Tabellarischer Lebenslauf: Aufbau, Beispiele und Tipps
Ein tabellarischer Lebenslauf zeigt Deine Stationen in übersichtlicher Tabellenform. Du baust ihn umgekehrt chronologisch auf, also mit der aktuellen Station zuerst. Er sollte höchstens zwei Seiten lang sein. Neben Aufgaben gehören auch messbare Erfolge hinein. Eine klare Formatierung hilft der Personalerin, das Wichtigste schnell zu erfassen.
In diesem Ratgeber erfährst Du, welche Abschnitte in den Lebenslauf gehören und wie Du ihn formatierst. Du bekommst ein Beispiel zum Anpassen. Und Du liest, wie Du mit Foto, Hobbys, Lücken und Abbrüchen umgehst.
Was ist ein tabellarischer Lebenslauf?
Vergiss für einen Moment, was Du über Lebenslauf-Vorlagen weißt. Früher schrieb man den Lebenslauf von Hand und im Fließtext. Man beschrieb in eigenen Worten, was man bisher gemacht hatte und warum. Kompetenz und Motivation steckten also direkt im Lebenslauf.
Heute gehört die Motivation vor allem ins Motivationsschreiben. Dort klärst Du das Warum Deiner Bewerbung. Der Lebenslauf beantwortet dagegen das Was:
- Was habe ich bisher gemacht, das für die Stelle wichtig ist?
- Was kann ich, das für die Stelle gebraucht wird?
- Was habe ich schon erreicht?
- Welche fachlichen und persönlichen Fähigkeiten bringe ich mit?
Der Lebenslauf ist heute fast immer wie eine Tabelle aufgebaut. Links stehen die Zeiträume, rechts die Stationen. Deshalb spricht man vom tabellarischen Lebenslauf. An ihm misst die Personalerin vor allem Dein Können. Im Folgenden erfährst Du, wie Du dieses Können optimal zeigst.
Beispiel: tabellarischer Lebenslauf
So kann der Aufbau aussehen. Alle Angaben sind Platzhalter.
Lebenslauf
[Vorname Nachname] · [Straße Nr.] · [PLZ Ort] · [Telefon] · [E-Mail] · [LinkedIn-Profil]
Beruflicher Werdegang
03/2022 bis heute
Projektmanagerin Marketing
[Firma], [Ort]
- Leitung von 7 Kampagnen mit einem Budget von insgesamt [Betrag]
- Steigerung der Anfragen über die Website um [Zahl] Prozent in einem Jahr
- fachliche Führung von 2 Werkstudierenden
09/2019 bis 02/2022
Junior Marketing Managerin
[Firma], [Ort]
- Betreuung der Social-Media-Kanäle und des Newsletters
- Aufbau eines monatlichen Reportings für die Geschäftsführung
Ausbildung
10/2015 bis 08/2019
Bachelor of Arts Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Marketing
[Hochschule], [Ort], Abschlussnote [Note]
Kenntnisse
- Sprachen: Deutsch (Muttersprache), Englisch (C1), Spanisch (B1)
- Software: [Programme], zum Beispiel Office, CRM- oder Analyse-Tools
Engagement und Interessen
- Kassenwartin im Sportverein seit 2020
- Laufen, Fotografie
[Ort], [Datum]
Warum umgekehrt chronologisch?
Früher war der Lebenslauf nicht nur handschriftlich, sondern auch chronologisch. Er begann mit der Schulzeit. Der Leser fragte sich dabei unweigerlich: „Wann wird es endlich spannend?“ Manche Lebensläufe lasen sich wie eine Sitzung beim Therapeuten. Alles fing mit der vierten Klasse an.
Im schlimmsten Fall stolperte die Entscheiderin gleich am Anfang über eine abgebrochene Ausbildung oder eine Station ohne Bezug zur Stelle. Dann war der gute Eindruck schnell dahin. Für den ersten Blick auf einen Lebenslauf nehmen sich Personaler oft nur kurz Zeit. Mach es ihnen leicht und zeig die Argumente für Deine Einstellung zuerst.
Baue den Lebenslauf deshalb umgekehrt chronologisch auf. Beginne mit der aktuellen Station und geh von dort zurück. Das Stichwort lautet Relevanz. Deine aktuellen Erfahrungen haben meist viel mehr mit der neuen Stelle zu tun als Stationen von vor zehn Jahren. Der Leser hört einfach auf, wenn es für ihn nicht mehr wichtig ist.
