Flexibilität ist die Fähigkeit, sich auf neue Situationen, Menschen und Aufgaben einzustellen. Im Beruf bedeutet das: Du passt Wege und Mittel an, ohne Dein Ziel aus den Augen zu verlieren. Wichtig ist, dass Du selbst entscheidest, wann Du flexibel bist und wann standhaft.
Wozu brauchst Du Flexibilität? Wie flexibel bist Du im Denken und in Deiner Lebenssituation? Und wie wirst Du flexibler? Das zeigen wir Dir hier.
Flexibilität in der Natur
„Der Bambus wiegt sich im Wind und biegt sich im Sturm, aber er bricht nicht.“ So soll ein chinesisches Sprichwort lauten. Man könnte auch sagen: Der Klügere gibt nach. In der Natur begegnet Dir diese Strategie auf Schritt und Tritt. Viele Tiere und Pflanzen verhalten sich flexibel, wenn es um diese Dinge geht:
- Nahrung
- Wasser
- Partnerwahl
- den Platz an der Sonne
Natürlich werden die Kräfte immer wieder gemessen. Trotzdem ist Anpassungsfähigkeit in der Natur ein Prinzip des Überlebens. Auch der Mensch hat sich an widrige Umstände angepasst und überall auf der Welt Fuß gefasst.
Was der Flexibilität entgegensteht
Der Mensch hat aber auch Neigungen, die der Flexibilität entgegenstehen. An erster Stelle steht die Macht der Gewohnheit. Schon der Philosoph David Hume betonte, wie stark Gewohnheiten unseren Umgang mit Erfahrungen prägen.
Gewohnheiten entlasten uns. Wir müssen nicht ständig neu überlegen. Sie gleichen auch Lücken der Vernunft aus. Doch Gewohnheiten haben eine Kehrseite. Aus Erfahrung wissen wir, dass sie
- die Kreativität bremsen können,
- zu gedankenlosem Reagieren führen,
- Unaufmerksamkeit fördern.
Gewohnheiten
Gewohnheiten werden stärker, wenn viele Menschen einer Gruppe sie teilen. Dann entstehen aus ihnen schnell:
- Gebräuche
- Sitten
- gemeinsame Überzeugungen
- Moralvorstellungen
Aus Gewohnheiten werden so unreflektierte Handlungen. Der Soziologe Max Weber sprach hier von „traditionalem Handeln“. Gewohnheiten werden zu Normen, die niemand mehr hinterfragt. Wer darin feststeckt, befreit sich nur mühsam wieder. Ein bekannter Satz beschreibt das gut: „Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.“
Individuelle Flexibilität
Gehen wir davon aus, dass Du mehr als einen Hammer im Werkzeugkasten hast. Trotzdem sind wir alle Gewohnheitstiere. Wir ruhen uns gern im Alltagstrott aus. Meist braucht es starken Druck von außen, damit wir Gewohnheiten aufgeben. Häufige Anlässe sind:
- gesundheitliche Probleme
- Probleme in der Partnerschaft
- Probleme am Arbeitsplatz
Eine Gewohnheit zu ändern gelingt nicht ohne diese drei Dinge:
- Willen
- Anstrengung
- Durchhaltevermögen
Die Mühe lohnt sich. Hast Du eine liebgewonnene Gewohnheit überwunden, hast Du ein hilfreiches Vorbild. In ähnlichen Situationen erinnerst Du Dich daran, wie Du es geschafft hast. So wirst Du nach und nach flexibler.
Soziale Intelligenz
Flexibilität im Umgang mit anderen hängt eng mit sozialer Intelligenz zusammen. Den Begriff prägte der Psychologe Edward L. Thorndike. Menschen mit sozialer Intelligenz zeigen oft diese Eigenschaften:
- hohe soziale Sensibilität
- Empathie
- Kommunikationsfähigkeit
- Kenntnis sozialer Regeln
- eine positive Einstellung zur Gesellschaft
- hohe Anpassungsfähigkeit an das jeweilige Umfeld und die Situation
Sozial intelligente Menschen fühlen sich in ganz unterschiedliche Situationen ein. Sie schaffen aktiv eine warme und solidarische Atmosphäre. Sie
- respektieren andere unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft oder Bildung,
- nehmen andere Menschen in ihrer Eigenart an,
- interessieren sich für Neues, vor allem für unbekannte Sitten und Bräuche.
