Vom Kollegen zum Vorgesetzten: Steht dieser Schritt in Deiner Berufsplanung? Dann mach Dir eins bewusst. „Führungskraft“ ist nicht nur ein Titel auf dem Papier. Es ist vor allem Anerkennung, die Dir Deine Kollegen im Alltag geben. Sie müssen Dich in der neuen Rolle annehmen, sonst hat sie keinen Erfolg.
Jeder kennt Geschichten von Chefs, die fachlich hervorragend waren, aber nicht mit Menschen umgehen konnten. Das muss Dir nicht passieren. Der Sprung zur Führungskraft geschieht nicht plötzlich. Du setzt Dich immer wieder mit Dir, Deinen Zielen und Deinen Möglichkeiten auseinander. Genau dabei hilft Dir dieser Leitfaden.
Mit diesem Leitfaden wirst Du vom Kollegen zum Vorgesetzten
Wie wird man eigentlich vom Kollegen zum Vorgesetzten? Zunächst die gute Botschaft: Fast alle Eigenschaften einer Führungskraft sind erlernbar. Ein bisschen Talent, viel Arbeit und Willenskraft gehören dazu. All das kannst Du Dir aneignen, wenn Du überzeugt bist, dass Führung der richtige Weg für Dich ist.
Mach Dir aber auch klar: Nicht jeder muss Führungskraft werden. Unternehmen funktionieren gerade deshalb, weil Menschen mit unterschiedlichen Begabungen die Aufgaben übernehmen, die zu ihnen passen. Eine starke Fachkarriere ist genauso wertvoll wie eine Führungskarriere.
Mit diesem Artikel kannst Du gründlich prüfen, ob die Führungslaufbahn zu Dir passt. Und ob Du Lust darauf hast. Begib Dich auf eine kleine Entdeckungsreise in Deine eigene Persönlichkeit.
Unterschiede zwischen Mitarbeitern und Führungskräften
Bevor wir über den Wechsel sprechen, definieren wir beide Positionen. Als Mitarbeiter bezeichnen wir hier jemanden mit Ausbildung oder Studium. Er ist auf Grundlage dieser Qualifikation angestellt und erledigt vor allem fachliche, kaufmännische oder technische Aufgaben.
Auch eine Führungskraft ist Mitarbeiter im Unternehmen. Sie nimmt aber eindeutige Führungsaufgaben wahr. Häufig zeigt sich das an Personalverantwortung oder Budgetverantwortung. Ein anderes Merkmal ist der Anteil der Arbeitszeit, der für Führungsaufgaben reserviert ist.
Führungskräfte brauchen eine Vision, auf die sie ihre Energie konzentrieren. Und sie müssen diese Vision anderen vermitteln können. Dafür brauchen sie Glaubwürdigkeit und Beständigkeit. Charisma hilft dabei sehr. Es klingt erst wie ein Widerspruch: Gute Führungskräfte kennen ihre eigenen Schwächen und gehen offen damit um.
Diese Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede im Alltag:
- Erfolg: Als Mitarbeiter wirst Du an Deiner eigenen Leistung gemessen. Als Führungskraft an der Leistung Deines Teams.
- Arbeitszeit: Als Mitarbeiter arbeitest Du vor allem an Sachaufgaben. Als Führungskraft verbringst Du viel Zeit mit Gesprächen, Planung und Abstimmung.
- Perspektive: Als Mitarbeiter denkst Du an Dein Projekt. Als Führungskraft denkst Du an das Ganze und an die Zukunft.
- Beziehungen: Als Mitarbeiter bist Du einer von vielen. Als Führungskraft beurteilst Du andere und triffst Entscheidungen, die nicht allen gefallen.
Führungskompetenz ist lernbar
Werden wir als Führungskräfte geboren? Oder können wir die nötigen Eigenschaften lernen? Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Warren Bennis hat sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt. Sein Buch „Leaders“ gilt als Klassiker der Führungsliteratur. Seine Haltung ist klar: Führung ist eine erlernbare Fähigkeit.
Wer Energie und Arbeit investiert, kann den Weg von der Fachkraft zur Führungskraft schaffen. Ein Kern seiner Überlegungen ist die Unterscheidung zwischen Managern und Führern. Oft werden beide Begriffe gleich verwendet. Die Unterschiede zeigen Dir aber deutlich, woran Du arbeiten kannst.
