fbpx

Top-Job Chancen über Headhunter

Top-Job Chancen über Headhunter

Dem Berufsstand der Jobvermittler ist mit der Bezeichnung "Headhunter" ein Marketing-Coup gelungen. Unter dem Mythos sich auf der Jagd nach fähigen Köpfen befindlichen Jägern stellen sich Millionen von Jobsuchenden genau das vor: Gurus, die bestens vernetzt mit den Stars der diversen Branchen sind und nun ihre Netze auswerfen, um für ihre Auftraggeber Edelfische einzufangen. Die Wirklichkeit ist deutlich prosaischer:

  • Headhunter sind nur für einen geringen Prozentsatz vermittelter Top-Jobs verantwortlich.
  • Die erste Motivation eines Headhunters ist seine Provision, altruistische Motive sind ihm weitgehend fremd.
  • Wer darauf wartet, dass ein Headhunter ausgerechnet ihn aus der Fülle der Xing- und Linkedin-Profile auswählt, kann lange warten. Zu lange.

Auch wenn Sie gut mit Headhuntern vernetzt sind und sich im verdeckten Stellenmarkt eines erstklassigen Rufes erfreuen, werden Sie von Headhuntern kaum mehr als ein oder zwei Angebote pro Jahr erhalten. Dass dies ausgerechnet dann der Fall ist, wenn Sie dringend einen neuen attraktiven Job benötigen, ist eher unwahrscheinlich.


Statistische Fakten

Die Bundesagentur für Arbeit schätzt, dass lediglich 30% aller Stellen über Stellenanzeigen besetzt werden. 70% der freien Stellen werden auf anderen Wegen besetzt. Dabei baut sich dieses Verhältnis wie eine Pyramide auf: Je geringer die Qualifikation, desto größer der Erfolg von Stellenanzeigen. Die Top-Jobs an der Spitze der Pyramide werden bestenfalls noch zu 5% über Stellenanzeigen besetzt. Da diese Erkenntnis sich inzwischen auch bei denen, die sich um Top-Jobs bewerben, durchgesetzt hat, hält sich der Mythos der Headhunter. Das führt dazu, dass die meisten Bewerber

  • ihren aktuellen Marktwert falsch einschätzen, nur weil sie in der Vergangenheit mal von Headhuntern angesprochen wurden,
  • sich in Unkenntnis über die Arbeitsweise von Headhuntern befinden,
  • die Erfolgsquote von Headhuntern massiv überbewerten.

Egal, ob Sie einen Headhunter bitten, sich nach einem geeigneten Job für Sie umzuschauen oder ob Sie hoffen, auf die Kandidatenliste eines Headhunters zu gelangen, die Chancen, über die Aktivitäten eines Headhunters zu Ihrem neuen Traumjob zu gelangen, sind marginal:

  • Woher wissen Sie, dass der Headhunter Sie nicht nur als "Auffüller" präsentiert, um seinem Auftraggeber scheinbar eine hochqualifizierte Auswahl zu bieten? In Wirklichkeit ist ein ganz anderer Kandidat der Favorit des Headhunters.
  • Der Headhunter ist vor allem an seinem eigenen Erfolg interessiert. Seine Kandidaten sind nur Mittel zum Zweck.
  • Für die einen Top-Job ausschreibende Firma ist der Headhunter nur eine von diversen Wegen, die Stelle zu besetzen. Häufig werden sogar mehrere Headhunter gleichzeitig eingesetzt. Bezahlt wird ja nur im Erfolgsfall.

Chancen durch den "Headhunter-Buddy"

Eine der gefährlichsten Fehleinschätzungen, was Headhunter betrifft, ist die Auffassung, nur weil Sie ihn in der Vergangenheit regelmäßig beauftragt haben, würde er sich nun, wo Sie selbst einen neuen Job benötigen, für Sie besonders einsetzen:

  • Jemand, der Sie als Auftraggeber geschätzt hat, muss Sie nicht zwangsläufig auch als Stellungssuchender schätzen
  • Nicht Sie bezahlen den Headhunter, sondern sein Auftraggeber: "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing."
  • Es wäre eine unrealistische Annahme zu glauben, dass ihr alter "Headhunter-Buddy", mit dem Sie sich doch so gut verstanden haben, als er noch Aufträge von Ihnen bekam, sich für Sie ein Bein ausreißt.
  • Es wäre schon ein sehr glücklicher Zufall, wenn er ausgerechnet jetzt, wo Sie ihn brauchen, eine passende Position in seinem aktuellen Portfolio hätte.