Flexibilität mit sozialer Intelligenz braucht ein starkes Selbstbewusstsein und viel Achtsamkeit im Umgang mit anderen. Willst Du an Deiner Flexibilität arbeiten? Dann lohnt es sich, auch soziale Intelligenz im Coaching anzusprechen.
Betriebliche Flexibilität
In Stellenanzeigen wird Flexibilität oft als gewünschte Eigenschaft genannt. Auch in der Betriebswirtschaft ist sie ein zentrales Thema. Man unterscheidet inhaltliche und zeitliche Flexibilität.
Inhaltliche Flexibilität
- Ziele sollten nicht starr formuliert sein, damit Anpassungen möglich bleiben.
- Die Mittel zum Ziel sollten veränderbar und austauschbar sein.
- Systeme sollten Schnittstellen haben, über die Anpassungen möglich sind.
- Der Weg zum Ziel sollte Spielraum zum Verkleinern oder Erweitern lassen, organisatorisch, personell und finanziell.
Zeitliche Flexibilität
- die Reaktionsgeschwindigkeit eines Systems
- die Rüstzeiten von Maschinen
- die Bereitstellung und Umverteilung von Personal
Für ein Unternehmen zählt die Flexibilität bei Planung, Organisation, Maschinen, Standorten, Personal und Finanzen. Je komplexer die Abläufe und je vielfältiger die äußeren Einflüsse, desto wichtiger ist sie.
Das verlangt den Menschen viel ab. Ständiges Neujustieren widerspricht unserem Bedürfnis nach Gleichgewicht. Dauerhafte Überforderung kann zu Stress und gesundheitlichen Problemen führen.
Flexibilität trainieren
Flexibilität kann kein Dauerzustand sein. Der Normalzustand ist nicht das Gebogene, sondern das Gerade. Zeig Dich flexibel aus einer Position der Stärke. Denk an den Bambus, der sich nur bei starkem Wind biegt. Beug Dich nicht jedem Windhauch.
Bleib selbst Herr oder Herrin darüber, wann Du flexibel bist. Wird Flexibilität zum Automatismus, tut sie Dir nicht gut. Für andere wirst Du dann zum Blatt im Wind, auf das sich niemand verlassen kann.
Die größte Hürde auf dem Weg zu bewusster Flexibilität sind Deine Gewohnheiten. Diese Übungen helfen Dir:
- Mach gezielt etwas anders als sonst. Putz Dir zum Beispiel die Zähne mit der anderen Hand.
- Verzichte auf etwas Gewohntes. Mach stattdessen einmal nichts und beobachte, was passiert.
- Achte auf Automatismen in Deinem Tagesablauf und mach sie Dir bewusst.
- Beobachte, wie aufmerksam Du über den Tag bist. Du wirst merken, wie viel ohne Dein Bewusstsein abläuft.
- Nimm einen neuen Weg zur Arbeit oder probiere eine neue Methode für eine Routineaufgabe.
Nur wenn Du Flexibilität bewusst und gewollt einsetzt, bringt sie Dir und Deinem Umfeld Vorteile.
Flexibilität im Vorstellungsgespräch
Die Frage nach Deiner Flexibilität kommt in Vorstellungsgesprächen häufig. Antworte nicht nur mit „Ja, ich bin flexibel“. Erzähl ein konkretes Beispiel. Wann hast Du Dich auf eine neue Lage eingestellt? Was hast Du getan, und was war das Ergebnis? Zeig auch, wo Deine Grenzen liegen. Das wirkt glaubwürdig.
Fazit
Flexibilität ist privat und beruflich eine wichtige Eigenschaft. Aber nur, wenn Du sie gezielt und dosiert einsetzt. Dafür musst Du Gewohnheiten überwinden, die Dich einschränken. Gleichzeitig darf Deine Flexibilität nicht dazu führen, dass Du auf jeden Druck reflexartig reagierst.
Du allein entscheidest, ob Du Dich flexibel oder standhaft zeigst. Eine automatische Flexibilität, die jeder Forderung nachgibt, schadet Dir auf Dauer. Lerne den Unterschied zwischen selbstbestimmter und automatischer Flexibilität.
Stehst Du vor einer beruflichen Veränderung und willst Deinen Weg klären? In unserer Karriereberatung finden wir heraus, wo Du flexibel sein willst und wo nicht. Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
