September 10

Schneller lesen: Die Speed Reading Techniken der Profis

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Schneller lesen lernst Du mit drei Techniken: weniger Augenstopps, kein Zurückspringen und ein entspannter Blick, der mehr Wörter auf einmal erfasst. Mindestens so wichtig ist die Motivation. Wer weiß, warum er liest, bleibt aufmerksam und kommt dadurch schneller voran.

Ein Buch in die Hand zu nehmen und es wirklich durchzufliegen, muss Dir Spaß machen. Es muss Dir das Gefühl geben, im Text aufzugehen. Manchmal musst Du dafür etwas nachhelfen. Wie das geht, zeigen wir Dir in diesem Artikel.

Speed Reading

Schneller lesen: prominente Schnellleser als Vorbild

Wenn Du etwas Neues lernst, hilft ein klares Bild vom Ziel. Lerne also nicht nur eine abstrakte Fähigkeit. Such Dir Vorbilder, die schon schnell lesen, und finde heraus, wie sie vorgehen.

Es gibt Wettbewerbe im Schnelllesen. Die Spitzenwerte dort sind beeindruckend. Auch über bekannte Politiker und Unternehmer wird berichtet, dass sie ganze Bücher an einem Abend lesen. Solche Zahlen sind aber meist schwer zu prüfen. Und sie beziehen sich oft auf Training unter besonderen Bedingungen. Im Alltag lesen auch geübte Schnellleser deutlich langsamer.

Solche Beispiele sollen Dich motivieren. Sie bergen aber auch eine Gefahr. Vielleicht bist Du jetzt eher entmutigt. Vielleicht fragst Du Dich: Zählt es nur, wenn ich ebenso schnell lese? Und was, wenn ich das nicht schaffe? Waren meine Versuche dann sinnlos?

Diese Fragen sind unbegründet. Sie können aber dazu führen, dass Du das Schnelllesen schnell wieder sein lässt. Deshalb klären wir zuerst Deine Motivation. Warum willst Du eigentlich schneller lesen?

Schneller lesen: eine Frage der Motivation

Schneller lesen mit Speed Reading

Wieso willst Du schneller lesen? Willst Du mehr wissen? Willst Du andere mit Deinem Wissen beeindrucken? Strebst Du eine höhere Position im Unternehmen an? Oder willst Du einfach mehr Bücher schaffen? Solche Gründe hören wir im Coaching immer wieder. Es geht nicht darum, sie zu bewerten. Wichtig ist, sie zu kennen.

Ein häufiger Grund lautet: Die Welt verändert sich schnell. Lesen ist das Mittel der Wahl, um am Ball zu bleiben. Bildung bedeutet heute immer weniger Ausbildung und immer mehr Weiterbildung. Wer die Welt von morgen mitgestalten will, muss sie verstehen. Und Verstehen kommt durch Lesen.

Das muss nicht Deine Motivation sein. Wichtig ist nur: Du musst wissen, warum Du schneller lesen willst. Und davor musst Du wissen, warum Du überhaupt liest.

Vielleicht denkst Du: „Motivation? Papperlapapp. Ich muss das lesen.“ Verwechsle das nicht. Auch das ist eine Motivation. Denn der Satz ist meist nicht zu Ende. Er lautet: „Ich muss das lesen, weil …“ Und nach dem „weil“ kommt zum Beispiel: „… ich eine gute Note schreiben will.“

Übung: Vervollständige den Satz „Ich will schneller lesen, um …“

  • Grund 1: …
  • Grund 2: …
  • Grund 3: …

Hinterfrage Deine Motivation

Diese Übung hat einen wichtigen Hintergrund. Wir wollen Dein Ziel, schneller zu lesen, bewusst hinterfragen. Frag Dich: Ist schneller lesen überhaupt die Lösung für mein Problem? Bereitest Du Dich etwa auf eine Prüfung vor, ist schnelleres Lesen vielleicht nur ein Teil der Lösung.

Du könntest auch eine Lerngruppe finden oder gründen. Jedes Mitglied arbeitet einen Teil des Textes durch, fasst ihn zusammen und teilt ihn mit den anderen. So sparen am Ende alle Zeit. Das kann für Dich eine viel bessere Lösung sein. Hinterfrage Deine Motivation für schnelleres Lesen also ernsthaft.

