Selbstreflexion heißt, Dein eigenes Denken, Fühlen und Handeln bewusst zu beobachten und zu bewerten. Daraus ziehst Du Schlüsse für Dein Verhalten. Am besten gelingt das mit festen Zeiten, ehrlichen Fragen, einem Tagebuch und Rückmeldungen von anderen Menschen.
Ob im Job oder privat: Ohne Selbstreflexion kommst Du kaum weiter. Persönliche und berufliche Entwicklung klappt nur, wenn Du Dein Handeln einordnen und überdenken kannst. Viele tun sich schwer, ehrlich zu sich selbst zu sein. Hier erfährst Du, wie es leichter geht.
Was bedeutet reflektieren?
Reflektieren heißt wörtlich zurückwerfen, wie ein Spiegel das Licht. Im übertragenen Sinn bedeutet es nachdenken und prüfen. Du schaust auf etwas zurück und fragst Dich, was es bedeutet. Beim Selbstreflektieren richtest Du diesen Blick auf Dich selbst.
Reflektieren ist mehr als Grübeln. Beim Grübeln drehst Du Dich im Kreis. Beim Reflektieren stellst Du gezielte Fragen und ziehst daraus Schlüsse. Am Ende steht eine Erkenntnis oder ein nächster Schritt.
Worum geht es bei Selbstreflexion?
Bei Selbstreflexion lernst Du Dich selbst richtig kennen. Sie passiert nicht nebenbei. Du setzt Dich bewusst mit Dir auseinander und beobachtest Dich in verschiedenen Situationen.
Wenn Du Dich besser kennst, erkennst Du Deine Wünsche, Ziele und Bedürfnisse klarer. Du kannst Deine Ziele gezielter verfolgen. Und Du kommst besser mit Deinem Umfeld zurecht. Gerade im Beruf hilft es, das eigene Verhalten zu prüfen und zu verbessern.
Was ist für Selbstreflexion wichtig?

Im Kern geht es um zwei Fragen: Wer bin ich? Und wer möchte ich sein? Die Antwort kann nur aus Dir selbst kommen. Niemand kann Dich zur Selbstreflexion zwingen. Lass Dich deshalb ehrlich darauf ein.
Nicht alles, was Du entdeckst, wird Dir gefallen. Genau darin liegt aber die Chance, etwas zu ändern. Hinterfrage Dich kritisch und ohne Angst. Je besser Du Dich kennst, desto leichter fällt Dir die Reflexion.
5 Tipps, wie Du Dich besser selbst reflektierst
1. Sieh Selbstreflexion als dauerhaften Prozess
Selbstreflexion hört nicht auf, wenn Du sie einmal verstanden hast. Dann geht es erst richtig los. Nimm Dir regelmäßig Zeit, Deine Wünsche, Gefühle und Lebenslage zu überdenken.
2. Plane feste Zeiten für Dich ein
Reserviere Dir einen festen Tag pro Woche für eine längere Reflexion. Nimm Dir zusätzlich jeden Tag ein paar Minuten, um Deine Gedanken aufzuschreiben. Überlege Dir eine Methode, mit der Du Deine Erkenntnisse festhältst und bewertest.
3. Trau Dir Herausforderungen zu
In schwierigen Situationen lernst Du Dich besonders gut kennen. Dabei ist es egal, ob Du jede Situation meisterst. Entscheidend ist, dass Du danach auswertest, was Du daraus lernst.
4. Hol Dir Rückmeldungen von anderen
Jeder Mensch hat einen blinden Fleck. Einen Teil Deines Verhaltens nimmst Du selbst gar nicht wahr. Frag deshalb Menschen, die Dir nahestehen:
- Wie schätzt Du mich ein?
- Was schätzt Du an mir?
- Was fällt Dir negativ auf?
- Welchen Rat würdest Du mir geben?
Frag Menschen aus Deinem Privatleben und aus dem Job. So bekommst Du ein vollständigeres Bild.
5. Bleib ehrlich, aber fair zu Dir
Ehrlichkeit ist das Wichtigste bei der Selbstreflexion. Das heißt aber nicht, dass Du Dich schlechtmachst. Schau ehrlich auf das, was gut läuft und was nicht. Mach Dich und Deine Bedürfnisse dabei nicht klein.
Der Aphoristiker Ernst Ferstl hat es so gesagt: „Wer in sich geht, kann mehr aus sich herausholen.“
3 Übungen für mehr Selbstreflexion
Kombiniere die folgenden Übungen mit den Tipps oben. So bekommst Du ein deutlich klareres Bild von Dir.
