„Die wichtigste Investition, die Du tätigen kannst, ist die in Dich selbst.“ Dieser Satz wird Warren Buffett zugeschrieben. Ein Mentor ist eine der besten Formen dieser Investition.
Beim Begriff Mentor denken die meisten an Mentoring-Programme. Erfahrene Mentoren unterstützen junge Talente in Unternehmen, Universitäten und gemeinnützigen Organisationen. Hast Du die Chance auf ein professionelles Mentoring-Programm? Dann nutze sie. Es ist eine Investition in Deine Karriere. In diesem Guide erfährst Du, wie Du einen Mentor findest und wie die Beziehung gelingt.
Wie Du Mentoren findest
Es gibt Mentoring-Programme für ganz bestimmte Zielgruppen, zum Beispiel für Frauen am Berufsstart. Für die Anmeldung füllst Du oft einen psychologischen Test aus. Und Du beschreibst, was Du durch das Mentoring erreichen willst. So wird Dir ein Mentor zugeteilt, der in der Persönlichkeit gut zu Dir passt.
Ein großer Mehrwert solcher Programme ist das Netzwerk. Manche Programme teilen offene Stellen in einer geschlossenen Gruppe, und Teilnehmende werden bevorzugt. Dazu kommen Veranstaltungen, Netzwerkabende und Firmenbesuche.
Einen Mentor kannst Du aber auch ganz ohne Programm finden. Angenommen, Du lernst auf einer Veranstaltung jemanden kennen und bittest ihn um Rat. Am nächsten Tag bedankst Du Dich per E-Mail. Darin fasst Du seine Ratschläge zusammen und fragst, ob Du alles richtig verstanden hast. Das hinterlässt einen sehr positiven Eindruck. Vielleicht trefft ihr euch danach alle paar Monate. Und irgendwann hilft er Dir durch die eine oder andere Krise.
Du musst ihn nie fragen, ob er Dein Mentor sein will. Es passiert einfach. Genau wie in einer Freundschaft: Da fragst Du auch nicht, ob ihr befreundet sein wollt. Die Freundschaft entsteht, weil ihr Dinge tut, die gute Freunde tun. So entsteht auch eine Beziehung zwischen Mentor und Mentee. Du bittest um Rat, setzt ihn um, bedankst Dich für die Ergebnisse und fragst wieder um Rat.
Ein sehr ungewöhnlicher Weg, Mentoren zu finden
Mach einen Podcast! Ja, interviewe interessante Menschen in einem eigenen Podcast, etwa auf Spotify oder Apple Podcasts. Das ist etwas Arbeit. Es lohnt sich aber, weil Du künftigen Arbeitgebern damit zeigst, dass Du ein Netzwerk hast.
Interessiert? Dann hör Dir Podcasts in Deinem Themenfeld an, zum Beispiel zu Gründung, Führung, New Work oder Digitalisierung. So bekommst Du ein Gefühl für gute Interviews.
Ein Podcast ist einer der schnellsten Wege zu Mentoren. Schließlich darfst Du Deinen Gästen Fragen stellen. Und Du hast einen guten Grund dafür.
Warum Mentoren wichtig sind
Mit Mentoren lernst Du schneller
„Lerne aus den Fehlern anderer. Du kannst nicht lange genug leben, um sie alle selbst zu machen.“ Dieser Satz wird dem US-amerikanischen Fernsehautor Sam Levenson zugeschrieben.
Fast jeder Fehler, den wir machen, hat schon jemand vor uns gemacht. Schade, dass nicht alle einen Mentor haben. Die Welt sähe anders aus, wenn jeder eine Vertrauensperson hätte. Jemanden für Krisen, Unsicherheit und neue Projekte. Einen Mentor, der die Fehler schon gemacht hat, damit wir sie nicht machen müssen. Mentoren machen das Leben nicht nur leichter. Sie können es lebenswerter machen.
Du kennst sicher die berühmte Midlife-Crisis. Sie ist wie das Aufwachen aus einem Traum. Plötzlich merkst Du, dass Du einen guten Teil Deiner besten Jahre verschenkt hast, ohne es zu bemerken. Mentoren helfen nicht nur in der Karriere, sondern auch auf dem Weg zu einem erfüllten Leben.
