In diesem Artikel geht es um Belastbarkeit. Belastet werden wir sogar, wenn wir auf dem Sofa liegen und nichts tun. Neben der Schwerkraft wirken Licht, Geräusche und viele andere Reize auf Dich ein, oft ohne dass Du es merkst. Dazu kommen psychische Belastungen durch Gedanken und Gefühle.
Um all das gut zu überstehen, brauchst Du eine solide Belastbarkeit. Belastbarkeit bedeutet, Druck, Stress und Rückschläge auszuhalten, ohne dauerhaft Schaden zu nehmen. Wie belastbar Du bist, hängt von vielen Faktoren ab, auch von Veranlagung. Manche Menschen reagieren besonders empfindlich auf äußere Reize. Ihnen fällt es in unserer reizüberfluteten Welt oft schwerer, zurechtzukommen. Belastbarkeit lässt sich aber stärken.
Stress testet Deine Belastbarkeit
Stehst Du vom Sofa auf und gehst unter Menschen, steigt Deine Belastung. Dazu gehören:
- körperliche Belastungen, etwa durch Verkehrslärm und Wetter,
- psychische Belastungen, etwa durch Ärger und Aufregung,
- Belastungen durch die Flut von Sinnesreizen,
- mentale Belastungen durch ständig neue Informationen.
Der Pegel steigt. Irgendwann spürst Du, was vor allem in der Arbeitswelt viel diskutiert wird: Stress. Setzt Du dem keine ausreichende Erholung entgegen, führt Stress früher oder später zu seelischer und körperlicher Erschöpfung. Im schlimmsten Fall droht ein Burnout.
Die Auslöser von Stress heißen in der Psychologie Stressoren. Dabei unterscheidet man Eustress, der als positiv gilt, und Disstress, der als negativ gilt. Eustress kann Deine Belastbarkeit stärken, Disstress schwächt sie eher.
Stressoren, die Disstress auslösen können, sind unter anderem:
- der Tod eines Partners, Verwandten oder Freundes,
- Ängste aller Art,
- Schlafmangel,
- Überforderung,
- Krankheit und Schmerz, auch bei anderen,
- finanzielle Probleme,
- Fremdbestimmung,
- Mobbing und Stalking,
- Bedrohung von außen.
Je geringer Deine Belastbarkeit ist, desto mehr Einflüsse können bei Dir Stress auslösen.
Typische Belastungen am Arbeitsplatz
Am Arbeitsplatz gelten unter anderem diese Bereiche als psychische Belastungen:
- Überlastung,
- fehlende Transparenz oder Kommunikation,
- Gewalt und Belästigung,
- Unterforderung durch eintönige Abläufe,
- zwischenmenschliche Spannungen,
- ständiger Wechsel zwischen Aufgaben,
- unnötig komplizierte Abläufe durch schlechte Organisation,
- Mikromanagement durch Vorgesetzte,
- Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes.
Maßnahmen zur Begrenzung von Belastung
Auch der Gesetzgeber hat die Belastung am Arbeitsplatz im Blick. Seine Regeln zielen aber weniger darauf, Deine Belastbarkeit zu erhöhen. Sie sollen vor allem die Belastung senken. So verlangt das Arbeitsschutzgesetz, dass psychische Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden. Gute Arbeitsgestaltung soll dabei zum Beispiel:
- Psyche und Körper des Menschen berücksichtigen,
- niemanden überfordern oder schädigen, sondern die Entwicklung fördern,
- ausgewogen sein,
- ausreichend eigene Kontrolle ermöglichen, abwechslungsreich und kooperativ sein.
Die Norm DIN EN ISO 10075 beschreibt Grundsätze zur psychischen Arbeitsbelastung. Sie betrachtet unter anderem diese Bereiche:
- die Arbeitsaufgabe,
- die Arbeitsmittel,
- die Arbeitsumgebung,
- die Arbeitsorganisation.
Die Normenreihe EN ISO 9241 behandelt die Ergonomie der Zusammenarbeit von Mensch und Technik, etwa am Bildschirmarbeitsplatz. Auch sie soll Belastungen verringern und das Wohlbefinden bei der Arbeit fördern.
Für Dich heißt das: Wenn Dich Deine Arbeit dauerhaft überlastet, ist das nicht nur Dein persönliches Problem. Sprich es bei Deiner Führungskraft, beim Betriebsrat oder beim betriebsärztlichen Dienst an.
Belastbarkeit stärken
Du kennst jetzt viele Formen der Belastung durch Arbeit und Umfeld. Verständlich, dass Arbeitgeber gern Menschen einstellen, die belastbar sind. Kein Wunder also, dass Belastbarkeit in Bewerbungen so oft betont wird. Belastbarkeit ist heute eine sehr wichtige Eigenschaft. Deshalb lohnt es sich, alles zu prüfen, was Dich belastbarer machen kann. Vorher schauen wir noch, was Belastbarkeit eigentlich ausmacht:
- Belastbar bist Du, wenn Du Stressoren nicht nur erträgst, sondern sie wie bei der Konfliktfähigkeit in Antrieb verwandelst. Im besten Fall machst Du aus Disstress Eustress, also Energie für Dein Handeln.
