August 5

Emotionale Intelligenz ist der Grundpfeiler erfolgreicher Beziehungen

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Hier geht es um emotionale Intelligenz. Geprägt haben den Begriff 1990 die amerikanischen Psychologen John D. Mayer und Peter Salovey. Schlagartig bekannt wurde er 1995 durch Daniel Goleman. Der Psychologe und Wissenschaftsjournalist stellte in seinem Bestseller den EQ, den emotionalen Quotienten, dem IQ gegenüber.

Emotionale und intellektuelle Intelligenz sind keine Gegensätze. Sie bedingen einander. Der Lehrer G. I. Gurdjieff sprach von einem intellektuellen, einem emotionalen und einem körperlichen Zentrum. Folgt man ihm, dann funktioniert das …

  • … körperliche Zentrum weitgehend ohne bewusste Steuerung.
  • … intellektuelle Zentrum unter dem Ansturm der Gedanken, die der Wille nur wenig kontrolliert.
  • … emotionale Zentrum so schnell, dass der Wille kaum eingreifen kann.

Wir entwickeln uns nur weiter, wenn alle drei Zentren möglichst gut arbeiten. Schauen wir uns an, was wir dafür tun können.

Emotionale Intelligenz

Was macht emotionale Intelligenz aus?

Neben den griffigen Schlagwörtern EQ und EI gibt es noch Begriffe wie Emotional Leadership. Viel Neues hat die Diskussion darum nicht gebracht. Aber die Begriffe wurden neu geordnet. Goleman teilt emotionale Intelligenz zum Beispiel in fünf Bereiche ein.

1. Selbstwahrnehmung

Damit beobachtest Du Deine Emotionen. Indem Du sie beobachtest, bewertest Du sie auch. Du unterscheidest angenehme Gefühle wie Liebe und Mitgefühl von belastenden wie Hass und Neid. Das hilft Dir, Deine Gefühle zu dämpfen oder ihnen freien Lauf zu lassen, wenn auch oft erst im Nachhinein. So gewinnst Du an Selbstvertrauen.

2. Selbststeuerung

Damit versuchst Du, Herr Deiner Emotionen zu bleiben. Das ist zugegeben schwierig und manchmal fast hoffnungslos. Denn weder Körper noch Verstand noch Wille können Gefühle zuverlässig am Ausbrechen hindern. Du kannst aber an ihren Auswirkungen arbeiten. Das gilt vor allem für belastende Gefühle wie Angst und Verzweiflung. Zur Selbststeuerung gehören auch:

  • Vertrauenswürdigkeit: Du legst Dir hohe Maßstäbe an Integrität und Ehrlichkeit an.
  • Gewissenhaftigkeit: Du übernimmst Verantwortung für Dein Handeln.
  • Anpassungsfähigkeit: Du reagierst flexibel auf Veränderungen.
  • Aufgeschlossenheit: Du begegnest Neuem offen und beweglich.

3. Motivation

Damit richtest Du Dich auf eine positive Grundhaltung aus. Du lernst, belastende Gefühle nach und nach zurückzudrängen. Dafür nutzt Du:

  • Zielorientierung: Du richtest Dich immer klarer auf Deine Ziele aus und verbesserst Deine Maßstäbe.
  • Hingabe: Du widmest Dich Deinen Zielen und denen Deiner Gruppe.
  • Bereitschaft: Du ergreifst Gelegenheiten ohne Zögern beim Schopf.
  • Optimismus: Du überzeugst Dich und andere, dass ihr eure Ziele trotz Widerständen erreichen könnt.

Wie Du Ziele gut formulierst, liest Du im Ratgeber zu SMART-Zielen.

4. Empathie

Mit Empathie versetzt Du Dich in andere Menschen hinein. Verstehst Du andere von innen heraus, entwickelst Du:

  • Hilfsbereitschaft: Du unterstützt andere in ihrem Leben und Vorankommen.
  • Rücksicht: Du passt Deine eigenen Pläne den Prioritäten anderer an oder stellst sie sogar zurück.
  • Feingefühl: Du hast Antennen für Empfindlichkeiten und vermeidest es, andere zu verletzen.
  • Verständnis: Du deutest Stimmungen bei anderen und in der Gruppe richtig und richtest Dein Handeln danach aus.

5. Soziale Kompetenz

Damit verbindest Du Dich mit Deiner Gruppe und mit jedem, dem Du begegnest. Soziale Fähigkeiten sind ein wesentlicher Teil emotionaler Intelligenz. Dazu gehören:

  • Einfluss: Du überzeugst andere von Deinen Ansichten.
  • Verständigung: Du kommunizierst klar mit Deinem Umfeld.
  • Führung: Du übernimmst Verantwortung und wirst ihr gerecht.
  • Veränderung gestalten: Du gewinnst andere für nötige Veränderungen und nimmst sie auf dem Weg mit.
  • Konfliktlösung: Du wandelst Konflikte, die in Gruppen unvermeidlich entstehen, in positive Energie um. Mehr dazu im Ratgeber zum Konfliktmanagement.
  • Zusammenarbeit: Du zeigst, dass Du mit anderen gewinnbringend kooperierst.
  • Gruppendynamik: Du weckst die Potenziale Deiner Gruppe so, dass das Ergebnis mehr ist als die Summe der Einzelnen.