Die Unterscheidung zwischen Managern und Führern
Der Manager verwaltet eine bestehende Struktur. Der Führer kann sie erneuern. Er entwickelt Neues und arbeitet kreativ. Der Manager konzentriert sich auf Systeme und Strukturen. Der Führer konzentriert sich auf Menschen. Der Manager arbeitet vor allem mit Kontrolle. Der Führer setzt stattdessen auf Vertrauen.
Bennis fasst es so zusammen: Der Manager ist eine Kopie, der Führer ein Original. Bekannt ist auch seine Formel: Der Manager macht die Dinge richtig, der Führer macht die richtigen Dinge. Damit hängen auch unterschiedliche Zeithorizonte zusammen. Der Führer denkt langfristig. Für den Manager zählen eher kurzfristige Ziele.
Daraus lassen sich drei konkrete Lernaufgaben für angehende Führungskräfte ableiten:
- Behalte den Horizont im Blick und hinterfrage den Status quo, statt ihn einfach hinzunehmen.
- Bleib Du selbst und versuche nicht, ein folgsamer Befehlsempfänger zu sein.
- Stell scheinbar feste Tatsachen in Frage und denk sie neu.
Beide Rollen haben ihren Wert. Gute Führungskräfte beherrschen auch das Handwerk des Managers. Sie wissen aber, wann sie verwalten und wann sie gestalten müssen.
Welcher Führungstyp bist Du? Die 4 Temperamente
Wenn Du vom Kollegen zum Vorgesetzten aufsteigen willst, lohnt ein Blick auf Deinen Typ. Ein einfaches Modell unterscheidet vier Temperamente. Es ist alt und wissenschaftlich nicht exakt. Als intuitiver Einstieg in die Selbstreflexion ist es trotzdem hilfreich. Finde anhand der Kurzbeschreibungen heraus, wo Du Dich wiederfindest.
Der Sanguiniker
Der Sanguiniker gilt als heiter, fröhlich und aktiv. Sein Name kommt vom lateinischen Wort für Blut. Er ist optimistisch, fantasievoll und kreativ. Er ist kommunikativ und extrovertiert und kann seine Gedanken schnell anpassen. Er kann aber auch leichtsinnig und unbeständig wirken.
Als Führungskraft entwickelt der Sanguiniker mit viel Energie Visionen und steckt andere mit seinen Ideen an. Seine Mitarbeiter erleben aber oft, dass er schon beim nächsten Thema ist. Sie sind dann noch damit beschäftigt, seine letzte Idee umzusetzen. Wenn Du Dich hier wiederfindest, achte auf Verbindlichkeit und Nachverfolgung.
Der Phlegmatiker
Der Phlegmatiker liebt Ordnung und Ruhe. Er ist zuverlässig, diplomatisch und gleicht Konflikte aus. Seine Stärken beruhen auf hoher emotionaler Stabilität. Sein Phlegma kann aber zu Trägheit führen. Seine Zurückhaltung erschwert manchmal die offene Kommunikation.
Als Führungskraft muss sich der Phlegmatiker vor allem zu Aktivität antreiben. Gelingt ihm das, gleicht er sehr gut zwischen unterschiedlichen Positionen aus. Mit seiner Zuverlässigkeit bringt er Ruhe in ein Team. Wenn Du Dich hier wiederfindest, setz Dir feste Termine für Entscheidungen.
Der Choleriker
Beim Choleriker denken wir zuerst an einen aufbrausenden Menschen, der zu Wutausbrüchen neigt. Seine Erregbarkeit macht die Zusammenarbeit oft schwierig. Positiv sind seine Willenskraft, sein Mut und seine Entschlossenheit. Er ist leidenschaftlich und bringt viel Energie auf, um seine Ziele zu erreichen.
Als Führungskraft muss der Choleriker vor allem seine Wut in den Griff bekommen. Kein Vorgesetzter kann es sich heute leisten, Mitarbeiter anzuschreien. Gelingt ihm die Selbstbeherrschung, profitiert das ganze Team von seiner Dynamik. Wenn Du Dich hier wiederfindest, nimm Dir vor schwierigen Gesprächen bewusst eine Pause.
