Bewerbungsschreiben: Muster, Vorlagen und Tipps
Ein gutes Bewerbungsschreiben überzeugt den Personaler in kurzer Zeit davon, Dich einzuladen. Hier erfährst Du, wie Du es aufbaust, welche Fehler Du vermeidest und wie Du mit der SAHRA-Erfolgsformel Deine Stärken belegst. Viele Beispielsätze helfen Dir beim Formulieren.
Wozu brauche ich ein Bewerbungsschreiben?
Betrachten wir es mal ganz nüchtern: Eine Bewerbung ist Werbung, und das Bewerbungsschreiben ist der Verkaufstext. Stell Dir vor, Du stöberst bei Amazon oder Zalando durch die Produkte. Worauf achtest Du? Erst auf die Produktbilder, dann auf die Beschreibungen. Welche Fragen stellst Du Dir?
- Erfüllt dieses Produkt meine Bedürfnisse und Ansprüche?
- Passt das Produkt in mein Budget?
- Was denken andere über mich, wenn ich das kaufe?
- Ist dieses Schnäppchen bald weg, und sollte ich deshalb schnell zugreifen?
Genau das macht ein Recruiter auch beim Lesen Deines Bewerbungsschreibens:
- Erfüllt dieser Kandidat unsere Bedürfnisse und Ansprüche?
- Liegen die Gehaltsforderungen dieser Bewerberin in unserem Budget?
- Was denkt mein Chef, wenn ich diese Person einlade?
- Ist diese Kandidatin sehr gefragt, und sollte ich sie schnell anrufen?
Das Bewerbungsschreiben ist also, etwas unterkühlt ausgedrückt, Dein Verkaufstext. Er muss den Recruiter zu einem Gedanken bringen. „Ja, es ist eine gute Idee, 30.000, 60.000 oder über 90.000 Euro im Jahr für die Arbeitszeit dieser Person auszugeben.“ Er muss Dich guten Gewissens einladen können. Und vor allem muss er Dich seinem eigenen Chef gegenüber gut verkaufen können.
Wie viel Zeit hat der Personaler für Dein Anschreiben?
Bei Amazon haben Produkte oft Hunderte Bewertungen von zufriedenen und unzufriedenen Kunden. Das gibt uns als Käufer Sicherheit. Selbst wenn die Beschreibung nicht gut ist, vertraust Du am Ende den Sternen und kaufst vielleicht doch. Diesen Luxus haben Personaler bei der Bewerbung meist nicht. Sie müssen sich auf das verlassen, was wir ihnen verraten.
Das Problem dabei: Sie haben meist sehr wenig Zeit. Für Deine ganze Bewerbung bleiben oft nur wenige Minuten. Für das Anschreiben bleibt davon nur ein kleiner Teil. Wie lang sollte das Anschreiben also sein? Ganz einfach: so kurz, dass es in dieser Zeit gelesen werden kann. In der Regel heißt das: höchstens eine Seite.
Wird das Bewerbungsschreiben überhaupt gelesen?
„Aber halt mal“, sagst Du vielleicht. „Wird das Bewerbungsschreiben überhaupt gelesen? Entscheider achten doch heute nur noch auf den perfekten Lebenslauf. Wenn ich da eine Lücke habe, bin ich doch sowieso raus, oder?“
Nein. Keine Sorge, so schlimm ist es nicht. Das Bewerbungsschreiben wird gelesen. Und es trägt maßgeblich zur Einstellung bei. Belege gefällig? Hier drei schriftliche Aussagen von Recruitern zum Thema Bewerbungsschreiben.
Diese Aussagen sprechen eine klare Sprache: Ja, das Bewerbungsschreiben wird gelesen. Und es sollte vor allem Deine Motivation zeigen. Das ist nicht immer einfach. Deshalb findest Du hier zuerst die drei größten Fehler im Anschreiben. Danach zeigen wir Dir, wie Du es besser machst. Gern helfen wir Dir auch persönlich in unserem Bewerbungscoaching.
Fehler Nr. 1 im Bewerbungsschreiben: Me-Talk
Hier siehst Du einen typischen ersten Absatz im Anschreiben. Mach einmal den Test. Was ist wohl verkehrt daran?
Hast Du die Fehler gefunden? Es sind die Floskeln, die Wiederholungen und der Me-Talk. Der erste Absatz kann den Leser packen und neugierig machen. Er kann aber auch jede Vorfreude sofort im Keim ersticken.
