Netzwerken ist hilfreich und wichtig für die Karriere. Darin sind sich die meisten einig. Trotzdem macht es vielen keine Freude. Schließlich können dabei viele Fehler passieren. Manchmal fühlt es sich sogar unangenehm berechnend an. Zum Glück muss das nicht so sein.
Warum solltest Du überhaupt netzwerken? Wo findest Du die richtigen Leute? Und wie wirst Du durch Netzwerken erfolgreicher? Darum geht es in diesem Guide. Wer regelmäßig auf Veranstaltungen ist, merkt schnell: Die meisten Menschen wissen nicht, wie sie gezielt neue Kontakte knüpfen. Wenn Du das beherrschst, hast Du einen großen Vorteil.
Kann man Netzwerken lernen?
Ja. Gutes Netzwerken ist eine Fähigkeit, keine Charaktereigenschaft. Überraschenderweise merken viele erst, wie ungeschickt sie bisher genetzwerkt haben, wenn sie sich bewusst damit befassen. Soft Skills wie Netzwerken kannst Du genauso lernen wie jede andere Verhaltensweise.
Gutes Netzwerken besteht im Kern aus drei Dingen. Du überwindest Deine Nervosität. Du interessierst Dich ehrlich für andere. Und Du kennst die Etikette.
Wann immer Du Gewohnheiten veränderst, fühlt sich das erst einmal seltsam an. Zum Beispiel, wenn Du beim Netzwerken bewusst anders auf neue Menschen zugehst. Oder wenn Du ein Gespräch auf eine neue Art verlässt. Wie beim Schalten im Auto wirkt es am Anfang ungewohnt oder überfordernd. Es fühlt sich „gestellt“ an, weil Du daran denken musst.
Das vergeht, sobald es zur Gewohnheit wird. Im Guide zum Smalltalk beschreiben wir die vier Stufen, in denen Du Soft Skills lernst.
Kann man als introvertierte Person gut netzwerken?
Introvertiertheit wird häufig mit Schüchternheit verwechselt. Dabei gibt es introvertierte Menschen, die sehr selbstbewusst und charismatisch sind. Bitte was? Angenommen, eine Rednerin steht souverän auf der Bühne. Nach zwei Stunden Netzwerken ist sie trotzdem erschöpft. Dann will sie nur noch nach Hause, ein Buch lesen und allein sein.
Extrovertierte Menschen bekommen dagegen mehr Energie, wenn sie von Leuten umgeben sind. Sie mögen große Menschenmengen, bleiben meist länger und fühlen sich danach munter. Für introvertierte Menschen kostet Netzwerken mehr Energie. Das ist der Unterschied, nicht die Fähigkeit.
Viele Menschen bezeichnen sich selbst als schüchtern. Schüchternheit kommt oft von dem Glauben, dass das, was wir sagen, nicht gut genug ist. Dabei überschätzen wir meist, wie streng andere uns beurteilen. Die meisten sind mit sich selbst beschäftigt.
Bist Du introvertiert, sind große Messen und Konferenzen nicht der ideale Ort für Dich. Zieh kleine, private Veranstaltungen vor und mach Dir keinen Druck. Geh ab und zu kurz raus und mach regelmäßig Pausen. Stell beim Smalltalk interessante Fragen. Nutz Deine Stärken Empathie und Zuhören. Das schont zusätzlich Deine Energie.
Was bringt mir Netzwerken?
Netzwerken im Beruf
Wenn alles andere gleich ist, machen Menschen lieber Geschäfte mit Leuten, die sie kennen, mögen und denen sie vertrauen. Eine einzige Bekanntschaft kann viel verändern. Plötzlich rückt die ersehnte Beförderung in Reichweite. Plötzlich entsteht in einem Gespräch eine geniale Idee. Plötzlich ergeben sich Möglichkeiten, von denen Du nie zu träumen gewagt hast.
Erstaunlich ist auch: Oft gibt es einen Preis für die Öffentlichkeit und einen ganz anderen für Freunde und Bekannte. Außerdem werden viele Stellen vergeben, bevor sie überhaupt ausgeschrieben sind. Ein Teil von Dir weiß vermutlich längst, dass Netzwerken Dein Leben positiv verändern kann. Warum würdest Du sonst diesen Artikel lesen?
Die 20-bis-30-Sekunden-Regel
An manchen Tagen fällt Dir Netzwerken leichter als an anderen. Das ist völlig normal. Kommst Du an einem Abend mit niemandem richtig ins Gespräch, heißt das nicht, dass Du keine charismatische Persönlichkeit bist. Netzwerken ist eine Fähigkeit. Es geht nicht darum, ständig im Mittelpunkt zu stehen. Sei geduldig mit Dir, dann hast Du eine gute Zeit.
Ein hilfreicher Trick ist die 20-bis-30-Sekunden-Regel. Bist Du nicht in der Stimmung, gesellig und freundlich zu sein, lehn Dich zurück. Lass die Arme hängen. Hör auf zu sprechen und zu lächeln. Steh einfach nur da, ohne auf Dein Handy zu schauen.
Oft sind wir schüchtern, weil wir glauben, nichts Wichtiges zu sagen zu haben. Mit dieser Regel gibst Du Dir die volle Erlaubnis, die langweiligste Person im Raum zu sein. Nach 20 bis 30 Sekunden langweilst Du Dich meist selbst. Dann hast Du von allein wieder Lust auf Gespräche.
Ein Netzwerk musst Du haben, bevor Du es brauchst
Ein bekanntes Sprichwort sagt: Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Der zweitbeste ist jetzt. Genauso ist es mit Deinem Netzwerk.
Netzwerken ist Ackerbau, keine Jagd. Sieh Dein Netzwerk als langfristige Investition. Natürlich macht es am Anfang Arbeit, die ersten Kontakte zu knüpfen und Beziehungen zu pflegen. Machst Du es richtig, ist es vermutlich eine der besten Investitionen Deines Lebens.
Stell Dir Dein Netzwerk wie das Sicherheitsnetz im Zirkus vor. Jemand balanciert in schwindelerregender Höhe auf einem Seil. Wann spannt er das Netz auf? Während er fällt oder bevor er hochsteigt? So einleuchtend das klingt, es ist nicht die Regel. Viele fangen erst an zu netzwerken, wenn sie einen Job suchen oder bestimmte Kontakte brauchen.
Angenommen, nach einer Vorstellungsrunde kommt jemand neugierig auf eine Trainerin zu. Er stellt Fragen zu ihrer Arbeit und sagt, Coaching finde er auch toll. Im selben Atemzug fragt er, ob er ihre Stelle haben könne. Oder ob sie ihn einem Unternehmen empfehlen würde. Ist es eine gute Idee, beim Netzwerken gleich nach Jobs zu fragen? Nein.