Statt alle Fehler selbst zu machen, profitierst Du vom Wissen und von der Erfahrung anderer. Das spart viel Zeit, Geld und Nerven. Du könntest sagen, es gibt genug Bücher, Onlinekurse und Blogartikel. Aber das ist nicht dasselbe.
Ein Mentor kann jeder sein
„Ohne Mentoren wäre ich heute nicht hier. Ich bin das Ergebnis großartiger Mentoren und großartigen Coachings. Coaches oder Mentoren sind sehr wichtig. Das kann jeder sein: Dein Mann, andere Familienmitglieder oder Dein Chef.“ So beschreibt es Indra Nooyi, frühere CEO von PepsiCo.
3 Beispiele für erfolgreiche Menschen mit Mentoren
- Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, und Larry Page, Mitgründer von Google, holten sich Rat bei Steve Jobs. Jobs selbst hatte mehrere Mentoren, darunter Nolan Bushnell und Robert Friedland.
- Richard Branson dankt seinem Mentor Sir Freddie Laker für den Erfolg von Virgin Atlantic.
- Bill Gates bekommt Rat und Unterstützung von Warren Buffett.
Was ist Mentoring genau? Die Definition
Ein Mentor ist in diesem Artikel ein erfahrener Unterstützer. Er hilft Dir mit seinem Fachwissen und ist für Fragen und Probleme ansprechbar. Auch ein Coaching kann zu einer Art Mentoring werden.
Ein Mentor sieht Dein Talent
„Ein Mentor ist jemand, der mehr Talent und Fähigkeiten in Dir sieht als Du selbst und hilft, sie hervorzubringen.“ Dieser Satz stammt vom Motivationstrainer Bob Proctor.
Einen Mentor erkennst Du an diesen Merkmalen:
- Ein Mentor gibt Dir konkrete Ratschläge in seinem Fachgebiet. Du kannst ihn nach seiner Meinung und nach Ideen fragen.
- Ein Mentor sieht Dein Potenzial, Deine Schwächen und Deine Stärken. Durch ihn erkennst Du, was für ein Mensch Du bist.
- Ein Mentor kann Dir Karrierechancen eröffnen und Dich anderen Menschen vorstellen.
Kein Mentor ohne Mentee: Welcher Typ Mentee bist Du?
Die folgenden drei Kategorien sind vom Coach und Trainer Matthew Hussey inspiriert. Überlege, welche Beschreibung am besten zu Dir passt. Sei ehrlich! Nur dann kannst Du etwas ändern. Wie das geht, zeigen wir Dir im Lauf dieses Artikels.
Konfuzius sagt …
„Wahres Wissen ist, das Ausmaß der eigenen Unwissenheit zu kennen.“ Dieser Satz wird Konfuzius zugeschrieben.
Der abhängige Mentee
Die unterste Stufe sind Menschen, die wirklich nichts allein schaffen. Liest Du diesen Artikel, gehörst Du wahrscheinlich nicht dazu. Sie brauchen nicht nur Mentoren. Eigentlich wollen sie jemanden, der das Leben für sie lebt. Abhängige Mentees fehlt es nicht an Fähigkeiten. Sie lassen nur lieber andere die Arbeit machen.
Ein solcher Mentee würde seinen Mentor bitten, für ihn zu recherchieren oder das Anschreiben zu formulieren. Auch andere Kleinigkeiten soll der Mentor übernehmen. Die Begründung lautet: „Ich kann das nicht.“ Die Opferrolle ist ziemlich bequem. Wer sich hilflos gibt, bekommt manchmal Hilfe. Bewusst nach einem Mentor suchen würde dieser Typ wohl nicht. Das wäre ihm eine viel zu große Aufgabe.
Der ignorante Mentee
Für manche Menschen scheinen Mentoren eine Gefahr für das Ego zu sein. Sie sind das perfekte Grundmaterial für eine Ellenbogengesellschaft. In ihrer Welt klettern sie die Karriereleiter ganz allein hinauf. Einen Mentor finden? Ratschläge? Hilfe? Das brauchen nur Idioten. Genauso wie Bücher oder Artikel zu hilfreichen Themen.