Bei dieser Liste wundert es nicht, dass manche den EQ über den IQ stellen. Sinnvoll ist das aber kaum. Beide entfalten ihre Wirkung nur gemeinsam. Und ohne einen gesunden Körper können EQ und IQ nur bedingt arbeiten. Wie emotionale Intelligenz mit anderen Fähigkeiten zusammenhängt, zeigt unser Ratgeber Soft Skills schlagen Hard Skills.

Messen von emotionaler Intelligenz

Damit die emotionale Intelligenz dem IQ nicht nachsteht, entwickelten Mayer, Salovey und David Caruso einen Test. Er heißt nach ihnen MSCEIT, kurz für Mayer-Salovey-Caruso Emotional Intelligence Test. Er fragt grob nach vier Bereichen:

1. Wie nehme ich Emotionen wahr?

  • Mimik verrät Emotionen. Welche?
  • Kunst, Design oder Landschaften lösen Gefühle aus. Welche?

2. Wie nutze ich Emotionen für mein Denken?

  • Emotionen unterscheiden sich von Sinnesreizen. Wie?
  • Emotionen können Denkaufgaben beflügeln. Welche, und wie?

3. Wie verstehe ich Emotionen?

  • Gefühlszustände können in andere übergehen. Wie?
  • Gefühlszustände können vielschichtig sein. Wie?

4. Wie gehe ich mit Emotionen um?

  • Kann ich meinen eigenen Gefühlszustand verändern? Wodurch?
  • Kann ich den Gefühlszustand anderer beeinflussen? Wodurch?

Dass es auch am MSCEIT Kritik gibt, wundert nicht. Wie aussagekräftig seine Ergebnisse sind, ist ähnlich umstritten wie beim IQ-Test. Trotzdem helfen die Fragen, emotionale Intelligenz besser zu verstehen. Einen anderen Blick auf Persönlichkeit bietet unser Big-Five-Test.

Emotionale Intelligenz und Achtsamkeit

Emotionale Intelligenz und Achtsamkeit

Unsere Gefühle können wir kaum beeinflussen, bevor sie auftauchen. Wir können sie aber beobachten, wenn sie da sind. Dafür kennt schon der Buddhismus ein Mittel. Es heißt auf Pali „sammā sati“, meist übersetzt mit „rechte Achtsamkeit“. In der Lehrrede Satipatthana Sutta werden vier Grundlagen der Achtsamkeit genannt:

  • Achtsamkeit auf den Körper
  • Achtsamkeit auf die Gefühle, auch auf ihre Bewertung als angenehm, unangenehm oder neutral
  • Achtsamkeit auf den Geist und seinen aktuellen Zustand
  • Achtsamkeit auf die Inhalte des Geistes, also alles, was gerade innen oder außen wahrgenommen wird

In der westlichen Medizin und Psychologie hat Jon Kabat-Zinn die Achtsamkeitspraxis bekannt gemacht. Sein Programm MBSR, Stressbewältigung durch Achtsamkeit, soll Menschen helfen, besser mit Stress, Angst und Krankheit umzugehen. Nach Kabat-Zinn hat Achtsamkeit drei wesentliche Merkmale. Sie

  • geschieht mit Absicht,
  • bewertet ihre Gegenstände nicht,
  • bezieht sich nur auf den Moment und lässt Vergangenheit und Zukunft außen vor.

Inzwischen gibt es viele Ansätze, emotionale Intelligenz über Achtsamkeit zu trainieren. Festzuhalten bleibt: Achtsamkeit und Selbstbeobachtung gehören zu den wichtigsten Mitteln, um Einfluss auf Deine Gefühle zu nehmen. Mehr dazu liest Du im Ratgeber zur Selbstreflexion und zum Stressmanagement.

Emotionale Intelligenz im Job stärken

  • Benenne Deine Gefühle in schwierigen Momenten, am besten schriftlich.
  • Atme durch, bevor Du auf eine heftige Mail oder Bemerkung reagierst.
  • Frag in Gesprächen nach, wie es Deinem Gegenüber geht und was es braucht.
  • Bitte um ehrliches Feedback zu Deiner Wirkung. Tipps dazu im Ratgeber Feedback geben und annehmen.
  • Übe kurze Achtsamkeitspausen im Arbeitsalltag.

Fazit

Emotionale Intelligenz ist ein Begriff, der auch durch gutes Marketing bekannt wurde. Der Erkenntnisgewinn gegenüber älteren Arbeiten zum Thema Emotion ist überschaubar. Das Feld ist aber viel größer, als wir es hier zeigen können.

Die wichtigste Erkenntnis ist wohl diese: Gefühle lassen sich kaum beeinflussen, bevor sie auftreten. Mit Achtsamkeit kannst Du sie aber beobachten, während sie da sind, und ihre Auswirkungen erkennen. Daraus kannst Du Schlüsse ziehen. So treten unliebsame Gefühle künftig vielleicht weniger heftig und seltener auf. Gerade im Berufsleben ist das sehr hilfreich.

Im Coaching schauen wir gemeinsam, in welchen Situationen Du zu Gefühlen neigst, die Du lieber nicht zeigen würdest. Und wir arbeiten daran, wie Du solchen Situationen vorbeugst oder gelassen und souverän darauf reagierst. Als Führungskraft unterstützt Dich das Führungskräftecoaching, bei beruflichen Fragen die Karriereberatung. Das Coaching ersetzt keine Therapie. Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.


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