Der Melancholiker
Der Melancholiker ist verlässlich und hat eine hohe Selbstbeherrschung. Er wirkt gelassen und gleichmütig. Auf der anderen Seite neigt er zu Pessimismus, Misstrauen und übermäßiger Kritik. Seine Schwermut kann die Stimmung im Team dämpfen.
Als Führungskraft hat es der Melancholiker nicht leicht. Sein Pessimismus passt schlecht zur Aufgabe, eine Vision zu vermitteln. Schafft er es, diese Seite in den Hintergrund zu stellen, ist seine Beständigkeit für jedes Unternehmen wertvoll. Wenn Du Dich hier wiederfindest, formuliere Kritik immer zusammen mit einem Lösungsvorschlag.
Betrachte diese Einteilung als Modell. Sie ist nicht genau, muss es für den Moment aber auch nicht sein. Sie hilft Dir, Erkenntnisse über Dich zu gewinnen. Frag Dich: Wo liegen Deine Chancen? Worauf musst Du bei Deiner Persönlichkeit achten? Wer es genauer wissen will, kann zusätzlich einen Big Five Test machen.
So wirst Du in Deinem jetzigen Unternehmen zur Führungskraft
Viele Unternehmen besetzen Führungspositionen gern aus den eigenen Reihen. Für Personaler hat das Vorteile. Wer schon im Unternehmen arbeitet, kennt Strukturen, Kollegen und Kultur. Er weiß, worauf er sich einlässt. Das Unternehmen kennt ihn ebenfalls und spart sich eine aufwendige externe Suche.
Außerdem sind Aufstiegsperspektiven ein gutes Mittel, Mitarbeiter zu halten. Und genau hier kommst Du ins Spiel. Wenn Du intern aufsteigen kannst, sparst Du Dir die Stellensuche. Du gehst kein Risiko ein, dass sich eine neue Firma als Fehlgriff erweist.
Schau Dich deshalb zuerst im eigenen Unternehmen um:
- Gibt es Programme für Nachwuchsführungskräfte?
- Werden Führungspositionen üblicherweise intern besetzt?
- Wer entscheidet darüber, und wer kann Dich empfehlen?
- Welche Weiterbildungen bietet das Unternehmen an?
Sprich Deinen Wunsch im Mitarbeitergespräch offen an. Viele Vorgesetzte wissen gar nicht, dass jemand im Team Führungsverantwortung möchte. Frag konkret, was Dir für den nächsten Schritt noch fehlt. Übernimm dann gezielt Aufgaben mit Verantwortung, zum Beispiel eine Projektleitung oder die Einarbeitung neuer Kollegen.
Stellst Du fest, dass Deine Möglichkeiten im Betrieb ausgereizt sind? Dann kannst Du Dich immer noch extern orientieren. Tipps dazu findest Du im Ratgeber zur Bewerbung als Führungskraft.
Die 10 Regeln für Deinen Aufstieg vom Kollegen zum Vorgesetzten
Als Führungskraft brauchst Du viele Fähigkeiten. Vor allem musst Du sie passend zur Situation einsetzen. Menschen, Unternehmen und Projekte sind sehr verschieden. Deshalb gibt es kein Standardrezept. Es gibt aber Regeln, die Dir auf dem Weg helfen. Präge sie Dir ein und setze sie im Alltag konsequent um.
Regel 1: Entwickle Deinen eigenen Stil
Kopiere nicht den Führungsstil anderer. Entwickle einen eigenen Stil, der auf Deinen Stärken, Fähigkeiten und Kenntnissen beruht. Eine Kopie lässt sich leicht ersetzen. Ein Original ist schwer zu ersetzen. Du darfst Dir natürlich gute Ideen bei Vorbildern abschauen. Prüfe aber immer, ob sie zu Dir passen.
Regel 2: Halte Dich am Anfang zurück
Gerade am Anfang ist die Versuchung groß, Dinge sofort zu verändern. Halte Dich in den ersten Wochen zurück. Vermeide Entscheidungen, die wichtige Abläufe und Strukturen betreffen. Sag Deinem Team offen, warum Du das tust. Du willst Dich erst gründlich einarbeiten und alle Sichtweisen kennenlernen.