Hätte er die Beziehung schon einige Monate vorher aufgebaut, hätte sie ihm vermutlich gern geholfen. Denkst Du gerade, Netzwerken sei für Dich nicht so wichtig? Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Das bringt uns zum nächsten Punkt.
Die besten Netzwerker sind die größten Helfer
Networking heißt helfen
Echte Beziehungen baust Du auf, indem Du zuerst investierst. Finde heraus, was andere wollen und lieben. Hilf ihnen dann, es zu bekommen. Erwarte dabei kein sofortiges Jobangebot. Ein großer Teil Deines Networkings besteht schlicht darin, Menschen zu helfen, ohne direkt etwas zurückzubekommen.
Viele erfahrene Gastgeber von Netzwerkveranstaltungen sehen das ähnlich. Der Gewinn beim Networking liegt oft im Helfen selbst. Wenn Du Menschen hilfst, gibt Dir das Energie. Es ist eine Win-win-Situation für alle. Um beim Networking erfolgreich zu sein, brauchst Du die Haltung, etwas geben zu wollen.
Viele Menschen haben dagegen eine Nehmermentalität. Und Gier riechen andere sofort. Entspann Dich. Sei einfach aufmerksam und finde heraus, was Deinem Gegenüber helfen könnte. Erzähl kurz, was Du machst. Finde Gemeinsamkeiten. Prüf, ob ihr zusammenarbeiten oder euch gegenseitig helfen könnt. Hilf zuerst und bitte erst danach um einen Gefallen.
Ist das nicht auch ein bisschen egoistisch? Vielleicht. Aber das ist nichts Schlechtes. Du gibst etwas und bekommst es auf irgendeine Weise zurück. Manchmal sogar viel mehr, als Du Dir erhofft hast. Nicht immer, aber sehr oft.
Schritt 1: Hilf anderen in Deinem Netzwerk
Netzwerken nur Glückssache?
Glück entsteht oft da, wo Vorbereitung auf Gelegenheit trifft. Die meisten Menschen fragen sich beim Netzwerken: Was bringt mir das? Was kann ich von dieser Person bekommen? Die wenigsten fragen: Was kann ich dieser Person bieten? Wie kann ich ihr helfen?
Die Helfermentalität lenkt Deinen Fokus auf die andere Person. Dadurch wirst Du selbstsicherer und freundlicher. Hilfst Du anderen, ohne direkt etwas zurückzuverlangen, ist es, als würdest Du unbekannte Samen säen. Du weißt nicht, ob sie sprießen. Du weißt nicht, wie sie aussehen werden. Genau das ist das Schöne daran. Du erwartest eine kleine Blume, und daraus wird ein großer Kirschbaum.
Am Ende geht es um ein gesundes Geben und Nehmen. Stell Dir vor, ein guter Freund schenkt Dir zwei Wochen Traumurlaub. Wie würdest Du Dich fühlen, wenn er Dich nicht einmal einen Kuchen zu seinem Geburtstag backen ließe? Wir haben ein inneres Bedürfnis, etwas zurückzugeben. Der Psychologe Robert B. Cialdini nennt dieses Prinzip Reziprozität.
Beziehungen sind also nie einseitig. Geben und Nehmen sind zwei Seiten derselben Medaille. Nehmen, ohne zu geben, hilft niemandem. Umgekehrt schadet es aber auch, immer nur zu geben. Dann bekommen andere keine Chance, sich zu revanchieren. Je mehr Du anderen hilfst, desto stabiler werden Deine Beziehungen. Und desto mehr Unterstützung bekommst Du selbst.
Such Dir die Menschen nach ihrem Charakter aus und hilf ihnen, wenn es Dich nicht zu viel Aufwand kostet. Hattest Du ein gutes Gespräch und willst in Kontakt bleiben? Dann frag: „Was würde Dir gerade helfen?“ Oder: „Wie kann ich Dich unterstützen?“ Je größer Dein Netzwerk wird, desto eher fällt Dir ein Gefallen ein, den Du tun kannst.
Die Betonung liegt auf dem Tun. Viel zu versprechen und nichts zu machen ist sinnlos. Es zerstört Deinen Ruf.
Schritt 2: Lass Dir von Deinem Netzwerk helfen
Würde man die Menschen in Deinem Netzwerk fragen, wie sie Dir helfen könnten: Wüssten sie eine klare Antwort? Die meisten wissen nicht einmal selbst, was ihnen helfen würde. Wie sollen andere Dir helfen, wenn Du es selbst nicht in Worte fassen kannst? Unbewusst machen wir es anderen ziemlich schwer, uns einen Gefallen zu tun.
Manchmal fragt ein guter Bekannter direkt: „Sag mir bitte, wie ich Dir helfen kann. Ich möchte Dir etwas zurückgeben.“ Meist fragen Menschen aber nicht so direkt.
Die Lösung: Nenn bei Deiner Vorstellung nebenbei, was Dir helfen würde. Nicht aufdringlich, sondern beiläufig. Das geht auch in einem normalen Gespräch. Zum Beispiel: „Ich suche gerade nach Gelegenheiten, auf Konferenzen zu sprechen. Falls euch zufällig etwas über den Weg läuft, sagt mir gern Bescheid.“ Danach sprichst Du einfach das nächste Thema an.
So machst Du es anderen leicht, Dir etwas zurückzugeben. Und Du bringst sie nicht in eine Zwickmühle, in der sie sich verpflichtet fühlen. Viele werden Dir gern etwas Gutes tun, wenn Du Dich als aufmerksame und hilfsbereite Person zeigst.
Wo kann ich netzwerken?
Ein bekannter Spruch lautet: Wenn Du die klügste Person im Raum bist, bist Du im falschen Raum. Auf welche Veranstaltungen Du gehst, sollte davon abhängen, welche Menschen Du suchst.
Zunächst einmal: Wir netzwerken ständig. Jedes Mal, wenn Du alte Bekannte wiedersiehst oder neue Menschen triffst, netzwerkst Du, ohne es zu merken. Gute Netzwerker machen das aber bewusst. Dadurch bekommen sie mehr Möglichkeiten. Frag Dich vorher: Warum willst Du zu dieser Veranstaltung? Was wäre das ideale Ergebnis der Stunden, die Du dort investierst?