Eine andere Strategie kann viel zielführender sein. Vielleicht sagt Dir Deine Intuition schon: Es muss einen einfacheren Weg zur guten Note geben, als mühsam schneller lesen zu lernen. Hier passt ein bekanntes Zitat von Peter Drucker. Sinngemäß lautet es: Nichts ist so nutzlos, wie etwas mit höchster Effizienz zu tun, das man gar nicht tun sollte.

Schneller lesen: Lesen lernst Du zweimal

Wir setzen voraus, dass Dir klar ist: Schneller lesen ist ein Ziel, aber auch ein Mittel für ein höheres Ziel. Und nun?

Vielleicht hattest Du schon Kontakt mit Speed Reading. Vielleicht hast Du Artikel oder ein Buch dazu gelesen. Bekannte Titel sind etwa „Speed Reading“ von Tony Buzan, „Schneller lesen“ von Wolfgang Schmitz oder „Optimales Lesen“ von Ernst Ott. Vielleicht hat das schnelle Lesen trotzdem nicht so geklappt wie erwartet. Dann gehen wir dem jetzt auf den Grund.

Schnelles Lesen ist vor allem eine Frage der Motivation. Wenn Du weißt, warum Du liest, ist das schon die halbe Miete. Dann bleibt Deine Aufmerksamkeit wie von selbst am Text kleben. Eine gute Geschichte wird beim Lesen zur Realität. Die Zeit scheint stillzustehen.

In einem guten Buch kannst Du regelrecht versinken. Dann denkst Du beim Lesen nicht an zehn andere Dinge. „Ich muss nachher die Kinder abholen.“ „Ich muss noch die Hausarbeit schreiben.“ „Sollte ich nicht meine Schwiegermutter anrufen?“ „Wie wird eigentlich das Wetter morgen?“ Ein gutes Buch fesselt Deine Aufmerksamkeit, weil es Deine Motivation lenkt.

Wie lenkt Motivation Deine Aufmerksamkeit? Dafür zerlegen wir den Begriff. Vereinfacht gesagt ist Motivation die Erwartung einer Belohnung. Merk Dir also: Deine Aufmerksamkeit richtet sich nach Deiner Belohnungserwartung.

Fesselt Dich eine Geschichte, erwartest Du, dass gleich etwas passiert. Etwas, das Dich dafür belohnt, dass Du der Handlung schon so lange folgst. Eine Geschichte, die Dir nicht liegt, enttäuscht Dich dagegen immer wieder. Dann schweifen Deine Gedanken schnell ab.

Wovon hängt Deine Belohnungserwartung ab?

Deine Belohnungserwartung hängt vor allem von Deinem Anspruchsniveau ab. Vergleich Dich mit einem Tennisprofi. Er hat ein sehr hohes Anspruchsniveau. Ein Spiel gegen einen Anfänger motiviert ihn kein Stück. Es sei denn, es geht um ein Spiel für einen guten Zweck.

Deine Aufmerksamkeit ist dann am besten, wenn eine Aufgabe Dich weder unter noch überfordert. Das gilt auch fürs Lesen. Bist Du auf einem Gebiet schon Profi, fällt Dir Einsteigerliteratur schwer. Dein Anspruchsniveau ist zu hoch. Stell es Dir als Messlatte vor. Der Text muss darüber springen, um Deine Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Bei einem Roman zieht Dich der Autor in seine Welt. Deine Belohnungserwartung hängt davon ab, ob Du die Geschichte spannend findest. Nicht zu spannend, aber auch nicht zu langweilig. Du musst Dich wiederfinden und die Figuren glaubwürdig finden. Sonst meldet sich ständig Dein Anspruch: „War doch klar, dass das passiert. Das war schon vor zehn Seiten absehbar.“

Es geht aber auch umgekehrt. Willst Du nach einem anstrengenden Tag nur abschalten? Dann passt eine leichte Geschichte besser als ein komplizierter Krimi. Die vielschichtige Handlung würde Dich in diesem Moment überfordern.

Bei Sachbüchern ist es ähnlich. Das Buch muss zu Deinem Wissensstand passen. Ist es für Laien geschrieben, langweilst Du Dich als Experte. Ist es voller Fachchinesisch, bist Du als Laie schnell überfordert. Dann fehlt Dir schlicht die Motivation, Dich um das Verständnis zu bemühen.

Den passenden Schwierigkeitsgrad zu finden, ist bei Fachliteratur nicht immer leicht. Manchmal hast Du auch keine Wahl. Studienliteratur musst Du eben lesen.