Welche Abschnitte gehören in den Lebenslauf?
Ganz oben steht die Überschrift, etwa „Lebenslauf“, „Curriculum Vitae“ oder „Zu meiner Person“. Danach folgen typischerweise diese Abschnitte:
- „Persönliche Angaben“ oder „Zur Person“. Das entfällt, wenn Du ein Deckblatt nutzt.
- „Beruflicher Werdegang“, „Berufserfahrung“ oder „Praktika“. Ohne Berufserfahrung kommt zuerst der Bildungsweg.
- „Studium“, „Akademischer Werdegang“ oder „Ausbildung“
- „Promotion“ oder „Examen“ (optional)
- „Fort- und Weiterbildungen“ oder „Zusatzqualifikationen“
- „Tätigkeiten neben dem Studium“ (optional)
- „Stipendien und Auszeichnungen“ (optional)
- „Auslandserfahrung“ (optional)
- „Kenntnisse“, etwa Sprachen und Software
- „Ehrenamt“ oder „Soziales Engagement“ (optional)
- „Interessen“, „Hobbys“ oder „Vereinsmitgliedschaften“
- „Referenzen“ (optional)
- „Führerschein“ (optional, wichtig bei Außendienst oder Fahrtätigkeit)
- Ort, Datum und auf Wunsch Unterschrift
Du musst nicht alle Abschnitte nutzen. Nimm nur die auf, die etwas über Deine Eignung für die Stelle aussagen.
Wie liest die Personalerin Deinen Lebenslauf?
Viele Bewerber glauben, ihr Lebenslauf werde gelesen wie ein Buch. Das ist einer der größten Irrtümer. Oft wird er zuerst nur überflogen. Dein Lebenslauf muss deshalb zwei Lesepfade bedienen.
Lesepfad 1: konzentriertes Lesen. Hier nimmt sich die Recruiterin viel Zeit und liest jedes Detail. Das dauert. Sie macht das deshalb nur, wenn sie sicher ist, dass es sich lohnt.
Lesepfad 2: Überfliegen. Dieser Fall ist häufiger. Recruiter haben meist wenig Zeit. Das Wesentliche muss deshalb schon beim Überfliegen ins Auge springen.
Mach dafür den Zwinker-Test. Kneif die Augen zusammen und schau auf Deinen Lebenslauf. Erkennst Du die wichtigsten Informationen trotzdem? Gut, dann stimmt die Formatierung schon weitgehend. Wenn nicht, helfen Dir die folgenden Tipps.
Viele Firmen nutzen außerdem Bewerbermanagementsysteme. Sie lesen Deine Unterlagen automatisch aus. Eine klare Struktur mit üblichen Überschriften hilft auch dabei. Verzichte deshalb auf Text in Grafiken und auf ungewöhnliche Abschnittsnamen.
Wie formatierst Du den Lebenslauf richtig?
Viele Bewerber sind sehr zaghaft mit Fettdruck oder Kursivschrift. Die Folge: Beim schnellen Überfliegen kann der Leser Position, Firma, Aufgaben und Erfolge kaum unterscheiden. Alles sieht gleich aus.
Frag Dich deshalb: „Wenn die Personalerin nur einen kleinen Teil liest, was soll sie sehen?“ Mach es ihr leicht, das Wichtigste zu erkennen. Dabei helfen Dir zwei Gesetze der Gestaltpsychologie.
Gestaltgesetz Nähe
Dinge, die nah beieinander stehen, nehmen wir als zusammengehörig wahr. Stehen vier Kreise dicht beieinander und ein fünfter weiter weg, gehören die vier für uns automatisch zusammen.
Für Deinen Lebenslauf heißt das: Bündle zusammengehörige Informationen in Abschnitten. Lass zwischen den Abschnitten etwas mehr Abstand als innerhalb. Und vermeide Seitenwechsel mitten in einem Abschnitt oder einer Station.
Gestaltgesetz Ähnlichkeit
Dinge, die gleich aussehen, nehmen wir als zusammengehörig wahr. Gleiche Informationen sollten deshalb immer gleich formatiert sein. Dann erkennt der Leser auf einen Blick, was zusammengehört.
Fett, kursiv und Aufzählungen
Für Deinen Lebenslauf heißt das zum Beispiel:
- Die Position formatierst Du fett.
- Den Firmennamen setzt Du kursiv.
- Aufgaben und Erfolge nennst Du als Aufzählungspunkte, gern in etwas kleinerer Schrift.
