiger Streit kann wie ein reinigendes Gewitter wirken. Er baut Spannungen ab. Er schafft die Grundlage dafür, dass die Beteiligten danach umso friedlicher und harmonischer zusammenarbeiten.
Du siehst: Beim Thema Streit im Job hast Du es mit einer Gratwanderung zu tun. Für erfolgreiches Konfliktmanagement musst Du gute und schlechte Auseinandersetzungen unterscheiden können. Außerdem solltest Du die wichtigsten Ursachen für Konflikte am Arbeitsplatz kennen. Und Du brauchst eine Vorstellung davon, warum manche Menschen gar nicht anders können, als sich ständig zu streiten.
Genau diese Grundlagen findest Du im Folgenden. Danach kannst Du überflüssige Streitigkeiten vermeiden und sinnvolle Auseinandersetzungen fördern. So setzt Du Dich insgesamt für eine bessere und friedlichere Atmosphäre am Arbeitsplatz ein.
Nicht immer einfach zu unterscheiden: gute Konflikte, schlechte Konflikte
Erfolgreiches Konfliktmanagement am Arbeitsplatz setzt eine Fähigkeit voraus. Du musst sinnvolle Auseinandersetzungen von sinnlosem Streit unterscheiden können. Das ist oft schwierig, denn die Übergänge sind fließend.
Oft entsteht aus einem anfangs nervigen und überflüssigen Geplänkel am Ende doch noch eine kreative Kontroverse. Ebenso häufig artet eine zunächst konstruktive Diskussion in einen persönlichen Krieg aus. Beobachte deshalb genau, in welche Richtung sich eine Auseinandersetzung gerade entwickelt. Sonst ist Konfliktmanagement unter Kollegen kaum möglich.
Einen guten Anhaltspunkt liefert der thematische Verlauf eines Streitgesprächs. Zwei Merkmale sprechen klar dafür, dass eine Diskussion aus dem Ruder läuft.
Das erste Merkmal: Im Gespräch tauchen plötzlich persönliche Aspekte auf. Das können Schuldzuweisungen sein, persönliche Vorwürfe oder sogar mehr oder weniger offene Beleidigungen. Dann kannst Du mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass das Streitgespräch nicht mehr sinnvoll ist. Das beste Konfliktmanagement besteht jetzt darin, die Situation zu unterbrechen. Warte, bis sich die Beteiligten ein wenig abgekühlt haben. Vielleicht können sie das ursprüngliche Gespräch später auf sinnvolle Weise wieder aufnehmen.
Das zweite Merkmal: ein abrupter Wechsel der Themen. Oft beginnt ein Gespräch damit, dass zwei oder mehr Personen zu einem Thema unterschiedliche Standpunkte austauschen. Im weiteren Verlauf stellst Du auf einmal fest, dass scheinbar wahllos neue Themen eröffnet werden. Das ist eine rote Flagge. Hier ist Aufmerksamkeit angebracht. Es liegt nämlich der Verdacht nahe, dass um des Streites willen gestritten wird. Solche Konflikte bringen wenig oder nichts. Zusätzlich verderben sie die Atmosphäre am Arbeitsplatz.
Konfliktmanagement im Büro: die 5 Arten von Streit am Arbeitsplatz
Um Konfliktmanagement im Büro besser umzusetzen, solltest Du die verschiedenen Arten von Streit kennen. Hier stellen wir Dir die fünf häufigsten Anlässe vor, aus denen Konflikte unter Kollegen entstehen. Du lernst die wichtigsten Merkmale der Streitfälle kennen. Und Du erfährst, wie Du als beteiligte Person oder als Außenstehender am besten damit umgehst.
Konflikt 1: der Streit um konkrete Sachfragen
Beginnen wir mit der wohl besten Art von Konflikten am Arbeitsplatz: dem reinen Sachkonflikt. Dabei geht es nur um unterschiedliche Auffassungen zu bestimmten Sachfragen. Zum Beispiel diskutierst Du im Team über verschiedene unternehmerische Ziele. Oder ihr habt unterschiedliche Überzeugungen, wie sich ein bestimmtes Ziel am besten erreichen lässt.
Das gemeinsame Merkmal solcher Auseinandersetzungen: Die Redebeiträge beruhen überwiegend auf Fakten und Argumenten. Im Mittelpunkt steht der Wunsch, den Gesprächspartner vernünftig zu überzeugen. Meist verlaufen solche Auseinandersetzungen in einer ruhigen und sachlichen Atmosphäre. Sobald eine Lösung gefunden ist, mit der beide Seiten einverstanden sind, ist der Konflikt beigelegt.
