Januar 11

Perfektionismus: Wie Du ihn ablegen kannst

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Perfektionismus und Leistungsdruck kennen wir wohl alle aus irgendeiner Lebenslage. Ob im Privatleben, beim Sportwettkampf oder bei der Bachelorarbeit, das ist ganz individuell. Trotzdem hat Perfektionismus oft einen schlechten Ruf, und viele Menschen wollen ihn verzweifelt ablegen.

Gibt es gute Formen des Perfektionismus? Und warum kann übertriebener Perfektionismus so schädlich sein? Das klären wir hier. Am Ende bekommst Du fünf Tipps, wie Du Deinen Perfektionismus in den Griff bekommst und freier lebst.

Perfektionismus ablegen: Tipps

Wie äußert sich Perfektionismus im Alltag?

Wir alle kennen perfektionistisches Verhalten. Es zeigt sich aber bei jedem Menschen anders. Wie erkennst Du bei Dir oder bei anderen, wann ein Verhalten perfektionistisch ist? Es gibt viele kleine und größere Merkmale, auf die Du achten kannst.

  • Benutzt Du oft das Wort „müssen“? Zum Beispiel: „Ich MUSS unbedingt noch aufräumen, bevor wir gehen!“ Oder: „Ich MUSS in der Klausur eine 1 schreiben!“
  • Nimmst Du Kritik oft persönlich und fühlst Dich danach weniger wert?
  • Ist selbst das Beste nicht gut genug für Dich?
  • Lautet Dein Motto „Höher, schneller, weiter“?
  • Hast Du das Gefühl, dass Menschen Dich weniger mögen, wenn Du weniger leistest?

All das können Anzeichen sein, dass Du es mit guter Leistung sehr genau nimmst. In vielen Lebenslagen ist das gar nicht verkehrt. Solange Du Dich dabei nicht kaputt machst und der Perfektionismus nicht überhandnimmt.

Profisportlerinnen und Profisportler sind oft perfektionistisch, wenn es um ihre Leistung geht. Solange das ihrer Gesundheit oder ihrem Privatleben nicht schadet, ist das meist kein Problem. Schadet es doch, müssen sie Prioritäten setzen.

Ebenso können sehr ehrgeizige Studierende in der Klausurphase echten Perfektionismus entwickeln. Mit dieser Motivation schreiben sie vielleicht bessere Noten. Guter Perfektionismus fällt im Alltag meist weniger auf als schlechter. Aber wie unterscheidet man die beiden überhaupt?

Der Unterschied zwischen gutem und schädlichem Perfektionismus

Perfektionismus im Job

Guter Perfektionismus ist, wie oben beschrieben, kaum ein Problem und fällt selten auf. Wir nennen ihn Motivation, Ehrgeiz oder Zielstrebigkeit. Meist beschränkt er sich auf wenige Bereiche unseres Lebens. Solche Phasen kommen und gehen und belasten Deine Gefühle selten dauerhaft.

Angenommen, Du bist ein Sportziel oder ein Projekt bei der Arbeit sehr ehrgeizig angegangen. Es lief erfolgreich. Dann bist Du stolz und kannst Deinen Erfolg auch wahrnehmen. Dein Umfeld macht Dir Komplimente, oder Deine Chefin lobt Dich. Das fühlt sich gut an und motiviert Dich für die nächsten Projekte.

Es setzt Dich aber nicht unter Druck, ab jetzt immer 100 Prozent zu geben und alle zu übertreffen. Erlebst Du einen kleinen Rückschlag, kannst Du die Situation reflektieren und damit umgehen.

Kommst Du jedoch an den Punkt, an dem Dir nichts mehr gut genug ist, hast Du ein Problem. Wer immer nur Spitzenleistung bringen will und sich sonst schnell als Versager fühlt, leidet unter ungesundem Perfektionismus. Du hast ständig das Gefühl, noch mehr tun zu müssen. Und Du glaubst, die Anerkennung anderer nicht zu verdienen. Entweder kannst Du Lob nicht annehmen, oder es treibt Dich an, noch besser zu werden. Das hat nichts mehr mit Motivation zu tun.

