Kommst Du in Deiner Karriere an den Punkt, an dem Du umdenken willst oder musst, kann das schnell überfordern. Dieser Schritt ist oft mit Unsicherheit verbunden. Haben Quereinsteiger überhaupt eine Chance gegen andere Kandidatinnen und Kandidaten? Wo werden sie besonders gesucht, und wie gelingt der Quereinstieg? Welche Qualifikationen solltest Du mitbringen, und wo lohnt sich eine Weiterbildung? Wir zeigen Dir in sieben Schritten, wie Dein Neustart gelingt.
1. Finde Deine Gründe für den Quereinstieg
Dieser erste Schritt ist logisch. Trotzdem solltest Du ihn nicht überspringen. Nimm Dir Zeit und ein Blatt Papier. Wie soll Dein Quereinstieg aussehen? Willst Du etwas komplett Neues machen oder Dich nur ein wenig neu ausrichten? Und vor allem: Warum denkst Du überhaupt an einen Branchenwechsel oder Neustart?
Dafür gibt es viele mehr oder weniger gute Gründe. Gut heißt hier: Sie lassen sich leichter erklären. Solche Gründe können zum Beispiel sein:
- Arbeitsunfähigkeit im alten Beruf durch einen Unfall oder eine Erkrankung
- Zukunftsorientierung, zum Beispiel vom Kohleabbau zu erneuerbaren Energien
- ein Wechsel von der Forschung in die freie Wirtschaft oder umgekehrt
Natürlich kann es auch sein, dass Du Dich einfach nicht mehr wohlfühlst. Oft vergessen wir, dass wir die Entscheidung für unsere berufliche Zukunft sehr früh im Leben treffen. Da ist es fast selbstverständlich, sie viele Jahre später infrage zu stellen. Willst Du einfach etwas Neues ausprobieren, überleg trotzdem, wie Du zu diesem Schluss gekommen bist. Dann kannst Du es im Vorstellungsgespräch gut erklären.
2. Lerne den Arbeitsmarkt der Quereinsteiger kennen
Auch wenn Du hochmotiviert bist, müssen wir Dich hier kurz bremsen. Quereinsteiger zu sein heißt nicht, dass die ganze Welt auf Dich gewartet hat. Viele Türen bleiben verschlossen, weil manche Berufe einen Studienabschluss oder eine formale Berufszulassung verlangen. Hast Du keine Zeit oder Lust, noch einmal zu studieren, sieht es dort schlecht aus.
Es gibt aber immer wieder Stellen, die sich ausdrücklich an Quereinsteiger richten. Dir sollte klar sein, dass diese Stellen meist nicht an der Spitze der Karriereleiter stehen. Rechne also damit, dass Du vielleicht finanzielle Abstriche machst und die Aufgaben anfangs allgemeiner sind. Informiere Dich vorher, wo Du mit Deinen Qualifikationen eine Chance hast. Und welche Bewerbungen Dich vermutlich nur frustrieren.
3. Erkenne Deine Kompetenzen als Quereinsteiger
Oft haben wir das Gefühl, nur das eine Thema wirklich gut zu beherrschen. Dann wirkt der Quereinstieg schnell wie eine riesige Herausforderung. Dabei vergessen wir, dass wir viele Kompetenzen aus unterschiedlichen Bereichen haben. Nimm Dir eine Liste und überleg, aus welchen Erfahrungen Du Fähigkeiten ziehen kannst.
- Hast Du Hobbys oder ein Ehrenamt, in dem Du besondere Dinge gelernt hast?
- Welche Lebenserfahrungen lassen sich auf die angestrebte Position übertragen?
- Welche Gemeinsamkeiten haben Dein alter Job und die neue Branche?
Besonders die dritte Frage solltest Du genau anschauen. Viele Jobs überschneiden sich in ihren Anforderungsprofilen. Mal sind die Gemeinsamkeiten größer, mal kleiner. Findest Du Stellen in einem neuen Bereich, die viele Deiner Kompetenzen abdecken, steigen Deine Chancen. Eine gute Hilfe ist auch unser Ratgeber zu Soft Skills und Hard Skills.
4. Hier haben Quereinsteiger gute Chancen
In vielen Jobsuchmaschinen kannst Du mehrere Suchbegriffe mit einem AND verbinden. So suchst Du gezielt nach Anzeigen, in denen „Quereinsteiger“ oder „Quereinstieg“ steht. Gib einfach Deine Wunschstelle ein und den Suchbegriff dahinter, etwa „Projektassistenz AND Quereinsteiger“. Dann siehst Du vor allem Stellen, die für Dich offen sind.
