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Networking für den neuen Job

Networking

"Netzwerk" und "Networking" sind zwei Modeworte, die ehemalige Selbstverständlichkeiten beschreiben. Jeder lernt im Laufe seines Lebens beruflich oder privat jede Menge Leute kennen. Ob er diese Bekanntschaften pflegt oder nicht, ist meist eine Frage der persönlichen Veranlagung. So ein Netzwerk setzt sich u.a. zusammen aus

  • Schulkameraden
  • Studienbekanntschaften
  • Sport- und Vereinskameraden
  • Urlaubsbekanntschaften
  • Arbeitskollegen
  • Kunden
  • Lieferanten

Früher führte man ein Notizbuch, in das man die Adressen der Leute, die einem wichtig waren, eintrug. An sie wurden dann gelegentlich Urlaubskarten, Weihnachtskarten und Glückwunschkarten verschickt. Wenn es sich ergab, traf man sich. Das hat sich grundlegend geändert. Heute gibt es das digitale Notizbuch, das von Whats-App-Kontakten überläuft. Es gibt Facebook-Gruppen und Facebook-Freunde. Es gibt Twitter, Instagram, Pinterest, LinkeDin und zahlreiche weitere Plattformen, auf denen man sich austauschen kann. Über alle Grenzen hinweg und ohne jemals die Menschen hinter den Accounts persönlich kennenzulernen. Ist das schon ein Netzwerk? Manchmal kommt ein Hilferuf z.B. an die Facebook-Freunde. Wer sich angesprochen fühlt, versucht dann auch zu helfen. Aber ist dieses Netzwerk, das zunehmend die alten Netzwerke aus Freunden, Kollegen und Verwandten ersetzt, tragfähig genug, um Ihnen zu einem Top-Job zu verhelfen?

Ist es nicht so, dass diese neuen Netzwerke zwar wesentlich umfangreicher, aber auch wesentlich unverbindlicher sind? Beziehungsweise, dass sie eher für Kleinigkeiten, Tipps und Gefälligkeiten taugen, aber keinesfalls für eine Größenordnung wie einen Top-Job?

Wo die neuen Netzwerke versagen

Vielleicht haben Sie schon Erfahrungen mit der Tragfähigkeit Ihres so akribisch digital gepflegten Netzwerkes gemacht, wenn es um etwas wirklich Wichtiges ging. Da ist dann nämlich in der Regel Schweigen im Walde. Die alten Netzwerke basierten auf "do ut des" und "Hand wash Hand". Bei den neuen Netzwerken fehlt einfach der Zugriff auf den anderen. Wenn ich jemandem aus dem neuen Netzwerk einen Gefallen tue, gibt es nicht die geringste Gewähr dafür, dass er das als Verpflichtung sieht, auch mir bei Gelegenheit einen Gefallen zu tun.

Einen Top-Job über sein Netzwerk zu ergattern, ist sicherlich nicht unmöglich, aber doch äußerst unwahrscheinlich. Das hängt u.a. damit zusammen, dass

  • man naturgemäß horizontal vernetzt ist, also mit seinesgleichen. Personen, die Top-Jobs zu vergeben haben, werden sich darunter kaum befinden,
  • die Kontakte so oberflächlich sind, dass sich kaum jemand für Sie aus dem Fenster hängen wird, weil er sie ja nur digital kennt,
  • selbst dann, wenn Sie mit Ihrem Netzkontakt persönlich bekannt sind, die Empfehlung für einen Top-Job wie ein Sechser im Lotto wäre.

Wenn es zum Schwur kommt, wird Ihr Netzwerk sich als ziemlich grobmaschig erweisen. Jedenfalls, wenn Sie auf eines der heute üblichen Netzwerke vertrauen. Die Netzwerke früherer Zeit hingegen lösen sich nicht nur zunehmend auf, durch die neuen Formen des Umgangs miteinander entstehen sie auch gar nicht mehr.

Effektives Networking

Die Kritik an den neuen Netzwerken sollte Sie allerdings nicht davon abhalten, das, was Sie an Verbindungen zu Personen und Institutionen haben, für Ihre Jobfindung zu nutzen. Nur sollten Sie sich einerseits keinen Illusionen hingeben, andererseits sollten Sie Networking nicht eindimensional verstehen. Networking ist vielmehr die Inanspruchnahme von allem, was Sie mit der Außenwelt verbindet. Unter anderem:

  • Kundenkontakte
  • Lieferantenkontakte
  • jetzige und frühere Kollegen und Vorgesetzte
  • Clubkontakte
  • Urlaubskontakte

Nichts ist zu groß oder zu klein, als dass es nicht in Betracht kommen könnte. Eine wesentliche Voraussetzung wird dabei allerdings oft übersehen: Wissen die Leute eigentlich, was genau Sie beruflich machen? Wie oft weiß gerade bei Top-Managern nicht einmal die eigene Frau, was Ihr Mann so den ganzen Tag über treibt. Gehen Sie also dazu über, mehr von sich und Ihrer Tätigkeit preis zu geben. Sie werden überrascht ein, wie schnell sich daraus Anknüpfungspunkte für Ihre Jobsuche ergeben.