Die hohe Kunst beim Sachstreit ist die Fähigkeit, sich auf Kompromisse zu einigen. Dazu musst Du in dem einen oder anderen Punkt zurückstecken. Dafür setzt Du Dich in anderen Punkten durch. Kompromissbereitschaft und gegenseitiges Verständnis schaffen gute Voraussetzungen für einen harmonischen Gesprächsverlauf. Daraus gehen wiederum die besten Lösungen hervor.
Musst Du im Konflikt Zugeständnisse machen? Dann hilft Dir unser Ratgeber zur Gehaltsverhandlung. Die Verhandlungstipps darin lassen sich auf viele Situationen übertragen.
Konflikt 2: Konflikte durch Missverständnisse
Probleme durch Missverständnisse erkennen Außenstehende oft viel leichter als die Beteiligten selbst. Kennst Du das? Du verfolgst ein Streitgespräch und siehst sofort, woran es hapert. Die Beteiligten sehen es nicht. Dann hast Du es meist mit einem Konflikt durch Missverständnisse zu tun.
Das Problem ist, dass menschliche Kommunikation so vielschichtig und komplex ist. Kleinste Regungen in der Mimik, eine winzige Geste, eine bestimmte Körperhaltung oder ein Tonfall reichen völlig aus. Schon bekommt eine eigentlich harmlose Aussage ein ungeheures Gewicht. In der Folge reagiert das Gegenüber nicht mehr angemessen, und es kommt zur Auseinandersetzung. Der eigentliche Gesprächsgegenstand ist längst aus den Augen verloren.
Ob als Beteiligter oder als Beobachter: Die Lösung lautet hier immer Deeskalation. Deutliche Worte sind ein ideales Mittel gegen Konflikte, die durch nonverbale Reaktionen entstanden oder verstärkt wurden. Führe die Kommunikation wieder auf direkt ausgesprochene Aussagen zurück. Diese sind viel eindeutiger und weniger anfällig für Missverständnisse. Mehr zu Signalen ohne Worte liest Du in unserem Ratgeber zur nonverbalen Kommunikation.
Konflikt 3: Streit wegen Rollenkonflikten
Jeder Mensch nimmt in seinem Leben eine ganze Reihe von Rollen ein. Diese unterscheiden sich meist je nach Gruppe, in der Du gerade bist. Natürlich verhältst Du Dich in Deiner Partnerschaft anders als in der Familie, im Bekanntenkreis oder am Arbeitsplatz.
Gerade im Beruf sorgt dieses Rollenverhalten für viel Zündstoff. Das liegt vor allem an zwei Aspekten. Zum einen sind die Übergänge fließend. Mit manchen Kollegen pflegst Du zumindest teilweise auch freundschaftliche Beziehungen. Angenommen, Du bist gemeinsam mit vertrauten Kollegen und einem distanzierten Vorgesetzten in einer Situation. Dann kann schnell ein innerer Konflikt entstehen, welches Verhalten jetzt angemessen ist.
Zum anderen verfolgst Du im Beruf oft ganz konkrete Ziele. Um sie zu erreichen, setzt Du strategische Mittel ein. Diese weichen in der Regel von Deinem gewohnten Rollenverhalten ab. Auch Grenzüberschreitungen von Kollegen, etwa unpassende Annäherungen, gehören in diese Kategorie.
Konfliktmanagement bei Rollenkonflikten heißt: Entweder Du lebst damit, oder Du sprichst sie konkret an. Dass Du Dich in unterschiedlichen Konstellationen unterschiedlich verhältst, lässt sich nicht ändern. Wer verhält sich schon im Gespräch mit dem Chef so wie abends zu zweit auf dem Sofa?
Es geht also darum, Rollenkonflikte auszuhalten. Lass sie im beruflichen Alltag nicht überhandnehmen. Geht es aber zu weit, schau nicht still zu. Das gilt zum Beispiel, wenn ein Vorgesetzter seine Macht ausnutzt. Wie Du solche Situationen ansprichst, kannst Du im Coaching gezielt vorbereiten.
Konflikt 4: Streit über abweichende Wertvorstellungen
Bei manchen Streitigkeiten bemerkst Du erst nach einiger Zeit, dass es gar nicht um die konkret verhandelten Themen geht. Stattdessen diskutieren die Beteiligten über ihre abweichenden Wertvorstellungen. Meist sprechen sie das aber nicht deutlich aus. Den meisten Menschen fällt es viel leichter, eine Meinung zu einem Fachthema zu vertreten. Persönliche Werte in den Mittelpunkt einer Diskussion zu stellen, ist viel schwerer.
