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Mit Zuverlässigkeit verdienst du dir Vertrauen

Mit Zuverlässigkeit verdienst du dir Vertrauen

In diesem Artikel geht es um Zuverlässigkeit und Vertrauen. Ärgerst du dich auch über Mitmenschen, die Dinge versprechen, sie dann aber nicht halten? Bei denen du nie weißt, ob sie pünktlich sein oder die ihnen anvertrauten Aufgaben sorgfältig erledigen werden? Dann bist du bei unserem heutigen Thema goldrichtig.

Zuverlässigkeit

Zuverlässigkeit in der Technik

Relativ einfach ist es, den Zuverlässigkeitsgrad von Materialien, Produkten oder Systemen zu ermitteln. Das geht  

  • qualitativ über die Eigenschaften 
  • quantitativ über Dauer, Komplexität und Intensität der Testbelastungen

Dabei können wir uns merken, dass es keine absolute Zuverlässigkeit gibt, weil jedes Material, Produkt oder System versagen oder ausfallen kann, wenn eine bestimmte Grenzbelastung überschritten wird. Die Zuverlässigkeit in der Technik wird ermittelt

  •  statistisch durch Festhalten von Ausfallhäufigkeit und Ausfalldauer
  • analytisch durch Berechnen der Wahrscheinlichkeit solcher Ausfälle

In der Technik und Materialprüfung geht es immer wieder um Zuverlässigkeit bzw. um Grade von Zuverlässigkeit, weil es leider eine absolute Zuverlässigkeit nicht gibt.

Mensch, Maschine und Material

In jeder gegebenen Arbeitsumgebung müssen sich Mensch, Material und Maschine aufeinander verlassen können. Wenn es aber schon keine absolute Zuverlässigkeit bei Material und Maschine gibt, wie sieht es beim Menschen aus?

Man könnte mit Recht sagen, dass der Mensch eigentlich selbst eine Maschine ist. Eine extrem komplizierte mit knapp 100 Billionen Zellen, die wir nach wie vor nur ansatzweise verstehen, aber im streng naturwissenschaftlichen Sinn nichtsdestotrotz eine Maschine. Eine Maschine mit ihren nun einmal unvermeidlichen Risiken, immer mal wieder auszufallen. Oder hebt sich die Mensch-Maschine gerade dadurch von den anderen Maschinen ab, dass sie sich von ihren Funktionen und Materialien ein Stück weit unabhängig machen kann?

Untersuchen wir doch einmal das begriffliche Umfeld von menschlicher Zuverlässigkeit:

  • Gewissenhaftigkeit - eine Maschine hat kein Gewissen
  • Ehrlichkeit - eine Maschine kann nicht unehrlich sein
  • Verantwortungsbewusstsein - eine Maschine übernimmt keine Verantwortung. Bislang hat sie auch noch kein Bewusstsein
  • Vertrauenswürdigkeit - da kommen sich Mensch und Maschine am nächsten. Vertrauenswürdigkeit ist ein reiner Erfahrungswert. Je länger Mensch oder Maschine ihre Zuverlässigkeit unter Beweis stellen, desto mehr Vertrauen ernten sie, desto vertrauenswürdiger werden sie.

Damit wird ziemlich klar, dass es eine menschliche Zuverlässigkeit gibt, die sich von der technischen Zuverlässigkeit unterscheidet und abhebt. Die Vermutung liegt nahe, dass das damit zusammenhängt, dass der Mensch aus freien Stücken zuverlässig ist, während Materialien und Maschinen die ihnen eigene Zuverlässigkeit per definitionem innewohnt. Material und Maschine können eine ursprüngliche Zuverlässigkeit nicht ohne weiteres in eine plötzliche Unzuverlässigkeit umkehren. Der Mensch schon. Ein zunächst zuverlässiger Mensch kann sich in kürzester Zeit zu einem unzuverlässigen wandeln durch:

  • Schicksalsschläge
  • Enttäuschung
  • Krankheit
  • Entmutigung

Zuverlässigkeit und Pflichtgefühl

Eine Eigenschaft, die Zuverlässigkeit erleichtert, ist etwas, das den Preußen in hohem Maße nachgesagt wurde: das Pflichtgefühl, denen sich Ordnung und Fleiß als weitere Sekundärtugenden hinzugesellen. Als Beiprodukt eines eifernden Pietismus hat das Pflichtgefühl allerdings auch weniger erfreuliche Eigenschaften gefördert:

  • Unnachgiebigkeit
  • Rücksichtslosigkeit
  • Rechthaberei
  • Hybris
  • Gefühlskälte

Menschen, die sich ihrer Zuverlässigkeit und ihrer Pflichtauffassung rühmen, geraten leicht in Gefahr, daraus ein Überlegenheitsgefühl abzuleiten, das völlig unangebracht ist. Wenn du dich also darum bemühst, im Arbeitsumfeld und im privaten Bereich als zuverlässig zu gelten, übertreibe es nicht und vermeide es, deine Umwelt mit Mahnungen auf die Nerven zu gehen. Deine eigene Zuverlässigkeit wird nur dann als angenehm empfunden werden und sich als Gewinn für deine Umgebung erweisen, wenn sie gepaart ist mit

  • Flexibilität
  • Anpassungsbereitschaft
  • Einfühlungsvermögen

Dein Coach wird dir Methoden zeigen, mit denen du Zuverlässigkeit ohne ihre unangenehmen Begleiterscheinungen erlangst.