Natürlich wird Ihre Headhunter-Connection behaupten, dass sie sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln für Sie umsehen wird. Das kostet ja nichts und der Headhunter erhält sich Ihr Wohlwollen, falls Sie wieder in eine Position kommen sollten, in der Sie Aufträge für ihn haben. Aber überlegen Sie einmal selbst:

  • Headhunter betreuen vielleicht 10 Top-Jobs im Jahr. Dazu noch mehr oder weniger viele Jobs auf unteren Ebenen.
  • Da muss man sich zu 100% konzentrieren, um seine Auftraggeber zufrieden zu stellen und die Konkurrenz in Schach zu halten.
  • Ihr Buddy kann es sich einfach nicht leisten, Ihnen gefällig zu sein.
  • Nur für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass Position, Branche und Anforderungsprofil seiner laufenden Projekte mit Ihrem Profil übereinstimmen, kann er Sie mit einbeziehen.

Human Resources concept: choosing the perfect candidate for the job

Headhunter und Vitamin "B" reimt sich einfach nicht

Damit Sie Ihren Headhunter-Buddy und seine Möglichkeiten noch etwas realistischer einschätzen, machen Sie sich klar, wie Sie als Auftraggeber reagieren würden, wenn Ihr Headhunter Ihnen Bewerber vorstellen würde, deren hervorstechendste Eigenschaft es ist, dass sie seine "best buddies" sind. Weitere Gründe dafür, dass eine Headhunter-Beziehung aus der Zeit, als Sie Aufträge zu vergeben hatten, keine Garantie für die Pool-Position bei der Job-Suche ist:

  • Die Aufträge, die Sie zu vergeben hatten, betrafen logischerweise Positionen unterhalb Ihrer Stellung im Unternehmen.
  • Headhunter spezialisieren sich gern. Ein Headhunter für das Mittelmanagement wird kaum für die Suche nach Top-Managern in Frage kommen.
  • Vitamin "B" kann bei Headhuntern schon deshalb nicht funktionieren, weil sie einen Ruf zu verlieren haben.

Je höher die Position, desto enger wird der Markt. Da kann sich Ihr Headhunter-Freund nicht den kleinsten Fehler leisten. Deshalb wird sein einziges Kriterium für eine Empfehlung sein, ob Ihre Qualifikation zu einer der Positionen passt, für die er auf der Suche ist. Und das so perfekt wir möglich. Der Umstand, dass Sie sich aus Ihrer früheren Zusammenarbeit nach Ihrer Meinung besonders sympathisch waren, kann dabei keine Rolle spielen. Aus Sicht des Headhunters ist das sogar ein absolutes "No Go".  Aus all diesen Gründen tun Sie gut daran, die Headhunter-Schiene bei Ihren Bemühungen um einen neuen Job nur als eine von vielen zu betrachten.

Spreu und Weizen unter den Headhuntern

Der Begriff Headhunter fordert ja geradezu dazu heraus, ihn relativ unreflektiert anzuwenden. Deshalb wird die ganze Breite der Jobvermittler in den Medien und im allgemeinen Sprachgebrauch schnell mal  als Headhunter abgestempelt. Darunter fallen

  • Personalberater, die vor allem Anzeigen schalten,
  • Researcher, die in den etablierten Firmen den eigentlichen Headhuntern zuarbeiten,
  • Selbsternannte Quereinsteiger - Headhunter ist natürlich keine geschützte Berufsbezeichnung.

Das hat dazu geführt, dass Gepflogenheiten, an die sich die alteingesessenen und angesehenen Executive-Search-Firmen gebunden fühlen, heute zunehmend missachtet werden:

  • Das Abwerben von Mitarbeitern aus dem eigenen Kundenstamm für Dritte,
  • das Anbieten von Kandidaten, obwohl für den Headhunter gar kein Suchauftrag vorliegt,
  • die Neudefinition von Headhunting als Maklertätigkeit in beide Richtungen.