Gelegenheiten im Alltag
- Treffen unter Freunden
- Geburtstage
- Hochzeiten
- Feiern von Freunden
- An der Uni und unter Alumni
- Seminare, Vorträge und Lesungen
- Kongresse und Messen
- Vereine und Verbände
- Sport und Freizeitaktivitäten
- Veranstaltungen im eigenen Unternehmen
Plattformen für Veranstaltungen
- Meetup: lokale Gruppen zu den verschiedensten Themen, oft kostenlos.
- InterNations: eine internationale Community mit Veranstaltungen in vielen Ländern.
- Eventbrite: Plattform für Seminare, Konferenzen und Feiern.
- Facebook: Veranstaltungen findest Du über die passenden Gruppen.
- LinkedIn und XING: Auch dort gibt es Übersichten über Veranstaltungen.
Wie suche ich die richtigen Veranstaltungen zum Netzwerken aus?
Sei bereit, auch mal Geld zu investieren
Es kommt nicht darauf an, wie viel Zeit Du auf Veranstaltungen verbringst. Es kommt auf ihre Qualität an. Auf kostenpflichtigen Veranstaltungen triffst Du oft andere Menschen als auf kostenlosen. Das heißt nicht, dass Du gleich mit teuren Kongressen anfangen musst. Sieh Netzwerken als Investition.
Geh nicht wegen der Vorträge hin
Die wichtigsten Momente entstehen in der Kaffeepause oder im Flur. Also dann, wenn sich alle anderen von einem Vortrag beschallen lassen. Ist der Vortrag nicht wirklich exklusiv und spannend, nutz die Zeit lieber für Gespräche. Viele Inhalte findest Du heute ohnehin online.
Pluspunkte für Vorstellungsrunden, Pausen und kurze Impulse
Gibt es eine Vorstellungsrunde, nimm Zettel und Stift mit. Erstaunlich viele Menschen sitzen dabei völlig abgelenkt da. Dabei ist das die beste Zeit, um herauszufinden, mit wem Du später reden möchtest.
Auch Veranstaltungen mit kurzen Impulsvorträgen sind hilfreich. Sie liefern Dir einen einfachen Einstieg ins Gespräch. Außerdem verrät das Thema etwas über die Teilnehmenden und ihre Interessen.
Warum viele Menschen ihre Zeit beim Netzwerken verschwenden
Viele Coachees erzählen: An einem Abend führen sie viele Gespräche. Nach dem ersten Treffen bricht der Kontakt aber ab. Visitenkarten zu sammeln fühlt sich gut an. Am Ende hast Du aber nur einen Stapel loser Kontakte, die Dir nichts bringen. Der Unterschied zwischen einem Kontakt und einer Beziehung ist Vertrauen.
Ein einfacher Tipp hilft: Setz Dir das Ziel, eine einzige Person zu finden, mit der Du langfristig in Kontakt bleiben möchtest. Konzentrier Dich darauf, diese Beziehung so stark aufzubauen, dass sie das erste Treffen überdauert.
Angenommen, ein Journalist hält sich schon für einen guten Netzwerker. Schließlich gehört das zu seinem Job. Er probiert den Tipp trotzdem aus. Zuerst denkt er, er werde dadurch weniger netzwerken. Dann merkt er: Auf jeder Veranstaltung findet er nun eine wirklich interessante Bekanntschaft. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten.
Statt viele Visitenkarten zu sammeln, die in der Schublade landen, such also pro Veranstaltung eine Person. Verbring genug Zeit mit ihr, damit die Beziehung das erste Treffen überdauert.
Nutze Deine Zeit beim Netzwerken sinnvoll
Verschwende Deine Zeit nicht in der Schlange am Buffet oder vor den Toiletten. Als Grundregel lohnt es sich, vor der Veranstaltung zu essen. Dein Fokus sollte nicht auf den Häppchen liegen. Kluge Netzwerker handeln antizyklisch. Gibt es in der Pause Snacks, nimm Dir eine Handvoll mit in den nächsten Vortrag. Musst Du zur Toilette, geh während des Vortrags und nicht in der Pause.
Strategisches Netzwerken: So knüpfst Du die richtigen Kontakte
Eine häufige Frage lautet: „Wenn ich nur eine Person wirklich kennenlernen will, muss ich dann mit der erstbesten eine Stunde reden?“ Nein, ganz im Gegenteil. Um jemanden zu finden, der wirklich zu Dir passt, sprichst Du vielleicht erst mit 10, 20 oder 30 Menschen. Sie sind alle nett, aber nicht die eine Person. Das ist normal und lohnt sich.
Wie findest Du die richtige Person auf einer Veranstaltung? Dazu eine Analogie. Stell Dir vor, Du betrittst ein Bekleidungsgeschäft. Was machst Du zuerst? Du schaust Dich um und entscheidest, in welche Abteilung Du gehst. Du lässt Dir Zeit. Genauso auf einem Event. Bleib stehen, komm an und schau Dich in Ruhe um. Such Dir bewusst aus, zu welcher Gruppe Du gehen möchtest.
Hast Du eine Abteilung gewählt, gehst Du die Kleidungsstücke schnell durch. Du verschaffst Dir einen Eindruck, was passen könnte. Beim Netzwerken lernst Du die Leute einer Gruppe kurz kennen. Dann entscheidest Du, mit wem Du gern unter vier Augen sprechen würdest.
Gefällt Dir etwas, probierst Du es an. Macht also eine Person in der Gruppe einen tollen Eindruck auf Dich, such das Gespräch zu zweit. Das ist oft der einfachste und wirksamste Weg, jemanden wirklich kennenzulernen. Deine Kleidung behältst Du beim Netzwerken aber bitte an.
Souverän statt hektisch
Übertreib es beim Netzwerken nicht. Hektisch von Gruppe zu Gruppe zu rennen, macht einen schlechten Eindruck. Das Motto lautet: gezielt, nicht gedrängt. Gerade auf teuren Veranstaltungen wollen viele möglichst schnell möglichst viele Kontakte knüpfen. Da fällt es schwer, nicht selbst hektisch zu werden.
Olivia Fox Cabane beschreibt in ihrem Buch „The Charisma Myth“ eine hilfreiche Technik. Stell Dir vor, Du gibst die Verantwortung für den Abend an eine höhere Instanz ab. Was passiert, hat seinen Grund und liegt nicht allein in Deiner Hand. Der Abend verläuft, wie er soll, und Du lernst die richtigen Menschen kennen. Hilfreich ist auch, das Netzwerken wie ein Spiel zu sehen. Du schaust einfach, was passiert. Alles ist Feedback, nichts ist ein Fehler.
Sollte ich mich aufs Netzwerken vorbereiten?
Bereite Dich aufs Netzwerken vor
Ja. Gute Vorbereitung verhindert schwache Auftritte. Um die richtigen Menschen zu finden, schau Dir schon vor der Veranstaltung die Gästeliste an. Speichere Fotos auf Deinem Handy.