Pünktlichkeit

Pünktlichkeit

Eine zentrale Bedeutung für Zuverlässigkeit hat die Pünktlichkeit. Niemand, der 

  • Verabredungen
  • Termine
  • Deadlines

in unserer postindustriellen Gesellschaft nicht einhält, wird als zuverlässig gelten können. Auch im Verkehr wird die Zuverlässigkeit im Zusammenspiel von Mensch und Maschine an der Pünktlichkeit gemessen, mit der

  • Fahrpläne
  • Flugpläne
  • Reisepläne

eingehalten werden. Jede Minute, die hier verloren geht, trägt dem Verantwortlichen Minuspunkte bezüglich Zuverlässigkeit ein. Die Einhaltung vorgegebener Zeiten ist geradezu der Gradmesser von Zuverlässigkeit. Pünktlich zu sein, gilt darüber hinaus als

  • höflich
  • respektvoll
  • Bedingung für gesellschaftliche Akzeptanz

Diese Einstellung zur Zeit kann sich allerdings von Kultur zu Kultur relativieren. Während in westlichen Gesellschaften Zeit eine geldwerte Ressource ist, kann das in mehr landwirtschaftlich geprägten Kulturen ganz anders aussehen. Das hängt damit zusammen, dass die moderne Gesellschaft Zeit versteht als 

  • linear und fortschreitend

die traditionelle Gesellschaft versteht Zeit dagegen als

  • zyklisch und sich wiederholend

Heute siehst du dich in vielen Berufen mit ganz unterschiedlichen Kulturkreisen konfrontiert. Um deine Zuverlässigkeit nicht primär mit der Pünktlichkeit zu verbinden, solltest du dir der unterschiedlichen Zeit-Auffassungen bewusst sein und dafür Toleranz entwickeln. Was dich wieder vor der Maschine auszeichnet, die in der Regel auf unnachgiebige Einhaltung von Zeitintervallen ausgerichtet ist und nicht das geringste Verständnis für kulturell bedingte Abweichungen hat.

Ist Zuverlässigkeit eine Sekundärtugend?

Die 68-er Revolution räumte mit den preußisch-deutschen bürgerlichen Tugenden im Verlauf ihrer Ursachenforschung für die Grundlagen des Nationalsozialismus gewaltig auf:

  • Fleiß
  • Treue
  • Disziplin
  • Pünktlichkeit
  • Pflichtbewusstsein
  • Zuverlässigkeit

wurden als Sekundärtugenden abserviert. Unvergessen in diesem Zusammenhang die Aussage Oskar Lafontaines 1982: „Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. [...] Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben.“  Anstelle der bürgerlichen Sekundärtugenden wurden Primärtugenden auf den Schild gehoben:

  • Freiheitsbewusstsein
  • Solidarität
  • Kreativität
  • Kreativität
  • Mitgefühl

Die Summerhill-Ideale von A.S. Neill beeinflussten eine ganze Generation von liberalen Eltern. Nachfolgende Generationen mussten sich hingegen davon überzeugen lassen, dass im Alltagsleben auf die Sekundärtugenden nicht vollkommen verzichtet werden kann. Aber ist Zuverlässigkeit überhaupt eine zweitrangige Sekundärtugend? 

Wie wir oben gesehen haben, ist Zuverlässigkeit keine genetische Eigenschaft. Sie wird sowohl kulturell als auch durch Erziehung beeinflusst. Letzten Endes hängt zumindest der Grad von Zuverlässigkeit ausschließlich vom Willen des Individuums ab. Und dieser Wille entsteht aus der Einsicht in die Notwendigkeit von Zuverlässigkeit. Unbestreitbar ist doch, dass Zuverlässigkeit

  • Vertrauen schafft
  • für Effizienz sorgt
  • gesellschaftliche Anerkennung bewirkt
  • Selbstbewusstsein steigert

Zuverlässigkeit wirkt damit nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Wenn du zuverlässig bist, werden dir die Menschen um dich herum mehr und mehr vertrauen, aber auch dein Zutrauen zu dir selbst wird wachsen. Je mehr Aufgaben du zuverlässig erledigst, desto zuversichtlicher gehst du an neue Aufgaben heran. Damit ist die Frage, ob Zuverlässigkeit eine Sekundär- oder Primärtugend ist, eigentlich belanglos. Es ist eigentlich auch egal, wie sie ethisch bewertet oder ob sie als Tugend eingestuft wird. Zuverlässigkeit ist vor allem eine überaus praktische Eigenschaft, die dir hilft, im beruflichen wie im privaten Leben zurecht zu kommen.

Fazit

Du kannst dich entscheiden, ob dir Zuverlässigkeit als Eigenschaft im Leben wichtig ist. Sicherlich ist es vor allem anfangs mühselig, sie in sich und seinen Handlungen als feste Größe zu etablieren. Wenn dir Zuverlässigkeit diese Mühe nicht wert ist, kannst du sie dir sparen. Du weißt nun aber auch, was du in Kauf nimmst, wenn du als unzuverlässig giltst. Möchtest du wirklich auf das Vertrauen deiner Umwelt verzichten und - was vielleicht noch gravierender ist - auf das Zutrauen zu dir selbst und deine Fähigkeiten? Laissez faire - laissez aller ist eine Lebenseinstellung, die durchaus zu akzeptieren ist. Aber sie kommt nicht umsonst. Sicher ist es hilfreich, wenn du mit deinem Coach alle Aspekte rund um die Zuverlässigkeit erkundest und dann eine gut informierte Entscheidung triffst. Auch wenn du Nachholbedarf haben solltest in Bezug auf Zuverlässigkeit, kannst du dich darauf verlassen, dass dein Coach dir hilft.

Über den Autor

Sven ist Gründer und Spiritus Rector der Karrierehelden. Er coacht leidenschaftlich gerne, schreibt und liest. Seine Lieblingsthemen sind Genetik, Soziologie, Künstliche Intelligenz, Psychologie, Neurobiologie und Entrepreneurship.