Wie motivierst Du Dich, Deine Ziele wirklich zu erreichen? Diese Frage stellen sich viele Menschen. Zwei Psychologen haben dazu ein bekanntes Modell entwickelt: das Rubikon-Modell. Es hilft Dir, den Weg zum Ziel klug zu gliedern. So vermeidest Du, dass falsche Entscheidungen oder fehlende Motivation Dich ausbremsen. Wir zeigen Dir, wie Du damit produktiver wirst.
Die Geschichte hinter dem Rubikon-Modell
Das Rubikon-Modell, auch Rubikonmodell der Handlungsphasen genannt, stammt von den Psychologen Heinz Heckhausen und Peter M. Gollwitzer. Es beschäftigt sich mit vier zentralen Fragen:
- Wie wählen wir unsere Ziele aus?
- Wie planen wir, das Ziel zu erreichen?
- Wie handeln wir, um das Ziel zu erreichen?
- Wie bewerten wir diese Handlung im Nachhinein?
Daraus leiteten Heckhausen und Gollwitzer die vier Phasen des Rubikon-Modells ab. Der Name hat einen geschichtlichen Hintergrund. Im Jahr 49 v. Chr. überquerte Julius Caesar mit seinen Truppen den Fluss Rubikon. Das kam einer Kriegserklärung an den römischen Senat gleich.
Heckhausen und Gollwitzer übernahmen den Namen des Flusses für ihr Modell. Caesar wog ab und entschied sich. Sobald er den Fluss überquert hatte, gab es kein Zurück mehr. Die Frage war nicht mehr „ob“, sondern nur noch „wie“. Genau dieser Moment trennt im Modell das Abwägen vom Handeln. Wie Dir das hilft, erklären wir im Folgenden.
Die 4 Phasen der Handlung
1. Die Entscheidung
In der ersten Phase fasst Du ein Ziel ins Auge. Überleg Dir, wo Du hinmöchtest und was Du Dir wünschst. Welche Chancen und Risiken hat Deine Idee? Recherche ist hier besonders wichtig. Je mehr Informationen Du hast, desto leichter wägst Du realistisch ab.
Die Recherche sollte aber dort enden, wo weitere Erkenntnisse Deine Entscheidung kaum noch verbessern. Alles darüber hinaus ist übertriebener Perfektionismus.
Entscheidest Du Dich für ein Ziel und gegen andere, entsteht Deine Handlungsmotivation, also Dein Fokus. Dafür musst Du am Ende dieser Phase ein Fazit ziehen. Gerade perfektionistischen Menschen fällt das schwer. Frag Dich ehrlich, ob Deine Suche Dich der Umsetzung näherbringt oder eher verwirrt. Manchmal hilft dann nur der Sprung ins kalte Wasser. Das ist Dein persönlicher Rubikon.
2. Die Planung
Hast Du Dich entschieden, wie Dein Ziel genau aussieht, geht es an die konkrete Planung. Du willst wissen, wann eine Gelegenheit günstig ist, um anzufangen. Schließlich willst Du weder zu früh noch zu spät loslegen.
Bereite die Umsetzung vor. Frag Dich:
- „Was muss ich zuerst machen?“
- „Woran erkenne ich, dass jetzt ein guter Zeitpunkt zum Loslegen ist?“
- „Was brauche ich, um mein Ziel zu erreichen?“
- „Wie mache ich mein Ziel messbar?“
- „Welche Schritte sind in welcher Reihenfolge nötig?“
In dieser Phase spürst Du oft einen starken Antrieb. Gleichzeitig kommen erste Zweifel, ob alles klappt. Vermutlich musst Du für die Umsetzung Deine Komfortzone verlassen.
Damit Du nicht gleich wieder aufgibst, brauchst Du Willenskraft und Wenn-Dann-Pläne. Sie helfen Dir in dieser und der nächsten Phase, Dein Ziel umzusetzen. Auch dann, wenn die Motivation nachlässt. Mit ihnen blendest Du Ablenkungen, Zweifler und mögliche Pannen leichter aus. Die zweite Phase endet, sobald Du eine günstige Gelegenheit zum Loslegen gefunden hast.
