Februar 22

Nonverbale Kommunikation: Wie Du Mimik und Gestik besser verstehst

0  comments

Wahrscheinlich hast Du schon in der Schule gehört, dass nonverbale Kommunikation einen großen Teil unserer Kommunikation ausmacht. Aber woraus besteht sie eigentlich? Lässt sie sich so steuern wie Worte? Und wie liest Du, was Dein Gegenüber Dir nicht mit Worten mitteilt? Das erklären wir Dir hier an einem Praxisbeispiel.

Nonverbale Kommunikation im Gespräch

Was ist nonverbale Kommunikation?

Schon vor dem ersten Satz senden wir nonverbale Signale. Fast alles, was wir tun, wirkt automatisch auf andere, ob wir wollen oder nicht. Von Paul Watzlawick stammt der bekannte Satz: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Ganz genau stimmt er nicht.

Vieles, was wir im Alltag Kommunikation nennen, ist eigentlich Verhalten. Doch auch Verhalten sagt viel aus. Manches davon ist bewusst. Vieles ist unbewusst und erst recht ungewollt. Überhaupt keine Signale zu senden, ist aber nicht möglich.

Nonverbale Kommunikation besteht zum Beispiel aus Mimik und Gestik, Auftreten, Haltung und Gang. All diese Signale deuten wir. Oft stecken wir Menschen dabei intuitiv schnell in eine Schublade.

Unser verbales Verhalten haben wir gelernt, deshalb können wir es gut steuern. Viele nonverbale Signale laufen dagegen unbewusst ab und sind schwerer zu steuern. Nach außen können wir freundlich auftreten, weil wir das gelernt haben. Die Teile von Gestik und Mimik, die wir nicht steuern, zeigen aber, wie es uns wirklich geht.

Mimik und Gestik

Mimik und Gestik sind die größten Bausteine der nonverbalen Kommunikation. Deshalb stellen wir sie einzeln vor. Danach zeigen wir Dir im Praxisbeispiel, wie Du Mimik und Gestik deutest.

Mimik

Mimik sind die Bewegungen unserer Gesichtsmuskeln, die durch Emotionen entstehen. Unser Gesicht zeigt Emotionen sofort, wenn wir sie nicht unterdrücken. Der Psychologe Paul Ekman unterscheidet sieben Basisemotionen:

  • Freude
  • Angst
  • Trauer
  • Wut
  • Überraschung
  • Verachtung
  • Ekel

Diese Gefühle sind mit typischen Gesichtsausdrücken verbunden. Unsere nonverbale Kommunikation baut stark auf ihnen auf. Siehst Du nach langer Zeit eine gute Freundin wieder, strahlst Du über das ganze Gesicht, oder?

Genauso schnell sieht Deine Schwiegermutter in Deinem Gesicht, wenn Dir ihr Essen nicht schmeckt. Egal, wie breit Du lächelst. Emotionen entstehen automatisch. Ob wir sie empfinden, können wir kaum beeinflussen. Wir können nur entscheiden, ob wir sie zeigen.

Unser Gehirn erkennt gut, ob Worte und nonverbaler Ausdruck zusammenpassen. Das nennt man Kongruenz. Ist die Kommunikation inkongruent, merken wir schnell, dass jemand nicht ehrlich zu uns ist. Wichtig ist also oft gerade das, was nicht ausgesprochen wird.

Gestik

Kommen wir zur Gestik. Auch hier geht es um Bewegungen, allerdings mit Händen, Armen oder dem ganzen Körper. Es gibt zwei Arten von Gesten.

Illustratoren sind bewusste Bewegungen, die das Gesagte unterstützen und verstärken. Freust Du Dich, jemanden zu sehen, öffnest Du Deine Haltung. Vielleicht streckst Du die Arme aus, um die Person zu umarmen. Mit Illustratoren wirkst Du sicherer, und Deine Worte kommen leichter an.

Adaptoren sind unbewusste, kleine Gesten, die uns oft unangenehm sind. Das ist bei jedem Menschen anders. Sicher kennst Du Situationen, in denen sich jemand oft den Nacken kratzt. Oder über die Nase fährt, die Nasenspitze berührt oder sich die Schläfen massiert. Oft fühlt sich die Person dann unwohl.

Ein Praxisbeispiel für nonverbale Kommunikation

Bewerbungsgespräch: Mimik und Gestik deuten

Im folgenden Beispiel zeigen wir Dir, wie Dir Mimik und Gestik helfen, andere besser einzuschätzen. Angenommen, Du bist Vorgesetzter oder Vorgesetzte in einem Vorstellungsgespräch. Natürlich wollen alle Kandidaten sofort überzeugen. Schließlich haben wir alle gelernt: „Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck.“

Der erste Bewerber heißt Jannis. Er kommt geduckt in den Raum, die Hände in den Hosentaschen, den Blick gesenkt. Dein erster Gedanke: Der hat bestimmt keine Lust auf den Job. Dann kommt Thomas. Er geht sehr beschwingt, hebt das Kinn hoch und schaut die anderen kaum an. Er wirkt arrogant. Zuletzt kommt Nina. Sie wirkt freundlich, lächelt und nickt den beiden Männern zu.

Hat jemand einen guten ersten Eindruck gemacht, verzeihen wir ihm Schwächen. Bei Nina siehst Du vielleicht darüber hinweg, dass sie ihre Unterlagen nicht mehr ausdrucken konnte. War der erste Eindruck schlecht, werden wir schnell hellhörig. Unser Gehirn vergleicht neue Situationen mit gespeicherten Erinnerungen.