Jedes verfehlte hohe Ziel fühlt sich an wie ein schwerer Fehler. Stellst Du ein Projekt sauber zum Abgabetag fertig, fragst Du Dich nur, warum es nicht zwei Wochen früher fertig war. Du erreichst ein Umsatzplus von 20 Prozent und denkst nur daran, dass auch 25 Prozent drin gewesen wären.

Echte Fehler oder Kritik werden so fast unerträglich. Dein Selbstwert hängt davon ab, was Du geleistet hast. Misserfolge wiegen meist schwerer als Erfolge. Da wieder herauszukommen, ist oft nicht leicht. Schauen wir uns aber die Folgen für Dein Leben, Deine Gesundheit und Deine Beziehungen an, wird schnell klar: Gegen zu starken Perfektionismus solltest Du etwas tun.

Guter und schädlicher Perfektionismus

Welche Auswirkungen hat schlechter Perfektionismus?

Perfektionismus in sehr starker Form kann zwanghaft werden und Dein ganzes Leben beeinflussen. Sei deshalb aufmerksam. Arbeite daran, mehr Kontrolle abzugeben, mehr zu vertrauen und besser zu delegieren. Sonst können viele Bereiche Deines Lebens betroffen sein.

Deine Psyche

Zuerst leidet Dein seelisches Wohlbefinden. Nichts und niemand ist gut genug, auch Du selbst nicht. Auf Dauer kann Dich das krank machen. Essstörungen, Angststörungen und Depressionen können mit starkem Perfektionismus zusammenhängen. Erkennst Du Dich darin wieder, such Dir unbedingt psychologische und ärztliche Hilfe. Und wende Dich an Menschen, denen Du vertraust.

Folgen von Perfektionismus

Dein Körper

Nicht nur Deine Psyche, auch Dein Körper kann unter starkem Perfektionismus leiden. Diese möglichen körperlichen Anzeichen sollten Dich hellhörig machen:

  • Schlafstörungen
  • körperliche Anspannung
  • innere Unruhe
  • Appetitlosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • dauerhafte Müdigkeit und Erschöpfung
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Herz- und Kreislaufbeschwerden

Ein bekannter Satz dazu wird Konrad Adenauer zugeschrieben: „Die Krankheit unserer Zeit ist der Perfektionismus.“

Perfektionismus im Job

Alle Führungskräfte wünschen sich motivierte Mitarbeitende. Verfällst Du aber in Perfektionismus, hilft das niemandem. Nichts ist Dir mehr gut genug. Du willst immer der Beste oder die Schnellste sein und nimmst außer dem Leistungsdruck nichts mehr wahr.

Perfektionismus kann zusammen mit Ängsten auch dazu führen, dass Du keine neuen Aufgaben mehr annimmst. Du fürchtest, sowieso zu scheitern. Darunter leidet das Verhältnis zu Kolleginnen und Kollegen. Es kann auch dazu führen, dass Du zum Workaholic wirst oder ein Burn-out bekommst. In beiden Fällen kannst Du über kurz oder lang nicht mehr arbeiten. Dann muss Dein Team ohne Dich klarkommen. Das hilft weder Dir noch den anderen. Wie Du Belastung früh erkennst, liest Du im Ratgeber zum Stressmanagement.

Dein Umfeld

Arbeitest Du ständig und willst alles perfekt machen, wirkt sich das auch auf Dein Umfeld aus. Selbst Deine Geburtstagsfeier muss bis ins letzte Detail geplant sein. Den ganzen Abend achtest Du darauf, dass alle Spaß haben, und genießt ihn selbst gar nicht. Manche Menschen haben dafür kein Verständnis, oder es wird ihnen zu anstrengend. Das kann sehr einsam machen. Sprich Deinen Schwachpunkt deshalb offen an, auch wenn es Dir schwerfällt. Nur so kann Dein Umfeld Dir helfen.

Perfektionismus im Alltag

5 Tipps, wie Du es schaffst, Deinen Perfektionismus abzulegen

Hier bekommst Du fünf Tipps, wie Du Deinen Perfektionismus in ersten Schritten ablegst. Wie oben erwähnt, ersetzen diese Tipps keine Behandlung bei größeren seelischen oder körperlichen Beschwerden. Dann such Dir auf jeden Fall professionelle Hilfe.