Halte diese Regeln im ganzen Dokument ein. Eine einzige abweichende Station fällt sofort auf und wirkt unordentlich. Unterstreichungen solltest Du sparsam einsetzen. Sie erinnern schnell an Links und machen den Text unruhig.
Schriftart und Schriftgröße
Verwende eine, höchstens zwei Schriftarten. Prüfe, ob sich aus Versehen andere Schriften eingeschlichen haben. Es kommt immer wieder vor, dass eine Überschrift in einer anderen Schrift steht als die nächste. Textprogramme stellen das manchmal unbemerkt um. Die Schrift sollte auch zu Deckblatt und Anschreiben passen.
Prüfe außerdem Schriftgrößen und Zeilenabstände. Alle Überschriften sollten gleich groß sein, aller Fließtext ebenfalls. Je nach Schrift sind Überschriften oft 14 oder 16 Punkt groß, der Text 11 oder 12 Punkt. Unter 10 Punkt solltest Du nicht gehen. Auch nicht, um Platz zu sparen.
Datumsformat
Wähle ein einheitliches Datumsformat. Üblich sind zum Beispiel:
- Dezember 2014 bis Januar 2018
- Dez. 2014 bis Jan. 2018
- 12/2014 bis 01/2018
Tage anzugeben ist zu viel des Guten. Ausgeschriebene Monate sind ebenfalls heikel. „September“ braucht in der linken Spalte deutlich mehr Platz als „Mai“. Das wirkt schnell unruhig. Monate als zwei Ziffern sorgen für die beste Übersicht. Drei Buchstaben pro Monat sind ein akzeptabler Mittelweg.
Kopfzeile
Auch die Kopfzeile ist wichtig. Sie zeigt, dass Deine Unterlagen zusammengehören. Jede Bewerbung ist auch eine Arbeitsprobe. Ein Gesamtkonzept mit wiederkehrenden Gestaltungselementen wirkt professionell.
Ohne Kopfzeile wirkt der Lebenslauf schnell austauschbar. Passe sie dezent an die Firma an, etwa in Farbe oder Gestaltung. Das zeigt Deinen Einsatz. Wer so sorgfältig anpasst, muss motiviert sein. Fertige Designs findest Du in unseren Bewerbungsvorlagen.
Wie lang darf der Lebenslauf sein?
Dein Lebenslauf sollte höchstens zwei Seiten lang sein. Personaler haben für eine Bewerbung meist nur wenige Minuten Zeit. Bei fünf oder sechs Seiten Lebenslauf seufzen sie tief. Sie denken dann schnell: „Da kann jemand nicht priorisieren.“ Oder: „Da hat sich jemand keine Mühe gegeben.“
Alles ausführlich zu erklären, ist leicht. Sich kurz zu fassen, ist schwer. Nimm nur die Punkte auf, die für die Stelle wirklich wichtig sind. Je älter eine Station ist, desto kürzer darf sie werden. Ganze Zeitabschnitte solltest Du aber nicht löschen, sonst entstehen Lücken.
Hast Du noch wenig Berufserfahrung? Dann versuch es mit einem einseitigen, konzentrierten Lebenslauf. Auch auf Jobmessen wirkt ein solcher Kurzlebenslauf professionell. In manchen Branchen, etwa in der Unternehmensberatung, ist eine Seite ohnehin üblich. Unsere Vorlagen lassen sich leicht von zwei Seiten auf eine kürzen.
Gehört ein Foto in den Lebenslauf?
Ein Foto ist freiwillig. In Deutschland ist es aber noch weit verbreitet. Fehlt es auf Deckblatt und Lebenslauf, fällt das manchen Lesern auf. Oft verschenkst Du damit eine Chance auf einen guten ersten Eindruck. Tipps findest Du im Ratgeber zum Bewerbungsfoto.
Entscheidest Du Dich für ein Foto im Lebenslauf, kommt es klassisch nach oben rechts. Achte darauf, dass Dein Körper den Daten zugewandt ist. Das wirkt deutlich sympathischer. Ein abgewandtes Foto sagt unbewusst: „Mit diesen Angaben will ich nichts zu tun haben.“
In modernen Bewerbungen wirkt das Foto oft besser auf einem persönlichen Deckblatt. Du kannst dort ein Foto im Querformat nutzen. Im Lebenslauf zeigt dann ein kleineres Foto im Hochformat eine andere Seite von Dir. In Branchen mit kurzen, kompakten Unterlagen lässt Du das Deckblatt dagegen besser weg.
