Initiativbewerbung schreiben: Aufbau, Muster und Beispiele

Bei einer Initiativbewerbung bewirbst Du Dich, ohne dass eine Stelle ausgeschrieben ist. Damit sie Erfolg hat, recherchierst Du die Firma gründlich und suchst eine Ansprechperson. Im Anschreiben zeigst Du konkret, welchen Mehrwert Du bringst. Eine Anrede mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ vermeidest Du.

Überall liest man: „Hör auf, Dich auf Stellenanzeigen zu bewerben. Die meisten Stellen werden nie ausgeschrieben.“ Aber stimmt das? Dieser Ratgeber beantwortet die Frage. Er zeigt Dir die Schritte zur erfolgreichen Initiativbewerbung. Und Du bekommst Muster für Anschreiben, E-Mail, Kontaktnachricht und Telefonat.

Was ist eine Initiativbewerbung?

Bei einer Initiativbewerbung reagierst Du nicht auf eine Stellenanzeige. Du wartest also nicht, bis eine passende Stelle in einer Jobbörse erscheint. Du weckst selbst das Interesse einer Firma. Manchmal entsteht so eine Stelle sogar neu. Du reagierst nicht, Du agierst.

Weil es keine Anzeige gibt, hilft Dir ein Trick. Nimm Stellenanzeigen anderer Firmen für Deine Wunschposition als Vorlage. Wir nennen das eine Strohpuppen-Anzeige. Die Anforderungen ähneln sich meist stark. Du passt sie an die neue Firma an, als wäre die Stelle dort frei. So weißt Du, was Du im Anschreiben belegen solltest.

Ein wichtiger Hinweis: Die Initiativbewerbung unterscheidet sich von der Standardbewerbung vor allem bei der Recherche. Darauf liegt der Schwerpunkt dieses Ratgebers. Ausführliche Anleitungen für die Unterlagen findest Du in den Ratgebern zum Bewerbungsschreiben, zum Motivationsschreiben und zur Bewerbung.

Initiativbewerbung oder Standardbewerbung?

Initiativbewerbung oder Standardbewerbung
Initiativbewerbung oder Standardbewerbung

Der größte Unterschied liegt in Deinem Wert aus Sicht der Personalerin. Bei der Standardbewerbung fehlt offensichtlich jemand. Es gibt eine Lücke auf dem Weg zu mehr Umsatz. Die Recruiterin denkt: „Um diese Lücke zu schließen, müssen wir Geld für Personal ausgeben. Das lohnt sich.“ Du wirkst wertvoll.

Bei der Initiativbewerbung gibt es scheinbar keine Lücke. Du wirkst zunächst wie ein Kostenfaktor. Die Recruiterin denkt: „Warum sollten wir Geld für neues Personal ausgeben? Uns fehlt doch niemand.“

Stell Dir vor, Du bist richtig satt. Gehst Du trotzdem teuer essen? Wahrscheinlich nicht. Die Recruiterin auch nicht. Wenn keine Stelle offen ist, denkt sie: „Wir haben doch gar keinen Hunger.“ Personalkosten gehören in vielen Firmen zu den größten Kostenblöcken. Deshalb gilt für die Initiativbewerbung: Du musst Appetit auf Dich machen. Nur dann gibt eine Firma Geld für Dich aus.

Initiativbewerbung oder Blindbewerbung?

Eine Initiativbewerbung ist keine Blindbewerbung. Bei einer Blindbewerbung folgst Du dem Gießkannenprinzip. Du schickst denselben Lebenslauf und dasselbe Anschreiben an viele Firmen. Die Anrede lautet „Sehr geehrte Damen und Herren“.

Das spart kurzfristig Zeit. Die fehlende Anpassung senkt aber Deine Chancen. Du wirst selten eingeladen und brauchst am Ende länger. In Initiativbewerbung steckt Initiative. Sie beginnt bei der Recherche, geht über das Telefonat und endet bei individuellen Unterlagen.