Übung 1: Finde Dein Ikigai
Untersuche vier Bereiche Deines Lebens: Deine Leidenschaft, Deine Mission, Deinen Beruf und Deine Berufung. Zusammen ergeben sie Dein Ikigai, also das, wofür es sich für Dich zu leben lohnt. Wer sich alle Bereiche ansieht, reflektiert sich vollständiger.
Übung 2: Schreib Tagebuch oder gestalte ein Vision Board
Halte Deine Erkenntnisse fest. Am einfachsten geht das mit einem Tagebuch. So kannst Du später nachlesen, wie es Dir ging und was Du erlebt hast. Alternativ gestaltest Du ein Vision Board mit Bildern, Listen und Zielen.
Übung 3: Bewerte Deine Zufriedenheit in Zahlen
Zahlen machen Dinge messbar und vergleichbar. Bewerte deshalb regelmäßig auf einer Skala von 1 bis 10, wie zufrieden Du bist. Nimm diese Bereiche:
- Job
- persönliche Ziele
- soziales Umfeld
- eigene Werte
- Gesundheit
- Erfolge
So siehst Du, wo Du Fortschritte machst und woran Du arbeiten solltest. Bleibt Dein Wert beim Job über Wochen niedrig, ist das ein deutliches Signal. In unserer Karriereberatung machen wir aus dieser Erkenntnis ein klares berufliches Ziel und einen Plan.
10 Fragen und 10 Satzanfänge für Deine Selbstreflexion
Fragen helfen Dir, Dich besser kennenzulernen. Satzanfänge sind besonders beliebt. Dein Gehirn hat damit einen Startpunkt, auf dem es aufbauen kann.
10 Fragen
- Was in der Zukunft macht mir Sorgen?
- Halte ich an etwas fest, das ich loslassen sollte?
- Was bedeutet mir im Leben am meisten?
- Wie gehe ich mit Dingen um, die mir viel bedeuten?
- Wann habe ich zuletzt meine Komfortzone verlassen?
- Was möchte ich an mir ändern?
- Was will ich am meisten im Leben?
- Wie sehr bestimme ich die Richtung meines Lebens selbst?
- Was zeichnet mich aus, was kann ich gut?
- Wie müsste mein Traumberuf aussehen?
10 Satzanfänge
- Etwas, das mich glücklich macht, ist …
- In 2, 5 oder 10 Jahren soll mein Leben so aussehen, dass …
- Eine meiner Schwächen ist …
- Ich bereichere das Leben anderer, indem …
- Etwas, worauf ich verzichten könnte, es aber nicht tue, ist …
- Etwas, das ich heute anders machen würde, ist …
- Eine Situation, in der ich mir selbst im Weg stehe, ist …
- Etwas, worin ich besser werden will, ist …
- Andere Menschen beeinflusse ich durch …
- An mir selbst schätze ich …
Selbstreflexion im Beruf: typische Anlässe
Im Job gibt es viele Gelegenheiten, kurz innezuhalten. Nutze zum Beispiel diese Momente:
- Nach einem wichtigen Meeting: Was ist gut gelaufen? Was würdest Du beim nächsten Mal anders sagen?
- Nach einem Konflikt: Welchen Anteil hattest Du daran? Wie hast Du reagiert, und wie wolltest Du reagieren?
- Nach einem Vorstellungsgespräch: Welche Fragen haben Dich überrascht? Welche Antworten waren stark?
- Am Ende eines Projekts: Was hast Du gelernt? Was nimmst Du in das nächste Projekt mit?
- Im Jahresgespräch: Passt Deine Einschätzung zu der Deiner Führungskraft? Wo liegen Unterschiede?
Drei kurze Fragen reichen oft schon: Was ist passiert? Was habe ich gedacht und gefühlt? Was mache ich beim nächsten Mal anders?
So wertest Du Deine Antworten aus
Fragen beantworten ist der erste Schritt. Wirklich nützlich wird es, wenn Du Muster erkennst. Lies Deine Notizen nach einigen Wochen noch einmal. Markiere Themen, die immer wieder auftauchen.
Leite aus jedem Muster einen kleinen, konkreten Schritt ab. Statt „Ich will selbstbewusster sein“ schreibst Du lieber: „Im nächsten Teammeeting bringe ich einen eigenen Vorschlag ein.“ Prüfe danach, wie es gelaufen ist. So wird aus Reflexion echte Veränderung.
Wie geht es nach der Selbstreflexion weiter?
Selbstreflexion zeigt Dir oft, dass Du beruflich etwas ändern willst. Der nächste Schritt ist ein klares Ziel. In der Karriereberatung klären wir mit Dir Stärken, Werte und Richtung. Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