Das größte No-Go für den ersten Absatz: das Offensichtliche schreiben oder sich wiederholen. Viele schreiben etwas, das der Entscheider schon weiß. Der Klassiker: „Hiermit bewerbe ich mich als XYZ.“ Das hast Du schon im Betreff erwähnt. Der Leser weiß, dass Du Dich bewirbst. Also streich diese Redewendung.
Es gibt ein schönes Sprichwort: Jeder Zuhörer hört denselben Radiosender, WII.FM, also „What’s In It For Me?“. Auf Deutsch: „Was habe ich davon, was die Person hier schreibt? Was ist mein Vorteil?“ Wie wir das umsetzen? Lies weiter, dann erfährst Du es.
Fehler Nr. 2 im Bewerbungsschreiben: keine Resultate
Schauen wir uns einen zweiten Fehler im Anschreiben an.
Was ist hier verkehrt? Oft sagen Bewerber: „Zu viele Fachbegriffe.“ Das ist aber nicht zwingend verkehrt. Personaler haben eine grobe Ahnung, worum es geht, auch wenn sie eigentlich BWLer sind. Nein, etwas anderes fehlt: die Resultate.
Ohne Resultate besteht Dein Bewerbungsschreiben den „Na und?“-Test nicht. Eine Personalerin liest das und denkt sich: „Na und? Der Kandidat hat all diese Dinge gemacht. Aber was ist dabei herausgekommen? Was haben wir davon?“
Sieh es mal so: Für alles, was Du während der Arbeitszeit machst, muss das Unternehmen Dich bezahlen. Je mehr Tätigkeiten Du aufzählst, desto mehr denkt der Recruiter an die Kosten. Gehst Du dagegen auf Ergebnisse ein, lenkst Du seine Aufmerksamkeit auf Gewinne und Einsparungen. Das steigert Deinen wahrgenommenen Wert für das Unternehmen.
Fehler Nr. 3 im Bewerbungsschreiben: Behauptungen
Nun schauen wir uns den dritten der häufigsten Fehler an. Findest Du wieder heraus, wo das Problem liegt?
Auch hier stecken mehrere Fehler drin. Zum einen ist der Satz viel zu lang. Statt der vielen „und“ setzt Du lieber einen Punkt. Ellenlange Schachtelsätze, eingeschobene Halbsätze und abgehobene Sprache haben im Bewerbungsschreiben nichts zu suchen.
Denk daran: Es ist ein Marketingtext. Verständlichkeit steht an erster Stelle. Schreib so, als würdest Du den Text vorlesen. Ein anderer müsste ihn beim Zuhören sofort verstehen. Das ist für viele sehr ungewohnt. In einem Interview überraschte dieser Tipp sogar einen Redakteur der BILD-Zeitung.
Verzichte vor allem auf Listen von Adjektiven: „Ich bin zielstrebig, teamfähig, ehrgeizig, motiviert, flexibel …“ Das sind alles Behauptungen. Viele Bewerber schreiben genau das. Überleg mal: Warum sollte eine Recruiterin gerade Dir glauben? Es ist doch klar, dass wir von uns selbst in den höchsten Tönen schwärmen.
Wir haben also ein Glaubwürdigkeitsproblem. So erreichen wir nur eines: Wir wirken wie ein Hochstapler. Das müssen wir ändern. Schauen wir uns also an, wie Du es besser machst. Beginnen wir mit den formalen Anforderungen an Dein Anschreiben.
Welche formalen Anforderungen muss ich erfüllen?
Für die Gestaltung Deines Bewerbungsschreibens gibt es eine offizielle Richtlinie, die DIN 5008. Wir nennen sie gern augenzwinkernd DIN 08/15. Soll heißen: Allein damit kommst Du nicht weit. Word hat Vorlagen nach DIN 5008 schon an Bord. Zeilenabstände, Seitenränder und Schriftgröße passen dann von Haus aus. Solange Du nicht bewusst alles verstellst, kann erst mal nicht viel schiefgehen.
Merke: Die DIN 5008 ist keine Pflicht für das Bewerbungsschreiben. Sie ist eine allgemeine Empfehlung für Schreib- und Gestaltungsregeln von Geschäftsbriefen. Sie soll verhindern, dass wir komplett danebenliegen.
Bewirbst Du Dich bei einer konservativen Behörde, im juristischen Bereich oder im Sekretariat? Dann halte Dich etwas näher an die Empfehlungen. In fast allen anderen Branchen und Positionen kannst Du mehr oder weniger von der DIN abweichen. Das schafft Gestaltungsspielraum für etwas mehr Kreativität.
10-Schritte-Checkliste für den Aufbau Deines Bewerbungsschreibens
Hier eine Übersicht über den wesentlichen Aufbau eines Bewerbungsschreibens:
- Absender in der Kopfzeile: Ganz oben steht immer die Kopfzeile. Passe sie möglichst an das Unternehmen an.