Viele von ihnen wollen einfach nicht zugeben, dass sie nicht alles wissen. Manche ignorante Mentees glauben, niemand würde ihnen ohne Hintergedanken helfen. Andere halten sich für zu gut für einen Mentor. Oder sie meinen, niemand könne ihnen bei ihrem Problem helfen. Woher kommt diese Einstellung, und wie kannst Du sie ändern? Gegen Ende des Artikels geht es um das Fixed Mindset. Und darum, wie Du ein erfolgreicher Mentee wirst.
Der erfolgreiche Mentee
Die erfolgreichsten Mentees wissen, dass sie es auch allein schaffen könnten. Es würde sie nur viel mehr Zeit, Geld und Frust kosten, alle Fehler selbst zu machen. Das Ego steht ihnen nicht im Weg. Im Gegenteil: Sie sind sehr wissbegierig, ehrgeizig und interessiert. Sie sehen die Weisheit in vielen verschiedenen Mentoren.
Sie suchen aktiv nach Wegen, mehrere Mentoren zu finden. Sie geben ihre Fehler zu. Erfolgreiche Mentees erkennen mögliche Probleme früh. Deshalb haben sie ein besseres Leben, denn große Krisen und Dramen sind selten. Warum? Statt wegzuschauen, fragen sie ihre Mentoren gezielt um Rat. Das eröffnet ihnen viele Karrierechancen, gute Beziehungen und große Erfolge.
3 Gründe, warum gerade erfolgreiche Menschen Deine Mentoren sein sollten
Angenommen, Du sitzt durch Deine Firma bei einem großen Abendessen. Neben Dir sitzt der CEO eines der größten Unternehmen in Deutschland. Du bist aufgeregt. Aber Du sprichst ihn nicht an. Du denkst: „Ich bin kein erfolgreicher Millionär. Was habe ich ihm schon zu bieten?“ Diese Haltung ist weit verbreitet.
Als Mentee musst Du Dich aber nicht mit Deinem Mentor vergleichen. Es stimmt zwar, dass sich Menschen meist mit anderen umgeben, die ihnen ähnlich sind. Beim Mentoring ist das aber anders. Überlegen wir einmal, was einen Mentor motiviert, Dich als Mentee zu unterstützen.
Der Mentor hat Freude am Mentoring
Zum einen hat ein Mentor eine innere Motivation, jemandem zu helfen. Es geht ihm nicht direkt darum, etwas aus der Beziehung herauszuholen. Wer einen Garten pflegt, dem ist die Ernte meist zweitrangig. Die eigentliche Motivation ist, die Pflanzen wachsen zu sehen. Die Arbeit soll sich lohnen. Mentoren wollen, dass Du erfolgreich bist, weil sie dann stolz sein können.
Der Mentor wird durch das Mentoring bestätigt
Am besten lernst Du etwas, wenn Du es jemandem beibringst. In den Gesprächen kann der Mentor sein eigenes Verhalten reflektieren. Und wir sollten das Ego des Mentors nicht vergessen. Viele Menschen, die im Leben wirklich etwas erreicht haben, sprechen gern darüber. Wertschätzung und aufmerksames Zuhören wirken wie ein Schulterklopfen für das Ego Deines Mentors.
Der Mentor möchte etwas weitergeben
Viele erfolgreiche Menschen hatten selbst Mentoren, die ihren Erfolg möglich gemacht haben. Jetzt möchten sie etwas zurückgeben. Diese Motivation kannst Du ganz gezielt nutzen, um jemanden als Mentor zu gewinnen.
3 verbreitete Irrtümer, die Mentoring unmöglich machen
1. Der Mythos vom einen Mentor: Ein Mentor reicht nicht
Es gibt die romantische Vorstellung von dem einen Mentor. Dem einen, der Dir in allen Lebensbereichen hilft. Der mit Dir durch dick und dünn geht. Das Rundum-sorglos-Paket für die perfekte Karriere und das perfekte Leben. Das setzt Deinen Mentor stark unter Druck. Plötzlich muss eine einzige Person für alles da sein. Das kostet sehr viel Zeit. Und die kannst Du von vielen erfolgreichen Menschen nicht verlangen.