Ganz ähnlich steht es mit der Auswahl der Leute, die Sie bezüglich Ihrer Job-Suche ins Vertrauen ziehen. Das werden in erster Linie Personen sein, von denen Sie annehmen, dass Sie sich mit Ihrer Tätigkeit auskennen. Aber gerade in heutiger Zeit, wo die persönliche Kommunikation immer spärlicher wird, können Sie den Background einer Person immer weniger einschätzen. Werfen Sie darum Ihre Netze weitläufiger aus.

Erarbeiten Sie sich eine effektive Selbstdarstellung

Verständlich ist, dass Sie sich nur Ihren vertrautesten Kontakten gegenüber umfassend öffnen wollen. Nur, wenn Ihre Kontakte nicht wissen, wer Sie sind, was Sie machen und wo Sie der Schuh drückt, wie sollen Sie Ihnen dann bei Ihrer Jobsuche behilflich sein? So eine Selbstdarstellung will allerdings wohl überlegt sein. Sie muss

  • umfassend informieren
  • unaufdringlich sein
  • und so beiläufig im Plauderton daherkommen, als wenn Sie von einem amüsanten Urlaubserlebnis erzählen.

Das ist eine ganz schöne Herausforderung. Das müssen Sie üben, bevor Sie sich damit an die Öffentlichkeit wagen. Machen Sie sich am besten dazu ein Skript, dass sie memorieren und zunächst an Personen Ihres Vertrauens ausprobieren:

  • Erzählen Sie etwas von sich, ohne daran eine Forderung zu knüpfen.
  • Flechten Sie das, worauf es Ihnen eigentlich ankommt, unverfänglich ein.
  •  Warten Sie auf eine Reaktion Ihres Gesprächspartners, bevor Sie das Thema vertiefen.

Sie werden sich wundern, welche überraschenden Ergebnisse Sie so erzielen. Kontakte, von denen Sie das nie geglaubt hätten, haben plötzlich Bekannte oder Freunde, die Ihnen weiterhelfen können. Wenn Sie auf so einen Treffer stoßen, pflegen Sie das Pflänzchen behutsam, bis es kräftig genug ist, damit Sie mit Ihrem eigentlichen Anliegen herausrücken können.

Das richtige Wording beim Networking

Noch eine Sache wird beim Networking häufig unterschätzt. Gerade als Top-Manager sind Sie es gewohnt, sich fachbezogen und anspruchsvoll auszudrücken. Häufig verlangt das die Materie, nicht selten spielen aber auch sachfremde Aspekte eine Rolle:

  • Sie wollen sich beweisen als jemand, der von seinem Fachgebiet sehr viel versteht.
  • Es geht Ihnen darum, Ihr Revier zu markieren und den einen oder anderen Junghirsch auf seinen Platz zu verweisen.
  • Oder es macht ihnen einfach Spaß, andere mit Ihrem Wissen und Ihrer Erfahrung zu beeindrucken.

Das alles ist wenig hilfreich, wenn Sie Kontakten in Ihrem Netzwerk Ihren Job näher bringen wollen. Nicht wenige Fachgebiete sind so speziell, dass Nichteingeweihte selbst dann kaum etwas verstehen, wenn man auf jedes Fachchinesisch verzichtet. Ihre gewohnte Ausdrucksweise nun herunterzubrechen auf ein Wording, mit dem auch ein Hauptschüler klar kommt, ist eine größere Herausforderung, als Sie sich vorstellen können. Sie können sich nämlich dabei nicht mehr hinter Worten verstecken nach Goethes "...denn immer wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort sich ein zur rechten Zeit." Begriff kommt von begreifen und Ihr Gegenüber begreift nur, was Sie ihm sagen wollen, wenn Ihre Begrifflichkeit das möglich macht. Da hilft es Ihnen nichts, wenn

  • Ihr Kontakt zwar schwer beeindruckt ist, aber kein Wort verstanden hat,
  • Sie sich in der Darstellung Ihrer eigenen Wichtigkeit sonnen, Ihr Gegenüber aber keine Ahnung hat, was Ihr Job eigentlich für die Allgemeinheit an Nutzen stiftet.