Vor- und Nachteile der Initiativbewerbung

Vorteile und Nachteile der Initiativbewerbung

Die wichtigsten Vorteile:

  • Du hast weniger Konkurrenz als bei einer ausgeschriebenen Stelle.
  • Du zeigst Eigeninitiative und echtes Interesse an der Firma.
  • Du kommst vielleicht zum Zug, bevor eine Stelle überhaupt ausgeschrieben wird.
  • Du kannst Dir Deine Wunscharbeitgeber gezielt aussuchen.
  • Selbst ohne freie Stelle landest Du womöglich im Bewerberpool für später.

Die wichtigsten Nachteile:

  • Die Recherche kostet deutlich mehr Zeit.
  • Es gibt keine Anforderungen aus einer Anzeige, an denen Du Dich orientieren kannst.
  • Oft bekommst Du keine oder erst spät eine Antwort.
  • Manche Firmen berücksichtigen Initiativbewerbungen gar nicht.
  • Bei der Gehaltsfrage hast Du keinen Bezugspunkt aus einer Anzeige.

Selbst wenn gerade kein Job frei ist, kann Dein Auftreten beeindrucken. Dann behält Dich die Firma für spätere Stellen im Blick.

Sind Initiativbewerbungen aufdringlich?

Gewinn für das Unternehmen bei einer Initiativbewerbung

Viele fragen: „Wenn eine Firma Bedarf hätte, würde sie doch eine Stelle ausschreiben?“ Die Antwort: nicht unbedingt. Vielleicht hat die Personalabteilung gerade andere Prioritäten. Vielleicht haben Fachabteilung und Personalstelle noch nicht miteinander gesprochen. Keine Anzeige heißt nicht automatisch kein Bedarf. Manchmal musst Du nur darauf aufmerksam machen.

Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt das. Angenommen, Deine Arbeit bringt der Firma monatlich 10.000 Euro zusätzlichen Umsatz. Dein Gehalt kostet sie 4.000 Euro. Dann entgehen der Firma jeden Monat 6.000 Euro möglicher Gewinn. Im Jahr sind das 72.000 Euro. Auf diese Chance weist Du hin. Damit weckst Du den Bedarf. Die Zahlen sind nur ein Beispiel. Rechne mit realistischen Werten aus Deinem Bereich.

Und noch etwas spricht für Initiativbewerbungen. Öffentliche Ausschreibungen kosten Geld und Arbeit. Die Personalabteilung muss viele Bewerbungen sichten und Gespräche führen. Deshalb freuen sich viele Firmen über passende Initiativbewerbungen oder Empfehlungen durch eigene Mitarbeiter.

Wie viele Stellen werden ohne Ausschreibung besetzt?

Verdeckter Arbeitsmarkt bei der Initiativbewerbung

Niemand weiß genau, wie viele Stellen über Initiativbewerbungen und Beziehungen vergeben werden. Man spricht deshalb vom verdeckten Arbeitsmarkt. Die oft genannten Werte von 10 Prozent ausgeschriebenen und 90 Prozent verdeckten Stellen lassen sich nicht belegen.

Belastbare Hinweise liefert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Es fragt Betriebe regelmäßig, über welche Wege sie Personal suchen und welcher Weg entscheidend war. Für das Jahr 2025 ergab die IAB-Stellenerhebung:

  • Bei 48 Prozent der erfolgreichen Einstellungen suchten Betriebe auch über eigene Beschäftigte oder persönliche Kontakte.
  • Bei 27 Prozent war dieser Weg sogar entscheidend für die Besetzung.
  • Online-Wege wie Jobbörsen, Firmenwebsite und soziale Medien waren bei 52 Prozent entscheidend.

Quelle: Alexander Kubis, IAB-Stellenerhebung 1/2026: Online-Medien sind bei der Personalsuche auf dem Vormarsch, IAB-Forum, 8. Juni 2026. Gezählt wurden sozialversicherungspflichtige Einstellungen ohne Auszubildende.

Einen eigenen Wert für Initiativbewerbungen nennt die Erhebung nicht. Die Zahlen zeigen aber: Kontakte und Empfehlungen sind einer der wichtigsten Wege in einen neuen Job. Genau hier setzt eine gute Initiativbewerbung an. Sie verbindet Recherche, Kontakt und überzeugende Unterlagen.

