Interkulturelle Kompetenzen sind die Fähigkeit, mit Menschen aus anderen Kulturen offen, respektvoll und wirksam umzugehen. Dazu gehört auch, die eigene Kultur als eine von vielen zu erkennen. Mehr zum Begriff findest Du bei Wikipedia. Hier geht es um einen persönlichen Blick über den großen Teich.
Angenommen, Du reist für eine Konferenz nach Kalifornien, mitten ins Silicon Valley. Auf dem Weg von San Francisco fährst Du an den Zentralen großer Tech-Konzerne vorbei. Ein guter Ort, um über interkulturelle Kompetenzen nachzudenken.
Vielleicht wird Dir von Deutschland aus manchmal etwas mulmig, wenn wieder ein neues technisches Gerät über den großen Teich schwappt. Dann tut es gut zu sehen, dass es diese Unternehmen wirklich gibt. Und dass auch sie einmal klein angefangen haben.
So eine Reise kann eine große Inspiration sein. Alles scheint möglich. Die Kultur dort bietet eine ganz andere Normalität. Drei Beobachtungen helfen Dir, Deine eigene Vorstellung von Normalität und Deine Möglichkeiten zu erweitern.
1. Kulturelle Kompetenz: Wie ein Fisch im Wasser
Stell Dir vor, Du setzt Deine deutsche Kulturbrille für ein paar Tage ab und probierst eine kalifornische auf. Wahrscheinlich erlebst Du manche Situationen als befremdlich. Nur weil sie in Deiner vertrauten Kultur als unpassend gelten.
Ein Beispiel: Auf amerikanischen Seminaren springen die Teilnehmenden oft begeistert herum und umarmen wildfremde Menschen. Viele Deutsche gehen dagegen fast nur aus sich heraus, wenn die Nationalmannschaft ein großes Turnier gewinnt. Machst Du Deine Glücksmomente von solchen äußeren Umständen abhängig, bleiben sie selten.
In seiner Rede „This Is Water“ erzählt der Schriftsteller David Foster Wallace eine kleine Geschichte. Zwei junge Fische schwimmen an einem älteren Fisch vorbei. Er fragt: „Wie ist das Wasser heute?“ Die beiden schwimmen weiter, bis einer fragt: „Was zum Teufel ist Wasser?“
Die Geschichte zeigt, wie stark uns Kultur prägt, oft ohne dass wir es merken. Der Fisch kennt nichts anderes als Wasser. Genauso haben wir manchmal Probleme, die nur deshalb Probleme sind, weil wir sie durch unsere Kulturbrille sehen.
Veränderung und Innovation bedeuten, aus sich herauszugehen. Vielen Menschen fällt das am leichtesten hinter verschlossenen Türen. Interkulturelle Erfahrungen zeigen Dir, dass es auch anders geht. Frag Dich deshalb: Welche Regeln halte ich für selbstverständlich, nur weil ich mit ihnen aufgewachsen bin?
2. Andere haben auch ihre Dreckwäsche zu waschen
Auch wo die Sonne scheint, gibt es Herausforderungen, die wir in Deutschland so nicht kennen. In den USA ist die soziale Absicherung viel schwächer als bei uns. In manchen Vierteln von San Francisco oder Los Angeles siehst Du viele obdachlose Menschen. Sehr Arme und sehr Reiche leben dort oft nur einen Block voneinander entfernt.
Natürlich gibt es viele wunderschöne Ecken. Trotzdem kann so ein Umfeld bedrücken. Gerade, wenn Du Dich schnell verantwortlich fühlst, etwas zu ändern. Und wenn Du merkst, dass Du Deine Kreativität dort nicht entfalten kannst. Dann ist es klug, Dir bewusst einen anderen Ort zu suchen.
Auch in Berlin begegnest Du Menschen, die in der Bahn betteln. Die sichtbare Not auf manchen Straßen in den USA ist aber oft eine andere Kategorie. Menschen schieben ihr ganzes Hab und Gut im Einkaufswagen umher. Das ist traurig. Und es zeigt, was wir in Deutschland zu schätzen haben.
Auch die Politik zeigt kulturelle Unterschiede. In den USA dominieren zwei große Parteien, die Demokraten und die Republikaner. Wahlkämpfe sind oft sehr hart und persönlich. Das deutsche Parteiensystem ist deutlich vielfältiger. Wer so einen Vergleich erlebt, merkt: Wir klagen in Deutschland oft auf hohem Niveau.
Interkulturelle Kompetenz heißt also nicht, eine andere Kultur zu verklären. Sie heißt, Stärken und Schwächen beider Seiten zu sehen. Und daraus zu lernen.
3. Du bestimmst, wann Dein Jahr beginnt
Angenommen, es ist Anfang November. In Deutschland ist es jetzt oft grau und trist. Wenig Sonne drückt bei vielen auf die Stimmung. Wer hat das Licht ausgeschaltet? Der Kontrast zwischen Kalifornien und Berlin ist eine gute Gelegenheit, über den eigenen Jahresanfang nachzudenken.
Warum sollte Dein Jahr nicht am 1. Oktober beginnen statt am 1. Januar? Das Ende eines Jahres ist wie das Ende eines Films. Viele wünschen sich ein Happy End. Für viele Menschen ist das der Sommer. Woanders stellt sich diese Frage gar nicht. In Australien ist zu Weihnachten Sommer. Das eigene „Normal“ zu hinterfragen, ist eine Frage interkultureller Kompetenz.
Im Coaching geht es oft um Orientierung und Ziele. Dabei spielen auch kulturelle Gewohnheiten rund um den Jahreswechsel eine Rolle. In Melbourne oder Sydney hättest Du wohl kein Bedürfnis, Dein Jahr im September enden zu lassen. Dort scheint im Dezember die Sonne. Ein schönes Happy End für ein Jahr.
In China wird Neujahr je nach Mondkalender zwischen Ende Januar und Mitte Februar gefeiert. Im Handel ist das Weihnachtsgeschäft im Dezember besonders wichtig. Viele Menschen dort lassen das Jahr deshalb erst danach richtig ausklingen. Manche beginnen ihr Jahr auch bewusst zu einem anderen Zeitpunkt, um den Januar nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.
Das gilt nicht nur fürs Jahr, sondern auch für die Woche. Im Handel ist der Samstag oft ein besonders wichtiger Verkaufstag. Für viele im Verkauf liegt das Wochenende deshalb auf anderen Tagen, zum Beispiel am Montag.
Diese Beispiele sollen Dir helfen, Deine kulturelle Brille abzusetzen. Und über Alternativen zu Deinem Normalzustand nachzudenken. Welche Gewohnheit in Deinem Jahr oder Deiner Woche passt eigentlich gar nicht zu Dir?
Interkulturelle Kompetenzen im Beruf nutzen
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Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
