Was ist der Sinn des Lebens? Diese Frage haben wir uns alle bestimmt schon hundertmal gestellt. Für die eine ist es die Frage „Was mache ich nach dem Abitur?“. Für den anderen ist es eher eine philosophische Frage nach dem Warum.
Deinen persönlichen Sinn des Lebens nennt man im Japanischen „Ikigai“. Er ist gewissermaßen die Antwort auf die Frage „Wofür stehe ich eigentlich auf?“. Hier erklären wir Dir, was Ikigai ist und wie Du Deines findest. Damit Du morgens gern aufwachst und Dich auf den Tag freust.
Was ist Ikigai und wo kommt es her?
Ikigai ist ein japanisches Wort. Wörtlich übersetzen könnte man es mit „das, wofür es sich zu leben lohnt“ oder auch „Lebensfreude und Lebensziel“. Beim Ikigai geht es nicht nur darum, einfach glücklich zu sein. Es geht darum, alle Bereiche des Lebens zu verbinden und ein Lebensziel zu haben, das Dich erfüllt.
Das bekannte Modell mit vier sich überschneidenden Kreisen ist übrigens eine westliche Darstellung. Es greift die japanische Idee auf und macht sie greifbar. Genau mit diesem Modell arbeiten wir hier.
Auch wir als Karriereberatung wissen: Es geht nicht nur darum, erfolgreich zu sein. Wir sagen unseren Coachees immer wieder, dass sie nicht nur Geld gegen Lebenszeit tauschen sollten. Denn das macht auf Dauer unglücklich. Die eigene Berufung ist etwas ganz Persönliches. Das gilt genauso für die Ziele im Leben.
Nicht jeder Mann will Manager werden und einen Baum pflanzen. Mancher will lieber viel von der Welt sehen. Genauso hat nicht jede Frau den Wunsch nach Kindern und Familienleben. Vielleicht will sie lieber Karriere machen oder drei Hunde adoptieren. Du merkst schnell: Ikigai ist so individuell wie Du selbst. Deshalb zeigen wir Dir jetzt, worauf es ankommt, wenn Du Deinen Lebenssinn finden willst.
Die 4 Grundsteine des Ikigai
Das Ikigai-Modell stützt sich auf vier Grundsteine:
- Das Wollen: Was Du liebst
- Das Können: Worin Du gut bist
- Das Sollen: Was die Welt braucht
- Das Müssen: Wofür man Dich bezahlen kann
Das Wollen: Was Du liebst
Hier geht es um das, was Dich glücklich macht. Wir sind nicht im Bewerbungsgespräch. Du musst also nichts nennen, was mit Deinem Job zu tun hat. Es geht um Dein Privatleben und Deine Hobbys. Was machst Du gern im Urlaub? Wofür nimmst Du Dir extra Zeit? Was wird Dir auch nach Stunden nicht langweilig?
Dabei ist völlig egal, ob es etwas Sportliches ist oder etwas Geistiges wie Museen oder Lesen. Vielleicht willst Du auch einfach einen Abend mit Deinem Lieblingsfilm auf der Couch verbringen. Oder einen ganzen Nachmittag im Einkaufszentrum. Schreib auf, was Dich wirklich glücklich macht. Natürlich gehören auch Deine Familie, ein Ehrenamt oder ein zeitintensives Hobby dazu. Es ist schließlich Dein Ikigai.
Das Können: Worin Du gut bist
Klar, als Erstes fällt Dir Dein Beruf ein. Oder die Ausbildung oder das Studium, das Du abgeschlossen hast. Aber es gibt sicher noch viel mehr, worin Du gut bist. Wofür bewundern andere Dich? Wobei bitten sie Dich um Hilfe? Auch das kann ein Hobby sein, etwa Singen oder Kochen. Oder eine handwerkliche Begabung oder Dein Fachwissen auf einem Gebiet. Mach auch hier eine Liste. Frag Dich zusätzlich:
- Worin bin ich unschlagbar?
- Was kann ich gefühlt im Schlaf?
- Welche außergewöhnlichen Fähigkeiten habe ich?
- Was mache ich sehr oft?
Diese Übung tut auch Deinem Selbstbewusstsein gut. Vielleicht stellst Du plötzlich fest, dass Du viel mehr kannst, als Du dachtest. Wie Du ehrlich auf Dich selbst schaust, zeigt der Ratgeber zur Selbstreflexion.
Das Sollen: Was die Welt braucht
Beim Sollen geht es ein wenig um Moral. Um das, was Du nicht tun musst, was Dir aber eine Art Seelenfrieden schenkt. Wenn Du daran glaubst, kannst Du auch von Karma sprechen. Wenn nicht, sieh es praktischer. Was braucht die Welt? Welche Werte hast Du? Welche Werte möchtest Du vielleicht Deinen Kindern mitgeben? Wofür kämpfst Du?
Bei diesem Punkt geht es nur indirekt um Dich. Finde heraus, welche guten Taten Dir wirklich ein gutes Gefühl geben. Das kann ein Ehrenamt sein, eine Spende oder ein Lebensstil. Es geht nicht darum, im Bus aus gesellschaftlichem Druck für eine ältere Dame aufzustehen. Und Dir danach einzureden, Du hättest etwas Gutes getan. Wie hinterlässt Du die Welt besser, als Du sie vorgefunden hast? Du musst es wollen. Gute Taten können zum Beispiel sein:
- Ein Ehrenamt, zum Beispiel im Altenheim oder auf der Kinderstation im Krankenhaus. Überall dort, wo Du Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kannst.
- Umweltschutz: vegetarisch oder vegan essen, beim Einkaufen auf Plastik verzichten oder öfter das Rad nehmen. Das geht alles ganz leicht.