- Empfänger: Name des Unternehmens, Abteilung, Ansprechperson und Anschrift, wie in der Stellenanzeige genannt.
- Dein Absenderort und Datum: Richte hier am besten eine Datumsfunktion ein, die sich automatisch aktualisiert. Mach das auch am Ende des Lebenslaufs. So verschickst Du nie wieder Bewerbungen mit veralteten oder unterschiedlichen Daten. Zwischen Ort und Datum kommt ein Komma. Das alte Wörtchen „den“ vor dem Datum schreibt man heute nicht mehr.
- Betreffzeile, gegebenenfalls mit Referenznummer und Fundort der Stelle: Vor die Betreffzeile kommt kein „Betreff:“ oder „Betr.:“ mehr. „Bewerbung als XYZ“ genügt völlig.
- Anrede und Ansprechperson.
- Einleitungssatz mit einem Aufhänger, etwa einem Fürsprecher oder einem Telefonat.
- Motivation für den Wechsel: Warum willst Du weg vom alten und hin zu genau diesem Unternehmen? Beziehe Dich zum Beispiel auf die Mission des Unternehmens.
- Deine Behauptung: Ich passe zu Ihnen.
- Deine Beweisführung im Hauptteil (siehe weiter unten).
- Dein Fazit: „Sehen Sie? Ich passe zu Ihnen. Also laden Sie mich ein.“ Falls verlangt, nennst Du noch den Eintrittstermin und Deine Gehaltsvorstellung. Bei Bedarf fügst Du einen Sperrvermerk hinzu oder bittest um diskrete Behandlung.
Weitere Gestaltungsmöglichkeiten im Bewerbungsanschreiben
- Schriftart: Sie sollte dieselbe sein wie in der restlichen Bewerbung. Merke: Nicht nur die innere Einheitlichkeit zählt. Auch die Passung zum Unternehmen muss überzeugen.
- Schriftgröße: Sie sollte im Anschreiben einheitlich sein. Im Notfall darf sie eine Stufe kleiner sein als im Lebenslauf, damit etwas mehr Text passt.
- Anrede mit Du oder Sie: Gerade bei Start-ups ist die Anrede „Du“ inzwischen weit verbreitet. Sogar Traditionsunternehmen wie die Deutsche Bahn folgen dieser Entwicklung. Eines hat sich nicht geändert, egal ob Du duzt oder siezt. „Sie“ und „Ihnen“ schreibst Du groß, und „Du“ und „Euer“ in der Bewerbung ebenfalls.
- Papierart: Papierbewerbungen sind heute selten. Am ehesten gibt es sie noch in medizinischen Berufen und im Handwerk. Trifft das auf Dich zu, wähle ein etwas stärkeres Papier als das übliche Druckerpapier mit 80 g/m².
Einleitungssatz: der erste Satz im Anschreiben
Der erste Absatz im Bewerbungsschreiben ist so etwas wie der Trailer zu einem Film. Oder wie die Einleitung zu einem Blogartikel. Er beantwortet die Frage: Lohnt es sich für mich, hier Zeit zu investieren? Hier weckst Du Erwartungen. Alles beginnt mit dem ersten Satz.
Sehr hilfreich ist ein persönlicher Ansprechpartner, Fürsprecher oder Türöffner. Du findest diese Person zum Beispiel über Jobmessen, alte Bekannte, die Homepage, ein Telefonat oder über XING und LinkedIn. Hier einige Beispiele für Dich.
