Wer mehr über AI (Artificial Intelligence, auf Deutsch künstliche Intelligenz) erfahren will, sollte ihre Entwicklung kennen. Seit den alten Griechen beschäftigen sich Menschen mit künstlichem Leben. Auch in den Mythen vieler Völker spielt es eine Rolle. Damit entstanden die psychologischen Voraussetzungen für die AI von heute.
Die folgenden Abschnitte geben einen Abriss der Geschichte der AI. Sie reicht von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit. Im 20. Jahrhundert nahm die Entwicklung mit der Erfindung des Computers Fahrt auf. Zunächst spielerisch, dann zunehmend aus wirtschaftlichen Gründen. Das Ergebnis sind Unternehmen, die ihren Erfolg schon heute dem Einsatz von AI verdanken.
Vergangenheit: der Nährboden
Über die Möglichkeit nicht menschlicher Intelligenz hat die Menschheit schon früh nachgedacht. Lange wusste niemand, wo das Denken entsteht. Das führte zu Spekulationen, dass Denken nicht ursächlich an den Menschen gebunden sei. Schon früh entstanden diese Ideen:
- Der Homunculus, ein kleiner künstlicher Mensch. Schon dem antiken Magier Simon Magus wird nachgesagt, ein solches Wesen erschaffen zu haben. In seiner Schrift „De natura rerum“ (1538) beschreibt Paracelsus die Erzeugung eines Homunculus im Detail. Auch Francis Bacon schildert in seiner Wissenschaftsutopie „Nova Atlantis“ die Erzeugung künstlichen Lebens. Von Robert Fludd (1574 bis 1637) wird behauptet, er habe einen Menschenkopf in der Retorte gezüchtet. Der Homunculus beflügelt bis heute Schriftsteller aller Richtungen.
- Der Golem ist ein aus Lehm geformtes, menschenähnliches Wesen mit außergewöhnlichen Kräften. In jüdischen Legenden soll er Arbeiten verrichten, etwa am Sabbat. Die Legende vom Prager Golem beschreibt die Erschaffung eines solchen Geschöpfes im Detail.
- „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ heißt der berühmte Roman von Mary Shelley aus dem Jahr 1818. Er hat das Bild vom künstlich erschaffenen Menschen am nachhaltigsten geprägt.
- „L’Homme Machine“ von Julien Offray de La Mettrie löst sich um 1748 von der Idee des künstlichen Lebens. Das Werk konzentriert sich auf die Intelligenz. Die Frage lautet: Wie lassen sich die Vorgänge menschlichen Denkens automatisieren und mechanisieren?
Der Startschuss
- Im Sommer 1956 fand am Dartmouth College in New Hampshire ein Forschungstreffen statt. Sein Titel: „Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence“. Er gilt als Geburtsstunde des Begriffs.
- Inhaltlich prägten Allen Newell und Herbert A. Simon die Weiterentwicklung der AI mit der „Physical Symbol System Hypothesis“. Sie baut auf den grundlegenden Arbeiten von Alan Turing auf. Denken wird darin als Informationsverarbeitung verstanden. Informationsverarbeitung wiederum gilt als reiner Rechenvorgang, bei dem Symbole verändert werden.
- Das Gehirn sei dabei nicht entscheidend. Intelligenz könne unabhängig von ihrem Träger entstehen. Jede Substanz, die Muster wiedergeben kann, könne sie hervorbringen.
- Marvin Minsky war als AI-Pionier schon 1956 in Dartmouth dabei. Er gehört zu den bekanntesten Vordenkern des Fachs.
- Hans Moravec entwirft in seinem Buch „Mind Children“ (1988) ein Szenario postbiologischen Lebens. Ein Roboter überträgt das im Gehirn gespeicherte Wissen in einen Computer. So wird die Biomasse des Gehirns entbehrlich. Im folgenden posthumanen Zeitalter bleibt das Wissen beliebig lange zugänglich.
Mensch contra Maschine
- Besonders am Anfang wollten Entwickler von AI-Systemen den Menschen im Spiel übertreffen. IBM entwickelte das System Deep Blue. 1997 gelang es ihm, den Schachweltmeister Garri Kasparow zu schlagen.
- 2011 besiegte das Computerprogramm Watson in der Quizshow „Jeopardy!“ zwei der bis dahin erfolgreichsten Spieler.
- Im März 2016 besiegte das System AlphaGo den südkoreanischen Go-Champion Lee Sedol. Das Unternehmen DeepMind hatte dafür sehr viele Partien mit Deep Learning analysiert. Danach spielte der Computer Millionen Partien gegen sich selbst und lernte daraus.
- Dota 2 ist ein Videospiel, das komplexer ist als Go oder Schach. Im August 2017 lief dazu ein Turnier mit rund 24 Millionen Dollar Preisgeld. Am Rande schlug dort eine AI einen der bekanntesten Profispieler im Eins-gegen-eins.
