Interkulturelle Kompetenz - Ein persönlicher Blick über den großen Teich

Während ich diese Zeilen hier schreibe, sitze ich gerade in Santa Clara, Kalifornien. Das ist mitten im Silicon Valley. Von San Francisco geht es im Uber vorbei an Mark Zuckerbergs Facebook Headquarter, Google, LG, Oracle, Cysco Systems, LinkedIn, Microsoft und so ziemlich jedem anderen bedeutenden Tech-Konzern dieser Welt. Der perfekte Ort, um über interkulturelle Kompetenzen zu schreiben.

Wahrscheinlich bin ich nicht der Einzige, dem es von unserem kleinen Deutschland aus manchmal etwas mulmig im Bauch ist, wenn da wieder das neueste technische Gadget über den großen Teich rüberschwappt. Deswegen ist es mal schön zu sehen, dass es diese Unternehmen wirklich physisch gibt.

Für mich ist es gerade eine massive Inspiration. Alles scheint möglich. Diese Kultur bietet eine völlig andere Normalität. Es wird klar: Die Großen von heute haben auch alle mal klein angefangen. Es ist eine inspirierende Kultur hier in Kalifornien im November. Drei Merkmale, an denen ich gerade meine Vorstellung von Normalität und meine Entwicklungsmöglichkeiten erweitere,  möchte ich dir nach Deutschland schicken.

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1. Kulturelle Kompetenz – Wie ein Fisch im Wasser

Ich habe die deutsche Fielmann Kultur-Brille jetzt seit ein paar Tagen abgesetzt und gegen die kalifornische Ray Ban eingetauscht. Ich finde es erschreckend, wie befremdlich ich manche Situationen erlebe, nur weil sie in meiner vertrauten deutschen Kultur als unangemessen gelten. Als Beispiel sei das Rumgespringe und Umarmen wildfremder Menschen bei Brendon Burchards Experts Academy, die ich hier die letzten Tage besucht habe. Als Deutscher ist der einzige Zeitpunkt, wirklich aus mir rauszugehen, der Moment, wenn Deutschland die Fußball-WM gewinnt. Wow, na vielen Dank. Wenn ich meine Glücksmomente von solchen äußeren Umständen abhängig mache, dann gute Nacht.

In „This Is Water“ – „Das hier ist Wasser“ erzählt David Foster Wallace eine Geschichte darüber, wie sehr uns Kultur prägt, oft ohne, dass wir es wahrnehmen. Es ist, wie einem Fisch im Wasser zu sagen: „Das hier ist übrigens Wasser.“ Das macht für den Fisch überhaupt keinen Sinn. Er kennt nichts anderes. Und oft finden wir uns als Menschen vor Problemen, die nur ein Problem sind, weil wir sie durch unsere Kultur-Brille als solche erleben. Ich schreibe das hier, weil Veränderung und Innovation bedeutet, herauszugehen aus sich selbst. Etwas, was ich am besten kann, wenn ich hinter verschlossenen Türen bin.

2. Andere haben auch ihre Dreckwäsche zu waschen

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Auch wenn hier die Sonne scheint, gibt es Herausforderungen, die wir in Deutschland nicht haben. Zum Beispiel das katastrophale Sozialsystem hier in den Staaten. Ich habe diese 2-Wochen-Reise begonnen in San Francisco, wohin ich auch nach dem Event in Santa Clara wieder zurückkehren wollte. Allerdings hat mir der Eindruck der ersten 3 Tage dort genügt. Die Straßen sind gespickt von Obdachlosen und Junkies.

Ich kenne das bereits aus L.A. Dort leben extrem Arme und extrem Reiche auch einen Block voneinander entfernt. Klar gibt es viele wunderschöne Ecken, aber ich bin sehr wählerisch an meine Umwelt, weil ich mich schnell verantwortlich fühle, etwas zu ändern, wenn etwas nicht rechtens ist. Und ich kann mich mit diesem Umfeld nicht anfreunden, weil ich meine Kreativität hier nicht entfalten kann. Also bin ich nach dem Event hier in Santa Clara geblieben.