Angenommen, ein erfahrener Gastgeber steht mitten im vollen Raum an der Bar und schaut auf sein Handy. Das wirkt erst einmal unhöflich. Er tut es aber bewusst. Vorher hat er die Gäste recherchiert und Fotos der Menschen gespeichert, die er kennenlernen möchte. So erkennt er sie während der Veranstaltung.
Warmmachen fürs Netzwerken: nicht nur etwas für Schüchterne
Selbst sehr charismatische Menschen sagen manchmal: „Komme ich in einen Raum voller Menschen, weiß ich erst gar nicht wohin mit mir. Ich muss mich erst aufwärmen, bevor ich mit vielen neuen Leuten spreche.“ Das ist erstaunlich, wenn es von jemandem kommt, der oft im Mittelpunkt der Party steht.
Wie ein Sprinter sich aufwärmt, kannst auch Du es langsam angehen. Es kommt nicht darauf an, ob Du Dich sofort selbstbewusst und wohl fühlst. Am Anfang redest Du einfach mit irgendwem. Geh auf ein bekanntes Gesicht zu, unterhalte Dich mit dem Veranstalter oder plaudere locker an der Bar. Ohne Druck. Es geht nicht darum, gleich toll zu netzwerken. Es geht darum, in soziale Stimmung zu kommen.
Ein Vorteil dieser Einstellung: Du gibst nicht so schnell auf. Kennst Du Morgen, an denen gleich einiges schiefgeht? Du vergisst zum Beispiel, die Tasse unter die Kaffeemaschine zu stellen. Danach darfst Du erst einmal wischen. So etwas passiert. Entscheidend ist die Frage: Verdirbt es Dir den Tag? Es ist leicht, aus einer kleinen Panne zu schließen, dass heute einfach nicht Dein Tag ist.
Genauso kann ein einziges ungeschicktes Gespräch am Anfang den ganzen Abend ruinieren. „Das ist nicht die richtige Veranstaltung für mich. Mit diesen Leuten verstehe ich mich nicht. Heute fühle ich mich einfach nicht selbstbewusst.“ Das sind Verallgemeinerungen, die unser Gehirn beim kleinsten Anlass spinnt. Erwartest Du, dass die ersten Gespräche nur zum Warmwerden sind, verhinderst Du diesen gefährlichen Schluss.
3 einfache Wege, um beim Netzwerken auf neue Leute zuzugehen
Der direkteste Weg: Du suchst Dir jemanden aus und gehst auf die Person oder Gruppe zu. Das wirkt sehr selbstbewusst. Es braucht aber eine gute Portion Mut und flüssigen Smalltalk. Es gibt drei weitere Wege, die diskreter und strategischer sind.
Plan A: Lass Dich von einem Bekannten vorstellen
Angenommen, Du findest auf der Gästeliste einen HR-Manager. Sein LinkedIn-Profil wirkt spannend, und Du möchtest ihn kennenlernen. Beobachte nun, ob jemand mit ihm spricht, den Du kennst.
Dann sagst Du nicht direkt „Hallo“ zu der fremden Person. Du begrüßt Deinen Bekannten, der neben ihr steht. Dein Bekannter stellt Dich dann vor. Wozu das Ganze? Dadurch bist Du gewissermaßen vorausgewählt. Habt ihr einen gemeinsamen Kontakt, entsteht schneller Vertrauen.
Plan B: Frag den Veranstalter oder die Sponsoren
Kann Dich niemand vorstellen oder kennst Du niemanden auf dem Event? Dann frag den Veranstalter oder die Sponsoren. Viele Gastgeber sehen es als ihre Aufgabe, Menschen miteinander bekannt zu machen. Sag einfach, wen Du kennenlernen möchtest.
Plan C: Geh diskret auf jemanden zu
Sind die anderen beiden Pläne nicht möglich? Dann geh auf die Person zu, wenn sie gerade an der Bar oder am Buffet steht. Sprich kurz über das Essen oder die Getränke. Dann sagst Du: „Ach, übrigens, ich bin …“ So beginnst Du ein Gespräch, das wie ein Zufall wirkt.
Warum? Läufst Du quer durch den Raum, nur um mit einer Person zu reden, kann das seltsam wirken. Es kann Dich in einen niedrigeren Status rücken. Trefft ihr euch dagegen an der Bar, am Buffet oder vor einem Plakat, wirkt es zufällig. Dann seid ihr auf Augenhöhe. Menschen verbringen ihre Zeit gern mit Menschen auf dem gleichen Level.
Geh dabei nicht frontal auf eine einzelne Person zu, sondern eher von der Seite. So wirkt es weniger geplant. Frühen Blickkontakt suchst Du eher, wenn Du auf eine Gruppe zugehst. Und das ist schon das nächste Thema.
Selbstbewusstes Netzwerken mit Gruppen in 3 Schritten
„Beeindruckend, wie Du einfach von Grüppchen zu Grüppchen gehst. Du scheinst hier viele Leute zu kennen.“ Solche Sätze hören gute Netzwerker oft. Dabei kannten sie zu Beginn des Abends vielleicht nur zwei Personen. Von außen fällt das niemandem auf.
Viele kennen das Gegenteil. Sie stellen sich zu einer Gruppe und sagen lange nichts, weil sich keine Gelegenheit ergibt. Nach einer Weile verlassen sie peinlich berührt das Gespräch. Kein schönes Erlebnis.
Auf eine Gruppe völlig fremder Menschen zuzugehen, kostet viele Überwindung. Das größte Hindernis ist oft die Frage, wie man das überhaupt macht. Manche glauben, sie bräuchten dafür immer einen originellen Spruch. Das stimmt nicht. Erfahrene Netzwerker gehen in der ersten Minute fast immer gleich vor, weil es einfach funktioniert. Je nach Situation variieren sie nur Scherze oder Fragen.
Ohne eine erprobte Vorgehensweise brauchst Du viel Mut und Willenskraft. Vielleicht auch zwei Gläser Wein, bevor Du Dich aufs dünne Eis des Smalltalks wagst. Damit Du Deine Willenskraft nicht verbrauchst, hier drei Schritte, mit denen Du selbstbewusst auf eine Gruppe zugehst.
Schritt 1: Netzwerke mit offenen Gruppen
Eine offene Gruppe hat Platz für eine weitere Person. Stehen sich zwei Menschen direkt gegenüber, möchten sie wahrscheinlich nicht gestört werden. Manchmal stehen sie aber in einer V-Form und zeigen mit dem Oberkörper leicht auf einen gemeinsamen dritten Punkt. Dann kannst Du Dich leicht anschließen. Eine Dreiergruppe steht offen, wenn eine vierte Person die Runde zu einem Quadrat ergänzen könnte.
