Willst Du Deine Mitarbeitenden schulen? Hast Du vielleicht eine neue Auszubildende und überlegst, wie Du sie am besten förderst? Oder stellst Du einen etwas älteren Mitarbeiter ein? Wie bringst Du ihm am besten die neue Technik bei? Hier erklären wir Dir, wie Du herausfindest, mit welchem Lerntyp Du zusammenarbeitest. Und wie Du dieses Wissen als Chef oder Chefin einsetzt. Außerdem zeigen wir, welche Motive es zum Lernen gibt.
Die Frage der Motivation
Willst Du Deine Schulung oder Dein Coaching gut aufbauen? Dann musst Du zuerst verstehen, wie und warum Erwachsene lernen. In der Schule verlernen viele Menschen leider ihre natürliche Neugier. Sie lernen dann nur noch, weil sie müssen. Lernen bei Erwachsenen folgt daher einigen Regeln, die Du kennen solltest. Neben dem Lerntyp zählt auch die Motivation zum Lernen. Hier gibt es vier Säulen des Lernens:
- Die innere Motivation. Bei Erwachsenen kommt die Motivation meist eher von innen als durch äußeren Druck.
- Lebenserfahrung und Wissen. Kinder bringen weniger Vorwissen mit. Erwachsene wollen an das anknüpfen, was sie schon können.
- Problemlösung. Erwachsene lernen vor allem, um danach ein Problem zu lösen oder eine neue Aufgabe zu übernehmen. Einfach aus Interesse oder für eine Prüfung lernen sie seltener. Wissen muss also einen praktischen Nutzen haben.
- Wertschätzung und Anerkennung. Erwachsene lernen Neues, um Anerkennung für neue Fähigkeiten zu bekommen.
Ein Praxisbeispiel
Aus den vier Säulen ergeben sich wichtige Punkte für den Ablauf einer Schulung. Stell Dir vor, Du hast eine neue Auszubildende, Sarah. Ihr überlegt gemeinsam, wie sie alle Bereiche des Unternehmens und ihre Aufgaben möglichst gut kennenlernt.
Statt ihr wie in der Schule einfach Aufgaben zu geben, fragst Du: „Sarah, was sind Deine Ziele für die nächsten Monate?“ So motivierst Du sie, sich selbst Ziele zu setzen. Sie erfüllt dann nicht nur stumpf Aufgaben. Wie gute Ziele aussehen, zeigt der Ratgeber zu SMART-Zielen.
Außerdem ist der Austausch mit anderen Mitarbeitenden sehr wichtig. So lernt Sarah von deren Erfahrung und bringt ihre eigene ein. Sie merkt, dass sie schon etwas Wichtiges gelernt hat. Das gibt ihr Selbstvertrauen, weil sie auf diesem Wissen aufbauen kann.
Eure Ausgangsbasis sollte ein Problem oder eine neue Aufgabe sein. Könnte Sarah ein Projekt übernehmen, wenn sie bestimmte neue Fähigkeiten gelernt hat? Oder darf sie bei der Lösung eines Problems helfen? Die Aussicht auf Anerkennung und Teilhabe motiviert.
Mach ihr klar, dass sie jederzeit ihre Meinung sagen und Fragen stellen darf. Sag nicht: „Deine Meinung ist falsch!“ Sag lieber: „Ich verstehe Deinen Ansatz, Sarah. Ich erkläre Dir noch ein paar Punkte, dann verstehst Du, wie ich es meine.“ Interessiere Dich für die Interessen Deiner Auszubildenden. Egal welcher Lerntyp: Menschen brauchen beim Lernen Verständnis und Wertschätzung. Mehr dazu liest Du im Ratgeber Feedback geben.
So erkennst Du den Lerntyp Deiner Angestellten
Im nächsten Schritt findest Du heraus, welcher Lerntyp Sarah ist. So nutzt ihr die Zeit möglichst gut. Ein verbreitetes Modell unterscheidet vier Lerntypen. Dabei sollte klar sein, dass kein Mensch einfach in eine Schublade passt:
- visuell lernende Menschen
- auditiv lernende Menschen
- kommunikativ lernende Menschen
- kinästhetisch oder motorisch lernende Menschen
Der visuelle Lerntyp
Lernt Sarah visuell, lernt sie vor allem durch Zuschauen. Sie sagt dann Sätze wie „Zeigen Sie mir bitte mal, wie XYZ funktioniert.“ Oder: „Sehen wir uns diese Zahlen doch einmal an.“ An solchen Sätzen erkennst Du, welchen Schwerpunkt Du setzen solltest. Verbinde ein Coaching oder eine Lernstunde dann vor allem mit Bildern, Grafiken und Handouts. Diese inneren Bilder behält sie besser und prägt sich das Gelernte leichter ein.