Was steht zuerst: Position oder Firma?
Welche Angabe kommt innerhalb einer Station zuerst? Der Name der Firma oder Ausbildungsstätte? Oder Deine Position oder Dein Studiengang?
Meist ist Deine Entwicklung für den Leser interessanter als die Namen der Firmen. Deshalb steht die Position zuerst und danach die Firma. Keine Regel ohne Ausnahme: Warst Du bei sehr bekannten Firmen? Dann kann es sinnvoll sein, die Firma zuerst zu nennen. So nutzt Du den Halo-Effekt. Der Glanz der bekannten Marke strahlt auf Dich ab.
Wie zeigst Du Erfolge im Lebenslauf?
Viele Bewerber schreiben nur über ihre Aufgaben, nicht über ihre Erfolge. Dazu eine Frage: Arbeitest Du ehrenamtlich? Vermutlich nicht. Du willst ein Gehalt. Die Firma investiert also jeden Monat in Dich, ähnlich wie in eine Aktie. Und worauf achten Anleger bei einer Aktie? Auf den Aufwärtstrend. Genau den zeigst Du in Deinem Lebenslauf.
Zeigt Dein Lebenslauf schon einen Aufwärtstrend? Super. Dann erwartet die Firma, dass es bei ihr so weitergeht. Keine Sorge, Durststrecken darf es geben. Zeig, dass Du lösungsorientiert bist und dazulernst. Die Botschaft lautet: „Ich entwickle mich ständig weiter und werde dadurch wertvoller für Sie.“
Schreib deshalb in die Aufzählungspunkte nicht nur, was Du gemacht hast. Schreib auch, was Du erreicht hast. Kennst Du die genaue Zahl nicht, schätze sie vernünftig. Beispiele:
- 7 Projekte termingerecht abgeschlossen
- Umsatz im eigenen Gebiet jährlich um 5 Prozent gesteigert
- Fluktuation im Team um 15 Prozent gesenkt
- Bearbeitungszeit von Anfragen von fünf auf zwei Tage verkürzt
Eine hilfreiche Formel lautet: Ergebnis durch Handlung. Zum Beispiel: „Kundenzufriedenheit gesteigert durch Einführung eines Rückrufservice.“ Behalte im Hinterkopf: Du verlangst ein messbares Gehalt. Also biete auch messbare Ergebnisse.
Was schreibst Du bei Hobbys und Kenntnissen?
Hobbys und Interessen
Hobbys geben Hinweise darauf, wie Du Deine Freizeit verbringst. In stressigen Jobs ist es wichtig, dass Du abschalten kannst. Hobbys schaffen außerdem Sympathie und zeigen Leidenschaft. Lösen Deine Hobbys eher Stirnrunzeln aus oder bergen sie eine hohe Verletzungsgefahr? Dann lass sie lieber weg.
Hobbys sind kein Selbstzweck. Sie sollten zur Position passen. Eine Faustregel lautet: Bei Teamarbeit nennst Du Mannschaftssport, etwa Fußball. Bei eigenständiger Arbeit passen Hobbys wie Klettern oder Lesen. Frag Dich: Welche Kompetenzen sind im neuen Job gefragt? Musst Du schnell entscheiden, ist Angeln vielleicht nicht das ideale Hobby. Für eine geduldige Programmiererin passt es dagegen gut.
Ein Tipp: Viele Entscheider greifen Hobbys im Smalltalk des Vorstellungsgesprächs auf. Überleg Dir deshalb vorab ein paar Sätze dazu.
Sprach- und Softwarekenntnisse
Gehst Du sicher mit wichtiger Software um, etwa mit Office-Programmen oder einem ERP-System? Dann gib das an. Bei Sprachen ist die Mindestangabe die Unterscheidung zwischen Muttersprache und Grundkenntnissen. Kennst Du Dein Niveau nach dem Europäischen Referenzrahmen von A1 bis C2? Dann nenne es.
Lege passende Zertifikate in die Anlagen. Deine Angaben kannst Du mit Beispielen aus dem Alltag ergänzen. Zum Beispiel: „Englisch war drei Jahre lang meine Arbeitssprache.“ Oder: „Ich habe die wöchentlichen Berichte auf Spanisch präsentiert.“
Stapel bei Deinen Kenntnissen nicht zu tief. Bleib aber realistisch. Stell Dich darauf ein, dass ein Teil des Vorstellungsgesprächs in der angegebenen Sprache stattfinden kann. Viele Vorlagen bieten Skalen für Kenntnisse. Passe sie ehrlich an Deinen Stand an.