Ihr Netzwerk muss Sie verstehen, um Ihnen von Nutzen sein zu können

Wenn Sie von Ihrem Gegenüber verstanden werden wollen, ist die beste Methode, wenn Sie sich sich in ihn hineinversetzen. In seine Situation, seinen Bildungsgrad, sein Umfeld. Von hier aus versuchen Sie für das, was Sie ihm von sich mitteilen wollen, Interesse zu erwecken:

  • Den Fußballfan erreichen Sie durch Paradigma aus der Fußballerwelt: "Mir ging es wie damals Schweinsteiger, als er den Elfmeter verschoss."
  • Den Kunstbegeisterten mit einer Bezugnahme auf die bildende Kunst: "Stellen Sie sich das Brandt-Porträt von Kokoschka vor."
  • Die Hausfrau mit einer ihr nahe liegenden Analogie: "Kennen Sie schon diese kleinen Staubsauger-Roboter?"

Sie brauchen die Aufmerksamkeit Ihres Gesprächspartners, damit Sie ihm das mitteilen können, was Ihnen am Herzen liegt. Sie müssen sich auf seine Begriffs- und Bilderwelt einlassen, damit er Sie versteht. Nebenbei erlernen Sie damit eine Fähigkeit, die Ihnen auch unter anderen Bedingungen von großem Nutzen sein wird.

Wenn Sie eine allgemein verständliche Begrifflichkeit für Ihre Job-Beschreibung gefunden haben und die notwendige Flexibilität, unterschiedliche Personen dort abzuholen, wo Sie sich befinden, können Sie daran gehen, Ihr Wording in Schriftform zu gießen. Denn natürlich verkürzt es Ihre Suche im Netzwerk nach Kontakten, die ihnen behilflich sein können, wenn Sie das per Mail erledigen. Aber auch hier können Sie keinesfalls eine Rundmail mit einem Standardtext schicken, sondern müssen sich jeden Kontakt noch einmal vor Augen führen, um ihn ganz persönlich anzusprechen und so sein Interesse zu erwecken.

Top-Jobs über die sozialen Netzwerke

Bis zum Mittelmanagement sind soziale Netzwerke wie LinkeDin, Xing und Facebook sicherlich nützlich. Für Top-Jobs scheinen Sie derzeit noch weniger geeignet. Einfach deshalb, weil das Establishment sich nicht so gern unter das einfache Volk mischt. Die Führungsetagen von Unternehmen sind naturgemäß relativ konservativ und und beäugen die sozialen Medien eher mit Misstrauen. Hier Präsenz zu zeigen, dürfte eher von Nachteil sein.

Aber die Dinge entwickeln sich heute wesentlich schneller als früher. Was heute noch gilt, kann morgen schon überholt sein. Deshalb sollten sie die Entwicklung sehr genau im Auge behalten. Wenn Sie aus alter Anhänglichkeit noch dabei sein, obwohl Sie inzwischen mit Ihrem Top-Job über die übliche Klientel der sozialen Netzwerke hinausgewachsen sind, müssen Sie den Account nicht unbedingt löschen. Sie sollten darüber allerdings nicht aktiv einen Top-Job suchen. Wenn Sie den Account aufrecht erhalten, sollten Sie ihn hingegen unbedingt pflegen:

  • Profil und Lebenslauf müssen übereinstimmen.
  • Beides muss immer auf dem neusten Stand sein.
  • Ihre Präsenz muss Ihren Top-Job widerspiegeln und in allen Belangen makellos sein.
  • Wenn Sie Zeit und Lust haben, können Sie sich auch an Diskussionen auf diesen Plattformen beteiligen oder hin und wieder Beiträge aus Ihrem Fachgebiet beisteuern.

Denn ausgeschlossen ist es nicht, dass Ihnen über diesen Weg ein Angebot auf den Tisch flattert. Ein Headhunter der nach einem ganz bestimmten Job-Profil sucht, wird sich nicht zu schade sein, auch die sozialen Netzwerke zu scannen.

Überwachen Sie Ihre Internet-Präsenz

Als Inhaber eines Top-Jobs sind Sie in der Regel auch eine Person von öffentlichem Interesse. Was bedeutet, dass in den Medien immer mal wieder über Sie berichtet wird. Ab einem bestimmten Umfang ist es ratsam, eine Agentur einzuschalten, die solche Veröffentlichungen recherchiert und im Bedarfsfall korrektive Maßnahmen vorschlägt. Das Bild, das Sie im Internet abgeben, ist für Personen, die sich für Sie interessieren, also auch potentielle Arbeitgeber, von großem Interesse. Durch eigenen Einsatz oder mit Hilfe einer Agentur können Sie dieses Bild beeinflussen, indem Sie

  • dafür sorgen, dass falsche Berichte korrigiert oder gelöscht werden,
  • nach dem Motto handeln: "Tue Gutes und rede darüber" und zu Pressekonferenzen einladen oder Interviews geben,
  • als Person öffentlichen Interesses einen Wikipedia-Artikel über sich lancieren.