Du brauchst also eine ganze Reihe von Mentoren. Wir nennen das ein Board of Mentors. Warum ist das wichtig? Stell Dir einen Tisch vor. Die Tischplatte ist Dein Erfolg, das Tischbein Dein Mentor. Ein Tisch mit nur einem Bein ist sehr wackelig. Vielleicht bricht er sogar zusammen, weil die Last zu schwer ist.
Mit mehreren Mentoren hast Du mehrere Tischbeine, auf die Du Dich verlassen kannst. Dann hast Du für jeden Bereich einen eigenen Mentor. Angenommen, Du hast sieben Mentoren für unterschiedliche Situationen. Einer hilft Dir in fachlichen Fragen. Eine Personal Trainerin berät Dich zu Gesundheitsthemen. Und eine Unternehmerin reflektiert mit Dir die endlosen selbstkritischen Gedanken.
So hat jeder Mentor eine Aufgabe in seinem Fachgebiet. Du beanspruchst die Zeit einer Person nicht zu sehr. Und Du bekommst bessere Ratschläge. Elon Musk wäre ein Traum-Mentor, wenn Du ein Unternehmen gründen willst. Beziehungstipps von ihm wären aber wohl wenig hilfreich.
2. Der Mythos vom ähnlichen Mentor: Mentoren sind nicht Du in 20 Jahren
Angenommen, eine Biotechnologin möchte all diese Techniken nutzen. Sie sagt aber, in ihrem Fachgebiet gebe es einfach keine Mentoren. Fragst Du sie, wen sie eigentlich sucht, folgt eine lange Liste sehr konkreter Details.
Ihre ideale Mentorin soll weiblich und zwischen 35 und 45 Jahre alt sein. Sie soll in Berlin leben und mindestens zehn erfolgreiche Veröffentlichungen in ihrer Nische haben. Außerdem soll sie eine Führungsposition in einem großen Unternehmen und eine glückliche Familie haben.
Kurz gesagt: Die Mentorin soll sie selbst in 20 Jahren sein. Wie wahrscheinlich ist es, so jemanden zu finden? Fast unmöglich.
Einen Mentor kannst Du nicht aussuchen wie eine Marmelade im Supermarkt. Oft ist gerade ein Mentor besonders wertvoll, der ganz anders ist als Du. Zum Beispiel ein introvertierter freiberuflicher Texter Mitte 50, aufgewachsen in einem anderen Land. Mit einer zu engen Vorstellung würdest Du ihn nie in Betracht ziehen.
Die Autorin Janet Mock sagt sogar: Ein Mentor muss nicht die Person sein, mit der Du gern einen Cocktail oder Kaffee trinken würdest. Hauptsache, sie ist da, wenn Du ein Problem oder eine Frage hast. Hast Du das Gefühl, Deinen perfekten Mentor einfach nicht zu finden? Dann sind Deine Vorstellungen vielleicht etwas zu eng.
Öffne Dich für neue Möglichkeiten. Leg Deinen Mentor nicht auf eine genaue Laufbahn, ein bestimmtes Alter und andere unwichtige Details fest. Am Ende zählt nur eines: Die Person hat echtes Fachwissen in einem Bereich, in dem Du besser werden willst.
3. Der Mythos vom berühmten Mentor: Dein Mentor muss kein Überflieger sein
Natürlich kannst Du als Student Bill Gates anschreiben und versuchen, ihn als Mentor zu gewinnen. Tim Ferriss, Autor des Bestsellers „Die 4-Stunden-Woche“, rät davon ab, Mentoren im Rampenlicht zu fragen. Statt dem Goldmedaillengewinner dieses Jahres könntest Du der Bronzegewinnerin von vor drei Jahren schreiben. Meist unterschätzen wir, wen wir ansprechen können.
Coach Matthew Hussey rät sogar, bewusst Mentoren zu wählen, die Dir nur zwei bis drei Schritte voraus sind. Hast Du Angst vor der Selbstständigkeit, hilft Dir ein Serienunternehmer wenig. Er kann sich kaum noch in das Problem hineinversetzen, weil es zu lange her ist. War Dein Mentor vor wenigen Jahren in einer ähnlichen Lage? Dann erinnert er sich an die Details und an sein eigenes Vorgehen. Und er versteht Deine Situation besser.
