Mai 25

Arbeitszeugnis: Wie Du zwischen den Zeilen liest

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Das Arbeitszeugnis ist für viele Angestellte noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Was sollte in Deinem Zeugnis stehen? Was bedeuten bestimmte Formulierungen, und welche sind vielleicht gar nicht erlaubt? Achtet Dein neuer Arbeitgeber überhaupt darauf? Viele unterschätzen, wie wichtig ein gutes Arbeitszeugnis ist. Deshalb klären wir hier auf. So bekommst Du das bestmögliche Zeugnis und verbesserst Deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Arbeitszeugnis zwischen den Zeilen lesen

Steht Dir ein Arbeitszeugnis zu?

Die kurze Antwort lautet: Ja! Die ausführliche Antwort: Es steht Dir sogar gesetzlich zu. Nach § 109 Gewerbeordnung hast Du bei Ende des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Neue Arbeitgeber fragen deshalb nach Deinen Arbeitszeugnissen. Kannst Du keines vorweisen, macht das schnell einen schlechten Eindruck.

Am besten lässt Du Dir das Arbeitszeugnis zum Ende Deiner Anstellung ausstellen. Du kannst es auch nachträglich anfordern. Arbeits- oder Tarifverträge enthalten aber oft Ausschlussfristen. Fordere es deshalb möglichst zeitnah an.

Man unterscheidet drei Arten. Das einfache Arbeitszeugnis nennt nur Art und Dauer Deiner Tätigkeit. Es dient eher als Bescheinigung, dass Du angestellt bist oder warst.

Das qualifizierte Arbeitszeugnis ist das, was die meisten kennen. Es beschreibt Deine Aufgaben genau und hebt Deine Fähigkeiten hervor. Außerdem geht es auf Dein Verhalten und Deine Arbeitsweise ein. Das Gesetz spricht von Leistung und Verhalten. Du kannst dieses Zeugnis verlangen. Je nach Dauer Deiner Anstellung umfasst es meist eine bis drei Seiten.

Schließlich gibt es das Zwischenzeugnis. Das bekommst Du in der Regel, wenn es einen berechtigten Grund gibt. Viele fürchten, die Bitte um ein Zwischenzeugnis wirke wie ein Kündigungssignal. Such Dir deshalb nachvollziehbare Gründe, die in Deiner Situation liegen:

  • Deine Führungskraft wechselt.
  • Du übernimmst im Unternehmen eine neue Aufgabe oder eine andere Stelle.
  • Deine Probezeit geht zu Ende.
  • Du willst eine Weiterbildung machen und brauchst dafür ein Zeugnis.
  • Das Ende Deines befristeten Arbeitsvertrags ist absehbar.

Was ist ein Muss, was ist ein No-Go?

Diese Dinge sollten in Deinem Arbeitszeugnis stehen

Damit Dein Arbeitszeugnis seriös wirkt, muss es einige Kriterien erfüllen. Prüfe, ob es die passende Überschrift trägt. Stimmen alle persönlichen Angaben wie Name und Geburtsdatum? Steht genau drin, von wann bis wann Du angestellt warst? Ort und Datum der Ausstellung dürfen nicht fehlen. Unterschreiben sollte Deine Führungskraft oder eine andere zuständige Person, etwa die Abteilungsleitung. Hier passieren öfter Fehler, als Du vielleicht denkst.

Jetzt kommt der wichtigste Teil: der Inhalt. Hier solltest Du genau hinschauen. Unten zeigen wir Dir, was nicht drinstehen darf und welche Note eine Formulierung bedeutet. Unabhängig davon müssen alle Deine Aufgaben vollständig und korrekt genannt werden. Weiß Deine Führungskraft vielleicht gar nicht genau, wofür Du alles zuständig bist? Dann gib ihr vorher eine Liste, damit später nichts fehlt.

Das Arbeitszeugnis sollte auch Deine Fähigkeiten, Talente und besonderen Leistungen würdigen. Besonders die Fachkompetenz darf nicht zu kurz kommen. Beschreibt Deine Führungskraft nur Deine Soft Skills, wirkt das zuerst vielleicht sympathisch. Es lässt aber vermuten, dass Du fachlich nicht so stark bist. Auch die Würdigung besonderer Erfolge überzeugt einen neuen Arbeitgeber.

Zum Schluss sollte die Schlussformel freundlich sein. Trennt ihr euch nicht im Streit, gehört es zum guten Ton, dass Deine Führungskraft Dein Gehen bedauert. Sie bedankt sich für die Zeit und wünscht Dir alles Gute.

Arbeitszeugnis

Diese Dinge dürfen rechtlich nicht in ein Arbeitszeugnis

Im Vorstellungsgespräch gibt es Fragen, die nicht gestellt werden dürfen. Genauso gibt es Dinge, die nicht im Arbeitszeugnis stehen dürfen. Die meisten Arbeitgeber wissen das. Es ist aber gut, wenn Du es auch weißt. Zu diesen Themen darf in der Regel nichts in Deinem Arbeitszeugnis stehen:

  • persönliche Themen wie Parteimitgliedschaft, Religion, Sexualität, Vermögen oder Nebentätigkeiten, also Verhalten außerhalb des Dienstes
  • Abmahnungen
  • Verlust des Führerscheins
  • Gehaltsangaben
  • Schwerbehinderung
  • Teilnahme an Streiks