- Geldspenden: wenn Du wenig Zeit hast oder das Spendenziel weit weg ist, etwa Schulen und Trinkwasser in Afrika.
- Sachspenden: Alte Kleidung, Bücher oder Spielsachen kannst Du bei der Tafel oder anderen gemeinnützigen Organisationen abgeben, statt sie wegzuwerfen. Gerade vor Weihnachten freut sich die Tafel auch über Lebensmittel und kleine Geschenke.
Für Dein Ikigai ist wichtig, was Dir wirklich etwas bedeutet. Womit fühlst Du Dich gut? Was schenkt Dir Freude, wenn Du etwas für andere oder die Welt tust? Dieses Gefühl hilft Dir auf der Suche nach Deinem Lebenssinn sicher weiter.
Das Müssen: Wofür man Dich bezahlen kann
Zuletzt geht es um das Müssen. Denn wir alle haben Verpflichtungen im Leben. Wofür wirst Du bezahlt? Diesen Punkt klärst Du recht schnell. Frag Dich zuerst, welche berufliche Rolle Du hast. Bist Du selbstständig oder angestellt? Hast Du als Selbstständiger eine eigene Firma oder arbeitest Du freiberuflich? Welche Position hast Du in der Festanstellung? Bist Du ein kleineres Rad im Getriebe oder Manager? Oder vielleicht sogar Investor? Frag Dich auch, welchen Mehrwert Deine Arbeit hat.
Hast Du all diese Punkte geklärt, geht es um die Balance zwischen ihnen. Dein Ikigai entsteht nur, wenn Du alle vier Grundsteine verbindest. Fehlt einer, gerät Dein Ikigai aus dem Gleichgewicht und Dein Glück leidet.
Wie Du Dein Ikigai nicht finden wirst
In der Ikigai-Grafik siehst Du: Verbindest Du immer nur drei der vier Grundsteine, entsteht ein Ungleichgewicht. Zuerst schauen wir uns an, was bei der Verbindung von jeweils zwei Grundsteinen passiert.
Wollen und Können: Verbindest Du, was Du liebst, mit dem, was Du gut kannst, entsteht Deine Leidenschaft.
Wollen und Sollen: Tust Du, was Du liebst, und tust Du dabei noch Gutes, wird es zu Deiner Mission. Es ist ein Auftrag, den Du Dir selbst gibst.
Können und Müssen: Verbindest Du, was Du kannst, mit dem, womit Du Geld verdienst, entsteht Dein Beruf.
Müssen und Sollen: Wirst Du dafür bezahlt, dass Du tust, was Dir Seelenfrieden bringt und der Gesellschaft nützt? Dann hast Du Deine Berufung gefunden.
Zitat
Sinngemäß: Der Sinn des Lebens besteht darin, die eigene Gabe zu finden. Der Zweck des Lebens ist, sie zu verschenken.
Dieser Satz wird Pablo Picasso zugeschrieben. Die Herkunft ist allerdings unsicher.
Jetzt wird es kompliziert
Hier wird deutlich, warum Dein Ikigai die Balance aller vier Grundsteine braucht.
Leidenschaft und Mission: Angenommen, Du verbindest Deine Leidenschaft mit Deiner Mission. Das ist zum Beispiel bei einem Ehrenamt so. Du fühlst Dich erfüllt und hast viel Freude an Deiner Tätigkeit. Aber Du verdienst damit leider kein Geld.
Leidenschaft und Beruf: Auch hier fehlt etwas. Dein Job macht Dir Spaß, Dein Alltag auch. Aber eigentlich geht es nur ums Geldverdienen. Du bist zufrieden, weil Du Dir etwa einen schönen Urlaub leisten kannst. Gleichzeitig fühlst Du Dich nutzlos, weil Du nichts für die Gesellschaft tust.
Beruf und Berufung: Hier verdienst Du sicher gutes Geld und hast viel zu tun. Fehlt Dir aber etwas, das Du liebst, als Ausgleich zum Job? Dann fühlst Du Dich schnell einsam und innerlich leer. So geht es vielen Workaholics. Hilfe bei der Balance findest Du im Ratgeber zum Stressmanagement.
Mission und Berufung: Du hast etwas gefunden, das Du liebst, das anderen nützt und mit dem Du Geld verdienst. Das klingt nach völliger Sinnerfüllung. Doch schnell kann Unsicherheit aufkommen. Bist Du wirklich gut in dem, was Du tust? Kannst Du damit noch mehr erreichen? Wirst Du damit immer Geld verdienen, oder fällt der Geldaspekt irgendwann weg?
Fassen wir zusammen
Alle vier Grundsteine sind gleich wichtig, um Dein Ikigai zu finden und ein erfülltes Leben zu führen. Mach Dir klar, was Du im Leben willst und was Dir Spaß macht. Achte darauf, dass dieser Teil neben der Arbeit nicht zu kurz kommt. Frag Dich, was Du kannst, und lass Dir dabei gern von anderen helfen. Merkst Du, was Du alles kannst, wächst auch Dein Selbstbewusstsein.
Finde eine Mission, die Dich erfüllt und Dir das Gefühl gibt, etwas Sinnvolles zu tun. Und zu guter Letzt: Finde Deinen Traumjob. Wie Du Dein Ikigai in konkrete Ziele übersetzt, zeigt der Ratgeber zu SMART-Zielen. Denkst Du an einen Wechsel in ein neues Feld, lies auch unseren Ratgeber für Quereinsteiger.
Willst Du Dein Können mit einem Job und Deiner Berufung verbinden? In der Karriereberatung schauen wir gemeinsam, wie das für Dich aussehen kann. Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
