Überall, wo Menschen miteinander sprechen, kann es Streit geben. Besonders im Job ist es aber wichtig, den richtigen Ton zu treffen und respektvoll zu bleiben. Gewaltfreie Kommunikation kann dabei helfen. Hier erklären wir Dir, wie sie funktioniert und woher der Ansatz kommt.
Wie die Gewaltfreie Kommunikation entstanden ist
Marshall B. Rosenberg war ein amerikanischer Psychologe. Mit seinem Konzept der Gewaltfreien Kommunikation reagierte er auf die Bürgerrechtsbewegung in den USA. Zunächst arbeitete er in Projekten gegen die Rassentrennung, vor allem an Schulen. Später gründete Rosenberg eine gemeinnützige Organisation. Mit ihr bot er international Trainings zur Gewaltfreien Kommunikation an.
Heute wird die Gewaltfreie Kommunikation in Therapie, Schule und Wirtschaft genutzt. Sie hilft bei Diskussionen, Verhandlungen und emotional aufgeladenen Gesprächen. Oft wird sie mit GfK abgekürzt.
Die vier Schritte für Gewaltfreie Kommunikation
Bei der GfK geht es vor allem darum, Dich empathisch auf Dein Gegenüber einzulassen. Gerade im Konflikt verzichtest Du auf Schuldzuweisungen. Im Mittelpunkt steht, die eigenen Bedürfnisse zu nennen und die Bedürfnisse der anderen Person zu verstehen. Dann sucht ihr gemeinsam eine Lösung. Dafür verzichten beide Seiten komplett auf Beleidigungen, Drohungen oder emotionale Erpressung. Die GfK läuft in vier Schritten ab.
1. Beobachtung: die Fakten ohne Urteil
Im ersten Schritt gibst Du völlig urteilsfrei die Faktenlage wieder, also den Ist-Zustand. Gefühle haben hier noch nichts verloren. Motz Deinen Kollegen oder Deine Kollegin also nicht an: „Nie unterstützt Du mich bei dem Projekt!“ Sag stattdessen: „In den letzten zwei Wochen habe ich deutlich mehr an unserem gemeinsamen Projekt gearbeitet.“
2. Gefühl: was das Verhalten bei Dir auslöst
Jetzt darfst Du die Gefühle äußern, die dieses Verhalten bei Dir auslöst. Achte darauf, respektvoll zu bleiben und nur über Dich zu sprechen. Sag nicht: „Dein rücksichtsloses Verhalten lässt mich vor Wut toben!“ Besser ist: „Ich fühle mich dadurch wenig wertgeschätzt und allein gelassen.“
3. Bedürfnis: was Du Dir wünschst
Im nächsten Schritt geht es um Dein Bedürfnis, also Deinen Wunsch an Dein Gegenüber. Frag Dich vorher selbst, was Du in dieser Situation brauchst. Das ist manchmal gar nicht so leicht. In unserem Beispiel wünschst Du Dir mehr Anerkennung und Unterstützung. „Ich wünsche mir, dass Du anerkennst, wie viel Arbeit ich in das Projekt stecke. Und ich wünsche mir Deine Unterstützung.“
4. Bitte: eine konkrete Vereinbarung
Zuletzt formulierst Du eine konkrete Bitte, wie sich Dein Gegenüber künftig verhalten soll. Wie genau wünschst Du Dir Anerkennung und Unterstützung? Du könntest zum Beispiel sagen: „Können wir unsere Termine so abstimmen, dass wir jeden Tag eine Stunde gemeinsam am Projekt arbeiten?“
Such immer nach einer konkreten Lösung. Sprecht auch darüber, was passiert, wenn die Vereinbarung nicht eingehalten wird. Es geht nicht darum, dass Du am Ende doch wieder allein dastehst. Es geht aber auch nicht darum, dass Dein Gegenüber alle eigenen Pläne und Bedürfnisse über den Haufen wirft.
Eine Win-win-Lösung könnte so aussehen: Die andere Person meldet sich rechtzeitig, wenn ihr etwas dazwischenkommt. Dann teilt ihr die Aufgaben auf. Sie arbeitet ihren Teil später nach, damit ihr am nächsten Tag gemeinsam weitermachen könnt. Hier ist vor allem Empathie gefragt.
Die Formel zum Merken
Rosenbergs Methode lässt sich sinngemäß in einem Satz zusammenfassen:
Wenn ich A sehe (Beobachtung), dann fühle ich B (Gefühl), weil ich C brauche (Bedürfnis). Deshalb möchte ich jetzt gern D (Bitte).
GfK im Job: ein Beispiel komplett
So klingt das Projektbeispiel in einem Stück:
- Beobachtung: „In den letzten zwei Wochen habe ich deutlich mehr am Projekt gearbeitet als Du.“
- Gefühl: „Ich fühle mich dadurch wenig wertgeschätzt und allein gelassen.“
- Bedürfnis: „Mir sind Anerkennung und eine faire Aufteilung wichtig.“
- Bitte: „Können wir jeden Tag eine Stunde gemeinsam daran arbeiten?“
Wichtig: Sprich in Ich-Botschaften und bleib bei Deinen eigenen Gefühlen. Das gilt auch, wenn Du Kritik äußerst. Tipps dazu findest Du in unserem Ratgeber Feedback geben und annehmen. Wie Du größere Konflikte im Team löst, liest Du im Ratgeber zum Konfliktmanagement.
Welche Vorteile hat Gewaltfreie Kommunikation?
Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand. Trotzdem haben wir Dir ein paar Vorteile aufgelistet. So überzeugst Du nicht nur Dich, sondern gleich Dein ganzes Team, den Ansatz öfter im Alltag zu nutzen. Denn Du …
- hast selbst weniger Stress und Ärger.
- lernst Deine eigenen Bedürfnisse besser kennen und verstehst, was dahintersteht. Dann kannst Du sie auch besser ausdrücken.
- stehst zu dem, was Dir wichtig ist.
- entwickelst mehr Empathie und lässt Dich auf die Sichtweisen anderer ein.
- baust nach und nach Vorurteile ab.
- kommunizierst klarer, und es gibt weniger Missverständnisse.
- findest schneller gemeinsame Lösungen mit anderen.
- bist ein Vorbild für Dein ganzes Umfeld.
Du willst als Führungskraft Konfliktgespräche sicherer führen? Dann unterstützen wir Dich im Führungskräftecoaching. Geht es eher um Deine eigene berufliche Situation, hilft unsere Karriereberatung. Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