Wann lohnt sich eine Initiativbewerbung?

Schau zuerst auf die Website der Firma. Oft steht dort direkt, ob Initiativbewerbungen willkommen sind. Manche Firmen laden ausdrücklich dazu ein und bieten sogar ein eigenes Formular. Andere schreiben klar, dass sie keine Initiativbewerbungen berücksichtigen. Halte Dich daran.

Daher kommt auch der Name: Du musst selbst recherchieren, wo sich die Bewerbung lohnt und wie Du überzeugst. Prüfe außerdem, ob nicht doch eine passende Stelle ausgeschrieben ist. Sonst wirkst Du unaufmerksam.

Als Faustregel gilt: Initiativbewerbungen lohnen sich besonders bei kleinen und mittleren Firmen. Dort sind Zeit und Geld knapp. Lässt sich eine Ausschreibung vermeiden, wird das oft begrüßt. Große Konzerne können mit Initiativbewerbungen dagegen oft wenig anfangen. Es ist unklar, wem man sie zuordnen soll. Dort sind Talentpools oder Online-Formulare meist der bessere Weg.

In 6 Schritten zur erfolgreichen Initiativbewerbung

Der Leser muss auf Anhieb erkennen: „Diese Person ist für uns wertvoll.“ Außerdem muss Deine Persönlichkeit zum Team passen. Schließlich soll eine Stelle für Dich neu besetzt, ausgebaut oder sogar geschaffen werden. Mit einem Standardtext gelingt das nicht. Du musst zeigen, dass Du Dich mit der Firma identifizierst. Das gelingt nur, wenn Du sie kennst. Deshalb steht die Recherche im Mittelpunkt.

Schritt 1: Mach eine persönliche SWOT-Analyse

SWOT-Analyse für die Initiativbewerbung

Starte mit Deiner persönlichen SWOT-Analyse. Die Abkürzung steht für:

  • Strengths: Welche Stärken habe ich mit meinem Profil?
  • Weaknesses: Welche Schwächen habe ich mit meinem Profil?
  • Opportunities: Welche Chancen bieten bestimmte Arbeitgeber und Branchen?
  • Threats: Welche Risiken bestehen bei bestimmten Branchen, Arbeitgebern und Positionen?

Die Analyse hat also zwei Blickrichtungen. Nimm Stift und Papier oder ein Dokument und schreib auf:

  1. Selbstanalyse (innen): Welche Stärken kannst Du einem Arbeitgeber bieten? Wo hast Du besondere Kompetenzen, Erfahrungen oder Kontakte? Wo fehlen Dir noch Fähigkeiten? Stärken betonst Du, Schwächen umschiffst Du wie einen Eisberg.
  2. Marktanalyse (außen): Wo siehst Du Chancen bei Arbeitgebern, Branchen und Positionen? Wo lauern Risiken? Wo müsstest Du vielleicht auf Gehalt oder Personalverantwortung verzichten?

Ein Beispiel: Angenommen, Du hast einen sicheren Job im öffentlichen Dienst, langweilst Dich aber. Du überlegst, in ein kleineres Unternehmen zu wechseln. Dich beunruhigt, wie sich die Branche entwickelt. Dann recherchierst Du Marktprognosen von Branchenverbänden oder Fachmedien. Sieht der Markt stabil oder wachsend aus, ist das ein gutes Signal für Deine Initiativbewerbung.

Die SWOT-Analyse hilft Dir übrigens auch bei normalen Bewerbungen.

