Februar 8

Wie ein Genogramm hilft, Deine familiären Rollen zu klären

Glaubst Du, Deine Familie hat Deine beruflichen Entscheidungen beeinflusst? Ein Genogramm bringt Klarheit in familiäre Strukturen. Es zeigt Dir, wer Dich wie geprägt haben könnte. Doch wie funktioniert das?

Wahrscheinlich kennst Du den Begriff Organigramm. Es zeigt die Strukturen und Hierarchien eines Unternehmens oder einer Organisation. Ein Genogramm ist dasselbe Werkzeug für eine Familie. Es macht Strukturen und Rollen in der Familie sichtbar.

Die Familie ist oft so wichtig, weil sie unsere beruflichen Interessen als Erstes prägt. Ein Genogramm ist wie ein Stammbaum mit Zusatzangaben. Es zeigt, wie grün die einzelnen Blätter sind und wie sie emotional zueinander stehen. So beantwortet es Fragen zu Verhaltensmustern, die Du in der Familie gelernt oder übernommen hast.

Genogramm als Schaubild

Welche Arten von Rollen gibt es und was macht sie aus?

Bühne als Bild für soziale Rollen

Um ein Genogramm sinnvoll zu nutzen, musst Du zuerst verstehen, welche Rollen es gibt. Wie ein Schauspieler spielst Du im Leben viele verschiedene Rollen. Zusammen nennt man sie Rollenset. Eine Rolle in diesem Set ist Dein Beruf. Eine andere ist vielleicht Deine Position als Kapitän im Fußballteam.

Im Leben geht es nicht nur um den Beruf. Viele Rollen haben Dich schon viel früher geprägt. Das sind zum Beispiel die Rollen als Tochter, Freundin oder Staatsbürgerin. Wir zeigen Dir, wie Du Deine familiären Rollen klärst. So gewinnst Du mehr Selbstverantwortung und Selbstbewusstsein.

Wie beim Theater hast Du bei jeder Rolle unter anderem:

  • eine Bühne (zum Beispiel Dein Büro oder Deine Wohnung)
  • Kollegen
  • ein Verhalten (zum Beispiel im Umgang mit Kunden)
  • einen Sprechtext (zum Beispiel, wenn das Telefon klingelt)
  • Berufskleidung (keine Jogginghose im Büro)

Eine Rolle zu haben bedeutet: Andere Menschen haben bestimmte Erwartungen an Dein Verhalten. Im Beruf erwartet Deine Führungskraft zum Beispiel, dass Du pünktlich und vorbereitet zum Meeting kommst. Tust Du das nicht, ist fraglich, ob Du Deinen Job lange behältst. Erfüllst Du die Erwartungen, steigen Deine Chancen auf Beförderung und Gehaltserhöhung.

Privat erwartet Dein Partner vielleicht, dass Du abends pünktlich zum Essen zu Hause bist. Dann stehen die Chancen gut für eine glückliche Beziehung. Auch Du selbst hast Erwartungen an Deine Rollen. Das nennt man Rollenselbstbild.

Soziale Rollen und persönliche Bedürfnisse hängen eng zusammen. Musst Du ständig um Deinen Arbeitsplatz bangen, ist Dein Bedürfnis nach Sicherheit bedroht. Passen die Kollegen nicht, bleiben soziale Bedürfnisse unerfüllt.

Angenommen, Du willst Dir als Beraterin Zeit für Deine Kundin nehmen, aber Dein Chef macht Druck. Dann sind negative Folgen absehbar. Du bekommst Angst, wirst unruhig, schläfst schlecht oder erlebst Stress. Mehr zu Rollenkonflikten findest Du in unserem Artikel über Konflikte als Führungskraft.