5 Beispiele für den ersten Satz im Anschreiben als Auszubildende oder Auszubildender
- „Ihr Mitarbeiter Herr Petersen vermittelte mir auf der Jobmesse in Lübeck einen ersten Eindruck von Ihrem Unternehmen.“
- „Ihre spannenden Projekte sprechen für sich. Gern möchte ich Sie künftig bei weiteren Vorhaben unterstützen.“
- „Der gute Ruf Ihres Unternehmens eilt Ihnen voraus.“
- „Vielen Dank für das angenehme Gespräch an Ihrem Bewerbertag.“
- „Schon im Abitur interessierte ich mich für Werkstoffkunde. Mit der Arbeit als Auszubildender in Ihrem Unternehmen identifiziere ich mich voll und ganz.“
5 Beispiele für den ersten Satz im Anschreiben als Studentin, Student oder Absolvent für Praktikum oder Werkstudentenstelle
- „Ihre Produktmanagerin Sabine Kaul war Dozentin in einer Vorlesung an meiner Uni. Sie berichtete nur Positives von Ihrem Unternehmen.“
- „Mein ehemaliger Kommilitone Martin Klein ist bereits erfolgreich in Ihrem Unternehmen tätig.“
- „Ihr tolles Team lernte ich bereits als Praktikantin kennen. An diese Erfahrung möchte ich nun anschließen.“
- „Die anstehenden Aufgaben in dieser Position kenne ich bereits aus einem Praktikum bei Firma XYZ.“
- „Meine Leistungskurse in der Schule und meine Schwerpunkte im Studium sprechen eine klare Sprache: [Bereich X]. Damit bin ich sicher ein Top-Praktikant für Sie.“
5 Beispiele für den ersten Satz im Anschreiben als Fachkraft oder Führungskraft
- „Ich kenne Ihren Mitarbeiter X durch den fachlichen Austausch über XING. Er wies mich auf Ihre Stelle als XYZ hin.“
- „Meinem bisherigen Arbeitgeber habe ich in genau dieser Position jährlich 250.000 € eingebracht. In diesem Schreiben zeige ich Ihnen, wie.“
- „Herr Meier wies mich auf eine Stelle als Produktmanager hin, die in Ihrer Firma frei ist.“
- „Kürzlich sprach ich mit Ihrer Bereichsleiterin Sabine Schulz. Sie informierte mich über die offene Stelle in Ihrem Team und empfahl mir, Sie zu kontaktieren.“
- „Unsere gemeinsame Bekannte Jana Scholz wies mich auf diese Position hin.“
Der beste Tipp für den ersten Satz im Anschreiben
Oft lautet der beste Tipp einfach: Lass den ersten Satz weg! Streich ihn! Am besten gleich den ganzen Absatz. Dann ist automatisch ein anderer Satz der erste. Und das ist gut so.
Oft ist der erste Satz völlig inhaltsleer, etwa: „Mit großem Interesse bewerbe ich mich auf Ihr Stellenangebot.“ Im schlimmsten Fall befällt diese Leere den gesamten ersten Absatz. Nimm dieses Beispiel aus unserem Bewerbungscoaching. Hier kann der komplette erste Absatz mit fast 40 Wörtern ersatzlos gestrichen werden.
So baust Du den Hauptteil Deines Anschreibens auf
Mit einem selbstbewussten Auftakt haben wir im ersten Satz Erwartungen geweckt. Im Hauptteil kommt jetzt der Moment der Wahrheit. Können wir überzeugen?
Dafür brauchen wir zuerst wieder einen starken Aufbau. Er folgt der sogenannten einseitigen Erörterung. Das klingt zwar wie das Unwort des Jahres, aber keine Sorge. Was dahintersteckt, ist spielend einfach. Erörtern heißt nur „betrachten“. Und so geht’s.
Grundsätzlich kannst Du etwas nur von zwei Seiten betrachten. Entweder Du bist dafür, oder Du bist dagegen. Sollte man Rauchen verbieten? Sollte man das Abitur auf zwölf Schuljahre verkürzen? Sollte man Dich zum Vorstellungsgespräch einladen?
Diese letzte Frage stellt sich die Personalerin. Sie liest Dein Anschreiben und fragt sich: „Was spricht für diese Person, und was spricht gegen sie?“ Für beide Seiten sammelt sie Argumente auf einer Pro- und Contra-Liste.
Unsere Aufgabe als Top-Bewerber ist jetzt wie beim Tauziehen. Wir wollen die Personalerin auf unsere Seite ziehen. Also lenken wir ihre Aufmerksamkeit auf die Pro-Seite. Deshalb die einseitige Erörterung: Wir erörtern nur unsere Argumente für eine Einstellung. Alles andere lassen wir weg.
Die Erfolgsformel für Dein Bewerbungsschreiben
Wie bauen wir diese Argumente für eine Einstellung auf? So geht’s: Zuerst schnappen wir uns die Stellenanzeige. Welche Kompetenzen sind dort konkret gefordert? Zu diesen Anforderungen brauchen wir Beispiele aus der Vergangenheit als Beleg. Und genau die verkaufen wir im Anschreiben.
Um diesen Verkauf leicht zu machen, haben wir eine eigene Methode entwickelt: die SAHRA-Erfolgsformel. SAHRA steht für fünf Schritte, die wir bei jeder geforderten Kompetenz zeigen:
- Situation: Wann habe ich diese Kompetenz schon einmal gezeigt?
- Aufgabe: Wie sah das Problem oder der Konflikt aus?
- Handlung: Was habe ich damals getan, um das Problem zu lösen?
- Resultat: Woher weiß ich, dass ich erfolgreich war?