Dieses Wissen kannst Du auch selbst nutzen. Willst Du ein Gespräch privat halten, stell Dich direkt vor Dein Gegenüber. Willst Du das nicht, öffne das Gespräch bewusst. So machst Du es anderen leicht, dazuzukommen.
Schritt 2: Geh bewusst auf die Gruppe zu
Geh langsam auf die Gruppe zu und such Blickkontakt zu einigen Personen. Das klingt ein wenig nach einer Tierdokumentation, funktioniert aber. Durch Dein Herantreten werden die Leute in der Gruppe auf Dich aufmerksam.
Sehen wir Menschen, die wir kennen oder mögen, machen wir oft unbewusst den „Eyebrow Flash“. Dabei ziehen wir kurz die Augenbrauen hoch und lächeln gleichzeitig. Diese kleine Geste wirkt sofort freundlich. Sie sagt: Ich habe Dich gesehen und nehme Dich wahr. Mehr zur Wirkung solcher Signale liest Du im Artikel über Charisma.
Schritt 3: Eisbrecher fürs Ansprechen
Hält die sprechende Person inne und hast Du die Aufmerksamkeit, kannst Du Folgendes sagen:
- „Oh, entschuldigt bitte, ich wollte gar nicht unterbrechen.“ Das zeigt, dass Du höflich bist und die Gruppe respektierst.
- „Ich finde, ihr wirkt sehr sympathisch.“ Sag das nur, wenn es stimmt.
- „Ich heiße …“ Dabei gibst Du allen die Hand.
- „Worüber habt ihr gerade gesprochen?“ So hat niemand das Gefühl, Du hättest ein spannendes Thema beendet.
Weitere Standardfragen sind: „Woher kennt ihr euch?“ oder „Wie seid ihr hierhergekommen?“
Reden die anderen einfach weiter, vermeide es, lange das fünfte Rad am Wagen zu sein. Hör erst einmal zu und nimm nonverbal teil. Nick oder reagiere mit Deiner Mimik. Auch kurze Einwürfe wie „Aha, interessant“ passen. So machst Du auf Dich aufmerksam. Wahrscheinlich fragt Dich bald jemand, wer Du bist.
Ist die Gruppe mitten in einem Gespräch, dem Du nicht folgen kannst? Dann darfst Du freundlich unterbrechen. Nenn dabei einige Schlagworte der letzten Sätze: „Moment mal. Tierärzte, HTML-Codes und Gummi? Worum geht es hier genau?“ Das zeigt, dass Du zuhörst. Es erklärt, warum Du nicht folgen kannst. Und es sorgt oft für einen Lacher.
Die richtigen Kontakte beim Netzwerken knüpfen
Manchmal wird empfohlen, Berufsgruppen aufzuschreiben, die Du in Deinem Netzwerk haben solltest. Manche Ratgeber enthalten ganze Checklisten. Dort trägst Du ein, ob Du eine Ärztin, einen Notar oder einen DJ kennst. Ist das sinnvoll? Eher nicht.
Welche Leute Du in Deinem Netzwerk brauchst, lässt sich schwer verallgemeinern. Für den einen ist ein Anwalt wichtig, für die andere kaum.
Allgemein gilt: Multiplikatoren sind die wertvollsten Kontakte. Das sind Menschen, die selbst gern netzwerken. Sie teilen ihr Wissen, ihre Ressourcen und ihre Kontakte. Kennt so eine Person jemanden, den Du kennenlernen möchtest, ist das schon die halbe Miete.
Dein Netzwerk sollte außerdem vielfältig sein. Einen Anwalt zu kennen, kann genügen. Fünf Anwälte zu kennen bringt wenig, wenn Du nicht selbst in dem Bereich arbeitest.
Letztlich kannst Du andere nur danach beurteilen, wie sie auf Dich wirken. Gemeinsame Werte und gegenseitige Unterstützung sollten deshalb Vorrang haben. Dazu gleich ein Beispiel.
Eine neue Art von Netzwerken: Netfriending
Viele Menschen fühlen sich souveräner und freundlicher beim Netzwerken, wenn sie einem einfachen Konzept folgen. Wir nennen diese authentische Art zu netzwerken Netfriending.
Es geht darum, den Charakter, die Werte und das Potenzial eines Menschen zu sehen. Beim Netfriending betrachtest Du einen Menschen als Ganzes. Nicht nur als Chance oder als Vorteil, den Du aus der Beziehung ziehen kannst.
Im Mittelpunkt steht der Aufbau einer langfristigen Beziehung, manchmal sogar einer Freundschaft. Die Leitfrage lautet: „Möchte ich diesen Menschen in sechs Monaten noch in meinem Leben haben?“
Netfriending beruht immer auf der Helfermentalität. Zuerst bist Du für die andere Person nützlich, erst danach ziehst Du selbst Nutzen. So fühlen sich beide Seiten wohl, und es ist fair. Das Schönste daran: Du gehst mit einer ganz anderen Einstellung auf Menschen zu. Du bist kein Bittsteller mehr. Du bist jemand, der etwas beiträgt und andere unterstützen will. Das macht Dich sofort selbstbewusster, weil es nicht um Dein Ego geht.
Ein Beispiel, warum Netfriending das bessere Netzwerken ist
Angenommen, eine Trainerin lernt vor einem Seminar zufällig einen Mann kennen. Die beiden verstehen sich gut. Er erzählt, dass er gerade eine Auszeit vom Job nimmt. In Berlin ist er nur auf der Durchreise, in wenigen Tagen fliegt er zurück nach Amsterdam. Es gibt keinen erkennbaren Weg, etwas von ihm „zu bekommen“. Darum geht es ihr auch gar nicht.
Weil sie viele Interessen und Werte teilen, zeigt sie ihm die Stadt und stellt ihm einige Leute vor. Zwei Wochen später ruft er an. Er eröffnet eine Schule für Gründerinnen und Gründer in Spanien und sucht eine Trainerin. Ob sie im Herbst Zeit habe?
Das wäre nie passiert, hätte sie ihn nur danach beurteilt, was er ihr auf den ersten Blick bieten kann. Wir wissen nie, wer wen kennt. Wenn Du ehrlich und fair netzwerkst, ergeben sich auch für Dich solche Chancen.