Nutze diese Zeit für Einzelgespräche mit jedem Teammitglied. Frag, was gut läuft, was stört und was sich die Person von Dir wünscht. So zeigst Du Interesse und sammelst wertvolle Informationen.
Regel 3: Hab Mut zur Entscheidung
Liegt die Einarbeitung hinter Dir, triff wichtige Entscheidungen entschlossen. Schiebe Entschlüsse nicht unnötig auf. Eine falsche Entscheidung ist oft besser als gar keine. Fehler kannst Du korrigieren. Stillstand verunsichert dagegen das ganze Team.
Regel 4: Übertrage Deine Werte nicht auf andere
Professionelle Führung heißt auch: Du überträgst Deine persönlichen Wertmaßstäbe nicht auf Dein Team. Du kannst nicht erwarten, dass andere Dein Wertesystem übernehmen. Für eine gute Zusammenarbeit braucht es auch keine gemeinsamen privaten Werte. Wichtig sind klare Regeln für die Arbeit und ein respektvoller Umgang.
Regel 5: Suche erfahrene Mitstreiter
Such den Kontakt zu erfahrenen Kollegen. Sie haben Wissen und Fähigkeiten, die Dir gerade am Anfang sehr helfen. Diese Kollegen schätzen Deine Zuwendung meist sehr. Zeig, dass Du ihre Leistung anerkennst. Hol Dir bewusst immer wieder ihren Rat.
Jede Führungskraft braucht Rückhalt im Team. Erfahrene Kollegen stehen auf dem Papier oft auf derselben Stufe wie alle anderen. Informell genießen sie aber häufig großes Ansehen. Holst Du sie mit ins Boot, wird der Schritt vom Kollegen zum Vorgesetzten deutlich leichter.
Regel 6: Lerne die Kunst des Delegierens
Mach es Dir von Anfang an zur Gewohnheit, nur die Aufgaben selbst zu erledigen, die niemand sonst übernehmen kann. Deine Fähigkeit zu delegieren entscheidet stark über Deinen Erfolg. Ziehst Du jede kleine Aufgabe an Dich, fehlt Dir bald die Zeit für das Wichtige.
Das Spektrum reicht von Mikromanagement bis Laissez-faire. Beim Mikromanagement mischst Du Dich in alles ein. Dann fühlen sich Mitarbeiter nicht verantwortlich, denn es ist nicht ihr Projekt. Beim Laissez-faire lässt Du alle frei entscheiden. Manche fühlen sich dann allein gelassen.
In der Regel gibst Du das Ziel vor oder bekommst es von der Geschäftsführung. Über den Weg dorthin kann es verschiedene Ansichten geben. Berücksichtige die Situation und die einzelnen Menschen. Nicht jeder kommt mit viel Freiheit gut zurecht. Deshalb ist regelmäßiger Austausch mit dem Team wichtig. Geh zu Deinen Leuten, statt nur auf Berichte zu warten.
Regel 7: Steuern und Führen statt Sacharbeit
Verbringe den größten Teil Deiner Zeit mit Steuern und Führen. Damit prägst Du die Kultur und die Abläufe in Deinem Bereich. Versäumst Du das, gibst Du einen wesentlichen Teil dessen auf, wofür man Dich befördert hat. Gerade frühere Fachkräfte rutschen leicht in die alte Sacharbeit zurück, weil sie sich dort sicher fühlen.
Regel 8: Setze klare Ziele und Vorgaben
Arbeite mit klaren Zielen und Vorgaben. Formuliere sie so, dass jeder sie versteht. Frag Dein Team nach Vorschlägen für den besten Weg zum Ziel. Das Ziel selbst gibst Du vor oder vereinbarst es in einem gewissen Rahmen mit Deinen Mitarbeitern.
Aus Visionen konkrete Ziele zu machen, ist eine Kernaufgabe von Führung. Gehst Du von Zielvorgaben zu Zielvereinbarungen über, machst Du Betroffene zu Beteiligten. Das stärkt die Identifikation mit den Aufgaben und mit dem Unternehmen.