(Zu) hohe Ansprüche an einen Text demotivieren

Dann hilft Dir ein weiterer Faktor. Viele langsame Leser haben eine bestimmte Haltung. Sie erwarten, dass jedes Buch ihr Leben für immer verändert. Erfüllt das Buch diesen Anspruch nicht, sinkt die Motivation. Die Gedanken schweifen ab. Eine solche Haltung bricht fast jedem Buch das Genick.

Auch die besten Bücher sprechen oft nur auf wenigen Seiten wirklich zu Dir. Im Roman ist es vielleicht der eine Monolog am Ende. Im Sachbuch sind es zwei oder drei gute Ideen. Sie bleiben Dir im Gedächtnis und verändern später Dein Handeln.

Sei also nicht zu streng mit dem Buch. Die Folge: Du liest schneller und deshalb mehr. Was Du in einem Buch nicht findest, findest Du in vielen anderen. Einverstanden? Dann kommen wir zu den Opportunitätskosten.

Schneller lesen: eine Frage der Opportunitätskosten

Opportunitätskosten lernst Du im ersten Semester Betriebswirtschaft kennen. Dahinter steckt eine einfache Beobachtung: Motivation ist immer relativ. Wie gern Du etwas tust, hängt von Deinen Alternativen ab. Ins Theater? Wir könnten doch auch ins Kino. Kennst Du das?

Ein Beispiel: Jemand liest sehr gern, fährt aber jeden Tag 20 Minuten mit dem Rad zur Arbeit und zurück. Auf dem Rad geht Lesen nicht. Das ärgert ihn. Beginnt er zu Hause zu lesen, ist ein Teil seiner Aufmerksamkeit frustriert. Er fragt sich, wie weit er schon wäre, hätte er 40 Minuten mehr gehabt. Die Opportunitätskosten sind zu hoch, um weiterzumachen wie bisher.

Schneller lesen? Viele Bücher kannst Du auch hören

Lesezeit auf dem Weg nutzen

Zum Glück gibt es Hörbücher. 40 Minuten am Tag ergeben in einer Woche 280 Minuten. Das sind fast fünf Stunden. In dieser Zeit schaffst Du viele Hörbücher ganz oder zu großen Teilen.

Hörbücher auf dem Smartphone haben eine nützliche Zusatzfunktion. Du kannst die Geschwindigkeit erhöhen. Leicht verdauliche Texte kannst Du so oft problemlos schneller hören.

So schaffst Du mehr Bücher, ohne im klassischen Sinn zu lesen. Wenn Du Dich dann wirklich hinsetzt, nimmst Du Dir die Texte vor, die mehr Aufmerksamkeit brauchen. Oder Du liest einfach zum Spaß. Das steigert Deine Motivation beim Lesen. Und allein dadurch wirst Du schneller.

Nicht jedes Buch gibt es als Hörbuch. Viele E-Book-Reader und Smartphones haben aber eine Vorlesefunktion. Damit kannst Du Dir freie Texte, Artikel oder eigene Dokumente vorlesen lassen. Achte dabei auf die Rechte am Text. Kopierschutz zu umgehen ist keine Lösung.

Kommen wir nun zu den Techniken der Profis.

Schneller lesen: die 3 wichtigsten Techniken

Stell Dir eine Textzeile vor, die von ganz links nach ganz rechts reicht. Sie geht fließend in die nächste Zeile über. Fixierst Du fast jedes Wort, beginnst Du mit dem ersten Wort und endest mit dem letzten. Dann springst Du in die zweite Zeile und so weiter. Das zeigt Beispiel 1.

Dabei passiert es leicht, dass Du versehentlich in die falsche Zeile springst. Dann musst Du Dich kurz neu orientieren. Der Grund: Der Weg zwischen erstem und letztem Wort einer Zeile ist lang.

Was wäre, wenn Du Dich nur im inneren Drittel eines Absatzes bewegst? In einer Schlangenlinie nach unten, mit etwas entspanntem Blickfeld? Du müsstest seltener anhalten und Dich seltener neu orientieren. Du wärst schneller und hättest mehr Spaß am Lesen. Die folgenden Techniken zeigen, wie das geht.

Schnelllese-Technik Nr. 1: Reduziere die Augenfixierungen

Dein Blick gleitet nicht gleichmäßig über die Zeile. Er springt und erfasst dabei Sinngruppen. Diese kurzen Stopps auf einzelnen Wörtern nennt man Fixierungen. Sie kosten beim Lesen viel Zeit.

Viele Leser glauben, sie bräuchten möglichst viele Stopps, um den Text gut zu verstehen. Für einzelne Sinngruppen mag das gelten. Für den Text als Ganzes behindert es eher das Verständnis. Mehr Fixierungen bedeuten also nicht automatisch mehr Verständnis.