Schritt 2: Recherchiere auf der Website der Firma

Erinnere Dich an das Rechenbeispiel mit den 72.000 Euro. Du musst zeigen, wo Du der Firma einen Mehrwert bringst. Dafür brauchst Du Infos über ihre aktuellen Ziele, Probleme und Herausforderungen. Recherchiere zu diesen Themen:

  • aktuelle Absatzmärkte
  • aktuelle und geplante Produkte und Dienstleistungen
  • Märkte, in die die Firma expandieren will
  • Pläne der Konkurrenz
  • wirtschaftliche Entwicklung, bei börsennotierten Firmen auch der Aktienkurs
  • laufende Rechtsstreitigkeiten
  • Geschichte der Firma
  • Auszeichnungen und Preise
  • Zertifikate, etwa zur Qualität

Ein guter Startpunkt ist die Website. Meist gibt es Bereiche wie „Über uns“, „Unternehmen“ oder „Presse“. Auch die Karriereseite verrät viel über Kultur und Werte.

Schritt 3: Nutze Nachrichten und Pressemitteilungen

Recherche in Nachrichten für die Initiativbewerbung

Danach suchst Du in Suchmaschinen nach der Firma. Achte besonders auf den Bereich mit Nachrichten. Viele Bewerber übersehen ihn. Dort findest Du Pressemitteilungen und Berichte zu den Themen aus Schritt 2. Kündigt die Firma zum Beispiel eine Expansion an, hast Du einen perfekten Aufhänger. Er eignet sich für das Anschreiben und für Gespräche beim Networking.

Schritt 4: Schau in soziale Netzwerke

Initiativbewerbung über soziale Netzwerke

Weitere wichtige Quellen sind die Kanäle der Firma in sozialen Medien. Auch dort teilt die Presseabteilung aktuelle Ereignisse. Schau Dir Imagefilme, Beiträge und Videos an. Findest Du etwa ein Video über einen gewonnenen Preis, ist das ein wertschätzender Aufhänger. Du kannst im ersten Satz dazu gratulieren und zeigen, dass Du Dich informiert hast.

Soziale Netzwerke helfen auch bei der Kontaktaufnahme. Besonders geeignet sind LinkedIn und Xing. Such dort zuerst nach der Firma. Meist findest Du viele Mitarbeiter mit Profil. Schau gezielt nach Personen aus Deinem Wunschbereich und schick ihnen eine Kontaktanfrage. Antwortet die Person, gehst Du so vor:

  1. Bedanke Dich für die Aufnahme ins Netzwerk.
  2. Sprich die Person wertschätzend an, etwa mit einer Gratulation oder einem Bezug zu ihrem Profil.
  3. Frag nach Möglichkeiten in ihrem Bereich.
  4. Stell Deine Kompetenzen und Erfahrungen kurz dar.
  5. Bitte um einen kurzen Austausch per Nachricht, Telefon oder bei einem Kaffee.

So kann eine Nachricht aussehen:

„Hallo Frau [Name], danke für die Vernetzung. Herzlichen Glückwunsch zu [Preis oder Projekt]. Ich arbeite seit [Jahre] im Bereich [Bereich] und verfolge Ihre Firma schon länger. Gibt es in Ihrem Team Pläne, sich in [Thema] zu verstärken? Ich würde mich über ein kurzes Telefonat von zehn Minuten freuen. Viele Grüße, [Name]“

Im weiteren Gespräch helfen Dir diese Fragen:

  • Gibt es intern ausgeschriebene Stellen, die zu mir passen?
  • Gab es kürzlich eine Finanzierungsrunde? Das ist vor allem bei Start-ups interessant.
  • Will die Firma bald in neue Märkte expandieren oder hat sie gerade expandiert?
  • Sollen neue Produkte auf den Markt kommen?
  • Könnten meine Fähigkeiten dabei nützlich sein?

Hast Du mit einer Fachleitung gesprochen? Perfekt. Damit bist Du dem verdeckten Arbeitsmarkt einen Schritt näher. Selbst wenn es keine Stelle gibt, hast Du Zeit gespart. Du musst Deine Unterlagen nicht für eine aussichtslose Bewerbung anpassen. Konzentriere Dich dann auf bessere Chancen, ganz im Sinne Deiner SWOT-Analyse.

Findest Du keine Fachleitung? Dann können andere Mitarbeiter Türöffner sein. Vielleicht reichen sie Deine Bewerbung an die richtige Stelle weiter. Mitarbeiter merken oft früh, dass in ihrer Abteilung jemand fehlt. Das ist lange bevor die Personalabteilung davon erfährt.