Genau dieses Ausweichen birgt erhebliche Risiken für unlösbare Konflikte. Unterschiedliche Werte prallen zum Beispiel häufig bei abweichenden Auffassungen von Arbeit aufeinander. Dann fällt es dem Streitführer vergleichsweise leicht, sich kontrovers zu einer Sachfrage zu äußern. Sein Gegenüber persönlich wegen mangelnder Arbeitsmoral anzugreifen, ist bedeutend schwieriger. Das Problem: Solange die wahren Ursachen nicht ausgesprochen werden, kann Konfliktmanagement unmöglich werden.
Frag Dich zunächst, ob Du am Arbeitsplatz unbedingt die gleichen Werte wie Deine Kollegen haben musst. In vielen Fällen ist ein wenig Toleranz gegenüber anderen Werten angemessen. Stellt sich aber heraus, dass moralische oder ethische Grundsätze unbedingt abgestimmt werden müssen? Dann bemühe Dich darum, diese klar zu äußern. Verstecke sie nicht hinter scheinbaren Sachthemen.
Konflikt 5: der Konflikt auf persönlicher Ebene
Kommen wir zur letzten Ursache für Streit am Arbeitsplatz. Sie ist besonders weit verbreitet. Die Rede ist von Konflikten auf der persönlichen Ebene zwischen Kollegen. In der Regel tun die Beteiligten dabei so, als ginge es um reine Sachthemen.
In Wirklichkeit stecken persönliche Motive hinter den Auseinandersetzungen. Das kann bloße Abneigung sein, ein alter persönlicher Konflikt, Neid und Eifersucht oder übermäßige Konkurrenz. Das Problem dabei: Die Beteiligten tun meist so, als ginge es um sinnvolle Auseinandersetzungen auf der Sachebene.
So kommt es zu überflüssigem Streit. Er wirkt sich sehr nachteilig auf die Atmosphäre am Arbeitsplatz und auf die Arbeitsergebnisse aus. Außerdem geht er den Unbeteiligten furchtbar auf die Nerven.
Bist Du selbst in einen solchen Konflikt verstrickt? Dann hilft auf Dauer nur das offene Gespräch unter vier Augen. Versuche dabei, die Ursachen für die Feindseligkeit direkt anzusprechen. Kommt es nicht zu einer Einigung, verständigt euch wenigstens auf eines: Der Konflikt wird nicht länger in den Arbeitsalltag getragen.
Geht euch am besten so gut wie möglich aus dem Weg. Für unbeteiligte Beobachter ist es deutlich schwerer, mit persönlichen Konflikten umzugehen. Erlebst Du einen solchen Streit bei anderen? Dann moderiere doch ein klärendes Gespräch zwischen den beiden Streithähnen. Unser Ratgeber zum Moderationstraining macht Dich dafür fit.
10 Tipps und Tricks für erfolgreiches Konfliktmanagement am Arbeitsplatz
Es gibt viele Verhaltensweisen, mit denen Du aktiv verhinderst, dass Konflikte entstehen. So wird aus einer kleinen Meinungsverschiedenheit nicht gleich ein riesiger Streit. Umgekehrt gilt dasselbe. Ignorierst Du die folgenden Hinweise oder verhältst Du Dich gegenteilig, lassen ernsthafte Konflikte erfahrungsgemäß nicht lange auf sich warten. Setz Dich am besten auch mit dem Führungsstil Servant Leadership auseinander.
Wenn Du Dich gründlich mit den folgenden zehn Punkten beschäftigst, erkennst Du noch etwas. Du siehst, aus welchen Ursachen manche Kollegen Streit regelrecht heraufbeschwören. Angenommen, ein Kollege eckt immer wieder an. Dann kannst Du ihn anhand dieser Punkte dezent darauf aufmerksam machen, wie er seine Streitlust in den Griff bekommt.
Konfliktmanagement Tipp 1: Zuverlässigkeit
Eine sehr häufige Ursache für Konflikte am Arbeitsplatz ist die Unzuverlässigkeit einzelner Kollegen. Bestimmt hast Du Dich auch schon darüber geärgert. Ein Kollege oder Kommilitone verspricht fest, sich um eine Sache zu kümmern. Am Ende stellst Du fest, dass er den Vorgang einfach liegen gelassen hat. Noch schlimmer ist es, wenn die unerledigte Aufgabe einem anderen Kollegen angelastet wird. Dabei hat der sich nur auf die Zusage verlassen.