Deshalb ist es wichtig, dass Deine Rollen zu Deinen Bedürfnissen passen. Dafür musst Du sie Dir zuerst bewusst machen. Du kannst Dein eigenes Rollenset aufmalen. Rollen gibt es in drei Arten:

  1. angeborene Rollen
  2. selbst gewählte Rollen
  3. zugeschriebene Rollen (andere drängen Dich in die Rolle)

Warum ein Genogramm bei der Orientierung oft hilfreich ist

Streit in der Familie

Gerade am Anfang des Berufslebens übernehmen viele Menschen im Organigramm eine Rolle, die sie aus ihrer Familie kennen. Angenommen, Du bist das älteste von drei Geschwistern. Dann musstest Du vielleicht als erstes Kind stark für Deine Rechte kämpfen. Deshalb bist Du womöglich rhetorisch geschickt. Das passt etwa gut zum Marketing.

Als jüngstes von drei Kindern konntest Du vielleicht von der Vorarbeit Deiner Geschwister profitieren. Möglicherweise bist Du deshalb risikofreudiger. Dann zieht es Dich vielleicht eher ins Unternehmertum, ins Ausland oder in eine Führungsposition. Kommt Dir das bekannt vor? Solche Muster sind Denkanstöße, keine festen Regeln.

Beim Erstellen eines Genogramms spüren manche Menschen Angst. Sie fürchten, die Schuld an der eigenen Unzufriedenheit auf Eltern und Familie abzuwälzen. Doch darum geht es nicht.

Beim Genogramm geht es nicht um Schuld, sondern um Verständnis und Klarheit. Angenommen, Dein Großvater ist im Zweiten Weltkrieg gefallen. Deine Großmutter musste Deinen Vater in ein Jungeninternat geben, um finanziell zu überleben. Dort ging es hart zu, und Dein Vater ist deshalb wenig einfühlsam. Dann hat Dich das als sein Kind vielleicht indirekt geprägt und Deine Berufswahl beeinflusst.

In so einer Situation hilft es nicht, Deinem Vater die Schuld an Deiner beruflichen Unzufriedenheit zu geben. Diese Opferrolle nimmt Dir jede Macht, etwas zu ändern. Genauso wenig hilft es, schwierige Umstände zu leugnen. Manche Menschen denken: „Meine Eltern haben es immer gut gemeint. Deshalb darf ich sie nicht kritisieren.“

Diese Menschen schämen sich für negative Gedanken. In der Folge suchen sie die Ursache ihrer Unzufriedenheit bei sich selbst. Sie glauben: „Ich bin wohl einfach nicht dafür gemacht, im Job glücklich zu sein.“ Das schwächt ihr Selbstvertrauen. Ein Genogramm soll genau das verhindern.

Durch ein Genogramm erkennen Menschen oft: „Meine Eltern hatten es selbst nicht leicht. Sie hatten wirklich die besten Absichten. Aber meine Situation war trotzdem schwer.“ Das nimmt ihnen eine Last von den Schultern. Sie müssen die Schuld weder bei sich noch bei den Eltern suchen.

Die Umstände waren einfach nicht optimal. Nicht mehr und nicht weniger. Das ideale Ergebnis Deines Genogramms ist ein wertschätzender Blick auf Deine Vergangenheit und Deine aktuelle Situation. Damit stehen Dir die Türen für eine bewusst gestaltete Zukunft offen. Es macht „klick“, weil Du siehst: Du kannst Dein Schicksal selbst anpacken.

Ärger über die Vergangenheit kostet Dich Zeit und Energie für die Gegenwart. Nutze das Genogramm deshalb als Werkzeug für Klarheit und nicht als Anklage.

Das Genogramm als Tool zu mehr Selbstverantwortung

Mit einem Genogramm erkennst Du vielleicht zum ersten Mal Dein „wahres Ich“. Vielleicht nimmst Du erstmals Deine familiären Rollen wahr. Oder Du hinterfragst bewusst Deine Erziehung und die Vorurteile Deiner Bezugspersonen.

Manche Menschen bemerken auch: „Ich habe keine Aufmerksamkeit von meinem Vater bekommen. Trotzdem ringe ich unbewusst um seine Anerkennung, mit Höchstleistungen im Job. Eigentlich bedeutet mir diese Karriere gar nichts. Ich muss etwas ändern.“ Dann geben sie sich zum ersten Mal selbst die Erlaubnis, ihren eigenen Bedürfnissen zu folgen.