1. Gönn Dir Pausen

Das ist leichter gesagt als getan, das wissen wir. Trotzdem ist es wichtig, Dir immer wieder Ruhepausen zu gönnen. Halte Dir Zeiten frei, in denen Du nicht an die Arbeit oder andere Pflichten denkst. Mach Dein Handy einfach mal aus und genieße die frische Luft. Oder verbring einen entspannten Abend mit Deinen Liebsten, an dem ihr möglichst nicht über den Job sprecht. Auch Meditation kann Dir helfen, Ruheinseln im Alltag zu schaffen. Versuch es doch mal!

2. Übe, Fehler zu machen

Auch das sehen perfektionistische Menschen anders. Für sie dürfen Fehler auf keinen Fall passieren. Fehler machen kannst Du aber tatsächlich üben. Fang bei kleinen Dingen an, bei denen es nicht schlimm ist. Räum zum Beispiel nicht extra auf, bevor Besuch kommt. Oder gönn Dir eine Pizza, statt Sport zu machen. Ärgere Deinen Perfektionismus so oft wie möglich, indem Du genau das Gegenteil tust. Passiert Dir dann einmal unabsichtlich ein Fehler, fühlt sich das nach und nach weniger schlimm an.

3. Setz Prioritäten mit der 80-Prozent-Regel

Dein Schreibtisch quillt über vor To-do-Listen, Fristen und Dingen, die Du am besten sofort erledigen musst. Kein Wunder, dass Dein Kopf irgendwann zumacht. Versuch es mit kleineren Aufgaben und der 80-Prozent-Regel. Stehen zehn Dinge auf Deiner Liste, suchst Du Dir bewusst zwei aus, die Du einfach nicht erledigst. Das sollten natürlich eher weniger wichtige Dinge sein.

Wahrscheinlich erscheint Dir aber alles sehr wichtig. Deine erste Aufgabe ist es deshalb, Prioritäten zu setzen. Entscheide, was für Dich und Dein Umfeld am wichtigsten ist. Andere Aufgaben gibst Du ab oder lässt sie ganz weg. Bist Du zum Beispiel fürs Einkaufen zuständig, sag Deinem Partner oder Deiner Partnerin einfach: „Kannst Du heute einkaufen? Ich schaffe es nicht. Sonst bestellen wir etwas.“ Mit der Zeit merkst Du, dass es gar nicht so schlimm ist, manches erst später oder gar nicht zu schaffen. Mehr Methoden findest Du im Ratgeber zum Selbstmanagement.

4. Lerne, mit Kritik umzugehen

Kritik kann wehtun, das wissen wir alle. Aber nur selten ist sie persönlich gemeint. Versuch bei Kritik und Misserfolgen zu verstehen, woher sie kommen und was Du daraus lernen kannst. Mach Dich nicht selbst fertig. Wie das gelingt, liest Du im Ratgeber Feedback geben und annehmen. Auch der Glaube an die eigenen Fähigkeiten hilft, mehr dazu unter Selbstwirksamkeit.

5. Mach aus „Muss“ ein „Soll“

Oft entwickeln wir sogenannte Soll- und Muss-Gedanken. Soll-Aufgaben sollten wir erledigen, Muss-Aufgaben müssen wir auf jeden Fall erledigen. Bei perfektionistischen Menschen werden plötzlich alle Soll-Aufgaben zu Muss-Aufgaben. Hör also auf, ständig über Dein Handeln zu meckern und Dir immer mehr auf die To-do-Liste zu schreiben. Pack stattdessen mehr Dinge von der Muss-Liste auf die Soll-Liste. Schaffst Du davon etwas nicht, ist das wirklich nicht schlimm.

Du willst einen Job finden, in dem Du ohne ständigen Druck gut arbeiten kannst? Dann unterstützen wir Dich in unserer Karriereberatung. Als Führungskraft lernst Du im Führungskräftecoaching, besser zu delegieren und Kontrolle abzugeben. Das Coaching ersetzt keine Therapie. Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.


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