Außerdem verbietet § 109 Abs. 2 GewO versteckte Botschaften. Ein Zeugnis darf keine Formulierungen enthalten, die etwas anderes aussagen sollen als der Wortlaut. Mehr Fälle und Beispiele findest Du bei Netzbewerber. Bestimmte Begriffe gelten als typische Hinweise auf solche verbotenen Themen:

  • „Sie ist in der Lage, ihre Meinung zu vertreten.“ Das wird oft als Hinweis gelesen, dass jemand anstrengend ist.
  • „Er engagiert sich außerhalb der Firma für Arbeitnehmerinteressen.“ Das kann eine Streikteilnahme andeuten.
  • „Sie ist gesellig und trägt zum guten Betriebsklima bei.“ Dieses Beispiel kennen einige. Geselligkeit gilt als Umschreibung für erhöhten Alkoholkonsum, etwa bei Firmenfeiern.
  • „Er zeigt Einfühlungsvermögen für die Kolleginnen.“ Das wird als Andeutung gelesen, dass jemand Beziehungen im Betrieb gesucht hat.
  • „Sie hat Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen.“ Solche Formulierungen kennen wir seit der Schulzeit. Gesundes Selbstvertrauen steht oft für Selbstüberschätzung. Und „Fachwissen“ ohne Zusatz heißt: gerade so viel, wie nötig ist.

Wie Du zwischen den Zeilen liest

Arbeitszeugnis prüfen

Manche Arbeitgeber versuchen, über bestimmte Formulierungen unauffällig Informationen an künftige Arbeitgeber weiterzugeben. Welche Phrasen verboten sind, hast Du gerade gesehen. Werde aber auch bei anderen Formulierungen hellhörig und lerne, zwischen den Zeilen zu lesen. Hier ein paar Beispiele für Sätze, die wohlwollend klingen, aber einen ganz anderen Eindruck vermitteln:

  • „Das Arbeitsverhältnis endet am 23.06.“ Ein krummes Datum mitten im Monat kann auf eine außerordentliche oder fristlose Kündigung hindeuten. So etwas spricht natürlich nicht für Dich.
  • „Er zeigte großes Engagement bei den ihm übertragenen Aufgaben.“ Das bedeutet oft nichts anderes als „Er war stets bemüht“. Zu diesem Satz kommen wir gleich noch.
  • „Sie war in der Lage, ihre Meinung eindringlich zu vertreten.“ Das ist eine nette Umschreibung dafür, dass jemand als stur gilt und auf seiner Meinung beharrt.

Eine Notenübersicht

Hier zeigen wir Dir typische Formulierungen und die Schulnoten, denen sie meist zugeordnet werden. So liest ein künftiger Arbeitgeber heraus, wie gut Du für Deine Aufgaben geeignet scheinst.

  • Note 1: Hier stehen gern Superlative. Du hast die Aufgaben „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ erfüllt und hattest herausragende oder äußerst erfolgreiche Ergebnisse. Betont wird, dass Du diese Ergebnisse stets, immer oder konsequent geliefert hast.
  • Note 2: Der Superlativ fällt weg. „Immer“ und „stets“ bleiben, aber Deine Leistungen heißen gut, einwandfrei oder „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“.
  • Note 3: Die beschreibenden Adjektive werden weniger. Du zeigst Fähigkeiten und Engagement und entsprichst den Erwartungen in jeder Hinsicht, übertriffst sie aber nicht. Du erledigst Deine Aufgaben gewissenhaft.
  • Note 4: Du entsprichst den Erwartungen und Anforderungen und bringst die nötigen Kompetenzen mit. Hier schwingt unterschwellig das Wort „ausreichend“ mit. Begriffe wie Sorgfalt oder Sicherheit zeigen, dass Du Dir Mühe gibst, auch wenn die Leistung nicht glänzt.
  • Note 5: Im Fokus steht, dass Du Deine Aufgaben nicht immer erfüllst, sondern „meistens“, „in der Regel“ oder „im Allgemeinen“. Du hast die nötigen Fähigkeiten und erledigst Aufgaben mit Unterstützung.
  • Note 6: Diese Note klingt schon fast nach Teilnehmerurkunde bei den Bundesjugendspielen. Du warst „stets bemüht“, hast nach Möglichkeit versucht, Deine Aufgaben zu erledigen, oder hast sie nur unter Anleitung geschafft.

Fazit: Schreib Dein Arbeitszeugnis selbst

Diesen Tipp hören viele unserer Teilnehmenden im Coaching. Viele Vorgesetzte sind einverstanden, wenn Du Dein Arbeitszeugnis selbst entwirfst. Sie lesen es dann gegen, ändern es bei Bedarf oder unterschreiben es einfach. Verantwortlich für den Inhalt bleibt der Arbeitgeber, der unterschreibt.

Der Vorteil: Du weißt vermutlich am besten, was Du genau gemacht hast und welche Kompetenzen betont werden sollen. Hast Du schon eine neue Stelle in Aussicht, kannst Du die Formulierungen an die neuen Anforderungen anpassen. Passend dazu: unsere Ratgeber zum tabellarischen Lebenslauf und zum Kündigung schreiben.

Du willst Dein Zeugnis prüfen lassen oder einen Entwurf formulieren? Dabei unterstützen wir Dich im Bewerbungscoaching. Eine Rechtsberatung ersetzt das nicht. Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.


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