Grundsätzlich hängen Deine Chancen von Deinem beruflichen Hintergrund und der Branche ab. Trotzdem kannst Du vor allem in vier Bereichen gute Karten haben:
- Branchen mit großer Überschneidung zu Deinem alten Job. Im Vertrieb könntest Du zum Beispiel von der Technikbranche in die Automobilbranche wechseln. Voraussetzung ist genug Fachwissen über die Produkte.
- Tätigkeiten, für die Du keine abgeschlossene Berufsausbildung brauchst.
- Branchen mit hoher Nachfrage nach Personal. Welche das sind, ändert sich mit der Wirtschaftslage. Informiere Dich deshalb aktuell.
- Jobs, bei denen breites Wissen und Soft Skills zählen. Die nötigen Hard Skills lernst Du dort parallel, oder sie sind weniger wichtig. Hier sind sogenannte Generalisten gefragt.
5. Passe Deine Unterlagen an
Im nächsten Schritt passt Du Deine Unterlagen an. Lebenslauf und Anschreiben brauchen eine klare Struktur. Führe wie an einem roten Faden durch Deinen Lebenslauf. Erkläre, wie Du zu dem Schluss gekommen bist, den Quereinstieg zu wagen. Auch Abzweigungen oder Lücken im Lebenslauf solltest Du sinnvoll begründen. Versuch nicht, sie zu verstecken. Das fällt spätestens im Vorstellungsgespräch auf, wenn Du bei einer Nachfrage ins Stocken gerätst. Tipps zum Aufbau findest Du im Ratgeber zum tabellarischen Lebenslauf.
Außerdem musst Du erklären, wie Dir Deine bisherige Berufserfahrung und Deine Kompetenzen in der neuen Stelle helfen. Nur so bekommt Dein künftiger Arbeitgeber das Gefühl, dass Du einen echten Mehrwert bringst. Welche gut gemeinten Ratschläge Du dabei ignorieren kannst, liest Du im Ratgeber zu Bewerbungsmythen.
Genau dabei unterstützen wir Dich im Bewerbungscoaching. Bei der Orientierung und beim Erarbeiten Deiner Kompetenzen hilft Dir unsere Karriereberatung. Bist Du arbeitslos oder droht Dir Arbeitslosigkeit, kann das Coaching mit einem Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) gefördert werden. Den Gutschein stellt die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter aus. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht, die Stelle entscheidet im Einzelfall. Die Bewilligung muss vorliegen, bevor das Coaching startet.
6. Zeige Initiative
Initiativbewerbungen sind für Quereinsteiger oft ein guter Weg. Schreibt ein Unternehmen eine Stelle aus, sucht die Personalabteilung eine Person, die genau zu dieser Stelle passt. Steht kein Hinweis dabei, dass Quereinsteiger willkommen sind, sind Deine Chancen gering. Besonders in großen Unternehmen sortieren Software oder Personalfachleute die Bewerbungen vor. Dabei fällt selten auf, ob jemand ohne vollständig erfülltes Anforderungsprofil trotzdem eine Chance für das Unternehmen wäre.
Bewirbst Du Dich dagegen initiativ, sieht sich im besten Fall eine Person Deine Bewerbung an, die Deine Fähigkeiten richtig einordnet. Außerdem bewirbst Du Dich meist nicht auf eine bestimmte Stelle, die es so ja nicht gibt. Du schlägst einen Bereich vor. Dann können die Führungskräfte überlegen, wo Dein Können am besten passt. Vielleicht schaffen sie sogar eine Stelle für Dich.
Informiere Dich dafür gut über das Unternehmen, das Dich interessiert. Ohne Stellenanforderung musst Du klarmachen, warum Du gut zum Unternehmen passt. Danach passt Du Dein Anschreiben an. Wie das geht, liest Du im Ratgeber zur Initiativbewerbung.
7. Baue Dir ein Netzwerk auf
Diesen Punkt könnten wir vermutlich in jeden Artikel einbauen, in dem es um Karriere geht. Netzwerke sind das A und O! Viele Stellen werden über persönliche Kontakte besetzt, also über Vitamin B.
Such Dir deshalb Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner im persönlichen Umfeld. Und bau Dir vor allem online ein Netzwerk auf, zum Beispiel auf LinkedIn. Dort tauschst Du Dich mit Menschen aus und erfährst, was sie in ähnlichen Situationen gemacht haben. Vielleicht findest Du so neue Kontakte, oder Dir wird sogar ein Job angeboten. Und selbst wenn nicht sofort eine neue Stelle dabei herausspringt: Der Austausch mit anderen bringt Deine Karriere immer weiter. Mehr dazu liest Du im Ratgeber zum Netzwerken.
Du willst Deinen Quereinstieg gut vorbereiten? In der Karriereberatung klären wir Deine Richtung, im Bewerbungscoaching Deine Unterlagen. Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