Versuch einmal, einen Text mit etwas weniger Stopps zu lesen. Fühlst Du Dich damit wohl, reduzierst Du noch etwas weiter. Das ist die Strategie der kleinen Schritte.

Schnelllese-Technik Nr. 2: Vermeide Regressionen

Lesemuster Beispiel 1

Mindestens ebenso wichtig: Vermeide Regressionen. Das heißt, Du springst mit den Augen zurück, weil Du meinst, etwas nicht verstanden zu haben. Mach Dir bewusst, wie viel Zeit dieses Zurückspringen kostet.

Frag Dich dann: Lohnt es sich wirklich, jetzt zurückzuspringen? Oder ergibt sich der Inhalt aus dem Zusammenhang, wenn er wichtig war? Oft erklärt der nächste Satz, was Dir gerade unklar war.

Schnelllese-Technik Nr. 3a: Starre nicht durch den Text

Lesemuster Beispiel 2

Innerhalb eines Absatzes springen Deine Augen von Zeile zu Zeile. Für einen Absatz mit neun Zeilen sind das schnell viele Sprünge hin und her. Auch das kostet Zeit.

Der Fehler ist schnell gefunden. Du starrst wahrscheinlich durch das Blatt hindurch. Du willst es wie mit einem Laserstrahl zerschneiden. Doch Lesen ist kein Wettbewerb im Starren. Entspann Deinen Blick. Dann merkst Du: Dein Sehen am Rand des Blickfelds arbeitet für Dich. Du erkennst oft genug, um den Sinn zu erfassen. Auch wenn Du nicht genau auf jedes Wort schaust.

Schnelllese-Technik Nr. 3b: Nutze das periphere Sichtfeld

Lesemuster Beispiel 3

Schau Dir nun Beispiel 3 an. Hier entspannst Du den Blick und bewegst Dich nur im inneren Drittel des Textes.

Bei dieser Variante springst Du zwar immer noch von Zeile zu Zeile. Aber der Weg ist viel kürzer. Dadurch landest Du seltener in der falschen Zeile und brauchst weniger Stopps.

Wie Du von hier aus weitermachst, entscheidest Du selbst. Probier verschiedene Lesemuster aus. Geh wieder in kleinen Schritten vor. Überspring erst eine Zeile. Dann wage Dich an zwei oder drei Zeilen. Reicht Dein Verständnis noch aus? Wächst es vielleicht sogar?

Vielleicht genügt es Dir, das Wichtigste zu verstehen. Details wie Namen musst Du nicht immer behalten. Das bestimmst Du selbst, und es hängt von Deinem Leseziel ab. Denk daran: Das sind Techniken für Fortgeschrittene. Gib Dir Zeit.

Selbsttest: Wie schnell liest Du?

Miss Deine Lesegeschwindigkeit, bevor Du übst. So siehst Du später Deinen Fortschritt.

  1. Nimm einen Text mit mittlerem Schwierigkeitsgrad.
  2. Stell einen Timer auf eine Minute und lies in normalem Tempo.
  3. Zähle die gelesenen Wörter. Bei Büchern reicht eine Schätzung: Wörter pro Zeile mal gelesene Zeilen.
  4. Schreib in drei Sätzen auf, was Du verstanden hast.
  5. Wiederhole den Test jede Woche mit einem ähnlichen Text.

Wichtig ist nicht nur das Tempo. Prüfe auch, ob Dein Verständnis gleich bleibt.

Schneller lesen: Lesehilfe oder Lesebehinderung?

Jetzt kommt ein Tipp, der auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt. Es geht um Sehhilfen, also Brillen und Kontaktlinsen. Viele junge Menschen bringen sie nicht mit dem Lesen in Verbindung. Die Lesebrille der Großmutter scheint noch weit weg.

Trägst Du Brille oder Kontaktlinsen? Dann sind sie für einen bestimmten Zweck gemacht. Bist Du kurzsichtig, sollen sie Dir vor allem das Sehen in die Ferne erleichtern. Für das Lesen aus der Nähe sind sie nicht immer ideal.

Manche Leser stellen fest, dass sie den Blick mit ihrer Fernbrille schlecht über den Text gleiten lassen können. Ob eine andere Sehhilfe oder eine Lesebrille besser passt, klärst Du am besten mit Deinem Augenarzt oder Optiker.