3 Fragen, um den richtigen Mentor zu finden
Wobei könnte Dir ein Mentor helfen?
Wir haben geklärt, dass Du mehrere Mentoren brauchst und dass sie Dir in bestimmten Lebensbereichen helfen. Jetzt geht es ans Eingemachte.
Stell Dir vor, Du könntest Dein Leben gestalten wie mit einem Photoshop für die Wirklichkeit. Du retuschierst den Zeitmangel, dunkelst unangenehme Gespräche ab oder hebst das Gehalt an. Wie würdest Du Dein Leben verändern?
Stell Dir vor, Dein Leben ändert sich über Nacht zum Besseren. Welche Probleme wären gelöst? Welche Lebensbereiche wären besser?
Welches Fachwissen braucht Dein Mentor?
Beantworte diese Fragen ehrlich. Hoffentlich findest Du einige Bereiche mit Potenzial. Was muss ein Mentor können oder wissen, um Dir dabei zu helfen? Das muss oft nicht an eine Branche oder einen bestimmten Beruf gebunden sein. Hilfreich kann es aber sein.
Wo findest Du einen solchen Mentor?
Auf welchen Konferenzen sind Menschen mit diesem Fachwissen unterwegs? Wie könntest Du sie auf LinkedIn finden? Wen kennst Du, der Dich mit jemandem bekannt machen könnte? Mehr dazu liest Du in unserem Ratgeber zum Netzwerken.
Wie Du einen möglichen Mentor verschreckst
In ihrem Buch „Lean In“ beschreibt Sheryl Sandberg, die frühere COO von Facebook, eine Erfahrung. Vor allem Frauen fragen sie oft, ob sie ihre Mentorin werden könne. Sie vergleicht das mit der Frage: „Willst Du meine Mutter sein?“ Das ist genauso ungeschickt, wie einen Fremden beim ersten Treffen nach einem Job zu fragen. Aber was ist an dieser Frage so falsch?
- Zum einen wirken wir damit wie Bittsteller.
- Zum anderen zeigt sie wenig soziales Geschick. Denn sie beruht darauf, zu nehmen, bevor wir geben. Das gilt natürlich nicht, wenn wir eine Person schon lange kennen.
- Außerdem ist es für den Mentor eine unangenehme Situation. Sagt er Nein, bekommst Du eine direkte Absage, und er fühlt sich vielleicht schlecht. Sagt er Ja, dann vielleicht nur aus Pflichtgefühl und nicht aus eigener Motivation.
Eine Mentoring-Beziehung aufbauen: die Rolle eines guten Mentees
Denk an die besten Freunde, die Du hattest oder hast. Wie viele davon hast Du direkt gefragt: „Willst Du mein bester Freund sein?“ Vermutlich kaum jemanden. Irgendwann habt ihr beide gemerkt, dass ihr beste Freunde seid. Woher kommt das? Durch das Verhalten. Zuerst habt ihr Euch wie beste Freunde verhalten. Ihr habt viel Zeit miteinander verbracht und Euch einander anvertraut. Durch das Verhalten entstand die Rolle.
Genauso ist ein Mentor anfangs keine Person, sondern eine Rolle. Niemand wird als Mentor geboren oder tritt als Mentor in Dein Leben. Es ist eine Rolle, in die wir hineinwachsen. Damit sich Dein Wunsch-Mentor wie ein Mentor verhält, musst Du Dich zuerst wie ein Mentee verhalten.
Sei als Mentee proaktiv
Manche erwarten, dass der Knochen zum Hund kommt. Ein Termin mit einer erfolgreichen Person kann aber echte Arbeit sein. Vielleicht musst Du manche Mentoren bis zu fünfmal fragen, bevor ein Treffen klappt. Oft liegt das nicht an der Beziehung. Die Mentoren haben einfach zu viel zu tun. Würdest Du nicht nachfragen, käme die Beziehung nie zustande.
Als Mentee trägst Du die volle Verantwortung dafür, die Beziehung aufzubauen und zu pflegen. Schön, wenn sich Dein Mentor von selbst meldet. Am Anfang solltest Du das aber nicht erwarten. Halte also Deine Zusagen ein. Biete verschiedene Zeiten und Orte an. Und mach es Deinem künftigen Mentor so leicht wie möglich.