Es hilft nichts, über Fake-News und Hass-Kommentare zu lamentieren. Stattdessen müssen Sie das Ihnen Mögliche tun, um die Chancen des Netzes für sich zu nutzen. Sorgen Sie für einen optimalen Fußabdruck von sich im WorldWideWeb. Wer dann nach Ihnen googelt, wird das Bild, das er dort vorfindet für überzeugender halten als jeden Lebenslauf.


Fazit

Netzwerk ist ein schönes Bild und suggeriert, dass Sie als Teil eines Netzwerkes halten und gehalten werden. In der digitalen Dimension erfüllt sich diese Vorstellung auch. Aber in der realen Welt und der Dreidimensionalität erweisen sich die neuen Netzwerke als wenig tragfähig. Das bringt die Verlagerung aus der Realität in die Digitalität so mit sich. Das hat auch solange keine Konsequenzen, als Sie nicht versuchen, Ihr digitales Netzwerk mit realen Forderungen zu konfrontieren. Da müssen Sie mit Enttäuschungen rechnen. vor allem dann, wenn es um eine Größenordnung wie einen Job auf Top-Ebene geht. Versuchen werden Sie es wahrscheinlich trotzdem, aber Hoffnungen sollten sie sich keine machen.

Netzwerke und Networking sind nicht per se abzulehnen. Sie wollen nur etwas umfassender definiert werden und eigentlich alle Kontakte, die Sie haben oder hatten, einschließen. Und Sie müssen sich klar machen, dass die meisten Ihrer Kontakte, vor allem auf privater Ebene, gar nicht wissen, was Sie beruflich machen. Um das aber besser zu kommunizieren, benötigen Sie eine geeignete Selbstdarstellung. Die besteht nicht darin, dass Sie Ihre Kontakte mit Ihrem Bewerbungs-Lebenslauf in Verlegenheit bringen. Für eine unaufdringliche Selbstdarstellung, die Ihr Gegenüber auch erreicht, müssen Sie schon etwas mehr Gehirnschmalz investieren. Wenn Sie das aber geschafft haben, können Sie damit Kontakte aktivieren, von denen Sie nie angenommen hätten, das die Ihnen einmal behilflich sein könnten.

Networking besteht vor allem aus dem richtigen Networding. Nur wer verstanden wird, kann eine Wirkung erzielen. Verzichten Sie deshalb auf Ihre gewohnte Ausdrucksweise und versetzen Sie sich in Ihren Gesprächspartner:

  • Was könnte ihn interessieren?
  • Welche Begrifflichkeit benötige ich, damit er begreift, was ich meine?
  • Mit welchen Analogien erhalte ich seine Aufmerksamkeit?

Wenn Sie ein allgemein verständliches Wording für Ihre Berufsbeschreibung gefunden haben,  haben sich Ihre Chancen, über Ihr Netzwerk einen neuen Job zu finden, erheblich verbessert.

Noch sind die sozialen Netzwerke keine wirkungsvolle Plattformen, wenn Sie sich auf der Suche nach einem Top-Job befinden. Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber wie so vieles kann auch das sich demnächst ändern. Schon jetzt werden Recruiter aber routinemäßig Ihre Präsenz im Netz checken. Sollte sich da ein negatives Bild abzeichnen, hilft Ihnen auch der schönste Lebenslauf nicht mehr. Genauso wird umgekehrt ein Schuh daraus: Eine glänzende Net-Präsenz, die von Ihnen oder Ihrer Agentur akribisch überwacht wird, steigert Ihre Chancen um ein Mehrfaches. Als Top-Manager können Sie es gar nicht vermeiden, Spuren im Netz zu hinterlassen. Entscheidend ist, dass Sie diese Spuren kennen und so weit wie möglich kontrollieren. Die traditionelle Zurückhaltung des Top-Managements gegenüber den sozialen Medien ist verständlich, aber nicht mehr zeitgemäß. Gehen Sie in die Offensive. Damit verbessern sie auch Ihre Aussichten bei einem Jobwechsel.

Über den Autor

Sven ist Gründer und Spiritus Rector der Karrierehelden. Er coacht leidenschaftlich gerne, schreibt und liest. Seine Lieblingsthemen sind Genetik, Soziologie, Künstliche Intelligenz, Psychologie, Neurobiologie und Entrepreneurship.