Willst Du ernsthaft am Konfliktmanagement arbeiten? Dann bemühe Dich um ein gewisses Maß an Zuverlässigkeit. Mach es Dir zum inneren Gesetz: Was ich versprochen oder zugesagt habe, halte ich auch ein. Wird Dir einmal zu viel aufgebürdet, sag lieber frühzeitig: „Ich kann diese Aufgabe nicht erfüllen.“ So enttäuschst Du vielleicht eine Erwartung. Dem Vorwurf der Unzuverlässigkeit setzt Du Dich aber nicht aus.
Konfliktmanagement Tipp 2: Ehrlichkeit
In fast jedem Unternehmen leidet die Atmosphäre unter Gerüchten und Unwahrheiten. Einzelne Mitarbeitende setzen sie in die Welt und pflegen sie. Manchmal ist es nur Tratsch. Manchmal setzen Kollegen aber auch ganz gezielt Schwindeleien ein. Sie wollen sich einen Vorteil verschaffen oder einen Konkurrenten in ein schlechtes Licht rücken.
Diese Form von Unehrlichkeit führt sehr schnell zu handfesten Konflikten. Sie birgt eine Menge Zündstoff. Oft lässt sich am Ende gar nicht mehr nachvollziehen, wer eine Lüge in die Welt gesetzt hat. Der Urheber bleibt in der Anonymität verborgen.
Ein Leben ohne kleine Notlügen ist wahrscheinlich für niemanden möglich. Natürlich greifst auch Du im Arbeitsleben ab und zu zu einer Unwahrheit. Du willst Dich elegant aus der Affäre ziehen oder einen Streit vermeiden. Trotzdem: Bleib in der Kommunikation mit Kollegen und Vorgesetzten möglichst bei der Wahrheit. Ehrlichkeit hilft in jedem Fall, Konflikte zu vermeiden.
Konfliktmanagement Tipp 3: Geradlinigkeit
Hast Du es im Beruf mit Opportunisten zu tun? Dann hast Du guten Grund, ab und zu aus der Haut zu fahren. Wer allen anderen grundsätzlich recht gibt und jeden Standpunkt gutheißt, geht seinen Kollegen mächtig auf die Nerven. Außerdem führt mangelnde Geradlinigkeit sehr schnell zu Auseinandersetzungen und Streit.
Das passiert spätestens dann, wenn der ewige Jasager ein Vorgesetzter ist. Durch seine Unentschlossenheit geraten zwei Kollegen aneinander. Wer seine wirkliche Meinung nicht offen und ehrlich ausdrücken kann, wird im Büro schnell zum unangenehmen Störfaktor.
Geradlinigkeit kannst Du übrigens lernen. Du kannst üben, einen klaren Standpunkt zu entwickeln. Und Du kannst üben, ihn beizubehalten, auch wenn er nicht der Mehrheitsmeinung im Betrieb entspricht. Damit ist nicht gemeint, dass Du unbelehrbar und immun gegen jedes gute Argument sein sollst. Grundsätzlich jedem recht zu geben, ist aber weitaus schlimmer. Im Einzelcoaching kannst Du gezielt daran arbeiten.
Konfliktmanagement Tipp 4: Kontinuität
Hast Du im Beruf mit jemandem zu tun, der heute nicht mehr weiß, was er gestern gesagt hat? Dann sind Konflikte vorprogrammiert. Gerade Vorgesetzte machen sich unbeliebt, wenn sie unter Druck von ihren Zusagen abweichen. Sobald sich Mitarbeitende nicht mehr auf Aussagen verlassen können, entsteht große Unsicherheit.
Genau diese Unsicherheit birgt erhebliches Potenzial für Streit und Auseinandersetzungen. Viele Konflikte im Job beruhen auf mangelnder Beständigkeit einzelner Personen. Sie ließen sich vermeiden, wenn alle Beteiligten mehr zu dem stehen würden, was sie zugesichert haben.
Kontinuität ist nicht nur eine Frage des Wollens. Oft schleicht sich mangelnde Beständigkeit nur ein, weil Du Entscheidungen unter Druck triffst. Für Dein Konfliktmanagement ist deshalb wichtig: Mach es Dir zur Gewohnheit, jede wichtige Entscheidung bewusst und in Ruhe zu treffen. Dann fällt Dir Kontinuität deutlich leichter.