- Auswirkung: Was heißt das für das neue Unternehmen?
Warum die SAHRA-Erfolgsformel funktioniert
Die SAHRA-Erfolgsformel funktioniert, weil dahinter die sogenannte Heldenreise steckt. Aus unseren Coachings wissen wir: Kaum jemand kennt den Begriff, es sei denn, er schreibt Drehbücher. Also hören wir Dich schon fragen: „Och nee, erst die einseitige Erörterung und jetzt schon wieder ein neuer Begriff?“ Doch sieh es mal so. Würden wir nicht anders denken als Du und Dir keine neuen Wege zeigen, wäre dieser Ratgeber wertlos für Dich.
Und wirklich jeder, auch Du, kennt die Heldenreise aus Film und Fernsehen. Viele Kinoerfolge sind nach diesem Muster gebaut. Nehmen wir den „Herrn der Ringe“ als Beispiel:
- Situation: Frodo Beutlin lebt friedlich im Auenland. Alles wirkt vertraut.
- Aufgabe: Gandalf sagt zu Frodo: „Der Ring ist nicht mehr sicher. Tu was!“
- Handlung: Frodo zieht los. Er nutzt seine innere Stärke und die Hilfe der Gefährten.
- Resultat: Frodo wirft den Ring ins Feuer und rettet damit Mittelerde.
- Auswirkung: Frodo ist zum Helden geworden und bereit für neue Aufgaben.
Spannend an dieser Erzählweise ist der Verlauf. Das Endniveau liegt über dem Anfangsniveau. Was bewirkt das? Es fühlt sich für uns an wie ein Happy End. Deshalb zahlen Menschen Geld für Kinoerlebnisse.
Der Personaler ist wie ein Regisseur. Er will ein solches Happy End auch mit seinem „Unternehmensfilm“ erleben. Dafür braucht er die passende Besetzung. Deshalb machen wir Dein Bewerbungsschreiben mit der SAHRA-Erfolgsformel oscarreif. Sammle also Beispiele für Deine geforderten Kompetenzen und formuliere sie aus. Hier ein Beispiel, wie das für eine Biologin aussehen könnte.
Hast Du beim Lesen gedacht: „Was zum Teufel ist exprimieren?“ Dann ist das ein gutes Zeichen. Das Anschreiben hat den Floskeltest bestanden. Genau das fordert die Stellenanzeige der Biologin. Und genau das unterscheidet dieses Anschreiben von den vielen Bewerbungsschreiben nach Schema F.
Wie Du die SAHRA-Stories im Hauptteil einsetzt
Wir wissen, was Du jetzt denkst: „Wie bringe ich das alles in meinem Anschreiben unter?“ Ganz einfach: gar nicht. Wir müssen nicht alle Kompetenzen belegen. Wir müssen die Leserin nur neugierig genug machen, damit sie Dich einlädt.
Dafür brauchen wir meist nur drei Beispiele für Kompetenzen, die unseren Standpunkt untermauern. Das kennst Du aus der Werbung: „Dieses Waschmittel wäscht Ihre Wäsche weißer als weiß. Es rettet Ihre Ehe, und die Nachbarn werfen Ihnen neidische Blicke zu.“ Drei Argumente belegen, dass es gut ist, das Waschmittel zu kaufen. Das genügt meistens. Schon rennen wir los und kaufen es.
So ähnlich machen wir es auch für Dein persönliches Marketing. Wir brauchen drei SAHRA-Beweisstories für die geforderten Kompetenzen. Jede umfasst etwa 80 bis 100 Wörter. Die packen wir nacheinander ins Anschreiben. So sieht das Ganze dann aus.
Das war’s auch schon mit dem Hauptteil. Aus Erfahrung wissen wir, wie schwer dieser Aufbau vielen Bewerbern fällt. Deshalb helfen wir Dir gern. In unserem Bewerbungscoaching erarbeiten wir Deine SAHRA-Stories gemeinsam. So holst Du das bestmögliche Ergebnis heraus.
Der Schlusssatz im Bewerbungsschreiben
Kommen wir zum Schlusssatz. Manche Bewerber tragen am Ende des Anschreibens ganz dick auf. Nach einem überzeugenden Text stehen dann plötzlich alltagsfremde Formulierungen wie:
- „Freundliche Grüße übersendend verbleibe ich bis auf Weiteres.“
- „Hochachtungsvoll verbleibend übersende ich schöne Grüße.“
- „Verbindlichste Grüße“
Das klingt, als würde sich Goethe persönlich bewerben. Es weckt höchstens ein herzhaftes Lachen. Natürlich solltest Du nicht umgangssprachlich schreiben. Für die goldene Mitte merk Dir einfach: Der Ton muss zur Kultur des Unternehmens passen.