- Belastbar bist Du, wenn Du unter Rückschlägen nicht zusammenbrichst. Du akzeptierst sie als normalen Teil eines Prozesses. Du rechnest von vornherein mit ihnen und planst sie ein.
- Belastbar bist Du, wenn Widerstände Dich nicht entmutigen, sondern herausfordern.
Belastbarkeit ist Dir nicht einfach in die Wiege gelegt. Du kannst sie trainieren, ähnlich wie Deine Muskeln, zum Beispiel mit einem Coach. Wie bei den Muskeln gibt es verschiedene Bereiche, die Du gezielt stärken kannst.
1. Durchhaltevermögen
Der wichtigste Bereich ist vielleicht das Durchhaltevermögen. Eine bekannte Fabel erzählt von zwei Fröschen, die in einen Topf mit Milch fallen. Der eine ergibt sich seinem Schicksal und ertrinkt. Der andere strampelt so lange, bis aus der Milch Butter wird und er herausspringen kann.
Auch längere Durststrecken gelassen zu überstehen und auf das Licht am Ende des Tunnels zu vertrauen, kannst Du täglich üben. Sei aufmerksam und lass Dich nicht treiben. Beobachte Dich selbst und steuere sofort gegen, wenn Du schwach zu werden drohst.
2. Herausforderungen annehmen
Genauso wichtig ist es, Herausforderungen anzunehmen, und zwar möglichst ohne Aufschub. Machst Du Dich sofort daran, ein Hindernis zu beseitigen, kann es kaum negativ auf Dich wirken. Du verschwendest keine Kraft damit, Dich zu ärgern oder Umwege zu planen. Du packst direkt an und setzt Deine ganze Kraft ein, um es aus dem Weg zu räumen.
3. Mentale Stärke
Im Sport ist oft von mentaler Stärke die Rede. Mit ihr schlägt manchmal auch der auf dem Papier Schwächere den vermeintlich Stärkeren. Im Fußball spricht man dann gern von „Mentalitätsmonstern“.
Mental stark zu sein heißt: Du lässt Dich nicht verunsichern, beeindrucken oder einschüchtern. Du kennst Deine Möglichkeiten und Grenzen. Und innerhalb dieses Spielraums schöpfst Du alle Reserven aus.
4. Prioritäten setzen
Heute überfluten Dich Reize und Informationen in einem Maß, das schwer zu verarbeiten ist. Willst Du nicht nur reagieren, sondern selbst gestalten, musst Du Prioritäten setzen. Triff selbstbewusst eine Auswahl. Schieb alles beiseite, was Dich bei Deinen Zielen behindert und ablenkt. Dieses Auswählen sollte Dir zur zweiten Natur werden. Nur so gewinnst Du Raum für das, was Dir wichtig ist.
Und schließlich wächst Deine Belastbarkeit in dem Maß, in dem Du lernst, Dinge gelassen zu betrachten. Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Was im ersten Moment katastrophal wirkt, ist bei näherem Hinsehen oft gut zu bewältigen. Praktische Techniken dafür findest Du im Artikel zum Stressmanagement.
Belastbarkeit in der Bewerbung zeigen
Viele Stellenanzeigen verlangen Belastbarkeit. Das bloße Wort im Anschreiben überzeugt aber kaum jemanden. Besser ist ein konkretes Beispiel. Beschreib eine Situation mit hohem Druck, was Du getan hast und was dabei herauskam. Etwa ein Projekt mit knapper Frist oder eine Phase mit vielen parallelen Aufgaben.
Im Vorstellungsgespräch kommt häufig die Frage, wie Du mit Stress umgehst. Bereite dafür ein oder zwei kurze Beispiele vor. Und erzähl ehrlich, was Dir hilft, Dich zu erholen. Das wirkt glaubwürdiger als die Behauptung, Stress mache Dir nichts aus. Solche Antworten üben wir im Bewerbungscoaching, etwa in einem Probelauf mit Feedback aus Personalersicht.
Fazit
Ausreichende Belastbarkeit hilft Dir, Beruf und Privatleben auf Dauer gesund zu meistern. Deshalb verdient sie in der Arbeit an Dir selbst ihren Platz. Willst Du neben allen Herausforderungen auch noch das Leben genießen, brauchst Du ein gutes Maß an Belastbarkeit. Eine gesunde Lebensweise und genug Entspannung helfen Dir dabei.
Bogensehnen werden entspannt, wenn man sie nicht braucht. Nur so haben sie im entscheidenden Moment ihre volle Kraft. So ist es auch bei Dir. Körper, Geist und Seele brauchen ebenso viel Entspannung, wie sie unter Spannung stehen. Nur so bleibt Deine Belastbarkeit auf Dauer erhalten.
Fragst Du Dich, ob Deine Belastung vor allem an Deiner Stelle liegt? In der Karriereberatung klären wir mit Dir, welche berufliche Richtung besser zu Dir passt.
Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