Ähnliches gilt für Kontaktlinsen. Viele kennen trockene Augen beim langen Blick auf den Bildschirm. Das bremst das Lesen. Es strengt die Augen an, sorgt für häufiges Blinzeln und reißt Dich immer wieder aus dem Text. Gönn Deinen Augen deshalb regelmäßige Pausen.

Überleg Dir also, welche Sehhilfe beim Lesen wirklich hilft und was Dich eher behindert. Eine gute Lösung kann sogar einen Vorteil haben. Der Fokus liegt dann ganz auf Buch oder Bildschirm. Alles um Dich herum rückt in den Hintergrund.

Schneller lesen: Lesen auf dem Bildschirm

Du kennst jetzt verschiedene Lesemuster. Beachte auch die Besonderheiten der Medien. Wir lesen heute überall: auf dem Tablet, dem E-Book-Reader, im Taschenbuch, auf dem Smartphone oder am Laptop. Natürlich gibt es Unterschiede. Ein winziges Display mit kleiner Schrift kann Dich deutlich bremsen. Stell die Schrift deshalb groß genug ein.

Wichtig sind auch die Umstände, unter denen Du liest. Auf dem Smartphone unterbrechen Dich schnell neue Nachrichten. Schalte sie beim Lesen stumm. Liest Du an der Bushaltestelle, ist ein Teil Deiner Aufmerksamkeit immer abgelenkt. Im Hinterkopf läuft ständig die Frage: Kommt mein Bus? Den Bus zu verpassen, wäre ärgerlicher als der Gewinn durch schnelleres Lesen.

Schneller lesen: die vier Lernphasen

Es hilft, wenn Du weißt, was auf Dich zukommt. Deshalb unterscheiden wir vier Lernphasen.

Erste Phase: Euphorie

Die Euphoriephase ist von Vorfreude geprägt. Du hoffst, dass jetzt alles anders wird. Du freust Dich auf die ersten Ergebnisse. Meist gibt es auch erste Erfolge mit einfachen Texten.

Zweite Phase: Enttäuschung

Die zweite Phase ist aus unserer Sicht die wichtigste. Denn hier geben viele ihr Ziel wieder auf. Meist läuft es so: Nach ersten Erfolgen wagst Du Dich an schwierigere Texte. Dann merkst Du: So einfach ist es doch nicht. Eine gewisse Enttäuschung lässt sich nicht verbergen.

Doch Verwirrung und Enttäuschung sind hier ein gutes Zeichen. Sie zeigen, dass sich Dein alter Glaubenssatz langsam auflöst: „Ich bin ein langsamer Leser.“ Er ist nur noch nicht ganz ersetzt.

Entscheidend ist in dieser Phase vor allem eins: Du musst lernen, mit Rückschlägen umzugehen. Das Buch „Influencer“ von Joseph Grenny, Kerry Patterson und weiteren Autoren betont die Rolle von Rettungsstrategien. Sie helfen, wenn eine Verhaltensänderung nicht sofort klappt.

Stell Dir jemanden vor, der eine Diät macht. Nach zwei Wochen wird er kurz schwach. Er merkt es erst, als der Burger schon gegessen ist. Statt sich Vorwürfe zu machen und ganz in alte Muster zurückzufallen, braucht er eine Rettungsstrategie.

Diese Strategie ist meist einfach. Spring wieder dort aufs Gleis, wo Du zuletzt warst. Bewerte den Ausrutscher nicht über. Das ist völlig normal. Wenn Du nie Gefahr läufst zu scheitern, sind Deine Ziele wahrscheinlich zu langweilig. Du wirst nicht sofort und immer schneller lesen. Wenn Du das jetzt schon weißt, kannst Du Dich darauf einstellen.

Überleg Dir schon jetzt, wie Du im Fall der Fälle reagierst. So senkst Du das Risiko eines völligen Rückfalls. Vervollständige den Satz: „Wenn ich in mein altes Leseverhalten zurückfalle, dann …“ Mehr zu dieser Methode findest Du in unserem Ratgeber Wenn-Dann-Pläne.

Der richtige Umgang mit Enttäuschung

Viele geben sich bei Enttäuschungen schnell selbst die Schuld. Hier hilft das Modell vom inneren Team nach Friedemann Schulz von Thun. Stell Dir in Dir eine Bühne vor, wie im Theater. Dort spielen sich Deine Gedanken als innerer Dialog ab.

Eine Figur spielt dabei wahrscheinlich den Bösewicht. Sie will einfach recht haben und sagt Sätze wie: „Wusste ich doch, Du kannst das eben nicht.“ Oft erkennen Menschen im Coaching in solchen Stimmen alte Gegenspieler aus früheren Herausforderungen wieder.

