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Flexibilität – Die Schlüsselkompetenz fürs 21. Jahrhundert

Flexibilität - Die Schlüsselkompetenz fürs 21. Jahrhundert

In diesem Artikel geht es um deine Flexibilität. Wozu brauchst du sie? Wie flexibel bist du geistig und von deiner Lebenssituation her? Und wie wirst du flexibler? Wir verraten es dir.

Flexibilität in der Natur

"Der Bambus wiegt sich im Wind und biegt sich im Sturm aber er bricht nicht“ soll ein chinesisches Sprichwort besagen. Man könnte auch sagen: "der Klügere gibt nach". In der Natur begegnet man auf Schritt und Tritt dieser Strategie. Die meisten Tiere und Pflanzen beherzigen ein flexibles Verhalten, wenn es um

  • die Nahrung geht
  • Wasserrechte geht
  • Paarungsrechte geht
  • den Platz an der Sonne geht

Auch wenn die Kräfte immer mal wieder gemessen werden und die Verhältnisse ab und zu geklärt werden müssen, Anpassungsfähigkeit ist in der Natur seit jeher ein Überlebensprinzip. Nicht zuletzt der Mensch hat durch seine überragende Fähigkeit, sich auch an widrige Umstände anzupassen, überall auf der Welt Fuß gefasst.

Flexibilität im Job

Was der Flexibilität entgegensteht

Nun hat der Mensch aber auch Tendenzen, die konträr zur Flexibilität sind. An erster Stelle steht da die "Macht der Gewohnheit". Bereits David Hume weist auf die Bedeutung der Gewohnheit hin für die Art und Weise, wie der Mensch mit der Wirklichkeit und seinen Erfahrungen umgeht. Gewohnheiten haben in diesem Zusammenhang eine entlastende Funktion, weil sie das Individuum der Notwendigkeit entheben, immer wieder neue Überlegungen anstellen zu müssen. Neben der Entlastung tragen Gewohnheiten auch dazu bei, Defizite der Vernunft zu kompensieren.

Die moderne Hirnforschung hat festgestellt, dass Gewohnheiten

  • der Kreativität abträglich sein können
  • zu gedankenlosem Reagieren führen
  • Unaufmerksamkeit fördern

Gewohnheiten

Eine Steigerung erfahren Gewohnheiten, wenn sie von einer größeren Anzahl von Angehörigen einer Gruppe geteilt werden. Rasch entstehen dann aus Gewohnheiten

  • Gebräuche
  • Sitten
  • kollektive Überzeugungen
  • Moralvorstellungen

Aus Gewohnheiten werden dann zunehmend unreflektierte, rational nicht mehr nachvollziehbare Handlungen, für die Max Weber den Begriff des "traditionalen Handelns" geprägt hat. Es entsteht eine Regelrationalität, in denen Gewohnheiten zu Normen werden und völlig unreflektiert befolgt werden. Wer sich in dieser Art des Handelns verfangen hat, wird große Mühe haben, sich durch situationsbedingte Reflexion daraus wieder zu befreien. Paul Watzlawick kennzeichnete Menschen in dieser Situation mit dem schönen Satz: : «Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.»

Individuelle Flexibilität

Gehen wir mal davon aus, dass du in deinem Werkzeugkasten mehr Werkzeuge als nur einen Hammer hast. Dennoch sind wir alle "Gewohnheitstiere"  und ruhen uns nur allzu gern im Alltagstrott unserer Gewohnheiten aus. Es bedarf meist starker Einwirkungen von außen, damit wir bereit sind, uns von unseren Gewohnheiten zu lösen:

  • Gesundheitliche Probleme
  • Partnerschaftliche Probleme
  • Probleme am Arbeitsplatz

gehören zu den häufigsten Anlässen, die uns dazu bewegen, Gewohnheiten zu ändern oder ganz aufzugeben. Das geht nicht ohne

  • Einsatz des Willens
  • Anstrengung
  • Durchhaltevermögen

Belohnt wirst du dadurch, dass die Überwindung einer lieb gewordenen Gewohnheit aus Gründen der Vernunft dir ein hilfreiches Paradigma liefert. Du wirst dich in künftigen Situationen ähnlicher Art gern daran erinnern, wie du es geschafft hast, deiner Gewohnheit ein Schnippchen zu schlagen und lernst so allmählich, immer flexibler zu werden.

Soziale Intelligenz

Soziale Intelligenz

Flexibilität im Umgang mit anderen wurde von E.L. Thorndike als "Soziale Intelligenz" definiert. Nach Thorndike zeichnen sich Menschen, die Soziale Intelligenz besitzen, dadurch aus, dass sie folgende Eigenschaften besitzen:

  • hohe soziale Sensibilität
  • Empathie
  • Kommunikationsfähigkeit
  • die Beherrschung von sozialen Regeln
  • eine positive Einstellung zur Gesellschaft
  • eine hohe Anpassungsfähigkeit an das jeweilige soziale Umfeld und die jeweilige soziale Situation

Menschen mit Sozialer Intelligenz fühlen sich in ganz unterschiedliche soziale Gegebenheiten ein und tragen aktiv dazu bei, eine warme, solidarische und fürsorgliche Atmosphäre zu schaffen. Sie

  • respektieren andere Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Stand, Bildungsgrad oder ethnischer Zugehörigkeit
  • nehmen andere Menschen in ihrer Individualität uneingeschränkt an
  • sie interessieren sich für alles Neue, vor allem für ihnen bis dato unbekannte Sitten und Bräuche

Flexibilität gepaart mit Sozialer Intelligenz setzt ein starkes Selbstbewusstsein und hohe Achtsamkeit für soziale Interaktionen voraus. Wenn du Handlungsbedarf in Hinblick auf deine persönliche Flexibilität siehst, dürfte es sinnvoll sein, deinen Coach auf Soziale Intelligenz anzusprechen.