Schritt 5: Ruf in der Personalabteilung an

Telefonat mit der Personalabteilung

Manchmal erreichst Du über Netzwerke niemanden. Dann bleibt das klassische Telefonat mit der Personalabteilung. Personaler und Führungskräfte haben viel zu tun. Günstige Zeiten für den Anruf sind oft früh am Morgen oder am späten Nachmittag. So kannst Du das Gespräch aufbauen:

  1. Begrüßung: Nenne Deinen Namen und frag, ob die Person kurz Zeit hat.
  2. Anlass: Erkläre in einem Satz, warum Du anrufst, und nenne Deinen Aufhänger aus der Recherche.
  3. Kurzprofil: Stell Dich in zwei oder drei Sätzen vor.
  4. Fragen: Stell offene Fragen zu Bedarf, Ansprechperson und Bewerbungsweg.
  5. Abschluss: Kläre, an wen Du Deine Unterlagen schickst, und bedanke Dich.

Ein Gesprächsbeispiel:

Du: „Guten Morgen, [Name] hier. Haben Sie zwei Minuten für mich?“

Personalerin: „Ja, worum geht es?“

Du: „Ich habe gelesen, dass Sie einen neuen Standort in [Ort] eröffnen. Ich arbeite seit fünf Jahren im Vertrieb von [Produkt]. Gibt es in diesem Zusammenhang Pläne, das Vertriebsteam zu verstärken?“

Personalerin: „Ausgeschrieben ist noch nichts, aber das Thema ist bei uns aktuell.“

Du: „Das klingt spannend. Wer wäre der richtige Ansprechpartner für eine Initiativbewerbung?“

Personalerin: „Schicken Sie Ihre Unterlagen an Herrn [Name], er leitet den Vertrieb.“

Du: „Vielen Dank. Dann schicke ich ihm meine Unterlagen bis morgen und beziehe mich auf unser Gespräch.“

Nutze im Telefonat offene Fragen. Sie lassen sich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Dein Gegenüber muss ausholen. So bekommst Du mehr Informationen und hast Zeit zum Luftholen. Offene Fragen sind meist W-Fragen. Beispiele:

  • Was kann ich tun, um Ihre Firma vorher besser kennenzulernen?
  • Welche Möglichkeiten gibt es für ein Praktikum oder einen Einstieg auf Probe?
  • Auf welchem Weg kann ich mich initiativ bei Ihnen bewerben?
  • Wann wird voraussichtlich wieder eine Position in diesem Bereich frei?

Wichtig: Schick Deine Bewerbung innerhalb von ein bis zwei Tagen nach dem Telefonat. Dann ist das Gespräch noch frisch.

Schritt 6: Finde weitere Wege zur Ansprechperson

Diese Wege helfen Dir ebenfalls, einen Fuß in die Tür zu bekommen:

  • schon in Ausbildung und Studium Kontakte für später sammeln
  • über ein Ehrenamt Kontakte zu Entscheidern aufbauen
  • ein Volontariat oder Praktikum bei der Firma machen
  • Projektarbeiten nutzen, denn Hochschulen kooperieren oft mit Firmen
  • Kunden, Partner oder Lieferanten Deines aktuellen Arbeitgebers ansprechen
  • Fürsprecher gewinnen, etwa Professoren, Ausbilder oder Vereinsvorsitzende
  • Messen, Kongresse und Fachveranstaltungen besuchen
  • sich in Fachgruppen auf LinkedIn, Xing und anderen Netzwerken austauschen

Wie ist eine Initiativbewerbung aufgebaut?