Regel 9: Setze Macht nur zurückhaltend ein
Als Führungskraft kannst Du Diskussionen mit einer Anweisung beenden. Klüger ist es aber, Macht nur als letztes Mittel einzusetzen. Setz lieber auf Überzeugung und Einsicht. So gewinnst Du Respekt und Wertschätzung. Sonst bleiben Dir gute Mitarbeiter nicht lange erhalten. Und in einer Atmosphäre von Angst und Gehorsam entsteht keine Kreativität.
Regel 10: Bleib bei der Wahrheit
Dein wichtigstes Kapital als Führungskraft ist Deine Glaubwürdigkeit. Sie entsteht nur, wenn Du konsequent bei der Wahrheit bleibst. Du musst nicht alles aussprechen, was wahr ist. Aber alles, was Du sagst, sollte wahr sein.
Hältst Du Dich daran, fassen Deine Mitarbeiter Vertrauen und verlassen sich auf Dein Wort. Daraus wächst eine natürliche Autorität. Sie macht es Dir leicht, als Vorgesetzter anerkannt zu werden.
So sprichst Du mit Deinen früheren Kollegen
Die größte Unsicherheit beim Wechsel betrifft meist die früheren Kollegen. Gestern habt Ihr noch gemeinsam über Entscheidungen von oben gesprochen. Heute triffst Du sie selbst. Ein offenes Wort am Anfang hilft allen Beteiligten.
Lade das Team zu einem ersten gemeinsamen Termin ein. Sag klar, dass sich Deine Rolle geändert hat. Erkläre, was Dir wichtig ist und wie Du arbeiten möchtest. Ein möglicher Einstieg:
„Ihr kennt mich als Kollegen. Ab heute habe ich eine andere Rolle, und das ist auch für mich neu. Mir ist wichtig, dass wir weiter offen miteinander reden. In den nächsten Wochen möchte ich mit jedem von Euch einzeln sprechen. Ich will wissen, was gut läuft und was wir besser machen können.“
Führe danach die Einzelgespräche. Diese Fragen helfen Dir:
- Was läuft in Deiner Arbeit gerade richtig gut?
- Was hindert Dich, Deine Arbeit noch besser zu machen?
- Was wünschst Du Dir von mir als Vorgesetztem?
- Gibt es etwas, das Dir an meiner neuen Rolle Sorgen macht?
Was tun, wenn Du mit einem Kollegen befreundet bist?
Freundschaften im Team sind kein Problem, solange Du fair bleibst. Sprich die neue Situation mit Deinem Freund offen an. Erkläre ihm, dass Du im Job alle gleich behandeln musst. Trennt private Gespräche und Arbeitsthemen bewusst. Vermeide jeden Anschein von Bevorzugung, etwa bei Urlaubsplanung oder Projektvergabe.
Was tun, wenn sich jemand auch beworben hatte?
Manchmal hatte ein Kollege selbst auf die Stelle gehofft. Das ist eine heikle Lage. Such früh das Gespräch unter vier Augen. Erkenne seine Erfahrung ausdrücklich an. Biete ihm Verantwortung in einem Bereich an, der ihn interessiert. Gib ihm Zeit, die Entscheidung zu verarbeiten. Eine solche Enttäuschung verschwindet selten nach einem einzigen Gespräch. Bleibt er dauerhaft blockierend, sprich das Verhalten sachlich und konkret an.
Wie gibst Du früheren Kollegen Kritik?
Das erste Kritikgespräch mit einem früheren Kollegen fällt vielen schwer. Schieb es trotzdem nicht auf. Je länger Du wartest, desto schwieriger wird es. Bereite Dich kurz vor und halte Dich an eine einfache Reihenfolge:
- Beobachtung: Beschreib konkret, was passiert ist, ohne Bewertung.
- Wirkung: Erkläre, welche Folgen das für das Team oder das Projekt hat.
- Frage: Hör Dir die Sicht Deines Gegenübers an.
- Vereinbarung: Legt gemeinsam fest, was sich ab jetzt ändert.