Die Maschine imitiert das menschliche Gehirn
- Gordon Moore sagte 1965 voraus, dass sich die Zahl der Bauteile auf Computerchips regelmäßig verdoppelt. Ab 1975 sprach er von etwa zwei Jahren. Das daraus entstandene Mooresche Gesetz feierte 2015 seinen 50. Geburtstag.
- Das menschliche Gehirn konnte seine Leistung in dieser Zeit nicht nennenswert steigern. Der Zeitpunkt, an dem ein handelsüblicher Computer leistungsfähiger ist als das Gehirn, rückt deshalb immer näher.
- Künstliche neuronale Netze in Software bilden die neuronalen Netze des natürlichen Gehirns nach. In vielen Funktionen ähneln die künstlichen Gehirne den natürlichen stark.
- Die rasante Entwicklung zeigt auch eine Arbeit der chinesischen Forscher Feng Liu, Yong Shi und Ying Liu. Sie testeten 2017 frei zugängliche schwache AIs wie Google AI oder Apples Siri mit Intelligenztests. 2014 lagen die Werte noch bei 27. Wenige Jahre später erreichten sie bereits 47. Das entspricht laut den Forschern etwa einem sechsjährigen Kind in der ersten Klasse. Ein durchschnittlicher Erwachsener erreicht 100.
Zukunft: die 4 Phasen der AI
Kai-Fu Lee hat das Buch „AI Superpowers: China, Silicon Valley and the New World Order“ geschrieben. Es ist Pflichtlektüre für alle, die sich für AI interessieren. Besonders erhellend sind die unterschiedlichen Kulturen. Chinesische Unternehmen gehen anders mit dem Thema um als die amerikanischen Firmen im Silicon Valley.
Lee beschreibt die amerikanische IT-Kultur als „mission-driven“, also von einer Mission getrieben. Chinesische Start-ups sieht er als „market-driven“, also vom Markt getrieben. Daraus erklärt sich nach Lees Meinung, warum chinesische Unternehmen erfolgreiche Konzepte ohne Bedenken kopieren. Ein Beispiel ist Megvii mit seiner Plattform Face++. Das Unternehmen wurde zu einem der führenden Anbieter in der Bild- und Gesichtserkennung.
Nach Lees Einschätzung bricht die „AI-Revolution“ nicht über Nacht über uns herein. Sie erfolgt vielmehr in vier Phasen.
- Phase 1: die Internet-AI. Hier geht es vor allem um automatische Empfehlungen. Die kennen wir alle von Plattformen wie Amazon. Sie studieren unsere Vorlieben und leiten daraus persönliche Empfehlungen ab. Algorithmen übernehmen so die Aufgabe menschlicher Berater beim Einkauf im Internet.
- Phase 2: die Business-AI. Diese Phase nutzt, dass traditionelle Firmen seit Jahrzehnten riesige Datenmengen horten. Versicherungen sammeln Daten über Unfälle und Versicherungsbetrug. Banken dokumentieren, wie ihre Kunden Darlehen zurückzahlen. Krankenhäuser besitzen Daten über Patienten, Diagnosen und Behandlungen. Business-AI durchsucht diese Daten nach verborgenen Zusammenhängen. Diese Zusammenhänge entziehen sich dem menschlichen Blick häufig.
- Phase 3: die Wahrnehmungs-AI. Sensoren und intelligente Geräte erfassen unsere gesamte Umwelt. Sie verwandeln die physische Welt in digitale Daten. Diese lassen sich mit genug Rechenleistung analysieren und mit lernenden Algorithmen optimieren. Ein Beispiel ist das „City Brain“ von Alibaba. Es digitalisiert den Verkehrsfluss einer Stadt über Kameras und Objekterkennung.
- Phase 4: die autonome AI. In dieser Phase werden die Erkenntnisse und Fähigkeiten der ersten drei Phasen verknüpft und ständig verbessert. Maschinen verarbeiten extrem komplexe Datensätze und nutzen immer empfindlichere Sensoren. So ahmen sie den IQ menschlicher Intelligenz und den EQ emotionaler Intelligenz nach, unabhängig von Biomasse.
Wer sind die wichtigen Player bei AI?
Du solltest wissen, wer bei AI den Ton angibt. Studierst Du die Strukturen und Verfahren der führenden Unternehmen, kannst Du wertvolle Schlüsse für Dein eigenes Unternehmen ziehen. Die folgende Übersicht zeigt den Stand der Erstfassung dieses Artikels von 2019. Seitdem hat sich der Markt stark bewegt.
- Amazon hat AI für Verbraucher entwickelt, etwa Alexa. Für Unternehmen gibt es die Amazon Web Services (AWS). Dazu gehört eine ganze Reihe von Diensten für maschinelles Lernen.