Reihenfolge der Unterlagen in der Bewerbung

Du hast es bis hierher geschafft? Dann klopf Dir auf die Schulter. Das war viel Arbeit. Ab jetzt unterscheidet sich die Initiativbewerbung kaum von einer normalen Bewerbung. Der klassische Dreiklang besteht aus:

  1. Lebenslauf, möglichst lückenlos
  2. Anschreiben, möglichst spannend
  3. Anlagen, möglichst relevant

Dazu kommt ein persönliches Deckblatt. Wir empfehlen, es an die erste Stelle zu setzen. Deine Unterlagen sollten intuitiv verständlich sein, wie ein gutes Smartphone. Man nimmt es in die Hand und weiß sofort, wie es funktioniert. Genauso muss sich der Leser in Deiner Bewerbung sofort zurechtfinden.

DIN 5008

Bewerbungsschreiben nach DIN 5008

Für Geschäftsbriefe gibt es eine Norm, die DIN 5008. Sie regelt zum Beispiel Seitenränder, Abstände und Anordnung. Viele Textprogramme orientieren sich in ihren Briefvorlagen daran. Damit kann wenig schiefgehen. Allein durch die Norm hebst Du Dich aber nicht ab.

Die DIN 5008 ist für Bewerbungen keine Pflicht. Sie ist eine Empfehlung, die Dich vor groben Fehlern bewahrt. Bewirbst Du Dich in einer konservativen Behörde, in einer Kanzlei oder im Sekretariat? Dann halte Dich enger daran. In den meisten anderen Bereichen hast Du mehr Spielraum für eine eigene Gestaltung.

Checkliste: Anschreiben in 10 Schritten

Die Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ vermeidest Du. Dafür hast Du ja recherchiert. Viele fragen: „Wie schreibe ich ein Anschreiben, ohne die Anforderungen zu kennen?“ Dafür nutzt Du die Strohpuppen-Anzeige. So baust Du das Anschreiben auf:

  1. Absender in der Kopfzeile: Passe die Gestaltung dezent an die Firma an.
  2. Empfänger: Name der Firma, Abteilung, Ansprechperson und Anschrift aus Deiner Recherche.
  3. Ort und Datum: Zwischen Ort und Datum steht ein Komma. Das Wort „den“ vor dem Datum entfällt. Eine automatische Datumsfunktion verhindert veraltete Angaben. Nutze sie auch im Lebenslauf.
  4. Betreff: „Initiativbewerbung im Bereich [X]“. Das Wort „Betreff“ schreibst Du nicht davor.
  5. Anrede: mit dem Namen der Ansprechperson.
  6. Einleitung: ein Aufhänger, etwa ein Fürsprecher, ein Telefonat oder eine Nachricht über die Firma.
  7. Motivation: Warum willst Du wechseln, und warum genau zu dieser Firma? Beziehe Dich zum Beispiel auf ihre Mission.
  8. Behauptung: Ich passe zu Ihnen.
  9. Beweisführung: Belege Deine Behauptung mit konkreten Erlebnissen. Mehr dazu im Ratgeber zum Bewerbungsschreiben.
  10. Fazit: „Sie sehen, ich passe zu Ihnen. Ich freue mich auf ein Gespräch.“ Nenne einen möglichen Eintrittstermin, wenn er zeitnah ist. Kurzfristige Verfügbarkeit ist ein Pluspunkt. Die Gehaltsvorstellung lässt Du zunächst weg. Bitte bei Bedarf um vertrauliche Behandlung.

Muster: Anschreiben für eine Initiativbewerbung

Dieses Muster zeigt Dir den Aufbau. Ersetze die Angaben in Klammern durch Deine eigenen. Übernimm es nicht wörtlich, sondern passe es an die Firma und Deine Erfahrungen an.

Initiativbewerbung im Bereich [Bereich]

Sehr geehrte Frau [Name],

vielen Dank für das freundliche Telefonat am [Datum]. Wie besprochen sende ich Ihnen meine Initiativbewerbung für den Bereich [Bereich].

Ihre Pläne, [Expansion, neues Produkt oder Projekt], haben mich sofort angesprochen. Genau in diesem Feld arbeite ich seit [Jahre] Jahren.

Bei [bisherige Firma] habe ich [Aufgabe] übernommen. Ich habe [Handlung] und damit [Ergebnis, möglichst in Zahlen] erreicht. Diese Erfahrung kann ich bei [Aufgabe in der neuen Firma] direkt einsetzen.