So kann das klingen:
„Der Bericht für den Kunden kam diese Woche zwei Tage zu spät. Dadurch mussten wir den Termin verschieben. Wie siehst Du das? Was brauchst Du, damit es beim nächsten Mal klappt?“
Bleib sachlich und sprich über Verhalten, nicht über die Person. Lob gehört genauso dazu. Sag auch konkret, was gut gelaufen ist. Wer nur kritisiert wird, hört irgendwann nicht mehr zu.
Vereinbart am Ende einen kurzen Folgetermin. Dort prüft Ihr gemeinsam, ob die Vereinbarung funktioniert. So merkt Dein Gegenüber, dass Du es ernst meinst. Und Du zeigst, dass Du an einer Lösung interessiert bist, nicht an Schuld.
Die 7 Rollen erfolgreicher Führungskräfte
Als Vorgesetzter musst Du viele Rollen gleichzeitig ausfüllen. Sie sind wie verschiedene Hüte, die Du je nach Situation aufsetzt. Darin liegt vielleicht die größte Herausforderung. Als Fachkraft war es erwünscht, dass Du Dich spezialisierst. Als Führungskraft brauchst Du zwar weiter Fachwissen. Noch wichtiger ist aber, dass Du flexibel zwischen den Rollen wechselst.
Schauen wir uns die Rollen der Reihe nach an. Zu jeder Rolle bekommst Du Hinweise, wie Du Lücken ausgleichen kannst. So entsteht nach und nach Dein persönliches Führungsprofil.
Rolle 1: Führer
Führen heißt vor allem, die Kultur im Team zu prägen. Du gehst mit Menschen um und kümmerst Dich um ihre Bedürfnisse, Fähigkeiten und Potenziale. Damit hat Führung immer auch eine ethische Seite.
Die nötigen Fähigkeiten lassen sich nicht immer klar beschreiben. Oft sind es Soft Skills, die Du eher durch Selbstreflexion als durch Kurse entwickelst. Beim Aufstieg wird oft übersehen: Fachliche Stärke allein macht Dich noch nicht zur guten Führungskraft. Du musst auch nicht überall der fachlich Beste sein.
Deine Aufgabe ist es, die vorhandenen Fähigkeiten im Team zu koordinieren und weiterzuentwickeln. Gönne anderen ausdrücklich, fachlich besser zu sein als Du. Und lass ihnen die Anerkennung dafür.
Rolle 2: Manager
Führungskraft und Manager werden oft gleichgesetzt. Es gibt aber deutliche Unterschiede. Eine gute Führungskraft beherrscht viele Managementfähigkeiten. Ein Manager braucht dagegen nicht unbedingt Führungsqualitäten.
Der Manager arbeitet mit Methoden. Er setzt Visionen in konkrete Konzepte um. Er plant, organisiert und kontrolliert Prozesse und Standards. Dabei hat er immer die Wirtschaftlichkeit im Blick.
Als Führungskraft überlässt Du die organisatorische Umsetzung oft anderen. Trotzdem musst Du das Handwerkszeug des Managements verstehen. Nur so nutzt Du die Ressourcen gut. Um jedes Detail der Umsetzung musst Du Dich aber nicht selbst kümmern.
Rolle 3: Fachkraft
Wenn Du vom Kollegen zum Vorgesetzten wirst, warst Du vorher Fachkraft. Das ist ein großer Vorteil. Du kennst Bereiche im Detail und bist mit Strukturen und Abläufen vertraut. In der Führungsrolle hilft Dir das, die Lage richtig einzuschätzen. Deine Kompetenz verschafft Dir außerdem Ansehen.
Fachwissen bewahrt Dich vor Fehlentscheidungen. Externe Führungskräfte unterlaufen solche Fehler schneller, weil ihnen die Kenntnis der Verhältnisse fehlt. Und durch Deine Herkunft im Team hast Du viele Kontakte, die Dir jetzt helfen. Achte nur darauf, nicht ständig selbst in die Fachaufgaben einzugreifen.
Rolle 4: Mitarbeiter
Auch als Führungskraft bleibst Du Mitarbeiter. Flache Hierarchien sind heute in vielen Unternehmen üblich. Wer sich vor allem auf seine formale Autorität beruft, hat es schwer. Die meisten Menschen erwarten einen Umgang auf Augenhöhe.