Früher fanden solche Veränderungen oft in der Lebensmitte statt. Man sprach deshalb von der Midlife-Crisis. Heute kommen solche Veränderungen oft früher und immer wieder vor. Sie gehören zum normalen Berufsleben mit ständiger Neuorientierung und Weiterentwicklung.

Wichtig ist: Diese Klärung ist ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstverantwortung und Freiheit. Das gilt längst nicht nur für den Beruf. Hier konzentrieren wir uns aber auf den Job. Du siehst also: Es lohnt sich, Deine Familie einmal genauer anzuschauen.

Meist schaust Du bei einem Genogramm zwei bis drei Generationen zurück. Am leichtesten beginnst Du bei den Großeltern und arbeitest Dich bis in die Gegenwart vor. Hier findest Du am ehesten noch Informationen oder kannst Familienmitglieder befragen. Je nach Familiengeschichte sind auch die Urgroßeltern wichtig.

Fragen für Dein Genogramm

Hier bekommst Du Beispielfragen, mit denen Du Dein Genogramm erstellst:

  • Wie hieß meine Großmutter? Mit wem war sie verheiratet, und wann und wie ist sie gestorben? Woher stammte sie?
  • Wie viele Kinder hatten die Eltern meiner Mutter?
  • Hat ein Familienmitglied Drogen oder Alkohol missbraucht?
  • Wer war verbeamtet, wer arbeitslos und wer außergewöhnlich erfolgreich?
  • Welche Familienmitglieder wurden verstoßen?
  • Welche Tabuthemen gab es?
  • Zu welchen Halbgeschwistern gibt es Beziehungen? Sind sie gut oder schlecht?
  • Welche schweren Krankheiten gab es in der Familie? Wer nahm oder nimmt regelmäßig Medikamente?
  • Welche Schicksalsschläge gab es?
  • Wer ist oder war verheiratet, und wer lebte geschieden? Wurde jemand hintergangen? Gab es Scheidungskriege? Lebt jemand in einer Patchworkfamilie?
  • Wer hat mich im Leben und im Beruf am stärksten geprägt?
  • Gab es Brüche in meiner bisherigen Lebenslinie?
  • In welchen Spannungsfeldern habe ich mich bewegt oder bewege mich noch? Erwarten getrennte Eltern gegensätzliche Berufswege von mir?
  • Was machen meine Geschwister beruflich?
  • Zeigen sich in meiner Familie wiederkehrende berufliche Muster?
  • Wurde jemand aus der Heimat vertrieben, oder ist jemand ein- oder ausgewandert?
  • Welche emotionalen Beziehungen gibt es in meiner Familie? Ist sie warmherzig? Wird offen über Gefühle, Wünsche und Träume gesprochen?

Du bist dran!

Schreib auf, was Du schon über Deine Familiengeschichte weißt. Welche der Fragen kannst Du selbst beantworten? Welche alten Unterlagen hast Du noch? Kommst Du nicht weiter, sprich mit Verwandten und langjährigen Bekannten über die Familiengeschichte.

Notiere die Antworten sorgfältig oder nimm das Gespräch mit Erlaubnis auf. Wichtig: Nicht jeder wird begeistert helfen. Viele Menschen möchten einen Strich unter ihre Vergangenheit ziehen. Sie wollen Unangenehmes nicht noch einmal durchleben. Geh deshalb einfühlsam vor.

Zeichne danach Dein Genogramm. Markiere Berufe, Beziehungen und wiederkehrende Muster. Frag Dich dann: Welche Rolle habe ich übernommen, und welche will ich künftig spielen?

Mit Klarheit zur passenden beruflichen Rolle

Ein Genogramm zeigt Dir, woher Deine Muster kommen. Die nächste Frage ist, welcher Weg jetzt zu Dir passt. In unserer Karriereberatung klären wir mit Dir Stärken, Werte und Ziele. Danach planen wir Deine nächsten Schritte.

Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.


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