Konfliktmanagement Tipp 5: Nachhaltigkeit
Wenn heute von Nachhaltigkeit die Rede ist, denkst Du vielleicht zuerst an einen achtsamen Umgang mit Umwelt und Ressourcen. Wahrscheinlich ist Dir nicht bewusst, dass der Begriff schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts geprägt wurde. Schon damals bezeichnete Nachhaltigkeit ein allgemeines Handlungsprinzip.
Im Vordergrund steht dabei, die Eigenschaften und die Stabilität von Systemen zu erhalten. Im Berufsleben bezeichnet Nachhaltigkeit ein Verhalten, das das Unternehmen und seine Errungenschaften erhalten will. Das setzt einen verantwortlichen Umgang mit allen Ressourcen voraus. Wer gegen dieses Prinzip verstößt, verursacht ernste Konflikte im Unternehmen.
Bemühst Du Dich im Job um nachhaltiges Verhalten, ist das eine ausgezeichnete Vorsorge gegen Streit. Dafür musst Du Dir vor allem immer wieder die längerfristigen Folgen Deines Handelns vor Augen führen. Halte Dich an gut ausgewählte Prinzipien. Wirf sie nicht leichtfertig um, nur weil es gerade einfacher ist. Dann erzielst Du mit Nachhaltigkeit gute Erfolge.
Konfliktmanagement Tipp 6: Rücksicht
Ab und zu lässt es sich im Arbeitsleben nicht vermeiden: Du musst einem Mitarbeiter oder Kollegen gegenüber massive Kritik üben. Den meisten Menschen ist es eher unangenehm, andere mit Fehlern oder Schwächen zu konfrontieren. Auch ein Versäumnis anzusprechen, fällt vielen schwer.
Es gibt aber auch Personen, denen es scheinbar großen Spaß macht, ihre Kollegen öffentlich bloßzustellen. Ihnen macht es nichts aus, sich anderen gegenüber regelrecht gehässig aufzuführen. Freunde machst Du Dir mit einem solchen Verhalten ganz sicher nicht. Denn kaum jemand hat Schwierigkeiten, Führungsstärke von Gehässigkeit zu unterscheiden.
Betrachte Rücksicht im Konfliktmanagement nicht als Zeichen von Schwäche. Machst Du Dir rücksichtsvolles Verhalten zu eigen, zeigst Du eher ein hohes Verantwortungsgefühl. Und Du stellst sicher, dass Du anderen Menschen gerecht wirst. Rücksicht bedeutet nicht, dass Du nie Kritik äußerst. Sie bedeutet auch nicht, dass Du nie jemanden verletzen darfst.
Du solltest aber keine Freude dabei empfinden, jemanden mit unangenehmen Wahrheiten zu konfrontieren. Und Du solltest dafür keinen öffentlichen Rahmen wählen. Eine Faustregel lautet: Je kritischer ein Gespräch, desto weniger Augen sollten dabei sein. Wie Du Kritik gut formulierst, liest Du in unserem Ratgeber Feedback geben.
Konfliktmanagement Tipp 7: Gerechtigkeit
Gerade Menschen in leitender Position geraten schnell in den Ruf, ungerecht zu sein. Das liegt vor allem daran, dass bei wachsender Verantwortung und Arbeitslast oft die Zeit fehlt. Du kannst Dich dann nicht mehr gründlich mit unterschiedlichen Standpunkten, Anliegen oder Bedürfnissen beschäftigen. Deinem eigenen Chef geht es vermutlich genauso.
Stattdessen entscheiden viele aus dem Bauch heraus. Damit sparen sie Zeit. Sie laufen aber Gefahr, ungerecht zu sein und ein falsches Urteil zu fällen. Diese Form der Ungerechtigkeit führt im Arbeitsleben schnell zu Unzufriedenheit, Streit und Auseinandersetzungen. Und die kosten am Ende eine Menge Zeit und Effizienz.
Natürlich ist es keine einfache Aufgabe, gerecht zu sein. Wir alle haben manchmal Vorurteile. Oft entscheiden wir nach Sympathie, welchem Standpunkt wir eher zustimmen. Trotzdem solltest Du Dich um Gerechtigkeit gegenüber Kollegen und Mitarbeitenden bemühen. Nimm Dir immer die Zeit, einen Standpunkt wirklich zu verstehen, bevor Du darüber urteilst.
Konfliktmanagement Tipp 8: Teamfähigkeit
Oft predigen Menschen die Vorteile von Teamarbeit. Wer das am lautesten tut, trifft am Ende aber oft alle Entscheidungen allein. Motive, Bedürfnisse und Standpunkte der anderen Teammitglieder ignoriert er einfach.