Ich komme aus Berlin und begegne täglich Bettlern in der Bahn, aber das hier ist eine andere Kategorie von Elend. Spritzen liegen auf der Straße herum. Menschen schieben ihr gesamtes Hab und Gut im Einkaufswagen umher. Und abends durch die Straßen zu laufen ähnelt Bilder aus „The Walking Dead“. Es ist schaurig traurig. Es zeigt mir, dass ich schätzen sollte, was ich in Deutschland habe.

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Außerdem ist nächste Woche Präsidentschaftswahl – Wow, was für eine verdammte Schlacht. Clinton vs. Trump. Einer schmeißt mehr mit Mist als der andere. Das hat mit Vorbildern nichts mehr zu tun. Der eine hinterzieht Steuern in Milliardenhöhe. Die andere hat neben eigenem Versagen nun auch noch einen Fall von Sexualität mit Minderjährigen im Wahlkampfteam. Und es gibt keine Alternativen. Die Amis kennen eben fast nur die Demokraten oder Republikaner. Das Parteiensystem in Deutschland ist da deutlich vielseitiger. Gott sei Dank. Ich klage auf einem hohen Niveau.

3. Du bestimmst, wann dein Jahr beginnt

Es ist der 1. November. November ist in Deutschland angeblich der Monat mit den meisten Selbstmorden. Kein Wunder in unseren Breitengraden. Es ist trist draußen: Das graue Wetter und der Vitamin D Mangel drücken auf die Stimmung. Wer hat die Sonne ausgeschaltet? Ich nutze den Kontrast zwischen Kalifornien und Berlin als günstige Gelegenheit, mir über meinen Jahresanfang Gedanken zu machen.

Für mich, das habe ich zuletzt beschlossen, beginnt das Jahr ab sofort nicht mehr am 1. Januar, sondern am 1. Oktober. Das begründe ich damit, dass das Ende eines Jahres ist, wie das Ende eines Films und ich möchte gerne, dass mein Film mit einem Happy End schließt. Das ist für mich der Sommer. Würde ich woanders leben, wäre das vielleicht kein Problem. Es ist eine Frage der kulturellen Kompetenz, das eigene "Normal" zu hinterfragen. In Australien ist zu Weihnachten Sommer. 

Wenn ich überlege, wie oft ich als Coach auf Strategien zur Orientierung und Zielsetzung angesprochen werde, denke ich vor allem an die äußeren, kulturellen Gepflogenheiten, die auch mit dem Jahreswechsel zu tun haben. In Melbourne oder Sidney, wo jetzt Sommer ist, hätte ich wahrscheinlich nicht das Bedürfnis, mein Jahr im September enden zu lassen, denn dort scheint im Dezember die Sonne. Ein schönes Happy End eines Jahres.

Die Chinesen feiern ihr Neujahr ungefähr gegen Ende Januar. Im Verkauf und im Handel werden große Teile des Jahresumsatzes zum Weihnachtsgeschäft im Dezember erzielt. Viele Menschen in diesen Branchen lassen erst hinterher so richtig das Jahr ausklingen. Manch einer beginnt sein Jahr auch bewusst zu einem anderen Zeitpunkt, um den Januar nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Das gilt nicht nur für die Jahresrechnung, sondern auch für die wöchentliche Planung. Im Handel werden samstags die größten Umsätze generiert. Also ist für Vertriebsleiter Wochenende generell montags und einen anderen Wochentag. Dieser Blogpost soll dir helfen, deine (sozio-) kulturelle Brille vom Normalzustand abzusetzen und dir über Alternativen Gedanken zu machen.

Du musst Dich selbst vorbereiten auf eine interkulturelle Erfahrung? Gern unterstütze ich Dich dabei. Frag einfach unverbindlich ein Kennenlern-Telefonat an:

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