3. Die Handlung
In der dritten Phase geht es an die konkrete Umsetzung. Jetzt ist Deine Willenskraft besonders gefragt. Sie hilft Dir durchzuhalten, wenn es anstrengend und zäh wird. Willenskraft ist Dein Durchhaltevermögen auf dem Weg zum Ziel.
Passen die Schwierigkeit der Aufgabe und Deine Fähigkeiten ungefähr zusammen, brauchst Du weniger Willenskraft. Dann entsteht ein angenehmer Zustand, den man Flow nennt. Dieses Gefühl hilft Dir zusätzlich, dranzubleiben.
Lass Dich in dieser Phase nicht ablenken. Lass Dich auch von Rückschlägen nicht aus dem Konzept bringen. Es kann gut sein, dass nicht alles sofort klappt. Das ist nicht schlimm. Wichtig ist, dass Du am Ziel dranbleibst. Führt der ursprüngliche Plan nicht zum Ziel, probier flexibel andere Wege aus.
4. Die Bewertung
In dieser Phase ist vor allem Ehrlichkeit gefragt. Bewerte sachlich, ob Du Dein Ziel erreicht hast. Was kannst Du beim nächsten Mal besser machen? Was lernst Du aus der Erfahrung? Versuch herauszufinden, warum manches funktioniert hat und anderes nicht. Warst Du nur durch Glück erfolgreich? Waren Deine Erwartungen zutreffend?
Nutz Deine Erkenntnisse für die nächste erste Phase. Das Rubikon-Modell ist keine einmalige Sache. Es ist ein Kreislauf, der sich immer wieder wiederholt. Je genauer Du bewertest, desto besser gelingt Dir das nächste Abwägen.
Wie Dir das Rubikon-Modell bei der Bewerbung helfen kann
Das Rubikon-Modell eignet sich gut, um Motivation im Coaching greifbar zu machen. Dazu ein Praxisbeispiel aus der Bewerbung. Viele Menschen sind nach einigen Absagen demotiviert. Vielleicht geht es Dir ähnlich. Statt einfach weiterzumachen wie bisher oder sich gar nicht mehr zu bewerben, braucht es dann eine andere Methode. Hier kommt das Rubikon-Modell ins Spiel.
1. Entscheidung: die richtige Stelle finden
In der ersten Phase, dem Abwägen, analysierst Du die passenden Stellen. Statt Dich weiter ziellos zu bewerben, prüfst Du Stellenanzeigen vorher genau:
- Passt die Stelle zu mir?
- Bin ich den Anforderungen wirklich gewachsen? Hier zählt Ehrlichkeit.
- Wie würde mein Arbeitsalltag dort aussehen?
- Wofür steht das Unternehmen, und welche Werte vertritt es?
- Wie könnte mein Team aussehen?
Mit jeder neuen Information steigt Deine Bereitschaft zu sagen: „Okay, das mache ich jetzt so.“ Fachleute nennen das Fazittendenz. Wie oben beschrieben, ist es wichtig, irgendwann Stopp zu sagen und ein Fazit zu ziehen. Es bringt Dir nichts, Dich jetzt schon auf ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten und jedes Detail herauszufinden.
Setz Dir eine Frist, wie lange Du eine Stelle analysierst, bevor Du entscheidest. Findest Du die Stelle passend? Dann geht es in die zweite Phase. Wenn nicht, verschwende keine Zeit mit einer Bewerbung. Prüf lieber die nächste Stelle.
2. Planung: die Bewerbung vorbereiten
Hast Du eine Stelle gefunden, auf die Du Dich bewerben möchtest, geht es an die Planung. Auch hier überspringen viele wichtige Schritte. Sie machen sofort die Bewerbung fertig. Oder sie schicken eine Standardbewerbung an fünf verschiedene Stellen. Schau also noch einmal genau hin, was Du beachten musst.
