Januar 18

Richtig Feedback geben und annehmen: 20 Tipps

0  comments

Wer kennt das nicht aus der Schule? Nach einem Referat sollte die Klasse Feedback geben. „Ja, also Du hast sehr frei gesprochen und ich fand die Bilder schön.“ Anfangen konnte damit niemand etwas, aber wir durften uns wieder setzen. Auch im Berufsleben bleibt Feedback oft so vage.

Das wollen wir ändern. Hier bekommst Du zehn Tipps, wie Du besser Feedback gibst. Danach folgen zehn kurze Tipps, wie Du Feedback besser annimmst. Mit diesen Grundlagen nutzt Du Feedback besser für Dich selbst. Und Du lernst, Kritik hilfreich zu formulieren.

10 Tipps, um Feedback zu geben

Zuerst schauen wir uns an, wie Du anderen besser Feedback gibst. Das ist vor allem als Führungskraft oder angehende Führungskraft enorm wichtig. Aber auch Kolleginnen und Kollegen sollten sich untereinander Feedback geben können. Dabei kommt es darauf an, nicht verletzend zu werden. Und die Kritik soll nicht persönlich werden.

1. Beschreiben statt bewerten

Willst Du Feedback geben, beschreib zuerst die Fakten der Situation neutral. Schildere, was Du wahrnimmst, statt sofort das Ergebnis zu bewerten. Sag nicht: „Das hast Du falsch gemacht!“ Sag lieber, was Du für alle nachvollziehbar gesehen oder gehört hast. Zum Beispiel: „Ich sehe, dass Du bei Schritt 2 dieses statt jenes gemacht hast. Ich könnte mir vorstellen, dass das zum Problem beigetragen hat.“

Damit schaffst Du eine gemeinsame Grundlage für die Klärung. Denn alle Beteiligten sollten die Situation zunächst ähnlich wahrnehmen. Erst danach ist es sinnvoll, über die Bewertung und gegebenenfalls die Behebung eines Fehlers zu sprechen. So ist Dein Feedback konstruktiv und hilfreich. Es vermittelt nicht einfach nur: „Du machst das falsch!“

2. Wähle den richtigen Zeitpunkt

Je nachdem, welches Feedback Du geben möchtest, wähle den passenden Zeitpunkt. Positives Feedback, gerade für Teamarbeit, kommt auch in einem großen Meeting gut an. Willst Du mehrere Mitarbeitende loben, fühlt sich ein gemeinsames Lob vor anderen oft gut an.

Bei negativem Feedback ist das schwieriger. Achte darauf, ob Dein Gegenüber emotional in der Lage ist, Dein Feedback anzunehmen. Es bringt nichts, einen Mitarbeiter zum Weinen zu bringen, weil er gerade sehr empfindlich ist. Und es bringt nichts, mit einer Kollegin einen lautstarken Streit anzufangen. So ein Feedback bringt niemanden weiter.

Beachte die Grundregel: Je kritischer das Feedback, desto weniger Augen sollten dabei sein. Kritik also am besten unter vier Augen und Lob vor vielen.

Feedback geben: Fragen klären

3. Frag, ob Dein Gegenüber Feedback hören will

Bist Du überhaupt die richtige Person für dieses Feedback? Klar, Du meinst es sicher gut. Aber das hilft manchmal leider nicht weiter. Als Führungskraft musst Du natürlich Feedback geben, ob die Person es hören will oder nicht.

Versteht ihr euch nicht besonders gut oder habt ihr wenig miteinander zu tun? Dann sei vorsichtig. Warte nicht nur auf den richtigen Moment, sondern frag vorher, ob Du Feedback geben darfst. Das gilt für Positives wie für Negatives. Selbst ein Lob kann gerade unpassend sein, weil jemand aus irgendeinem Grund nicht damit umgehen kann. Deshalb ist Fragen das A und O.

4. Achte auf die Bedürfnisse der anderen Person

Dieser Tipp hängt eng mit den letzten beiden zusammen. Achte beim Feedback auf die Gefühle und Bedürfnisse Deines Gegenübers. Manche Menschen brauchen eher Anreize, andere eine helfende Hand. Als Führungskraft kannst Du Dein Feedback als Frage formulieren. Zum Beispiel: „Wie kann ich Dich unterstützen, damit Du Deine Ziele erreichst?“ Nur wenn das Feedback hilfreich ist, kann die Person ihr Verhalten ändern.

5. Nenne positive Dinge zuerst

Ja, manchmal hat ein Mitarbeiter einfach Mist gebaut, und da gibt es nichts schönzureden. Meistens gibt es aber etwas, das Du positiv anmerken kannst. Auch das kennen wir aus der Schule. Versteck negatives Feedback nicht zwischen lauter Lob. Aber hau Dein Gegenüber auch nicht in die Pfanne.