Im Anschreiben geht es nicht um Dein schönstes Ferienerlebnis. Es ist ein Verkaufstext. Es entscheidet mit über Deine Chancen auf die Stelle und Deine Gehaltsaussichten. Am Ende brauchen wir einen selbstbewussten Pitch. Wir fordern klar zur Einladung auf.
5 Beispiele für den Schlusssatz im Bewerbungsschreiben
- „Für weitere Informationen stehe ich Ihnen jederzeit gern zur Verfügung. Ich schätze Ihr Interesse sehr und freue mich, bald von Ihnen zu hören.“
- „Zögern Sie nicht und rufen Sie mich an.“
- „Sollten Sie Fragen haben, rufen Sie mich bitte an.“
- „Ich freue mich auf die Einladung zum persönlichen Kennenlernen.“ (empfohlen)
- „Gern ergänze ich weitere Details zu meiner Motivation und meinen Kompetenzen im persönlichen Gespräch.“ (empfohlen)
Der größte Fehler im Schlusssatz: Konjunktivitis
Der wohl häufigste Fehler am Ende eines selbstbewussten Bewerbungsschreibens ist der unterwürfige Konjunktiv. Er ist so verbreitet wie eine Krankheit. Deshalb sprechen wir von Konjunktivitis:
- „Ich wäre sehr dankbar für die Gelegenheit, Sie kennenzulernen.“
- „Über eine positive Rückmeldung würde ich mich freuen.“
- „Gern würde ich mich Ihnen persönlich vorstellen.“
Unser Tipp: Manche Bewerbungsratgeber empfehlen den Konjunktiv für Berufseinsteiger, Azubis, Praktikanten oder Aushilfen. Die hätten noch nicht genug zu bieten. Das sehen wir anders. Es gibt keine Entschuldigung für eine Bittstellerhaltung im Anschreiben. Du hast immer etwas zu bieten. Sei stolz darauf!
Die vergessene Geheimwaffe im Anschreiben: die PS-Zeile
Manchmal gibt es in der Bewerbung etwas Persönliches, das Du noch loswerden willst. Oder Du möchtest außerhalb des eigentlichen Textflusses etwas erklären oder anbieten. Aber wie und wo? Dafür eignet sich die PS-Zeile. Sie kommt ans Ende des Anschreibens, unter Deinen Namen und die eingescannte Unterschrift. Hier vier Beispiele:
- „PS: Vom 21.08. bis zum 10.09. bin ich urlaubsbedingt nur per E-Mail erreichbar. In dieser Zeit melde ich mich gern innerhalb von 24 Stunden zurück.“
- „PS: Zwischen dem 03.03. und dem 14.03. bin ich in Ihrer Region. Wenn gewünscht, biete ich Ihnen gern einen Tag Probearbeit an.“
- „PS: Ich habe mich mit Ihren Geschäftsberichten vertraut gemacht. Gern erläutere ich Ihnen meine Vorschläge beim persönlichen Kennenlernen.“
- „PS: In Ihrem XING-Profil nennen Sie Ihr Hobby: Fachliteratur über Hirnforschung. Dieses Thema interessiert mich seit fünf Jahren. Vielleicht ein guter Einstieg in ein spannendes Gespräch.“ (empfohlen)
Im Postskriptum kannst Du generell einen etwas lockereren Ton wählen. Damit zeigst Du Sympathie. Und im Zweifel gibst Du den nötigen Anstoß zur Einladung.
Gibt es so etwas wie einen Bullshit-Indikator fürs Anschreiben?
Ja, so etwas gibt es. Und Du kannst es recht einfach selbst testen. Die Qualität Deines Anschreibens folgt generell einer einfachen Formel.
Doch das ist nicht die einzige Qualitätsformel. Klingt Dein Text nicht nach konkretem Mehrwert für den Leser, sondern nach abstraktem Politikersprech? Dann ist der Bullshit-Indikator Deines Bewerbungsschreibens sehr hoch.
Lies Dein Anschreiben aufmerksam und kritisch durch. Dein Ziel ist immer, den Qualitätsindikator zu maximieren und den Bullshit-Indikator zu minimieren.
Vermeide Rechtschreib- und Grammatikfehler
Nicht nur der Inhalt zählt. Auch die Grammatik ist wichtig. Rechtschreibfehler gehören zu den häufigen Absagegründen. Oft riecht das Bewerbungsschreiben dadurch förmlich nach mangelnder Sorgfalt.