Betriebliche Flexibilität

In Stellungsausschreibungen taucht Flexibilität als wünschenswerte Eigenschaft immer häufiger auf. Betriebliche Flexibilität ist unabhängig von den Human Resources auch sonst ein zentrales Thema der Betriebswirtschaft. Wobei man inhaltliche Flexibilität von zeitlicher Flexibilität unterscheidet:

  • Die Definition von Zielen sollte nicht starr formuliert werden, um etwaige Anpassungen zu ermöglichen
  • Die Mittel, mit denen Ziele erreicht werden sollen, sollten veränderbar und austauschbar sein
  • Das zur Anwendung kommende System sollte Schnittstellen haben, über die Anpassungen bei veränderten Bedingungen möglich sind
  • Der Weg zum Ziel sollte grundsätzlich mittel- und langfristige Möglichkeiten zur Reduzierung oder Erweiterung beinhalten. Organisatorisch personell und finanziell

Zeitlich geht es vor allem um:

  • die Reaktionsgeschwindigkeit eines Systems
  • die Rüstzeiten von Maschinen
  • die Bereitstellung und Umwidmung von humanen Ressourcen

Aus betrieblicher Sicht ist der Grad an Flexibilität bezüglich

  • Planung 
  • Organisation
  • Maschinen
  • Örtlichkeit
  • Human Ressources
  • Finanzen

entscheidend für den Erfolg des Unternehmens. Je komplexer die inneren Abläufe sind und je vielschichtiger die äußeren Einflüsse auf das Unternehmen einwirken, desto wichtiger ist es, alle Komponenten so flexibel wie möglich zu halten. Das verlangt den beteiligten Menschen sehr viel ab. Ständige Neujustierungen sind gegen die menschliche Natur, die nach Equilibrium strebt. Psychische Probleme können die Folge sein. Stress-Symptome bis hin zum berüchtigten Burn-Out drohen. 

Flexibilität trainieren

Wenn du deine Flexibilität steigern willst, solltest du im Auge behalten, dass Flexibilität kein Dauerzustand sein kann. Der Normalzustand ist nicht das Gebogene, sondern das Gerade. Nur aus einer Position der Stärke heraus solltest du dich flexibel zeigen. Denk dabei an den Bambus, der sich nur dann biegt, wenn er starken äußeren Einflüssen ausgesetzt ist. Du solltest dich also nicht jedem Windhauch beugen. Vor allem solltest du der Herr darüber bleiben, ob du dich als flexibel erweisen möchtest oder nicht. Wenn du Flexibilität zu einem Automatismus werden lässt, wird dir das nicht gut bekommen. Zudem wirst du für diejenigen, die deine Flexibilität in Anspruch nehmen, als Blatt im Winde völlig wertlos sein.

Die entscheidende Hürde, eine deinem Willen unterworfene Flexibilität zu praktizieren, die du situativ gezielt einsetzen kannst, ist das Überwinden deiner Gewohnheiten:

  • Mach gezielt etwas anders als gewohnt. Putz dir die Zähne mit links statt mit rechts.
  • Verzichte auf etwas Gewohntes, mach stattdessen einmal gar nichts und beobachte, was passiert.
  • Registriere Automatismen in deinem Tagesablauf und versuche, sie dir durch Achtsamkeit bewusst zu machen.
  • Versuche, die unterschiedlichen Stufen deiner Aufmerksamkeit zu identifizieren. Du wirst entsetzt feststellen, dass ein nicht geringer Teil deines Tages ohne dein Bewusstsein abläuft.

Nur wenn du Flexibilität bewusst, hellwach und in der jeweiligen Situation wirklich so gewollt einsetzt, bringt sie dir und deiner Umgebung die gewünschten Vorteile.

Fazit

Flexibilität ist grundsätzlich eine im privaten Zusammenleben mit anderen und unter den diversen beruflichen Bedingungen wichtige Eigenschaft. Aber nur dann, wenn sie gezielt und dosiert eingesetzt wird. Wenn du also mit deinem Coach lernen willst, wie du Flexibilität richtig einsetzt, musst du einerseits lernen, deine Flexibilitäten einschränkende Gewohnheiten zu überwinden. Andererseits darf deine so gewonnene Flexibilität nicht dazu führen, dass du reflexartig auf äußeren Druck reagierst.

Allein du entscheidest, ob du dich angesichts einer Anforderung flexibel oder standhaft zeigen möchtest. Eine automatische Flexibilität, die jeder Anforderung willfährig nachkommt, wird auf die Dauer zerstörerisch auf dich wirken. Dein Coach wird dir den Unterschied zwischen autonomer Flexibilität und automatischer Flexibilität zeigen und dich so vor etwaigen Folgen einer übertriebenen Flexibilität bewahren.

Über den Autor

Sven ist Gründer und Spiritus Rector der Karrierehelden. Er coacht leidenschaftlich gerne, schreibt und liest. Seine Lieblingsthemen sind Genetik, Soziologie, Künstliche Intelligenz, Psychologie, Neurobiologie und Entrepreneurship.