Verantwortungsbewusstsein mit Verantwortungsgefühl

Verantwortungsbewusstsein ist optional

Hi, es wäre schön, wenn du mich heute auf einem Streifzug durch die Begrifflichkeit rund um die Verantwortung begleiten würdest. Die dem Verantwortungsbewusstsein vorausgehende Verantwortung hat mindestens zwei Beteiligte

  • den, der Verantwortung übernimmt
  • die Person, die Instanz oder die Gruppe, denen gegenüber Verantwortung übernommen wird

Dabei kann die Verantwortung zugeteilt werden oder freiwillig übernommen werden. Wobei wir bei einer zugeteilten Verantwortung besser von einer zugeteilten Verantwortlichkeit sprechen. Sie kann routinemäßig im Rahmen einer Organisation erfolgen oder individuell aus einem Verantwortungsgefühl heraus entstehen.

Verantwortungsbewusstsein

Verantwortung

Die Verantwortung ist ein Begriff, der Normen berührt, die unserem gesellschaftlichen Wertesystem zugrunde liegen:

  • moralische Normen
  • rechtliche Normen
  • weltanschauliche Normen

Der Umgang mit Verantwortung ist auch nicht eindeutig, vielmehr kann man sie nicht nur übernehmen und ihr gerecht werden, sondern man kann  

  • sich der Verantwortung entziehen
  • die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen
  • die Verantwortung jemand anderem zuschieben
  • die Verantwortung leugnen
  • zur Verantwortung gezogen werden

In vorgenannten Zusammenhängen erscheint die Verantwortung zuweilen als eine Art wohlfeiles Gut, das in der Gegend herumgeschubst werden kann. Es ist offensichtlich auch nicht so, dass man sich unbedingt nach Verantwortung drängt. Daraus wird auch erklärlich, warum bei manchen Politikern oder Unternehmensführern erst die Gerichte bemüht werden müssen, bevor ihnen die Verantwortung für ihre Handlungen nachgewiesen werden kann. Ob es sich hier tatsächlich um aktive Verantwortung handelt oder um passive Verantwortlichkeit und inwieweit diese beiden Begriffe voneinander unterschieden werden sollten, werden wir weiter unten klären.

Verantwortungsbewusstsein entsteht aus Verantwortungsgefühl

Der unterschiedliche Umgang mit Verantwortung erklärt sich daraus, dass landläufig die Meinung besteht, Verantwortung könne man lernen. Vielfach wird empfohlen, bereits Kindern spielerisch Verantwortung zu übertragen, damit sie schon früh damit vertraut gemacht werden, wie mit Verantwortung richtig umzugehen ist. Ob dieses Vorgehen

  • sinnvoll ist
  • wirklich etwas mit aktiver Verantwortung zu tun hat
  • zur Autonomie der kleinen Individuen beiträgt
  • nicht dem traditionellen Bedürfnis nach Ordnung entspringt und die Kinder eher zu Gehorsam als zu aktiver Verantwortung erzieht

werden wir noch versuchen herauszufinden.  Dieser pädagogischen Auffassung entgegen steht die Überzeugung, dass der Mensch ein grundsätzliches Gefühl hat, das ihn drängt, sich verantwortlich zu fühlen für

  • seine nächste Umgebung
  • Menschen, die ihm nahestehen
  • Menschen, denen es schlecht geht
  • hilflose Geschöpfe
  • die Natur
  • gesellschaftliche Entwicklungen

Wie alle Gefühle kannst du auch das Verantwortungsgefühl nicht kontrollieren. Es meldet sich situativ und fordert dich zum Handeln auf. Allerdings ist das Verantwortungsgefühl in den Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Ein sehr starkes Verantwortungsgefühl kann sich für das Individuum belastend auswirken. Ein sehr schwaches Verantwortungsgefühl kann zu sozialen Problemen führen.

Jedenfalls kann Verantwortung nur auf der Grundlage des Verantwortungsgefühls entstehen. So wenig, wie Gefühle gelernt werden können, kann Verantwortung gelernt werden. Verantwortungsbewusstsein übernimmt in einem bewussten Akt Verantwortung aus dem ursprünglichen Verantwortungsgefühl heraus. 

Verantwortung, Sitte und Moral

Die Pädagogen, die schon kleinen Kindern Verantwortung anerziehen wollen, liegen schon deshalb falsch, weil jede aufoktroyierte Verantwortung eine Last ist, die innerlich keine Unterstützung findet. Auch dann nicht, wenn dies gefordert wird von

  • Sittengesetzen
  • Moral
  • Religion

Verantwortung kann sich nur dann in ihrer positiven Wirkung voll entfalten, wenn sie freiwillig übernommen wird. In Übereinstimmung mit inneren Überzeugungen und einem im Menschen angelegten Verantwortungsgefühl. Erst wenn du Verantwortung auf dieser Grundlage übernimmst, bist du das von Friedrich Nietzsche geforderte  

Nietzsche:

Ein verantwortlicher Mensch ist das "...von der Sittlichkeit der Sitte wieder losgekommene, autonome übersittliche Individuum."

Wenn du im Bewusstsein einer Verantwortung, die sich von allen Verpflichtungen, Sitten und Normen von Moral und Religion befreit hat, Verantwortung übernimmst, wirst du Verantwortung als beglückend erleben. So macht Verantwortungsbewusstsein erst Sinn.