Sei als Mentee wissbegierig
Gute Mentees stellen ihren Mentoren interessante Fragen. Mehr dazu findest Du in unserem Ratgeber zum Smalltalk. Du musst nicht mit Antworten oder großen Ideen glänzen. Du kannst mit guten Fragen beeindrucken. Bereite Dich auf das Gespräch vor. Denk an eine konkrete Situation oder Frage aus Deinem Leben, die zum Fachgebiet des Mentors passt.
Genauso wichtig ist es, danach aufmerksam zuzuhören. Trau Dich, Notizen zu machen. Schon Dale Carnegie beschrieb in seinem Klassiker: Menschen lieben es, wenn ihnen endlich jemand zuhört. Aufmerksamkeit ist eines der wertvollsten Güter dieser Welt.
Interessant oder interessiert?
„Interessiere Dich für andere. So gewinnst Du in zwei Monaten mehr Freunde als in zwei Jahren, in denen Du andere für Dich interessieren willst.“ So steht es sinngemäß in Dale Carnegies Buch „Wie man Freunde gewinnt“.
Sei als Mentee wertschätzend
Wertschätzung bezieht sich erstens auf die Informationen, die Du bekommst. Zweitens auf die Zeit Deines Mentors. Und drittens auf den Mentor selbst. Hast Du einen Aha-Moment, teile ihn mit Deinem Mentor. Als Coaches wissen wir, wie motivierend es ist, wenn Menschen einen Durchbruch erleben.
Außerdem hat es absolute Priorität, die Zeit Deines Mentors zu schätzen. Das heißt nicht nur, pünktlich zu sein. Zeig auch in E-Mails und Telefonaten Respekt vor seiner Investition. Fass Dich kurz. Mach es Deinem Mentor so leicht wie möglich, Dein Anliegen zu verstehen. Und zeig Wertschätzung für seine Hilfsbereitschaft und Klugheit. Wir alle mögen Komplimente, auch wenn wir es nicht immer zugeben.
Lang oder kurz?
„Ich hatte keine Zeit, einen kurzen Brief zu schreiben, deshalb habe ich einen langen geschrieben.“ Dieser bekannte Satz zeigt: Kürze kostet Mühe. Dein Mentor wird sie Dir danken.
Der häufigste Fehler beim Treffen mit einem möglichen Mentor
Angenommen, Du bist auf einer Veranstaltung mit einem prominenten Interviewgast. Du setzt Dich und kommst schnell mit den anderen am Tisch ins Gespräch. Neben Dir sitzt eine etwas ältere Frau mit einem sehr freundlichen Lächeln. Sie erzählt, dass sie seit acht Jahren ein Unternehmen in der Medienbranche führt. Dann beginnt leider der Vortrag, und ihr könnt kaum noch reden.
Während des Vortrags denkst Du: Sie ist erfolgreich und hat offenbar Familie. Genau so eine Mentorin suchst Du gerade. Du spielst im Kopf alle möglichen Szenarien durch. Vielleicht kann sie Dir einen Tipp geben, wie Du einen Verlag für Dein Buch findest.
Gegen Ende des Vortrags holt sie ihre Visitenkarten heraus. Vielleicht will sie Dir eine geben. Doch nach dem Applaus steht sie schnell auf, verabschiedet sich freundlich und eilt nach vorn zum Redner. Du schüttelst ihr die Hand und wünschst ihr einen schönen Abend.
Plötzlich stehst Du da wie ein begossener Pudel und fluchst innerlich. In jedem anderen Fall hättest Du nach ihrer Karte gefragt oder wärst mitgegangen. Aber bei einer so beeindruckenden Person wolltest Du auf keinen Fall zu interessiert wirken. Das ist wie die Ironie beim Dating. Sobald Du jemanden attraktiv findest, verhältst Du Dich völlig anders. Der Fehler ist also: zu zögern, wenn es darauf ankommt.
Der Selbsttest: Kannst Du überhaupt einen Mentor annehmen?
Damit Mentoring etwas bringt, brauchen Mentor und Mentee eine gesunde Haltung zu Lernen und Fehlern. Geoff Colvin stellt in seinem Buch „Talent is Overrated“ eine Vielzahl von Studien vor. Regelmäßiges, klares Feedback ist danach ein Grundbaustein, um wirklich gute Fähigkeiten aufzubauen.
