Einen Vortrag halten ist für viele ein Horrorszenario. Vor vielen Menschen sprechen, sich vor einer großen Gruppe blamieren: Diese Vorstellung macht Angst. Hier erfährst Du, wie Du mit Vortragsangst umgehst. Außerdem bekommst Du praktische Tipps, mit denen Du gut vorbereitet in Präsentationen und Reden gehst.
Die Tipps stammen aus einem Interview mit dem Rednercoach Pascal Heymann. Das Video dazu findest Du weiter unten.
Einen Vortrag halten: Denk zuerst ans Publikum
Bist Du es nicht gewohnt, vor Publikum zu sprechen? Dann zuerst das Offensichtliche: Du sprichst für das Publikum und nicht für Dich selbst. Viele beginnen einen Vortrag, ohne sich zu fragen: „Nützt das dem Publikum? Bringt es die Zuhörer weiter?“ Wenn nicht, gibt es eigentlich keinen Grund, auf der Bühne zu stehen.
Ein erfolgreicher Vortrag geht anders. Wahrscheinlich beherrschst Du viele Themen, über die Du gern und ausführlich sprichst. Vielleicht hast Du ein spannendes Privatleben oder einen tollen Lebenslauf. Das heißt aber nicht, dass Du Deine Zuhörer gleich zu Beginn damit vom Thema ablenken darfst.
Frag Dich deshalb: Was bringt mein Publikum weiter? Darauf konzentrierst Du Dich. Es sollte etwas sein, woran Deine Zuhörer wachsen können.
Einen Vortrag halten: Mach es Dir leicht mit einer Geschichte
Ist Dir klar, was Du Deinem Publikum mitgeben willst? Dann geht es jetzt um das „Wie“. Im Interview mit Businesshelden TV gibt Pascal Heymann diesen Tipp: Such Dir zuerst die Hauptaussage Deiner Rede heraus. Dann verpackst Du sie in eine Geschichte.
Fast immer gibt es eine Story, die Du um Deine Hauptaussage spinnen kannst. Der Vorteil: Damit transportierst Du Emotionen. Die bleiben sonst leicht im Dschungel aus Zahlen, Daten und Fakten stecken.
Schüttelst Du gerade instinktiv den Kopf? Dann sei gewarnt. Schnell kommt nämlich das Totschlagargument: „Ich bin X, bei mir geht das nicht.“ Für X setzt Du Berufe ein wie Wissenschaftlerin, Statistiker, Ärztin, Analyst oder was auch immer Du beruflich machst.
Pascal erzählt, dass gerade Wissenschaftler immer eine Story haben, die mit ihren Ergebnissen verbunden ist. Wenn nicht mit den Ergebnissen, dann mit dem Problem, das die Forschung angestoßen hat. Das gilt für Menschen mit abstrakten Fächern wie Physik oder Mathematik.
Dann gilt es erst recht für Menschen im Business. Sie sind viel näher an der Alltagswelt ihres Publikums. Dort sind Geschichten besonders wichtig, wenn Du einen Vortrag halten sollst. Im Geschäftsleben musst Du oft andere inspirieren und motivieren. Dafür eignen sich Geschichten hervorragend.
Das Schöne an Geschichten: Menschen merken sich Geschichten besser als nackte Fakten. Hilfreich ist zum Beispiel eine Figur, mit der sich Deine Zuhörer identifizieren. Oder es gibt emotionale Hürden, die das Publikum mitfiebern lassen. Dann behalten Deine Zuhörer viel besser, was die Moral der Geschichte ist. Diese Moral sollte Deine Hauptaussage sein.
Einen Vortrag halten: Wo Du Geschichten herbekommst
Oft lautet die nächste Frage: „Wo bekomme ich Geschichten her?“ Die einfache Antwort: aus Deinem Alltag. Wir alle leben schon viele Jahre. Da gibt es immer große und kleine Abenteuer, die zu einem Vortrag passen.
„Aber ich finde keine Geschichte aus meinem Alltag, die passt.“ Diese Sorge kann man Dir nehmen. Wahrscheinlich suchst Du nur falsch. Du suchst etwas, das sich nicht finden lässt. Geschichten werden nicht gefunden, sondern gestaltet.
Ob eine Geschichte traurig ist oder ein Happy End hat, hängt davon ab, wo Du Anfang und Ende setzt. Das ist wie bei einem Aktienkurs. Ob eine Geschichte passt, hängt von der Moral ab, die Du vermitteln willst. Von dieser Moral aus entwickelst Du rückwärts die passende Geschichte. Das ist ein kreativer Prozess.
Hab keine Angst vor dem Alltäglichen. Du musst keine grandiosen Ereignisse herbeizaubern. Oft berührt das Normale das Publikum mehr als das Außergewöhnliche. Du zeigst damit: „Ich bin wie ihr.“
Geschichten können vom Einkaufen erzählen. Oder davon, wie Du zuletzt einen Strafzettel bekommen und mit der Politesse diskutiert hast. Die Einzigartigkeit entsteht durch Deine persönliche Deutung der Ereignisse.
Mach nicht den Fehler zu denken: „Ich habe nichts Besonderes zu sagen. An meinem Leben ist nichts interessant.“ Das denkst Du nur, weil Du die ganze Zeit in Deinem Leben steckst. Es gibt viele kleine Anekdoten, die Deine sachliche Aussage greifbar machen.
Probier es aus!
Erzähl anderen Deine Geschichte. Du bekommst wahrscheinlich eine von zwei Reaktionen:
- Die anderen sind ganz anders und lernen etwas aus Deiner Geschichte.
- Den anderen geht es genauso wie Dir, und ihr teilt dieselben Ängste.
Beides ist gut. Im ersten Fall lernt Dein Publikum etwas. Im zweiten Fall fühlt es sich verstanden.
Einen Vortrag halten: Aber bitte authentisch
Was heißt es, authentisch einen Vortrag zu halten? Einfach gesagt: Denkt das Publikum „Die sagt das nur, weil sie muss“, hast Du Deine Authentizität verspielt. Viele Redner gehen auf die Bühne und spielen Theater. Sie verstellen sich komplett, weil sie glauben, jemand anders sein zu müssen.
Das kann zum Beispiel daher kommen, dass sie jemanden auf der Bühne gesehen haben. Sie dachten: „Genau so will ich rüberkommen.“ Dann ahmen sie diese Person mechanisch nach. Oft fühlen sich Redner unwohl und denken: „Ich bin nicht gut genug. Es wird besser, wenn ich Theater spiele.“
Das funktioniert nur, wenn Du wirklich schauspielern kannst. Ein Theaterkurs in der Schule reicht dafür meist nicht. Besser ist es, authentisch Deine eigene Meinung zu vertreten. Sonst merkt es das Publikum. Selbst Deine Unterstützer schämen sich dann eher fremd.
Kurze Checkliste für Deinen nächsten Vortrag
- Was soll mein Publikum nach dem Vortrag wissen oder tun?
- Wie lautet meine Hauptaussage in einem Satz?
- Welche Geschichte aus meinem Alltag macht diese Aussage greifbar?
- Wo setze ich Anfang und Ende der Geschichte?
- Klinge ich wie ich selbst, wenn ich den Vortrag laut probe?
Wir bedanken uns bei Pascal Heymann für das Interview. Pascal ist Public Speaking Coach und Trainer. Du erreichst ihn über berlinspeaking.com.
Präsentationen im Bewerbungsgespräch
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