- Apple hat in den Jahren davor mehrere AI-Start-ups gekauft. Das Unternehmen weiß, wie wichtig AI für seine Marktposition ist. 2018 holte Apple John Giannandrea von Google. Er leitet seitdem den Bereich AI und maschinelles Lernen. Hier entstanden Produkte wie Siri und „Create ML“.
- Banjo durchforstete soziale Medien, um Ereignisse früh zu erkennen. So sollten Rettungsdienste und ähnliche Organisationen schneller reagieren können. Zu den Geldgebern gehörte die japanische SoftBank.
- Das chinesische Unternehmen DJI wurde 2018 mit rund 15 Milliarden Dollar bewertet. Mit einem Marktanteil von über 70 Prozent bei Drohnen stattete es seine Geräte zunehmend mit AI aus. Vor allem Bild- und Objekterkennung helfen, Hindernisse zu vermeiden. Mit Microsoft startete DJI ein Projekt, das Drohnendaten an Computer streamt.
- Facebook darf bei AI natürlich nicht fehlen. Das Unternehmen hat eine eigene Forschungsgruppe namens FAIR. Sie soll unter anderem bessere Wege der Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen entwickeln.
- Google kaufte 2014 DeepMind, das wir schon als Go-Champion kennengelernt haben. Google-Chef Sundar Pichai sagte, die Branche bewege sich von „Mobile First“ zu „AI First“.
- HiSilicon entwickelt AI-Chips für Huawei-Smartphones, etwa den Kirin 980. Damit schaffen die Geräte neben Gesichts- und Objekterkennung auch Bildsegmentierung und intelligente Übersetzungen. Und das alles in hoher Geschwindigkeit.
- IBM war schon bei der Geburt der AI in den 1950er-Jahren dabei. Die Plattform Watson bringt AI in Geschäftsprozesse, zum Beispiel als Chatbot im Kundenservice.
- Intel hat neben Nervana und Movidius weitere Start-ups übernommen. Movidius lässt AI auch auf Geräten mit sehr geringer Leistung laufen. Mit Nervana können Unternehmen Deep-Learning-Software entwickeln.
- Wie Amazon bietet auch Microsoft AI für Verbraucher und Unternehmen an. Der Cloud-Dienst Azure enthält viele AI-Funktionen. Der Sprachassistent Cortana stand 2019 im Wettbewerb mit Siri, Alexa und dem Google Assistant.
- Nvidia ist quasi ein AI-Dino. Der Hersteller von Grafikprozessoren ist unter anderem in Robotik, Gesundheitswesen, Hochschulbildung und Einzelhandel aktiv. Neu war das autonome Fahren. Hier bringt Nvidia AI in Fertigung und Betrieb ein.
- OpenAI wurde als gemeinnützige Forschungsgruppe gegründet. Zu den frühen Unterstützern gehörte Elon Musk. Ziel war, AI zum Wohl der ganzen Menschheit weiterzuentwickeln.
- Qualcomm ist wie HiSilicon ein Chiphersteller, der seine Chips AI-fähig macht. Bei der mobilen Plattform Snapdragon 855 spielt AI eine Schlüsselrolle. Ein Signalprozessor übernimmt dort Sprach-, Audio- und Bildfunktionen.
- SenseTime ist auf Gesichtserkennung spezialisiert. Laut Berichten nutzt auch der chinesische Staat solche Software zur Überwachung. Das Unternehmen hat seine Wurzeln in der Forschung in Hongkong. Als nächstes Ziel nannte SenseTime das autonome Fahren.
- Für Twitter war AI vor allem interessant, um Empfehlungen in den Timelines zu verbessern. Dafür kaufte Twitter mehrere AI-Unternehmen, darunter Magic Pony. So wollte Twitter seine Position mit AI sichern und ausbauen.
Die Auswahl zeigt: Es handelt sich ausschließlich um amerikanische und chinesische Unternehmen. Die Dynamik, mit der chinesische Firmen aufholen, ist geradezu atemberaubend. Der Rest der Welt war damals abgehängt.
In einem globalen Markt spielt es zwar nur eine untergeordnete Rolle, wo Innovation stattfindet. Die Kapitalkraft und Innovationsfreude von Amerikanern und Chinesen lassen aber eines vermuten. Wie schon bei Amazon, Google und Facebook muss sich die übrige Welt wohl mit der Rolle des Konsumenten begnügen.
Was AI für Deine Karriere bedeutet
AI verändert viele Berufe. Manche Aufgaben übernehmen Maschinen, andere entstehen neu. Gefragt bleiben Fähigkeiten, die Maschinen schwerfallen: Kreativität, Empathie, Urteilsvermögen und Zusammenarbeit. Mehr dazu liest Du in unserem Ratgeber Soft Skills schlagen Hard Skills.
Fragst Du Dich, wie zukunftssicher Dein Job ist und wohin Du Dich entwickeln willst? In unserer Karriereberatung klären wir das gemeinsam. Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