Es gibt kaum einen schnelleren Weg, Unzufriedenheit und Konflikte zu säen, als die Grundlagen der Teamarbeit zu ignorieren. Ein Beispiel ist ein Vorgesetzter, der pausenlos gegen seine Mitarbeitenden ankämpft. Er hört niemandem aufmerksam zu und ignoriert Vorschläge aus dem Team. Am Ende entscheidet er alles allein. So zerstört er jeden Teamgeist.
Teamfähigkeit ist eine wichtige Eigenschaft, um überflüssige Konflikte im Unternehmen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Bemühe Dich darum, mit allen Kollegen auf Augenhöhe umzugehen. Mehr dazu findest Du in unserem Ratgeber zur Teamfähigkeit.
Zeig deutlich, dass Du eigene Wünsche und Anforderungen hinter die des Teams stellen kannst. Fördere, wann immer es möglich ist, den Gemeinschaftsgeist im Unternehmen. So wirst Du nicht nur zum geschätzten Kollegen. Du leistest auch einen wesentlichen Beitrag, um überflüssigen Streit zu vermeiden.
Konfliktmanagement Tipp 9: Diskretion
Wer alles, was ihm im Vertrauen erzählt wird, gleich weitererzählt, macht sich keine Freunde. Trotzdem ist das unkontrollierte Verbreiten vertraulicher Informationen eine weit verbreitete Unart am Arbeitsplatz. Auf den ersten Blick macht ein solcher Mangel an Diskretion den Tratschenden zum interessanten Gesprächspartner.
Auf Dauer wird ihm aber niemand mehr etwas anvertrauen. Im Gegenteil: Man verdächtigt ihn umso schneller, unverantwortlich mit vertraulichen Inhalten umzugehen. Außerdem führt mangelnde Diskretion sehr schnell zu Streit. Sie kann die Atmosphäre am Arbeitsplatz vergiften.
Natürlich kann Dir in einem lockeren Gespräch auch einmal etwas herausrutschen, das Du besser für Dich behalten hättest. Das kommt vor. Für erfolgreiches Konfliktmanagement am Arbeitsplatz solltest Du Dich aber um größtmögliche Diskretion bemühen.
Wird Dir etwas im Vertrauen erzählt, versteht es sich von selbst: Du erzählst es nicht bei der nächsten Gelegenheit herum. Diskretion zeigt, dass Du zuverlässig und verantwortungsvoll bist. Das nützt Deiner Karriere sehr.
Konfliktmanagement Tipp 10: Anerkennung
Die zehnte Ursache für Streit am Arbeitsplatz ist oft Unzufriedenheit. Und Unzufriedenheit entsteht vor allem dann, wenn die Leistungen einzelner Mitarbeitender nicht gesehen und nicht anerkannt werden. Aus Erfahrung wissen wir: Zufriedenheit im Job hängt nicht nur vom Einkommen oder von Karriereaussichten ab.
Diese Aspekte spielen natürlich auch eine Rolle. Den meisten Menschen ist aber besonders wichtig, dass ihre Leistung wahrgenommen und gewürdigt wird. Bleibt diese Anerkennung aus, fällt eine wirksame Motivation weg. Die Person erledigt nur noch das Nötigste. Mit der Zeit wird sie immer unzufriedener. Die unmittelbare Folge sind Streit und Konflikte.
Auch wenn es nicht immer einfach ist: Gerade als Vorgesetzter solltest Du einen aufmerksamen Blick für die Leistungen Deines Teams behalten. Achte zusätzlich darauf, die Arbeit jedes Einzelnen deutlich anzuerkennen. Damit schaffst Du die besten Voraussetzungen für hohe Zufriedenheit. Und genau diese Zufriedenheit schützt am besten vor ausufernden Konflikten.
Willst Du als Führungskraft an Deinem Umgang mit Konflikten arbeiten? In unserem Führungskräftecoaching üben wir schwierige Gespräche ganz konkret. Das Coaching läuft online per Zoom.
Die 5 verschiedenen Streit-Gegner und wie Du sie mit Konfliktmanagement in den Griff bekommst
Wie kannst Du Streit am besten klären und Konflikte lösen? Leider nicht mit einem einfachen Patentrezept oder einer Faustregel. Das liegt vor allem daran, dass Menschen in ihren Motiven und ihrem Verhalten so unterschiedlich sind.
Als Streitschlichter musst Du Dich deshalb immer wieder neu auf die jeweilige Situation einstellen. Das gelingt nur, wenn Du die beteiligten Personen genau betrachtest und analysierst.