Durch Authentizität erfolgreich netzwerken
In „Built to Last“ beschreiben Jim Collins und Jerry Porras, was visionäre Unternehmen von anderen unterscheidet. Eine ihrer Erkenntnisse: Visionäre Unternehmen haben eine sehr klare Kultur und klare Werte. Dadurch gibt es kaum Grauzonen nach dem Motto: „Eigentlich passt es nicht zu mir, aber ich bleibe, weil es bequem ist.“
In solchen Unternehmen fühlen sich Mitarbeitende entweder zugehörig, oder sie passen nicht hinein. Wer nicht passt, geht meist von selbst. Diese Unternehmen schrecken also Menschen ab, die nicht zu ihnen passen. Umgekehrt ziehen sie genau die Menschen an, die sich leidenschaftlich mit ihnen identifizieren.
Dieses Prinzip lässt sich gut aufs Netzwerken übertragen. Wir ziehen Menschen an, die uns ähnlich sind. Das kannst Du gezielt nutzen. Welche drei Dinge machen Dich aus? Das folgende Beispiel zeigt, wie Authentizität wirkt.
Die Folgen von Authentizität
Angenommen, eine Coachin sitzt bei einem Dinner in Berlin neben einem Unternehmer. Er redet wie ein Wasserfall, sie hört zu und wirft kurze Kommentare ein. Nach einer halben Stunde sagt er: „Danke für das tolle Gespräch, das macht echt Spaß.“ Dabei hat die Coachin selbst kaum etwas gesagt. Das passiert ständig, wenn man Menschen gut zuhört.
„Aber jetzt erzähl mal von Dir“, sagt er. Jetzt wird es spannend. Statt nur über das Geschäftliche zu reden, erzählt sie von dem, was sie wirklich ausmacht. Von ihrer Freude an Sachbüchern, ihrer ungewöhnlichen Ernährung, ihrem Sport und ihren großen Zielen. Er zieht die Augenbrauen zusammen: „Du musst echt mal einen Gang runterschalten.“ Autsch. Das Gespräch verläuft im Sand.
Kurz darauf tippt ihr jemand auf die Schulter. Eine Frau vom Nachbartisch hat das Gespräch mitgehört. Sie sagt lachend, sie sehe das ganz anders. Die beiden entdecken viele Gemeinsamkeiten, und ein langes, begeistertes Gespräch beginnt. Am Ende stellt sich heraus: Die Frau leitet ein großes Technologieunternehmen.
Um die wenigen Menschen zu finden, die wir wirklich in unserem Leben haben wollen, müssen wir authentisch sein. Dann ziehen wir die vielen anderen gar nicht erst an.
Wie Du beim Netzwerken die richtigen Kontakte anziehst
Wir umgeben uns lieber mit Menschen, die uns ähnlich sind. Deshalb ziehen wir Leute an, die ähnliche Werte, Ziele und Verhaltensweisen haben. Daraus ergibt sich ein einfacher Prozess in zwei Schritten.
- Überleg Dir, welche Menschen Du in Deinem Netzwerk haben möchtest. Wie leben sie? Was machen sie beruflich und privat? Wie verhalten sie sich?
- Überleg Dir, was für ein Mensch Du sein musst, damit diese Menschen gern Zeit mit Dir verbringen. Dabei geht es nicht um Gehalt oder Erfolge. Viel wichtiger sind Deine Einstellung und Dein Umgang mit anderen.
Ein Beispiel, wie Du die richtigen Menschen anziehst
Angenommen, für eine Teilnehmerin hat Gesundheit höchste Priorität. Beim Netzwerken möchte sie Menschen kennenlernen, die diesen Wert teilen. Sie ist vier Tage auf einem Seminar mit Catering. Statt der weißen Brötchen hat sie eine Gurke und ein Steak mitgebracht. Also steht sie da, in einer Hand die Gurke, in der anderen das Steak. Abwechselnd beißt sie von beiden ab.
Natürlich machen alle Kommentare, und manche lachen. Die Menschen, denen Gesundheit ebenfalls wichtig ist, machen ihr aber Komplimente. Das Netzwerken in den nächsten vier Tagen wird für sie dadurch sehr einfach. Die richtigen Leute kommen von selbst auf sie zu. An den Reaktionen erkennt sie, mit wem sie weiterreden möchte.
3 Grundregeln, um Dein Netzwerk aufzubauen
Was ist eine der häufigsten Lügen? Gleich nach „Ich habe die AGB gelesen“ kommt vermutlich „Ja, lass uns in Kontakt bleiben“. Das ist so vage, dass es fast nur schiefgehen kann. Neue Kontakte zu knüpfen fällt vielen mit der Zeit leicht. Die eigentliche Herausforderung beginnt nach dem Austausch der Visitenkarten. In den folgenden Tagen und Wochen zeigt sich, ob der Abend wirklich etwas gebracht hat.
Regel 1: Klasse statt Masse
Beim guten Netzwerken geht es um Klasse statt Masse. Gib Deine Visitenkarte gern weiter, wenn jemand danach fragt. Frag selbst aber nur nach Karten, wenn Du wirklich in Kontakt bleiben möchtest. Sonst erschlägt Dich hinterher die Menge.
Regel 2: Entscheide, wie intensiv der Kontakt sein soll
Bevor Du ein Gespräch verlässt, sollte klar sein, ob Du viel oder wenig Kontakt halten willst. Dein Tag hat nur 24 Stunden. War das Gespräch in Ordnung und willst Du die Person nur auf dem Schirm behalten? Dann genügt eine Kontaktanfrage über LinkedIn oder XING.
Erstaunlich viele fühlen sich verpflichtet, jedem danach eine E-Mail zu schreiben. Am Ende ist es zu viel Arbeit, und keine E-Mail wird geschrieben, ob wichtig oder nicht. Halte intensivere Wege wie E-Mail oder Telefon für die Menschen frei, mit denen Du die Beziehung wirklich vertiefen willst.
Regel 3: Vereinbare einen Anlass für das nächste Mal
Bevor ihr euch verabschiedet, sollte klar sein, wann ihr wieder voneinander hört. Willst Du eine Beziehung vertiefen, brauchst Du einen konkreten Grund, Dich zu melden. Ein bloßes Follow-up reicht nicht. Vereinbar zum Beispiel, dass Du berichtest, ob ein Ratschlag geholfen hat. Noch besser: Verabredet gleich ein Videotelefonat, einen Anruf oder einen gemeinsamen Veranstaltungsbesuch. Stimmt die Chemie, trefft euch direkt auf einen Kaffee.