Negatives Feedback kannst Du trotzdem aufbauend geben. Sag nicht einfach: „Da hast Du keine gute Arbeit geleistet.“ Formuliere lieber die positiven Seiten mit: „Ich war überrascht, dass die Aufgabe diesmal schwieriger für Dich war. Sonst machst Du das immer sehr gut.“ Gibst Du Feedback zu einem größeren Projekt, beginn mit den positiven Aspekten. Danach kommst Du zu den negativen und benennst sie als Verbesserungspotenzial.

Feedback geben

6. Sei möglichst konkret

Um den heißen Brei herumreden hilft niemandem. Bezieh Dich konkret auf die Situation, zu der Du Feedback geben willst. Lass allgemeine Formulierungen weg, die schwammig wirken. Benenne konkret, was aus Deiner Sicht schiefgelaufen ist oder was Dich gestört hat. Und benenne ebenso, was gut war. Umso eher erkennt Dein Gegenüber das gemeinte Verhalten beim nächsten Mal wieder.

Verwende außerdem keine Formulierungen wie „Das machst Du immer“, „Nie machst Du …“ oder „schon wieder“. Das wirkt schnell herablassend und wie ein persönlicher Angriff. Kritisierst Du ein Verhalten, das öfter vorkommt, gib Beispiele. Zwei unterschiedliche Situationen reichen meist aus. So schilderst Du das Problem, ohne Dein Gegenüber mit unzähligen Beispielen zu überfordern.

7. Bleib sachlich

Das gilt fürs Feedback geben genauso wie fürs Annehmen. Es geht nicht um Deine persönliche Meinung, sondern darum, was faktisch stimmt. Ist ein Projekt wegen eines Fehlers geplatzt, darfst Du die verantwortliche Mitarbeiterin kritisieren. Und Du darfst fragen, was schiefgelaufen ist.

Angenommen, diese Mitarbeiterin hat mit einem Kollegen zusammengearbeitet, den Du nicht leiden kannst. Dann darfst Du die Mitarbeiterin und auch den Kollegen kritisieren. Aber Du kannst nicht sagen: „Das ist alles nur wegen Herrn Müller passiert!“ Das stimmt nämlich wahrscheinlich nicht. Bring Deine eigene Meinung nur ein, wenn Du ausdrücklich danach gefragt wirst.

8. Verurteile Dein Gegenüber nicht

Das ist das Allerwichtigste! Fehler sind menschlich und passieren jedem einmal. Natürlich wiegen manche Fehler schwerer als andere. Das gibt Dir aber nicht das Recht, einen Menschen persönlich anzugreifen. Gib der Person die Chance, ihren Fehler wiedergutzumachen und bei der Behebung zu helfen. Das ist für beide Seiten gut.

Du selbst hast dadurch weniger Arbeit. Die andere Person lernt etwas dazu, und derselbe Fehler passiert vielleicht nicht wieder. Bring auf gar keinen Fall persönliche Differenzen ein. Und bezieh einen Fehler niemals auf das Geschlecht oder die Herkunft!

Beim Feedback nicht verurteilen

9. Verwende Ich-Botschaften

Ich-Botschaften sind beim Feedback besonders wichtig. Damit schaffst Du eine direkte Ebene zwischen Dir und Deinem Gegenüber. Und Du verallgemeinerst die Situation nicht. Beispiele für Ich-Botschaften:

  • Aus meiner Sicht sieht das so aus …
  • Auf mich wirkt es …
  • Ich wünsche mir von Dir …
  • Meine Wahrnehmung ist …
  • Ich denke, dass …

Mehr zu dieser Haltung findest Du in unserem Ratgeber zur gewaltfreien Kommunikation.

10. Gib Tipps für Veränderungen

Willst Du etwas kritisieren, musst Du auch wissen, wie es besser geht. Deshalb hilft es der anderen Person, wenn Du ihr Denkanstöße gibst, wie sie sich anders verhalten könnte. Nach dem Feedback helfen regelmäßige Rückmeldungen. So prüft ihr gemeinsam, ob sich das Verhalten verbessert hat.

Hier gilt dasselbe wie beim ersten Feedback: Frag nach, ob es gerade passt! Alternativ könnt ihr bei der Arbeit einen Feedback-Briefkasten einrichten. So lassen sich konstruktive Tipps weitergeben, ohne dass sich jemand persönlich angegriffen fühlt.