Hast Du Fragen zur Stelle? Gibt es Anforderungen, die Du nicht ganz erfüllst? Dann plan für die Handlungsphase zuerst einen Anruf ein, um diese Fragen zu klären.
An wen geht die Bewerbung? Recherchier, wer Deine Ansprechperson ist. Kannst Du vielleicht vorher Kontakt zu ihr aufnehmen?
Bau die nächsten Schritte logisch auf. So verschwendest Du keine Zeit und bist später nicht noch enttäuschter über eine Absage. Manchmal reicht schon ein Anruf, um zu erfahren, dass die Stelle bereits vergeben ist. Dann sparst Du Dir die Mühe.
3. Umsetzung: die Bewerbung abschicken
Im dritten Schritt kommt es auf die Umsetzung an. Du hast Dir eine Reihenfolge für Deine Schritte überlegt. Mit diesem klaren Plan bist Du viel motivierter und lässt Dich weniger ablenken. Hast Du zum Beispiel telefoniert und alle wichtigen Informationen beisammen, schreibst Du die Bewerbung und schickst sie ab.
Ein klarer Prozess ist am Anfang aufwendig. Bei der Umsetzung spart er Dir aber dauerhaft viel Zeit. So kommst Du leichter in den Flow und hältst länger durch. Im Vorstellungsgespräch wirkst Du motivierter. Und Deine Chancen auf die Wunschstelle steigen.
4. Bewertung: aus dem Ergebnis lernen
Im letzten Schritt bewertest Du. Du kannst die Bewerbung selbst bewerten, aber auch den Weg dorthin:
- Wo hast Du unnötig Zeit investiert?
- Welche wichtigen Schritte sind Dir zu spät eingefallen?
- Was willst Du beim nächsten Mal anders machen?
- Welches Feedback hast Du auf Deine Bewerbung bekommen? Auch nach einer Absage kannst Du anrufen und fragen, woran es lag. Das hilft Dir beim nächsten Mal.
Mit diesem Ablauf gestaltest Du Deine Bewerbungsphase wirksamer. Und Du lernst dabei viel über Dich selbst. Wenn Du dabei Unterstützung möchtest, begleiten wir Dich im Bewerbungscoaching. Dort üben wir auch Deine Selbstpräsentation, etwa mit einem Probelauf mit Feedback aus Personalersicht.
Was es beim Rubikon-Modell noch zu beachten gibt
Natürlich gibt es auch am Rubikon-Modell berechtigte Kritik. Wie jedes Modell lässt es sich nicht auf jede Lebenslage gleich übertragen. Deshalb zum Schluss einige Punkte, die Du beachten solltest:
- Nicht immer lassen sich die vier Phasen klar trennen. Lass Dich davon nicht aus der Ruhe bringen. Vielleicht musst Du auch in eine frühere Phase zurück, weil Du etwas übersehen hast.
- Das Modell funktioniert nur, wenn Du Deine Aufmerksamkeit konsequent auf den jeweiligen Schritt lenkst. Vermeide Ablenkung und verlier Dich nicht in Details.
- Setz auf Willenskraft, wenn die natürliche Motivation ausbleibt. Sich immer wieder bewusst zu konzentrieren, funktioniert wie ein Muskel. Denk dafür an Dein Ziel und an Dein Leben, wenn Du es erreicht hast. Überleg Dir dann, was Dir gerade im Weg steht, und probier Lösungen aus.
- Schaff Dir eine Umgebung, in der Du Dich auf den Prozess einlassen kannst. Räum Deinen Schreibtisch auf und hol Dir Unterstützung von anderen. Tu, was nötig ist, damit Du den Fokus nicht verlierst.
Du willst wissen, wie Du das Rubikon-Modell für Deine Bewerbung oder Deine weitere Karriere nutzt? In der Karriereberatung klären wir mit Dir Ziele und nächste Schritte.
Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.