Verantwortung ist eine menschliche Grundtugend, die sich aus dem Inneren des Individuums heraus ihr Betätigungsfeld sucht. Wer also denkt, dass er anderen Verantwortung auf die Schultern laden kann, darf nicht überrascht sein, wenn das Ergebnis nicht seinen Erwartungen entspricht. Der nach Autonomie strebende Mensch sucht sich die Gebiete, auf denen er Verantwortung übernehmen will, nach seinem freien Willen aus. Er handelt selbstverantwortlich. Die höchste Instanz, der gegenüber er verantwortlich ist, ist sein eigenes Gewissen. 

Verantwortlichkeit

Vielleicht ruht das Missverständnis mancher in Bezug auf Verantwortung und Verantwortungsbewusstsein daher, dass sie diese Begriffe mit der Verantwortlichkeit vermischen. Verantwortlichkeiten werden von Organisationen zugeteilt:

  • Manager sind für bestimmte Aufgabenbereiche verantwortlich
  • Abteilungen sind dafür verantwortlich, dass alles, was ihnen obliegt, ordnungsgemäß ausgeführt wird
  • Abteilungsleiter sind verantwortlich, dass in ihren Abteilungen keine Pannen passieren

Verantwortlichkeiten entsprechen streng hierarchischem Denken und Ordnen. Das Militär ist ein Paradebeispiel für diese Denkweise und Form der Organisation. Aus diesem Blickwinkel machen auch wieder die Pädagogen Sinn, die schon kleine Kinder daran gewöhnen wollen, dass sie für etwas verantwortlich sind.

Fast könnte man sagen, dass die von oben verordnete Verantwortlichkeit geradezu gegensätzlich zu der aus dem Inneren entstehenden Verantwortung ist. Für dich, der du dich um Fähigkeiten bemühst, die in der neuen teamorientierten Arbeitswelt von Bedeutung sind, ist es wichtig, Verantwortung und Verantwortlichkeit klar voneinander zu trennen. Gerade im Team ist es wichtig herauszufinden, wer welche Aufgaben eigenverantwortlich übernehmen kann, weil er sich auf Grund seiner individuellen Fähigkeiten und Neigungen dazu berufen fühlt. Wahre Teamarbeit wird tunlichst vermeiden, einem Teammitglied eine Verantwortlichkeit aufzubürden, die nichts mit ihm zu tun hat. 

Wenn du das Zusammenspiel von Verantwortungsgefühl, Verantwortung und Verantwortungsbewusstsein für dich verinnerlicht hast, wirst du aus deiner eigenen Erfahrung heraus dazu beitragen, dass das Zuteilen von Verantwortlichkeiten der Vergangenheit angehört. Dein Coach wird dies mit dir vertiefen.

Verantwortlichkeit

Verantwortungsbewusstsein in Beruf und Alltag

Wie schon oben angedeutet, kann ein Zuviel von Verantwortungsgefühl zu einer Überlastung führen, die es dir in deinem Alltag manchmal schwer macht. So wie du ein Übermaß von anderen Emotionen durch Training eindämmen kannst, ist dir das auch mit dem Verantwortungsgefühl möglich. Da hilft dir das Verantwortungsbewusstsein, mit dem du dir bewusst machst,

  • welche Folgen dein Verantwortungsgefühl hat
  • wie du diese Folgen auf einen Umfang reduzierst, den du bewältigen kannst
  • wie du es ermöglichst, dass Verantwortung etwas bleibt, dass du gern übernimmst
  • wie du dein Verantwortungsgefühl stärkst, um deine sozialen Bindungen zu festigen

Dein Verantwortungsbewusstsein analysiert dein Verantwortungsgefühl, es sortiert und organisiert das, was dein Verantwortungsgefühl produziert. Es macht dir bewusst, dass du als einzelner Mensch nicht die Welt retten und all ihre Probleme lösen kannst. Es sorgt dafür, dass Verantwortung immer eine Quelle der Freude für dich bleibt. Auch dann, wenn du von der Natur mit diesem Gefühl etwas stiefmütterlich ausgestattet wurdest. Es gibt Methoden, in die dein Coach dich einführen wird, mit denen du dein Verantwortungsgefühl

  • auf ein machbares Maß dämpfen kannst
  • auf ein wünschenswertes Maß erweitern kannst

Verantwortungsgefühl und Verantwortungsbewusstsein bedingen einander. Das Gefühl ist die Quelle, das Bewusstsein der Regulator oder Motivator.

Fazit

Lass dich durch die wohlfeilen Ratschläge selbsternannter Experten, wie du mit Verantwortung und Verantwortungsbewusstsein umzugehen hast, nicht verwirren. Vertraue vielmehr deinem eigenen Urteil und kläre offene Fragen zu diesem Thema mit deinem Coach.

Das nach Autonomie strebende Individuum entwickelt Verantwortungsbewusstsein aus seinem Verantwortungsgefühl heraus. Freiwillig, freudig und selbstverantwortlich. Du hast nur dein Gewissen, das darüber entscheidet, ob du deiner Verantwortung ausreichend nachkommst. Lass dir von niemandem Verantwortlichkeiten aufbürden. Auch wenn das im beruflichen Alltag unter den oft noch bestehenden hierarchischen Organisationsformen manchmal nicht ganz einfach sein dürfte. Gerade unter dem Aspekt von Verantwortungsbewusstsein ist klar, dass du deine Autonomie nur in flachen Hierarchien und Arbeitsorganisationen bewahren kannst, die dich als Individuum respektieren.

Nur wenn du Verantwortung aus freien Stücken übernimmst und deine individuellen Fähigkeiten in ihrer Übernahme voll zur Entfaltung bringen kannst, wirst du optimale Leistungen erbringen. Wie du solche Organisationen findest oder zu einem Wandel in deiner derzeitigen Organisation beitragen kannst, zeigt dir dein Coach.