Als Führungskraft solltest Du Hilfestellung geben. Oder Du setzt Deinen Mitarbeiter in ein Team, das sich gegenseitig unterstützt. Je nach Fall kannst Du auch Weiterbildungen anbieten. Wie Du als Führungskraft dienend führst und Dein Team stärkst, liest Du im Ratgeber zu Servant Leadership. Willst Du Deine Feedbackgespräche gezielt üben? Dann begleiten wir Dich im Führungskräftecoaching.

Feedback annehmen

10 Tipps, um Feedback anzunehmen

Kritik gelassen annehmen

Jetzt weißt Du, wie man vernünftig Feedback gibt. Hier folgen zehn kurze Tipps, wie Du Feedback besser annimmst. Denn es gibt immer zwei Seiten. Wer Feedback geben möchte, sollte es auch ordentlich annehmen können.

1. Bitte Dein Umfeld so oft wie möglich um Feedback

Wie Du eben gelernt hast, solltest Du Feedback nicht ungefragt geben. Im Umkehrschluss ist es wichtig, dass Du Dein Umfeld regelmäßig um Feedback bittest. Nur so kannst Du Dich stetig verbessern.

2. Bist Du gerade bereit für Feedback?

Das ist die Gegenfrage zu Tipp 3 beim Feedback geben. Such Dir einen Moment aus, in dem Du wirklich aufnahmefähig bist. Dann kannst Du das Feedback richtig einordnen.

3. Wozu sollen Dir die anderen Feedback geben?

Sag konkret, zu welcher Situation oder welchem Projekt Du Feedback möchtest. Sonst geben Dir verschiedene Menschen Rückmeldungen zu ganz verschiedenen Situationen. Das kann Dich im ersten Moment überfordern.

4. Hör aufmerksam zu

Dieser Tipp erklärt sich von selbst. Nehmen sich andere die Zeit, Dir Rückmeldung zu geben, solltest Du auch vernünftig zuhören. Das erwartest Du schließlich auch.

5. Verteidige Dich nicht

Feedback und auch Kritik sind kein persönlicher Angriff gegen Dich! Selbst wenn Du richtig Mist gebaut hast, kann die andere Person Dich mögen. Trotzdem muss sie Deine Arbeit kritisieren. Hör also erst einmal nur zu und nimm das Gesagte an, ohne Dich sofort zu rechtfertigen. Viel zu oft hören wir nicht mehr zu und legen uns im Kopf schon Gegenargumente zurecht.

6. Zeig, dass Du das Feedback verstanden hast

Feedback bringt nichts, wenn es nicht verständlich bei Dir ankommt. Signalisiere also, dass Du weißt, woher die Kritik kommt. Das kannst Du zum Beispiel tun, indem Du Lösungsvorschläge nennst. Oder Du sagst, woran Du jetzt arbeiten willst.

7. Was bedeutet das Feedback für Dich?

Sortiere für Dich, wie Du mit dem Feedback umgehen möchtest. Du musst Dir nicht alles zu Herzen nehmen. Hat Deine Führungskraft etwas auszusetzen, ist das wichtig. Angenommen, Du bist Informatikerin, und jemand aus der Buchhaltung rät Dir zu mehr deutschen und einfachen Wörtern. Dieses Feedback ist vor allem eine persönliche Meinung. Für Deine Arbeit ist sie nicht unbedingt relevant.

8. Wie kannst Du Dich anders verhalten?

Mach Dir einen Plan, wie Du jetzt vorgehen möchtest. An welchen Punkten musst Du arbeiten, und wie schaffst Du das? Gibt es Fachleute auf dem Gebiet, die Dich unterstützen können?

9. Stell Fragen, wenn Du etwas nicht verstehst

Du weißt nicht, wie ein Feedback gemeint ist? Erinnerst Du Dich nicht mehr genau an die Situation? Oder verstehst Du nicht, warum Dein Verhalten in dem Moment nicht passend war? Dann frag nach! Niemand wird Dir dafür den Kopf abreißen.

10. Bedank Dich

Das ist am Ende das Wichtigste. Dein Umfeld meint es gut mit Dir und will Dir helfen, besser zu werden. Bedank Dich also für das Feedback, auch wenn es Dir nicht immer passt.

Feedback im Berufsalltag: verwandte Themen

Feedback ist eng mit anderen Fähigkeiten verbunden. Konflikte entstehen oft dort, wo Kritik schlecht ankommt. Tipps dazu findest Du im Ratgeber zum Konfliktmanagement. Wer gerade vom Kollegen zum Vorgesetzten wird, muss Feedback oft neu lernen. Lies dazu unseren Ratgeber Vom Kollegen zum Vorgesetzten.

Du willst als Führungskraft sicherer Feedback geben oder schwierige Gespräche vorbereiten? In unserem Führungskräftecoaching üben wir genau das mit Dir. Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.


Tags


You may also like

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}