Der Autor Michael Port beschreibt in seinem Podcast „Steal the Show“ ein verbreitetes Muster. Viele, die Feedback wollen, suchen gar keine konstruktive Kritik. Sie wollen nur Lob für das, was schon gut ist. Den wenigsten ist bewusst, dass sie eigentlich gar nicht kritisiert werden wollen. Einen Mentor zu suchen heißt aber auch, ehrliche Kritik zu erwarten und einzufordern. Dafür müssen wir einiges aushalten können.
Bewerte für den Selbsttest diese Aussagen von 1 (stimme gar nicht zu) bis 6 (stimme voll zu):
- Du wirst mit einer bestimmten Intelligenz geboren, und daran kannst Du nicht viel ändern.
- Deine Intelligenz ist etwas an Dir, das Du nicht ändern kannst.
Fixed Mindset: Der Mentor läuft gegen eine Wand
Hast Du bei einem oder beiden Sätzen 4 bis 6 Punkte vergeben? Dann hast Du laut Carol Dweck, Psychologieprofessorin an der Stanford University, ein Fixed Mindset.
Vielleicht hat man Dich als Kind „kluges Mädchen“ oder „kluger Junge“ genannt und für schnelle Leistungen gelobt. Menschen mit Fixed Mindset wollen vor allem beweisen, dass sie etwas können. Sie wollen Anerkennung für das, was ihnen leichtfällt. Sie setzen sich Ziele, die ihre Intelligenz beweisen sollen. Zu herausfordernde Ziele meiden sie.
Jedes Mal, wenn Du eine schlechte Gewohnheit ablegen willst und es nicht schaffst, verstärkt sich diese Haltung. Vielleicht kennst Du Sätze wie: „Ich bin jetzt 36. Ich würde mich gern ändern, aber ich kann nicht mehr. Ich bin, wie ich bin.“ Verständlich, dass dann jede Kritik wie ein Angriff auf das Ego wirkt. Schließlich glaubt man, nichts daran ändern zu können.
Du musst natürlich keine so extreme Form des Fixed Mindset haben. Es kann auch nur eine Neigung sein. Laut Sheryl Sandberg haben gerade Frauen oft diese Haltung. Sie übernehmen ungern neue Projekte, ohne die nötigen Fähigkeiten schon zu haben. Das bremst sie oft aus. Mehr dazu liest Du in unserem Ratgeber Karriere als Frau.
Growth Mindset: Das Mentoring gelingt
Hast Du bei beiden Sätzen 1 bis 3 Punkte vergeben? Dann hast Du ein Growth Mindset. Liest Du diesen Artikel, gehörst Du gut möglich zu dieser Gruppe.
Du glaubst, dass sich mit genug Zeit und Übung viele Fähigkeiten lernen lassen. Je stärker Du daran glaubst, Dein Verhalten ändern zu können, desto besser kannst Du mit Kritik umgehen.
Diese sehr hilfreiche Haltung kannst Du stärken, indem Du übst, Dein Verhalten zu ändern. So zeigst Du Dir selbst, dass Du Dich ändern kannst. Du bist kein Opfer Deiner Gewohnheiten. So reagierst Du auch besser auf das Feedback Deines Mentors und ziehst mehr Nutzen aus dem Mentoring.
Such Dir negatives Feedback
„Such immer nach negativem Feedback, auch wenn es weh tun kann. Sag mir nicht, was Dir gefällt. Sag mir, was Dir nicht gefällt.“ Mit diesem Rat wird Elon Musk häufig zitiert.
Ob Du negative Gewohnheiten und Glaubenssätze loswirst, hängt auch von den richtigen Techniken ab. Im Coaching nutzen wir Methoden aus dem Veränderungsmanagement, angewandt auf den einzelnen Menschen. So fällt es leichter, Verhalten zu ändern. Wie Du Rückmeldungen gut annimmst, liest Du auch in unserem Ratgeber Feedback geben und annehmen.