Flüchtigkeitsfehler signalisieren schnell: „Diese Kandidatin hat sich nicht die nötige Mühe gegeben. Unsere Position ist ihr nicht wichtig genug. Absage!“ Gerade bei Akademikern und in Unternehmensberatungen sind Fehler in Grammatik und Rechtschreibung oft ein schnelles Aus. Besonders bitter sind Fehler in genau dem Satz, in dem jemand seine perfekte Ordnung und Sorgfalt beteuert.
Magische Worte fürs Anschreiben
Gibt es so etwas wie magische Worte fürs Bewerbungsschreiben? Auch diese Frage beantworten wir mit Ja. Hier unsere Top 5 der wichtigsten Worte im Anschreiben:
- „Sie“: Weiter oben ging es schon um die Bedeutung der Empfängerorientierung. Bist Du fertig mit Deinem Anschreiben? Dann starte die Wortsuche, am PC mit „Strg + F“ und am Mac mit „Command + F“. Suche nach „Sie“ und zähle die Treffer. Dann suche nach „Ich“. Es wird Dich erschrecken, wie viel häufiger „Ich“ vorkommt. Wo immer Du den Empfänger würdigen kannst, tu es.
- „Schnell“: Oft brauchen Unternehmen schnell neue Mitarbeitende. Gerade wenn der bisherige Stelleninhaber plötzlich gekündigt hat oder versetzt wurde. Die Möglichkeit eines schnellen Einstiegs entscheidet öfter über Einstellung oder Absage, als Du denkst.
- „Ergebnisse“: Hältst Du Dich an die SAHRA-Erfolgsformel, hast Du hier einen klaren Vorteil gegenüber anderen Bewerbern. Dabei geht es immer auch um Resultate. Mach Deine Ergebnisse messbar, dann bist Du noch einen Schritt weiter.
- „Verbessern“: Das Unternehmen investiert in Dich wie in eine Aktie. Bei einer Aktie willst Du wissen, ob der Trend nach oben geht. Recruiter wollen das bei Dir auch sehen. Zeig also, was Du in der Vergangenheit schon verbessert hast. Mach klar, dass das erst der Anfang war. Deine Aktie hat ihren Höchststand noch längst nicht erreicht. Das ist besonders wichtig, wenn Du schon viele Jahre Berufserfahrung hast. Bewerber mit 50 plus fürchten oft, dass man ihnen weniger Motivation als Jüngeren unterstellt.
- „Leicht“: Die anstehenden Aufgaben wirken für Dich idealerweise wie eine Selbstverständlichkeit. Je leichter es für Dich wirkt, dem Unternehmen zu Top-Ergebnissen zu verhelfen, desto glaubwürdiger ist es: Die Investition in Dich lohnt sich.
Bonuswort 1: „Belege“. Im Verlauf dieses Leitfadens ist Dir sicher klar geworden: Behauptungen sind wertlos. Wo immer wir können, nutzen wir Belege. Das ist wie beim Kauf eines neuen Fernsehers. Geht er kaputt, hilft Dir nur der aufbewahrte Kassenbon.
Bonuswort 2: „weil“. So komisch es klingt: Ein Grund wirkt oft Wunder. „Ich muss hier mal ran“ klingt unfreundlich. Und wie wirkt „Ich muss hier mal ran, weil ich es ganz eilig habe“? Die meisten Menschen nehmen das deutlich positiver wahr. Wo immer wir können, geben wir also Gründe für unsere Aussagen an. „Ich bin die Richtige für Sie, weil …“
Wird mein Bewerbungsschreiben von einer Software durchsucht?
Viele größere Unternehmen nutzen sogenannte Parsing-Systeme. Damit gleichen sie die Anforderungen der Stelle mit Deinen Unterlagen ab. Neben den magischen Worten sollten also auch die passenden Schlüsselbegriffe aus der Stellenanzeige in Deiner Bewerbung stehen. Das System zeigt dann an, wie gut Du und die Stelle zusammenpassen.
Wohin kommt das Bewerbungsschreiben bei der E-Mail-Bewerbung?
Wohin kommt das Anschreiben, wenn Du Dich per E-Mail bewirbst? Solltest Du es direkt in die E-Mail setzen? Hier streiten sich die Gelehrten. Unsere Antwort: Schreib in die E-Mail nur einen ganz kurzen Hinweis auf den Anhang mit dem vollständigen Bewerbungsschreiben.
Der Grund ist einfach: Deine fertige Bewerbung ist ein Gesamtkunstwerk. Nimmst Du Teile heraus und zerstückelst das Ganze, geht die Wirkung des Konzepts verloren.