Wie gehst Du mit Lücken im Lebenslauf um?
Glaub nicht, Dein Lebenslauf sei nur perfekt, wenn immer alles glatt lief. Es muss nicht immer bergauf gehen. Bewerber, die sich durchgekämpft und Rückschläge gemeistert haben, wirken oft besonders überzeugend.
Geh deshalb selbstbewusst mit Lücken und Rückschlägen um. Spiel kein Versteckspiel. Eine Lücke spricht die Personalerin im Gespräch wahrscheinlich ohnehin an. Sprich sie lieber selbst an. Sonst gerätst Du schnell in die Verteidigung. Erwähnst Du sie ganz nebenbei, wirkst Du souverän.
Sagt jemand: „Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf“? Dann sollte Deine innere Haltung lauten: „Ja, und das war eine wertvolle Zeit.“ Mit einem Augenzwinkern geht auch: „Das liegt bestimmt an der Formatierung.“
Wie lang darf eine Lücke sein?
Als grobe Faustregel gilt: Lücken bis zu drei Monaten sind meist kein Problem. Sie fallen oft gar nicht als Lücke auf. Alles darüber solltest Du gut erklären. Diese Fragen helfen Dir:
- Hast Du einen Kurs besucht, um etwa Deine Excel-Kenntnisse aufzufrischen?
- Warst Du auf Reisen und hast dabei eine Sprache gelernt?
- Hast Du eine Auszeit genommen, um herauszufinden, welche Arbeit Dir wirklich liegt?
- Hast Du einen Angehörigen gepflegt?
- Hast Du Dich beruflich neu orientiert, etwa auf einer langen Wanderung?
Nach Ausbildung oder Studium sind auch längere Lücken von bis zu sechs Monaten meist in Ordnung. Du hast tief Luft geholt, bevor das Berufsleben richtig losgeht. Mach in jedem Fall klar: Du hast etwas getan und nicht einfach abgewartet. Bleib dabei bei der Wahrheit.
Warum stören Lücken überhaupt?
Viele Bewerber ärgern sich über Fragen zu Lücken. Oft kann die Personalerin aber kaum anders. Zwei psychologische Effekte spielen hier mit.
Grund 1: Soziale Bewährtheit. In unsicheren Situationen orientieren wir uns an anderen. Was anderen gefällt, wollen wir auch. Das begegnet uns ständig im Alltag:
- Wir klicken eher auf Beiträge mit vielen Likes.
- Wir gehen eher in ein Restaurant mit Schlange als in ein leeres.
- Wir kaufen eher ein Buch mit dem Aufkleber „Bestseller“.
Bei Bewerbungen ist es ähnlich. Überspitzt gesagt wirken Lücken so, als wollten andere die „Ware“ nicht. Diesen Eindruck verhinderst Du am besten, indem Du Dich aus einer ungekündigten Stelle heraus bewirbst. Wer sich aus einer Anstellung bewirbt, fällt weich. Nach einer längeren Arbeitslosigkeit tun sich selbst sehr gute Kandidaten oft schwerer.
Grund 2: Knappheit. Was knapp ist, wollen wir haben:
- Für limitierte Auflagen zahlen wir mehr.
- Geheime Informationen wirken wertvoller als öffentliche.
- Der Hinweis auf begrenzte Plätze lässt uns schneller buchen.
Lücken wirken unbewusst wie das Gegenteil von Knappheit. Sie legen nahe, dass noch viel Zeit ist. Andere Kandidaten, die schneller weg sein könnten, werden dann bevorzugt. Deshalb lohnt es sich, Lücken gut zu erklären.
Lücke durch Arbeitslosigkeit
Warst Du arbeitslos? Dann beschreibe, was Du in dieser Zeit getan hast. Statt nur „Arbeitslosigkeit“ kannst Du etwa „Berufliche Neuorientierung“ oder „Aktive Bewerbungsphase“ schreiben. Ergänze, was Du konkret gemacht hast, zum Beispiel Weiterbildungen oder Projekte. Das zeigt, dass Du nicht passiv abgewartet hast.