Der auditive Lerntyp
Lernt Sarah auditiv, lernt sie durch Zuhören. Sie fragt dann etwa: „Könnten Sie mir die folgenden Zahlen einmal erläutern?“ Oder: „Könnten Sie mir einmal XYZ erklären?“ Hier baust Du Deine Anleitung am besten als Vortrag auf. Was sie hört, merkt sie sich leichter. Vielleicht kannst Du auch passende Podcasts einbinden.
Der kommunikative Lerntyp
Der auditive Lerntyp hängt eng mit dem kommunikativen zusammen. Sarah lernt dann nicht gern allein und bespricht Dinge lieber. In Meetings geht sie voll auf und bringt ihre Ideen ein. Lass sie viel mit anderen diskutieren, damit sie durch den Austausch lernt.
Der kinästhetische Lerntyp
Kinästhetisch oder motorisch Lernende sind Macher. Sarah lernt dann am besten durch Ausprobieren. Das erkennst Du an Sätzen wie „Lassen Sie mich das einmal probieren.“ Oder: „Darf ich das selbst einmal versuchen?“ Dann wirfst Du Sarah am besten ins kalte Wasser und lässt sie Erfahrungen sammeln. Natürlich fängt sie mit kleinen Aufgaben an, bei denen kein großes Chaos entstehen kann. So tastet sie sich nach und nach an größere Projekte heran und arbeitet leichter mit.
Wie verlässlich sind Lerntypen?
Lerntypen sind ein beliebtes Hilfsmittel. Die Forschung hat aber bisher nicht belegt, dass Menschen besser lernen, wenn der Unterricht genau auf ihren Lerntyp zugeschnitten ist. Das zeigte etwa eine viel zitierte Übersichtsarbeit von Harold Pashler und Kollegen aus dem Jahr 2008. Nutze die Lerntypen deshalb als Gesprächsanlass und Orientierung, nicht als festes Etikett. Abwechslung zwischen Zeigen, Erklären, Besprechen und Ausprobieren hilft meist allen.
Du willst Dein Team gezielter entwickeln und Deine Rolle als Führungskraft stärken? Im Führungskräftecoaching schauen wir gemeinsam darauf. Bist Du neu in der Führungsrolle, lies auch den Ratgeber Vom Kollegen zum Vorgesetzten.
Fazit zur Arbeit mit Lerntypen
Achtest Du auf diese Tipps, findest Du nicht nur heraus, wie Dein Mitarbeiter oder Deine Auszubildende lernt. Du kannst auch besser einschätzen, welcher Lerntyp Du selbst bist. Packst Du Dinge immer sofort an und hast eher handwerkliche Hobbys? Dann gehörst Du vermutlich zum kinästhetischen Lerntyp. Schreibst Du viel mit und malst Dir Grafiken auf? Dann lernst Du visuell.
Hilft Dir vor allem der persönliche Austausch, um Deine Gedanken zu sortieren? Dann gehörst Du zu den kommunikativ Lernenden. Du lernst nebenbei, wenn Du einem Vortrag lauschst oder einen Podcast hörst? Dann bist Du eher der auditive Lerntyp. Wer es genauer wissen will, findet online zum Beispiel den VARK-Fragebogen zu Lernvorlieben.
Dieses Wissen kannst Du auch im Job ansprechen, wenn Du selbst Auszubildender oder neue Mitarbeiterin bist. Natürlich muss eine Schulung nicht komplett auf einem Lerntyp aufbauen. Erstens klappt das gar nicht immer. Zweitens entwickelt ihr euch beide weiter, wenn ihr auch andere Lernwege ausprobiert. Ein Schwerpunkt auf dem Lerntyp Deines Gegenübers spart euch aber viel Zeit. Eure Energie fließt dann in neue Ziele.
Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