Schreibt man in der Anrede im Briefkopf noch „zu Händen“?
Die Floskel „z. Hd.“ oder „zu Händen“ verwendet man heute nicht mehr. Stattdessen schreibst Du im Briefkopf nur noch den Namen der Ansprechperson.
Achte dabei unbedingt auf das „n“ bei „Herrn“. Im Briefkopf heißt es also nicht „Herr Schmidtke“, sondern „Herrn Schmidtke“. Bei der weiblichen Form gibt es nichts zu beachten.
Hier noch ein Hinweis auf einen häufigen und oft unverzeihlichen Fehler. Hast Du den Briefkopf angepasst, prüfe sofort die Anrede. Oft passen Bewerber nach dem „Sehr geehrte …“ zwar den Namen an. Im Eifer übersehen sie aber, dass der Ansprechpartner ein Mann ist. Es sollte also weder „Sehr geehrte Frau Schmidtke“ heißen noch, was häufiger passiert, „Sehr geehrte Herr Schmidtke“.
Auf nichts reagieren Menschen so stark wie auf den eigenen Namen. Achte deshalb auch bei Unisex-Vornamen auf die richtige Anrede. Ist Toni Schuster ein Mann oder eine Frau? Ähnlich ist es bei Kaj, Nicola oder Patrice. Im Zweifel such im Netz nach der Person samt Unternehmen. Meist wirst Du bei LinkedIn oder XING schlauer und umgehst einen peinlichen Fauxpas.
An welche Stelle kommt das Anschreiben in den Bewerbungsunterlagen?
Die Antwort auf diese scheinbar einfache Frage steht in unserem Artikel über die komplette Bewerbung mit Mustern und Vorlagen.
Kommt am Ende des Anschreibens noch das Wort „Anlagen“?
Nach DIN 5008 kannst Du es dorthin schreiben. Hältst Du Dich an unsere Empfehlungen, baust Du die gesamte Bewerbung aber ohnehin etwas intuitiver auf. Dann entfällt dieser Hinweis.
Sollte ich Vorlagen für das Bewerbungsschreiben verwenden?
Uns geht es als Coaches genauso wie Personalern. Eines fällt uns in den ersten Sekunden auf: Hat jemand ein Musteranschreiben genutzt? Für Recruiter ist das oft ein sofortiges K.-o.-Kriterium. Im Coaching können wir zum Glück noch daran arbeiten.
Dein Anschreiben muss perfekt zur Branche, zum Unternehmen und zur Position passen. Verwende auf keinen Fall kopierte Standardanschreiben, allgemeine Vorlagen oder Muster. Nutze Muster höchstens als Anregung für den Aufbau. Mach Dir klar: Eine starke Selbstpräsentation im Anschreiben ist das Rückgrat für einen überzeugenden Auftritt im Vorstellungsgespräch.
Wie lang sollte mein Anschreiben sein?
Zum Umfang des Anschreibens haben wir eingangs schon etwas gesagt. Zusammengefasst: Es gibt fast keinen Grund für ein Bewerbungsschreiben, das länger als eine Seite ist. Halte Dich an die Regel: „Es kann nicht wichtig sein, wenn es nicht auf eine Seite passt.“ Ein bekannter Satz über Filme lautet: Geschichten sind wie das Leben ohne die langweiligen Stellen.
Also lass die langweiligen Stellen weg und hau den Leser mit den Höhepunkten vom Hocker. Das Bewerbungsschreiben hat nur ein Ziel. Der Entscheider soll Dich unbedingt näher kennenlernen wollen. Die Details klärst Du dann im Vorstellungsgespräch.
Sollte ich meinen Gehaltswunsch angeben?
Grundregel: Wird es nicht ausdrücklich gefordert, lass Gehaltsforderungen weg. Ansonsten helfen Dir diese Formulierungen:
- „Ein Jahresgehalt von 45.000 € brutto empfinde ich als fair.“
- „Bei meinen Kompetenzen halte ich ein Jahresbruttogehalt von 40.000 € für realistisch.“
- „Meine Gehaltsvorstellung liegt je nach konkreter Tätigkeit zwischen 40.000 und 45.000 Euro im Jahr.“
Deine Gehaltserwartung gibst Du in der Regel als Jahresbetrag und als Bruttowert an. Tipps für das richtige Vorgehen findest Du in unserem Ratgeber zur Gehaltsverhandlung.
Du willst Dein Bewerbungsschreiben nicht allein schreiben? In unserem Bewerbungscoaching arbeiten wir an Anschreiben mit Storytelling nach der SAHRA-Formel, am Lebenslauf und am Vorstellungsgespräch. Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