Mitarbeiter sagen heute meist offen, was sie von Deinen Entscheidungen halten. Respekt und Autorität musst Du Dir erarbeiten. Das gelingt am besten, wenn Du auch ein guter Kollege bleibst. Hilf mit, wenn es eng wird. Und halte Dich an dieselben Regeln wie Dein Team.
Rolle 5: Repräsentant
Als Führungskraft bist Du eine Schnittstelle zwischen Deinem Team und der Außenwelt. Dazu gehören Kunden, Partner und andere Abteilungen. Du musst das Unternehmen gut vertreten, ohne Deine Glaubwürdigkeit zu verlieren. Das erfordert manchmal etwas Fingerspitzengefühl.
Du repräsentierst nicht nur selbst. Du sorgst auch dafür, dass Dein Team das Unternehmen gut vertritt. Dafür braucht es gemeinsame Werte und Botschaften, die jeder kennt und mitträgt. Nur so entsteht ein einheitliches Bild nach außen.
Rolle 6: Vorbild
Als Vorgesetzter bist Du mehr denn je Vorbild und wirst genau beobachtet. Die Zeiten, in denen Führungskräfte sich alles erlauben durften, sind vorbei. Heute zählen Authentizität und Glaubwürdigkeit. Beides baust Du nur auf, wenn Du Deine eigenen Ansprüche auch selbst einhältst.
Vorbild zu sein ist anstrengend, denn Du stehst fast immer unter Beobachtung. Verstell Dich deshalb nicht. Mach Deine echten Eigenschaften zur Grundlage Deiner Vorbildrolle. Betrachte Dich dafür selbstkritisch. Welche Eigenschaften passen gut zur Rolle? Welche stehen ihr eher im Weg? Mit kleinen Korrekturen entsteht ein Vorbild, das zu Dir und zur Aufgabe passt.
Rolle 7: Mensch
Unnahbar, streng und distanziert: So sah lange das Bild einer Führungskraft aus. Diese Inszenierung sollte Autorität sichern. Sie passte zu Angestellten, die sich keine Kritik erlauben konnten.
Heute weiß man: Ein motiviertes, angstfreies Team ist viel zu wertvoll, um es durch starre Hierarchien zu bremsen. Führen bedeutet vor allem, das Potenzial jedes Einzelnen zu entdecken und zu fördern. Dafür brauchst Du Empathie. Erst wenn Du Gedanken, Motive und Gefühle anderer verstehst, kannst Du ihr Potenzial wirklich nutzen.
Typische Fehler beim Wechsel zur Führungskraft
- Weiter wie früher arbeiten: Du erledigst die alte Fachaufgabe und vernachlässigst die Führung.
- Alles sofort ändern: Du willst Dich beweisen und überrollst das Team.
- Der beste Kumpel bleiben wollen: Du vermeidest nötige Konflikte, um beliebt zu bleiben.
- Härte zeigen: Du betonst Deine neue Macht, um Unsicherheit zu überspielen.
- Allein kämpfen: Du holst Dir keinen Rat, weder im Unternehmen noch von außen.
Mehr zu den Fähigkeiten, die Du in der neuen Rolle brauchst, findest Du im Ratgeber zu Führungskompetenzen.
Coaching für die Führungsrolle
Hoffentlich hat Dich dieser Artikel Deiner Entscheidung einen Schritt nähergebracht. Wie geht es jetzt weiter? Zum Beispiel mit einem individuellen Führungskräftecoaching. Das Coaching läuft online per Zoom. Es passt zu Dir, wenn:
- Du tiefer in das Thema Führung einsteigen willst
- Du Deine Führungsambition sicherer und schneller umsetzen willst
- Du unsicher bist, ob Du als Führungskraft geeignet bist
- Du in Deiner aktuellen Position feststeckst
- Du gerade befördert wurdest und den Start gut planen willst
Im Coaching arbeiten wir an Deinen konkreten Situationen. Das kann das erste Teammeeting sein, ein schwieriges Gespräch oder Deine Rolle gegenüber der eigenen Chefin. Du bekommst einen neutralen Blick von außen und einen geschützten Raum für Deine Fragen.
Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch. Wir schauen gemeinsam, was Deine Erwartungen sind und wie wir Dich unterstützen können.