Schnell stellst Du fest, dass es eine gewisse Bandbreite an Persönlichkeiten gibt. Fast immer lassen sie sich aber auf bestimmte Grundtypen streitlustiger Zeitgenossen zurückführen. Kennst Du diese Typen, fällt es Dir deutlich leichter, schlichtend einzugreifen.
Deshalb stellen wir Dir im Folgenden die fünf wichtigsten Streit-Gegner vor. Du lernst ihre Eigenschaften kennen und erfährst, wie Du Konflikte mit ihnen lösen kannst. Und wer weiß: Vielleicht erkennst Du Dich in dem einen oder anderen Typ auch selbst ein wenig wieder.
Typ 1: der Querulant
Dem Querulanten kannst Du nie wirklich etwas recht machen. Egal, wie eine Situation aussieht: Er findet einen Nachteil, einen Fehler oder das sprichwörtliche Haar in der Suppe. Genau dieses zweifelhafte Talent bestätigt immer wieder seine negative Sicht auf die Welt. Denn wer nur lange genug sucht, findet immer einen Nachteil oder ein Ärgernis.
Im Regelfall leiden Querulanten leise vor sich hin. Damit gehen sie ihrer Umgebung zwar auf die Nerven. Ansonsten ist das aber harmlos.
Von Zeit zu Zeit bricht der aufgestaute Ärger aber aus ihnen heraus. Halte in dieser Situation lieber Abstand. Sonst treffen Dich schnell Vorwürfe und harte Worte. Und selbst wenn sich der Querulant still verhält, kann seine verdrießliche Miene einer ganzen Abteilung die Stimmung verderben. Sie fördert eine gereizte Atmosphäre.
Insgesamt verbreitet der Querulant eine negative Stimmung und geht damit vielen Menschen auf die Nerven. Im Konfliktmanagement mit diesem Typ kannst Du versuchen, seinen lautstarken Pessimismus mit positiven Aspekten zu überdecken. Mach umgekehrt laut auf Erfreuliches aufmerksam. Zeig Deine Freude über gelungene Dinge deutlich. So bekommst Du den Querulanten besser in den Griff. Mehr zum Thema liest Du in unserem Ratgeber Optimismus oder Pessimismus.
Typ 2: der Neunmalkluge
Eigentlich kannst Du sagen, was Du willst. Der Neunmalkluge meldet sich mit einer kleinen Korrektur oder zumindest einer Ergänzung. Und sei es nur, um das letzte Wort zu haben. Undenkbar, dass er eine Aussage, eine Meinung oder eine Tatsache einfach so stehen lässt. Schnell hat er zahlreiche Einwände, Gegenargumente und vermeintliche Beweise zur Hand. Jeder soll spüren, dass er allein die Weisheit mit Löffeln gegessen hat.
Häufig fällt den Beteiligten gar nicht auf, dass er sich vor allem auf unwichtigen Nebenschauplätzen betätigt. Vom eigentlichen Thema abzulenken und neue Konfliktfelder zu eröffnen, ist nämlich seine Spezialität. Diese Felder spielen im Moment eigentlich gar keine Rolle. So kommt der Neunmalkluge mit traumwandlerischer Sicherheit vom Hölzchen aufs Stöckchen. Er hält eine ganze Abteilung auf, nur um seine eigene Unfehlbarkeit zu beweisen.
Gegen den Neunmalklugen kommst Du auf Dauer nur an, wenn Du immer wieder klarmachst, um welches Thema es gerade geht. Lass Dich nicht auf Diskussionen über Nebensächlichkeiten ein. Er bringt sie nur ins Spiel, weil er sich dort auskennt und einen weiteren Sieg davontragen will. Verweise stattdessen auf das eigentliche Thema. Mach deutlich, wie unwichtig seine Einwände gerade für den Teamerfolg sind.
Typ 3: der Hinterlistige
Der Hinterlistige ist ein besonders gefährlicher Kollege. Er betreibt seine schädlichen Aktivitäten überwiegend im Verborgenen. Dabei leiten ihn teilweise sehr komplexe Pläne, die er immer im Hinterkopf behält. Man nennt das auch eine Hidden Agenda. Diese verfolgt er unter Umständen über Jahre, bevor seine wahren Absichten offensichtlich werden.
Er spielt grundsätzlich mit falschen Karten. Es gehört zu seiner Taktik, sein Gegenüber über seine eigentlichen Ziele zu täuschen. So schafft er aktiv und mit einem gewissen Geschick Situationen, die seinen Absichten nützen.