3 Tipps, um mit neuen Bekanntschaften einfacher in Kontakt zu bleiben
Mach Notizen auf Visitenkarten
Angenommen, Du lachst am Ende eines Gesprächs mit jemandem über einen gemeinsamen Witz. Dann holst Du einen Stift heraus, nimmst seine Visitenkarte und sagst: „Moment, das muss ich mir kurz notieren.“ Du schreibst ein Stichwort auf die Karte. „So erinnere ich mich sicher an unser Gespräch.“ Das macht einen sehr guten Eindruck und schmeichelt Deinem Gegenüber. Vor allem hilft es Dir, wirklich in Kontakt zu bleiben.
Speichere gleich die Daten
Beziehungen nur per E-Mail zu pflegen, ist oft zu distanziert. Willst Du mit jemandem wirklich in Kontakt bleiben, speichere die Nummer gleich im Messenger. Das ist persönlicher. Frag aber vorher, ob Dein Gegenüber einverstanden ist. Das persönlichere Medium ist meist das bessere. Bei rein geschäftlichen Kontakten sieht es natürlich anders aus.
Nutze ein persönliches CRM
LinkedIn und XING sind nicht als Kontaktverwaltung gedacht. Auch Messenger und Facebook eignen sich dafür nicht. Es gibt spezielle Programme für Kontaktpflege, ein sogenanntes persönliches CRM. Oft reicht aber ein einfaches, kostenloses Werkzeug wie Trello. Eigentlich ist es für Projektmanagement gedacht.
Trotzdem funktioniert es erstaunlich gut für Dein Netzwerk. Es erinnert Dich daran, mit wem Du Dich wieder treffen könntest. Und es zeigt Dir, wer alles zu Deinem Netzwerk gehört, damit Du niemanden vergisst. Leg zum Beispiel Spalten an wie „neu kennengelernt“, „melden bis“ und „regelmäßiger Kontakt“.
Networking für den neuen Job
„Netzwerk“ und „Networking“ sind Modewörter für etwas, das früher selbstverständlich war. Jeder lernt im Laufe des Lebens viele Menschen kennen, beruflich wie privat. Ob Du diese Bekanntschaften pflegst, ist oft eine Frage der Persönlichkeit. Zu Deinem Netzwerk gehören zum Beispiel:
- Schulfreunde und Studienbekanntschaften
- Menschen aus Sport und Verein
- Urlaubsbekanntschaften
- jetzige und frühere Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte
- Kunden und Lieferanten
Früher führte man ein Adressbuch. An die wichtigen Menschen gingen Urlaubskarten, Weihnachtsgrüße und Glückwünsche. Wenn es sich ergab, traf man sich. Heute quillt das digitale Adressbuch über. Es gibt Messenger-Kontakte, Facebook-Freunde, LinkedIn, Instagram und viele weitere Plattformen. Dort tauschst Du Dich über alle Grenzen hinweg aus, oft ohne die Menschen je persönlich zu treffen.
Wo digitale Netzwerke an Grenzen stoßen
Ist das schon ein Netzwerk? Für kleine Tipps und Gefälligkeiten taugt es oft. Ein digitaler Hilferuf findet meist jemanden, der hilft. Doch trägt so ein Netzwerk auch, wenn es um eine wichtige Stelle geht? Die neuen Netzwerke sind viel größer, aber auch viel unverbindlicher.
Vielleicht hast Du das schon erlebt. Ging es um etwas wirklich Wichtiges, herrschte Schweigen im Walde. Alte Netzwerke beruhten auf Geben und Nehmen. Hilfst Du jemandem aus einem rein digitalen Netzwerk, ist nicht gesagt, dass er sich verpflichtet fühlt. Eine anspruchsvolle Stelle allein über lose Onlinekontakte zu finden, ist möglich, aber schwierig. Das hat mehrere Gründe:
- Meist bist Du mit Menschen auf Deiner eigenen Ebene vernetzt. Wer Stellen vergibt, ist selten darunter.
- Viele Kontakte sind so oberflächlich, dass sich kaum jemand für Dich aus dem Fenster lehnt.
- Selbst wenn Du jemanden persönlich kennst, ist eine Empfehlung für eine Spitzenposition ein Glücksfall.
Versteh Dein Netzwerk breit
Das soll Dich nicht davon abhalten, Deine Verbindungen für die Jobsuche zu nutzen. Mach Dir nur keine Illusionen. Und versteh Networking nicht zu eng. Zu Deinem Netzwerk gehört alles, was Dich mit der Außenwelt verbindet. Kundenkontakte, frühere Kollegen, Vereine und Urlaubsbekanntschaften gehören genauso dazu. Nichts ist zu groß oder zu klein.
Eine Voraussetzung wird dabei oft übersehen: Wissen die Leute überhaupt, was Du beruflich machst? Häufig wissen nicht einmal Partner oder Freunde genau, womit Du Deinen Tag verbringst. Erzähl also mehr von Dir und Deiner Arbeit. Du wirst überrascht sein, wie schnell sich daraus Anknüpfungspunkte für Deine Jobsuche ergeben.
Ähnlich ist es mit der Auswahl der Menschen, die Du einweihst. Meist sind es Leute, von denen Du glaubst, dass sie sich in Deinem Fach auskennen. Doch oft kennst Du den Hintergrund einer Person gar nicht genau. Wirf Deine Netze deshalb weiter aus.
Erarbeite Dir eine wirksame Selbstdarstellung
Verständlich, dass Du Dich nur vertrauten Menschen ganz öffnen willst. Aber wenn Deine Kontakte nicht wissen, wer Du bist, was Du machst und was Du suchst: Wie sollen sie Dir helfen? Deine Selbstdarstellung will deshalb gut überlegt sein. Sie sollte:
- umfassend informieren,
- unaufdringlich sein,
- so beiläufig klingen, als würdest Du von einem netten Urlaubserlebnis erzählen.
Das ist eine echte Herausforderung. Üb es, bevor Du damit loslegst. Schreib Dir ein kurzes Skript und probier es zuerst bei Menschen Deines Vertrauens aus:
- Erzähl etwas von Dir, ohne daran eine Forderung zu knüpfen.
- Flicht das, worauf es Dir ankommt, unauffällig ein.
- Warte die Reaktion Deines Gegenübers ab, bevor Du das Thema vertiefst.
Die Ergebnisse überraschen oft. Kontakte, von denen Du es nie gedacht hättest, kennen plötzlich jemanden, der Dir weiterhelfen kann. Stößt Du auf so einen Treffer, pflege das zarte Pflänzchen behutsam. Rück erst mit Deinem eigentlichen Anliegen heraus, wenn die Beziehung stabil genug ist. Wie Du Dich im Gespräch überzeugend präsentierst, üben wir im Bewerbungscoaching, etwa mit einem Probelauf mit Feedback aus Personalersicht.