Bist Du arbeitslos, droht Dir Arbeitslosigkeit oder suchst Du einen Ausbildungsplatz? Dann kann Dir die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter einen AVGS-Gutschein für ein Bewerbungscoaching ausstellen. Mit bewilligtem Gutschein kostet Dich das Coaching nichts. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht, es ist eine Einzelfallentscheidung. Die Bewilligung muss vor dem Start vorliegen.
Hast Du in der Zeit selbstständig oder freiberuflich gearbeitet, etwa für Projekte oder Beratungen? Dann gehört das als eigene Station in den Lebenslauf.
Manchmal entstehen Lücken durch unfreiwillige Wechsel. Eine Branche bricht ein oder der Arbeitgeber meldet Insolvenz an. Dann nenne das als Grund für das Ende der Anstellung.
Lücke durch Krankheit oder Pflege
Lücken entstehen auch durch eigene Krankheit oder die Pflege von Angehörigen. Das kannst Du angeben. Bleib hier aber ausnahmsweise eher allgemein. Für die Pflege von Angehörigen haben die meisten Entscheider Verständnis. Eine eigene Krankheit erwähnst Du am besten so, dass klar ist: Sie ist ausgeheilt oder war einmalig. Sonst entsteht die Sorge vor häufigen Fehltagen.
Abbrüche und lange Studienzeiten
Ein Wechsel von Studiengang oder Ausbildung ist meist kein Problem. Entscheidend ist, dass Du danach Deinen Weg gefunden hast. Umwege können sogar Stärken sein. Du hast herausgefunden, was Du nicht willst. Jetzt ist klar: Diese Person weiß, was sie will. Für sie ist die Stelle mehr als nur ein Mittel zum Zweck.
Ein Tipp zur Darstellung: Fasse abgebrochene Studiengänge oder Ausbildungen weiter hinten zusammen, etwa unter „Weitere Studienzeiten“. Hast Du sehr lange studiert? Dann nenne Nebenjobs oder Projekte, die die Dauer erklären.
Familienstand
Auch bei einzelnen Abschnitten lauern Risiken. Der Familienstand ist ein Beispiel. Angaben wie „alleinerziehend, zwei Kinder“ werfen bei manchen Lesern sofort Fragen auf. Wer kümmert sich um die Kinder, wenn sie krank sind? Solche Fragen sind unfair, kommen aber vor.
Der Familienstand ist keine Pflichtangabe. Wirft er mehr Fragen auf, als er beantwortet, lass ihn weg. Oft wird nie danach gefragt. Kommt das Thema im Gespräch auf, kannst Du den Kontext liefern. Etwa, dass die Betreuung gut organisiert ist.
Manchmal ist die Familiensituation auch ein Vorteil. Ziehst Du in eine neue Stadt, weil Deine Familie dort lebt? Dann wird Dein Wunsch nach dem Ortswechsel glaubwürdiger. Diese Erklärung gehört aber ins Anschreiben, nicht in den Lebenslauf.
Darfst Du im Lebenslauf schummeln?
Nein. Eine aufgedeckte Lüge im Lebenslauf bedeutet meist das sofortige Aus. Der Grund ist einfach: Das Vertrauen ist dauerhaft gestört. Auch nach der Einstellung kann eine Lüge im Lebenslauf noch arbeitsrechtliche Folgen haben, bis hin zur Kündigung.
Du musst aber auch nicht schummeln. Mit einer guten Struktur, klaren Erfolgen und souverän erklärten Lücken überzeugt Dein Lebenslauf ganz ehrlich. Er wird so zu Deiner Eintrittskarte bei Deinem Wunscharbeitgeber.
Checkliste für Deinen tabellarischen Lebenslauf
- Ist der Lebenslauf umgekehrt chronologisch aufgebaut?
- Ist er höchstens zwei Seiten lang?
- Sind Position, Firma und Aufgaben einheitlich formatiert?
- Stehen zu jeder wichtigen Station auch Erfolge?
- Ist das Datumsformat überall gleich?
- Passen Schrift und Kopfzeile zu Anschreiben und Deckblatt?
- Sind Lücken über drei Monate erklärt?
- Hast Du Rechtschreibung, Telefonnummer und E-Mail-Adresse geprüft?
- Besteht der Lebenslauf den Zwinker-Test?
Hilfe bei Deinem Lebenslauf
Ein starker Lebenslauf ist die Grundlage jeder Bewerbung. Im Bewerbungscoaching arbeiten wir gemeinsam an Deinem Lebenslauf und Deinen übrigen Unterlagen. Das Coaching läuft online per Zoom.
Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