Wichtig ist: Das ist nur ein Mitglied Deines inneren Teams. Hör auch den anderen zu. Sie ermutigen Dich, nicht aufzugeben, sondern weiterzumachen.

Denk an folgendes Szenario. Du lernst gerade schneller lesen, hast aber ein schlechtes Buch in der Hand. Fällst Du jetzt in alte Muster zurück, ist das nicht Deine Schuld. Der Autor ist offenbar kein guter Kommunikator. Verantwortlich wärst Du nur, wenn Du künftig wieder zum selben Autor greifst.

Dritte Phase: Lernen

Die zweite Phase lässt Du lange nicht ganz hinter Dir. Die Phasen laufen nicht streng nacheinander ab. Sie überschneiden sich. Trotzdem merkst Du in der dritten Phase einen klaren Unterschied. Du wendest die Methoden und Techniken jetzt an.

Schnelles Lesen ist in dieser Phase noch anstrengend. Du musst Dir Deine Lieblingstechniken oft noch bewusst machen. Außerdem brauchst Du etwas länger, um in einen Text einzutauchen. Tempo und Verständnis schwanken noch. Halte durch. Das ist völlig normal, und Du hast es bald geschafft.

Vierte Phase: Leistung

Zum Schluss setzt Du Deine neue Fähigkeit ganz selbstverständlich im Alltag ein. Selbst unter Zeitdruck oder bei schwierigen Texten denkst Du nicht mehr an die Techniken. Du liest so selbstverständlich schnell, wie Du sprichst. Jetzt kannst Du Deine Aufmerksamkeit auf ganz andere Ziele richten.

Schnell lesen lernen: ein Übungsplan für vier Wochen

Speed Reading lernst Du am besten mit kurzen, regelmäßigen Einheiten. 15 Minuten am Tag reichen für den Anfang. So könnte Dein Plan aussehen:

  1. Woche 1: Miss Dein Ausgangstempo. Achte beim Lesen nur darauf, nicht zurückzuspringen.
  2. Woche 2: Reduziere die Augenstopps. Lies Sinngruppen statt einzelner Wörter.
  3. Woche 3: Entspann den Blick und bleib im inneren Drittel der Zeile.
  4. Woche 4: Kombiniere alle Techniken und miss Dein Tempo erneut. Prüfe auch Dein Verständnis.

Nutze zum Üben leichte Texte, die Dich interessieren. Schwierige Fachtexte kommen erst später dazu.

Grenzen des Speed Readings

Schnelllesen eignet sich nicht für jeden Text. Verträge, Gesetzestexte oder Fachartikel mit vielen Details liest Du besser langsam. Auch Lyrik und anspruchsvolle Literatur wollen genossen werden. Speed Reading hilft vor allem bei Sachtexten, Berichten und E-Mails. Entscheide also vor jedem Text, welches Tempo zu Deinem Ziel passt.

Zusammenfassung und nächste Schritte

  • Such Dir Vorbilder, die schon schnell lesen, und schau Dir ihre Techniken ab.
  • Hinterfrage Deine Motivation. Warum willst Du schneller lesen? Gibt es einfachere Wege zum Ziel? Finde drei davon.
  • Mach Dich mit Belohnungserwartung und Anspruchsniveau vertraut. Finde Beispiele, wie sie Dein Lesetempo steigern.
  • Denk an die Opportunitätskosten. Beseitige Ablenkungen und nutze Hörbücher oder Vorlesefunktionen.
  • Feile an Deiner Technik wie ein Tennisspieler an Vorhand und Rückhand. Bei Dir sind es Augenstopps, Rücksprünge und Lesemuster.
  • Trägst Du Brille oder Kontaktlinsen? Kläre, welche Sehhilfe beim Lesen wirklich hilft.
  • Passe Dein Lesen an gute Gelegenheiten an. Für schwierige Texte ist die Bushaltestelle kein guter Ort.
  • Überleg Dir jeden Abend, in welcher Lernphase Du bist. Plane Rettungsstrategien für Rückfälle.

Du willst Dich weiterbilden und suchst die passende Richtung für Deinen nächsten Karriereschritt? In unserer Karriereberatung klären wir Deine Ziele und den Weg dorthin. Unsere Coaches haben einen Hintergrund im Personalwesen und kennen die andere Seite des Tisches.

Das Coaching läuft online per Zoom. Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.


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