Masterminds: So bekommst Du mehrere Mentoren auf einmal
Eine Art Mentoring unter Gleichgesinnten nennen wir Mastermind. Du bringst drei bis sieben Bekannte zusammen, die sich wahrscheinlich gut verstehen. Jeder bekommt zehn Minuten Mentoring von der Gruppe. Als Teilnehmer bereitest Du eine Frage vor, die Du der Gruppe in Deinen zehn Minuten stellst. Zum Beispiel kannst Du
- eine Idee vorstellen und Meinungen einholen: „Ich möchte ein Unternehmen für XY gründen. Wie findet ihr das?“
- die anderen nach Erfahrungen und Tipps zu einem Thema fragen: „Ich schiebe manche Dinge seit Monaten auf. Was tut ihr gegen Aufschieberitis?“
- nach Kontakten oder Wissen fragen: „Ich suche einen Ort für eine Veranstaltung. Weiß jemand, wo das geht?“
Je nach Schwerpunkt kann es beruflich oder privat sein. Das Beste daran: Die Zeit ist unglaublich produktiv. Alle teilen etwas von sich. So profitieren alle und lernen sich gleichzeitig kennen.
Meist hat eine Person oder mehrere sofort eine Lösung für eine Frage oder ein Problem parat. Stell Dir vor, wie viel Erfahrung und Wissen zusammenkommt, wenn sieben kluge Menschen an einem Tisch sitzen.
Fang klein an, etwa mit drei Personen. Manche veranstalten später mehrere Masterminds pro Monat. So oft musst Du es aber gar nicht machen, um alle Vorteile zu genießen.
Die größten Vorteile eines Masterminds
- Du bekommst hilfreiche Antworten auf eine Herausforderung oder Frage. Außerdem sind diese Gespräche oft sehr interessant. Wenn plötzlich alle über ihre Herausforderungen sprechen, entstehen spannende und beeindruckende Momente.
- Du stärkst Deine Beziehung zu bis zu sieben Menschen auf einmal. Das ist einer der besten Wege, zu netzwerken und in Kontakt zu bleiben. Außerdem lernst Du so ganz einfach und echt neue Menschen kennen.
- Du baust soziales Kapital auf. Als Gastgeber bringst Du den Menschen, die Dich kennen, automatisch einen Mehrwert. Richtig gemacht, ist das nicht viel Arbeit.
Selbst Mentor werden
Weiter oben ging es um die möglichen Motive eines Mentors. Der Mentor lernt unglaublich viel, wenn er über die Probleme anderer nachdenkt. Das ist wie bei einem Marmeladenglas. Sitzt Du selbst im Glas, siehst Du nicht, was draußen ist. Bei anderen fällt es dagegen leicht, Probleme zu lösen.
Eines ist sicher: Auch wenn Du glaubst, als Mentor nicht viel geben zu können, hast Du etwas zu bieten. Du hast schon einzigartige Erfahrungen gemacht. Daraus ist Wissen für bestimmte Situationen entstanden, das jemand Jüngeres vielleicht noch nicht hat.
Auch hier musst Du Deinen Mentee nicht fragen, ob er Dich als Mentor haben möchte. Sei einfach für die Person da. Frag nach Problemen, biete Rat und Unterstützung an. So wächst Du in die Rolle des Mentors hinein.
Top 3 Ideen für Dein Mentoring
- Ein Mentor ist keine Person, sondern eine Rolle, die eine Person übernimmt. Jemand wird Dein Mentor, indem er sich wie einer verhält. Du musst niemanden fragen, ob er Dein Mentor sein will. Du würdest auch niemanden, den Du kaum kennst, bitten, Dein bester Freund zu sein.
- Kläre, welches Fachwissen Dein Mentor haben muss. Such Dir jemanden, der Dir in genau diesem einen Bereich hilft. Erwarte nicht alle Lösungen und Tipps von einer einzigen Person.
- Du bist kein Bittsteller. Zeig Wertschätzung, Respekt und Interesse, aber vergleich Dich nicht mit Deinem Mentor. Du musst nicht super erfolgreich sein, um die Hilfe eines Mentors zu bekommen. Entscheidend ist, dass Du die Beziehung bewusst und richtig aufbaust.
Du willst Deinen nächsten Karriereschritt nicht allein planen? In unserer Karriereberatung begleiten wir Dich wie ein Sparringspartner. Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