Prüfe deshalb, warum Dein erster Eindruck „Hier stimmt etwas nicht“ oder „Alles super“ war. Der erste Eindruck kann täuschen. Wir unterstellen Menschen dann zu Unrecht etwas oder lassen uns naiv blenden. Genau das willst Du vermeiden.

So deutest Du nonverbale Merkmale richtig: Achte auf kurze, feine Gefühlssignale. Vergleiche dann, was Du hörst, mit dem, was Du siehst. Passen Worte, Gestik und Mimik nicht zusammen, stimmt wahrscheinlich etwas nicht. Entweder belügt sich die Person selbst, oder sie belügt Dich.

Verstehe die Mimik

Gefühle selbst können wir kaum steuern, nur ihr Unterdrücken. Genau das versuchen Jannis und Thomas. Sie verändern ihren Gesichtsausdruck absichtlich. Das klappt nicht mit allen Teilen des Gesichts, denn manche Muskeln brauchen dafür viel Übung. Das zeigt sich beim „falschen Lächeln“. Anders als beim echten Lächeln bewegen sich bestimmte Muskeln nicht, und die Augen lachen nicht mit.

Thomas lächelt seltsam. Dein erster Eindruck bestätigt sich also. Du fragst ihn nach seinen Zukunftsplänen im Unternehmen. Er spricht dynamisch und wirkt von sich überzeugt. Aber sein Blick wandert durch den Raum. Er schaut oft nach unten und hält Deinem Blick nicht stand.

Vieles spricht dafür, dass er selbst nicht überzeugt ist von dem, was er erzählt. Er wirkt wie ein Blender, und beim Nachfragen bestätigt sich Deine Intuition. Vielleicht passt er nur halb so gut zur Stelle, wie er vorgibt. Er macht sich wichtig, um nicht angreifbar zu sein.

Hätte er wirklich einen Plan, würde er Dir in die Augen schauen. Bei seinen Visionen würde er vielleicht kurz in die Ferne blicken. Als sähe er seine Zukunft schon vor sich.

Verstehe die Gestik

Fühlst Du Dich in einem Gespräch sicher und wohl, wird Deine natürliche Gestik automatisch lebhafter. Daran erkennst Du auch, ob sich Dein Gesprächspartner wohlfühlt.

Oben haben wir die Adaptoren vorgestellt, also kleine Gesten, die Unbehagen verraten. Genau das passiert Jannis im Gespräch. Er wippt ständig mit dem Fuß und kratzt sich immer wieder an der Nase. Neben solchen Selbstadaptoren gibt es auch Objektadaptoren.

Jannis spielt zum Beispiel ununterbrochen mit dem Kugelschreiber. All das deutet darauf hin, dass er sehr nervös ist. Dein erster Eindruck stimmte also teilweise. Aber Jannis ist nicht lustlos. Er wirkt eher völlig überfordert. Bringt ihn schon das Vorstellungsgespräch so aus der Fassung, passt er vielleicht nicht zu einem Job mit viel Druck.

Bei Nina passen Mimik, Gestik und Worte zusammen. Sie wirkt nicht aufgesetzt, ihr Lächeln ist echt, und sie weiß, was sie will. Das zeigt sie mit Blickkontakt und natürlichen Handbewegungen. Es scheint, als hättest Du Deine neue Mitarbeiterin gefunden. Mehr zur Körpersprache allgemein liest Du in unserem Artikel Körpersprache deuten.

Wie Du Missverständnissen aus dem Weg gehst

Im Beispiel wirkte Nina wie die perfekte Kandidatin, die beiden Männer eher unpassend. Trotzdem hätten Thomas und Jannis manches anders machen können. Vielleicht haben sie auch nur aus Nervosität einen falschen Eindruck vermittelt. Deshalb bekommst Du zum Schluss drei Tipps. Damit sendet Dein Körper keine Signale, die Du gar nicht senden willst.

1. Haltung bewahren

Achte darauf, was Dein Kopf macht. Drehst Du ständig den ganzen Kopf und schaust Dich überall um, wirkst Du schnell abgelenkt oder gelangweilt. Auch Arroganz kann Deine Kopfhaltung ausdrücken, so wie bei Thomas.

Die Körperhaltung ist genauso wichtig. Je nachdem, wie Du sitzt, wirkst Du schnell ungeduldig oder gelangweilt. Setz Dich deshalb aufrecht hin und lass Dich nicht hängen.

2. Abstand halten

Mit zu wenig Abstand fällst Du schnell unangenehm auf. Gehst Du zu offen auf Menschen zu, umarmst eine fremde Person oder setzt Dich ungefragt direkt neben jemanden? Dann wirkst Du meist aufdringlich. Hältst Du dagegen sehr viel Abstand, wirkt das ebenfalls befremdlich.

Finde je nach Beziehung zum Gegenüber ein gutes Gefühl für Nähe und Distanz. Du merkst es daran, dass das Gespräch natürlich fließt und nicht ins Stocken gerät.

3. Der Chamäleon-Effekt als Geheimtipp

Übernimmst Du Mimik und Gestik Deines Gegenübers, wirkst Du oft sympathischer. Beobachte also, ob die andere Person zum Beispiel öfter eine bestimmte Handbewegung macht. Bau diese Geste dezent in Deine natürlichen Bewegungen ein. Dann wirkst Du auf die Person schnell vertrauter. Übertreib es aber nicht, sonst wirkt es wie Nachäffen.

Nonverbale Signale im Vorstellungsgespräch

Im Vorstellungsgespräch achten Personaler genau auf Deine nonverbalen Signale. In unserem Bewerbungscoaching üben wir Deine Selbstpräsentation in einem Probelauf. Du bekommst Feedback aus Personalersicht, auch zu Mimik, Gestik und Haltung.

Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.


Tags


You may also like

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}