Das richtige Wording beim Networking
Noch etwas wird beim Networking häufig unterschätzt: Deine Sprache. Gerade in Fach- und Führungspositionen drückst Du Dich gewohnt fachlich und anspruchsvoll aus. Oft verlangt das die Sache. Manchmal spielen aber auch andere Motive mit:
- Du willst zeigen, wie viel Du von Deinem Fach verstehst.
- Du willst Dein Revier markieren.
- Oder es macht Dir einfach Spaß, andere mit Wissen und Erfahrung zu beeindrucken.
All das hilft wenig, wenn Du Kontakten aus Deinem Netzwerk Deine Arbeit näherbringen willst. Manche Fachgebiete sind so speziell, dass Außenstehende selbst ohne Fachchinesisch kaum etwas verstehen. Deine Sprache so herunterzubrechen, dass jeder folgen kann, ist schwieriger als gedacht. Du kannst Dich dann nicht mehr hinter Fachbegriffen verstecken.
Dein Gegenüber begreift nur, was Du meinst, wenn Deine Begriffe das möglich machen. Es hilft Dir nichts, wenn Dein Kontakt zwar beeindruckt ist, aber kein Wort verstanden hat. Oder wenn Du Dich in Deiner Wichtigkeit sonnst, Dein Gegenüber aber nicht weiß, welchen Nutzen Deine Arbeit stiftet.
Dein Netzwerk muss Dich verstehen, um Dir zu helfen
Willst Du verstanden werden, versetz Dich in Dein Gegenüber. In seine Situation, sein Wissen und sein Umfeld. Von dort aus weckst Du Interesse für das, was Du erzählen willst:
- Fußballfans erreichst Du mit einem Bild aus dem Fußball: „Mir ging es wie einem Spieler, der im Finale den Elfmeter verschießt.“
- Kunstbegeisterte erreichst Du mit einem Vergleich aus Malerei oder Museum.
- Technikfans erreichst Du mit einem Vergleich aus ihrer Welt: „Kennst Du diese kleinen Saugroboter?“
Du brauchst die Aufmerksamkeit Deines Gesprächspartners, um ihm mitzuteilen, was Dir wichtig ist. Lass Dich auf seine Begriffe und Bilder ein, damit er Dich versteht. Nebenbei lernst Du so eine Fähigkeit, die Dir auch an anderer Stelle sehr nützt.
Hast Du eine verständliche Beschreibung Deiner Arbeit gefunden, bring sie auch in Schriftform. Per Mail erreichst Du viele Kontakte schneller. Schick aber keine Rundmail mit Standardtext. Denk an jeden Kontakt einzeln und sprich ihn persönlich an. Nur so weckst Du echtes Interesse.
Jobsuche über soziale Netzwerke
Für viele Positionen sind LinkedIn und XING heute sehr nützlich. Headhunter und Personalabteilungen suchen dort gezielt nach passenden Profilen. Bei sehr hohen Positionen läuft vieles weiterhin diskret über persönliche Empfehlungen. Die Entwicklung geht aber schnell. Was heute gilt, kann morgen überholt sein. Behalte sie deshalb im Blick.
Hast Du ein Profil, pflege es unbedingt:
- Profil und Lebenslauf müssen übereinstimmen.
- Beides muss immer auf dem neuesten Stand sein.
- Dein Auftritt sollte zu Deiner Position passen und in allen Punkten sorgfältig sein.
- Hast Du Zeit und Lust, beteilige Dich an Diskussionen oder teile ab und zu Beiträge aus Deinem Fach.
Denn es ist gut möglich, dass Dir auf diesem Weg ein Angebot ins Haus flattert. Wer nach einem bestimmten Profil sucht, scannt auch die sozialen Netzwerke. Wie Du Dich dort gezielt positionierst, liest Du im Artikel zum Personal Branding.
Behalte Deine Präsenz im Internet im Blick
Personalverantwortliche schauen sich heute oft an, was im Netz über Bewerberinnen und Bewerber zu finden ist. Das Bild, das Du dort abgibst, ist also für mögliche Arbeitgeber wichtig. Du kannst es beeinflussen:
- Such regelmäßig nach Deinem Namen und prüf, was Du findest.
- Lass falsche Angaben korrigieren oder löschen, wo das möglich ist.
- Handle nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“, etwa mit Fachbeiträgen, Vorträgen oder Interviews.
Über Fake News und Hasskommentare zu klagen, hilft nichts. Tu stattdessen, was Dir möglich ist, um die Chancen des Netzes zu nutzen. Sorg für einen guten digitalen Fußabdruck. Wer Dich dann googelt, hält dieses Bild oft für überzeugender als jeden Lebenslauf.
Fazit: Netzwerk und Jobwechsel
Das Netzwerk ist ein schönes Bild. Es verspricht, dass Du hältst und gehalten wirst. Rein digitale Netzwerke erweisen sich in der Praxis aber oft als wenig tragfähig. Solange Du keine großen Erwartungen an sie stellst, ist das kein Problem. Für eine wichtige Stelle solltest Du Dich aber nicht allein auf sie verlassen.
Netzwerke sind deshalb nicht schlecht. Versteh sie nur breiter, als alle Kontakte, die Du hast oder hattest. Und mach Dir klar, dass viele Deiner Kontakte gar nicht wissen, was Du beruflich machst. Mit einer guten Selbstdarstellung und einer verständlichen Sprache aktivierst Du Kontakte, von denen Du nie Hilfe erwartet hättest. Frag Dich dabei immer:
- Was könnte mein Gegenüber interessieren?
- Welche Begriffe braucht es, damit es versteht, was ich meine?
- Mit welchen Vergleichen bekomme ich seine Aufmerksamkeit?
Die 3 wichtigsten Networking-Tipps
Wenn Du aus diesem langen Artikel nur drei Dinge umsetzt, dann bitte diese drei:
- Such pro Veranstaltung eine Person, mit der Du langfristig in Kontakt bleiben möchtest.
- Sei beim Netzwerken aktiv und authentisch. Zeig Werte und Interessen, die die falschen Leute abschrecken und die richtigen anziehen.
- Entscheide, wie Du die Beziehung weiter aufbaust, bevor Du das Gespräch verlässt.
Mit Deinem Netzwerk zum nächsten Karriereschritt
Du willst Dein Netzwerk gezielt für einen Jobwechsel nutzen oder weißt noch nicht, wohin es beruflich gehen soll? In unserer Karriereberatung klären wir mit Dir Ziele, Stärken und die nächsten Schritte. Im Bewerbungscoaching übst Du Deine Selbstpräsentation für Gespräche und Bewerbungen.
Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