[Zweites Beispiel zu einer weiteren wichtigen Anforderung aus der Strohpuppen-Anzeige.]

Ich bin überzeugt, dass ich Ihr Team bei [Ziel] wirkungsvoll unterstützen kann. Ab [Datum] stehe ich zur Verfügung. Ich freue mich auf ein persönliches Gespräch.

Mit freundlichen Grüßen

[Name]

Muster: Initiativbewerbung per E-Mail

Viele Firmen wünschen die Bewerbung per E-Mail. Dann gehört ein kurzer Begleittext in die Mail. Das ausführliche Anschreiben hängst Du zusammen mit Lebenslauf und Anlagen als PDF an.

Betreff: Initiativbewerbung im Bereich [Bereich], Gespräch mit Herrn [Name]

Sehr geehrter Herr [Name],

wie heute telefonisch mit Ihrer Kollegin Frau [Name] besprochen, sende ich Ihnen meine Initiativbewerbung. Im Anhang finden Sie Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse in einer PDF-Datei. Für Rückfragen bin ich unter [Telefonnummer] erreichbar.

Mit freundlichen Grüßen

[Name]

Passende Designs für Deine Unterlagen findest Du auf unserer Seite mit Bewerbungsvorlagen.

5 Beispiele für den ersten Satz

Am Anfang des Anschreibens erwähnst Du Deinen Kontakt und Deine Recherche. Damit hast Du einen Fuß in der Tür. Die Personalabteilung fragt dann eher bei Deinem Kontakt in der Fachabteilung nach.

  • „Mein ehemaliger Kommilitone [Name] arbeitet bereits erfolgreich bei Ihnen. Er hat mich auf die Möglichkeit einer Initiativbewerbung aufmerksam gemacht.“
  • „Ihre Produktmanagerin [Name] hat in einer Vorlesung an meiner Hochschule von Ihrer Firma erzählt. Seitdem möchte ich Teil Ihres Teams werden.“
  • „Ihr Team habe ich bereits als Praktikantin kennengelernt. An diese Erfahrung möchte ich nun im Bereich [X] anknüpfen.“
  • „Die Aufgaben im Bereich [X] kenne ich aus meiner Arbeit bei [Firma]. Dort habe ich [Ergebnis] erreicht. Diesen Mehrwert möchte ich auch Ihnen bieten.“
  • „Meine Schwerpunkte in Schule und Studium sprechen eine klare Sprache: [Bereich X]. Deshalb bewerbe ich mich bei Ihnen um ein Praktikum.“

Wie fasst Du nach der Initiativbewerbung nach?

Was passiert, nachdem Du die Bewerbung verschickt hast? Oft erst einmal wenig. Häufig ist gerade keine Stelle offen. Das heißt nicht, dass morgen keine frei wird oder neu entsteht.

Hast Du nach etwa zwei Wochen nichts gehört, frag freundlich nach. Ein kurzer Anruf oder eine kurze Mail genügt. Bitte die Firma, Deine Daten für spätere Stellen zu speichern. Viele Firmen haben dafür einen Bewerberpool. Bleib außerdem über Netzwerke in Kontakt, etwa indem Du Beiträge der Firma kommentierst. So bleibst Du in Erinnerung.

Hilfe bei Deiner Initiativbewerbung

Recherche, Telefonat und ein überzeugendes Anschreiben kosten Zeit. Im Bewerbungscoaching unterstützen wir Dich dabei. Wir erarbeiten mit Dir Deine Strategie und Deine Unterlagen. Das Coaching läuft online per Zoom.

Bist Du arbeitslos, droht Dir Arbeitslosigkeit oder suchst Du einen Ausbildungsplatz? Dann kann Dir die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter einen AVGS-Gutschein ausstellen. Mit bewilligtem Gutschein kostet Dich das Coaching nichts. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht, es ist eine Einzelfallentscheidung. Die Bewilligung muss vor dem Start vorliegen.

Das kostenlose Kennenlerngespräch läuft meist telefonisch.