Im Konfliktmanagement fällt dieser Typ am ehesten durch falsches und unaufrichtiges Verhalten auf. Er wirkt widersprüchlich, berechnend und unterkühlt. Es macht ihm keine Probleme, einen Kollegen erst mit bestechender Freundlichkeit zu behandeln. Gleich danach verbreitet er hinter dessen Rücken Gehässigkeiten. Gerade diese Mischung aus übertriebener Freundlichkeit und Bösartigkeit macht ihn so unerträglich.
Dem Hinterlistigen begegnest Du im Konfliktmanagement nur, indem Du ihn konfrontierst. Du bekommst mit, dass er hinter dem Rücken eines Kollegen schlecht über ihn redet? Dann mach das zum Thema, wenn die beiden das nächste Mal aufeinandertreffen. Zeig deutlich, dass hinterhältige Spielchen mit Dir nicht zu machen sind. Und lass Dich nicht hinreißen, ihm zu vertrauen. Sonst lästert er bei der nächsten Gelegenheit über Dich.
Typ 4: der Hitzkopf
Manchen Menschen siehst Du ihre innere Aufregung schon im Ruhezustand deutlich an. Ihre Zündschnur ist unglaublich kurz. Manchmal genügen absolute Kleinigkeiten, um sie innerhalb von Sekunden von null auf hundert zu bringen. Ein winziger Tropfen bringt das Fass zum Überlaufen. Dann schreit und tobt der Hitzkopf unbeherrscht herum. Er wird leicht ausfallend und ist fast grundsätzlich ungerecht gegenüber jedem, der ihm in die Quere kommt.
Der Umgang mit einem cholerischen Hitzkopf ist alles andere als einfach. Seine Wutausbrüche lenken von der eigentlichen Arbeit ab. Sie stören die Abläufe im Betrieb empfindlich. Außerdem verbreitet seine bloße Anwesenheit bei sensibleren Kollegen oft Angst und Schrecken. Das ist ein unerfreulicher Nährboden für Konflikte und Streit.
Auf die übertriebene Erregung des Hitzkopfs reagierst Du im Konfliktmanagement am besten mit viel Gelassenheit. Eine aufgeregte und genervte Stimmung überträgt sich schnell auf eine größere Gruppe. Genauso wirkt aber auch Gelassenheit im Kreis Deiner Kollegen ansteckend.
Typ 5: der Egomane
Kennst Du Menschen, die alles, was um sie herum geschieht, nur auf sich beziehen? Oft kannst Du ihnen gar nicht richtig böse sein. Sie handeln ja nicht aus schlechter Absicht. Sie gehen einfach davon aus, dass sich die Welt um sie dreht. Alles Gute und alles Schlechte steht für sie in direktem Zusammenhang mit ihnen selbst. Gleichzeitig bringt diese starke Selbstbezogenheit beträchtliche Probleme mit sich.
Echte Egomanen gehen selbstverständlich davon aus, dass sich alle in ihrer Umgebung auf sie einstellen. Wollen sie sich gerade konzentrieren, müssen alle anderen still sein. Ist ihnen eher nach Unterhaltung zumute, spielt das Ruhebedürfnis anderer keine Rolle. Egomanen sehen sich immer im Zentrum des Geschehens. Empathie und Verständnis sind für sie Fremdwörter ohne große Bedeutung.
Der Umgang mit dem Egomanen ist besonders schwierig. Du musst ihn aus seiner selbstbezogenen Blase herausholen. Nur so weckst Du bei ihm das Gefühl, dass es auch außerhalb seines Innenlebens Menschen mit Bedürfnissen und Wünschen gibt. Halte ihm deshalb möglichst den Spiegel vor.
Konfliktmanagement trainieren
Hoffentlich war dieser Ratgeber für Dich hilfreich. Noch konkreter wird es im persönlichen Coaching. Dort besprechen wir zum Beispiel, wie Du Dich noch besser in Dein Gegenüber hineinversetzt. So kannst Du es anschließend mit seinen eigenen Mitteln besänftigen.
Merke: Konflikte entstehen oft in kritischen Situationen Deiner Karriere. An einer Weiche. Dort, wo viel auf dem Spiel steht. Deshalb ist Konfliktmanagement für Deinen Erfolg so wichtig. Gern unterstützen wir Dich als Rollenspiel- und Sparringspartner. Steht ein beruflicher Wechsel an? Dann hilft Dir unsere Karriereberatung. Führst Du ein Team, passt das Führungskräftecoaching.
Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