Besonders die neu auf den Markt gekommenen Personalagenturen verfolgen längst kein traditionelles Executive Search mehr. Sie suchen gegen Honorar Jobs für Stellensuchende wie für Firmen gleichermaßen. Dabei nehmen sie alles mit, was sie kriegen können und tummeln sich auf allen nur denkbaren Kanälen.



Gift für Top-Manager

Wenn Sie als Top-Manager nach einem neuen Job Ausschau halten, ist es pures Gift, sich in die Hände solcher Personalagenturen zu begeben. Sie verlieren vollständig die Kontrolle über Ihre Bewerbungsunterlagen. Diskretion ist hier ein Fremdwort. Es geht nur um den schnellen Erfolg und den schnellen Euro. Wenn die Reputation der Bewerber dabei auf der Strecke bleibt, ist das für Personalagenturen dieser Couleur kein Drama. Sie leben von der Masse der Aufträge, nicht von der Klasse. Ein Grund mehr für Sie als Top-Manager um derartige Dienstleister einen großen Bogen zu machen. Nicht anders ist die Situation bei den digitalen Jobbörsen. Sie haben nicht die geringste Kontrolle darüber, welche Personalagenturen sich Ihr Profil ansehen oder an wen sie es weiterreichen. Diese vielfach mit AI operierenden Plattformen sind auf Effizienz und Tempo ausgelegt, nicht auf Diskretion. Sie sind durchaus geeignet für

  • Spezialisten im IT- und Ingenieurswesen
  • Berufsanfänger
  • Start-Ups

aber sicherlich nicht für einen gestandenen Top-Manager Ü-50, der einen Top-Job anstrebt, der noch über dem liegt, den er bislang ausgefüllt hat. Wenn Sie sich also mit einem Headhunter einlassen, prüfen Sie ihn sehr sorgfältig, bevor Sie persönliche Unterlagen an ihn herausgeben. Bei einer Executive Search Firma mit langjähriger Erfahrung und entsprechend prominentem Kundenstamm können Sie mit der für Sie lebenswichtigen Diskretion rechnen. Das ist noch keine Garantie für eine erfolgreiche Vermittlung, aber zumindest kommt ihr Renommée nicht unter die Räder.

Fazit

Fallen Sie nicht nicht dem Headhunter-Mythos zum Opfer, der lediglich ein Marketinginstrument der Branche ist. Der Weg über professionelle Job-Vermittler ist nur ein Weg unter vielen und nicht zwingend der Königsweg. Was nicht ausschließt, das der Weg über den Headhunter für Sie erfolgreich sein kann. Nur sollten Sie nicht allzu große Hoffnungen darauf setzen und ihn als einen von vielen beschreiten. Wesentlich ist für Sie eine realistische Einschätzung Ihres aktuellen Marktwertes, und der ergibt sich nicht aus dem manchmal nur vermeintlichen Interesse von Headhuntern. Warum ein Headhunter Sie anspricht, wissen Sie nicht und müssen immer davon ausgehen, dass der Headhunter vor allem sein eigenes Interesse im Auge hat.

Setzen Sie nicht allzu sehr auf die Headhunter-Karte, nur weil Sie glauben, besonders gut mit der Headhunter-Branche vernetzt zu sein. Wer Ihnen als Kunde schöne Augen gemacht hat, kann für den Bewerber plötzlich nicht mehr erreichbar sein. Das sollte Sie nicht überraschen. Das Geld kommt vom aktuellen Kunden und nicht mehr von Ihnen. Natürlich sollten Sie die bestehenden Kontakte ansprechen, aber hüten Sie sich davor, mit Erfolgsmeldungen zu rechnen. Schon gar nicht mit kurzfristigen. Lassen Sie auf keinen Fall kostbare Zeit ungenutzt vergehen, weil Sie mit einer positiven Rückmeldung von Ihren Headhunter-Buddies aus den Zeiten rechnen, als Sie noch auf der Auftraggeberseite saßen.

Im Vergleich zum vorigen Jahrhundert hat sich die Situation im Executive Search grundlegend verändert. Heute herrscht ein gnadenloser Wettbewerb unter den Personaldienstleistern. "Gloves off!" ist angesagt. Mit allen Mitteln wird vor allem um Spezialisten, Ingenieure und IT-ler gerangelt.  Auch die Ebene der Top-Jobs wird davon zunehmend erfasst. Umso wichtiger ist es für Top-Bewerber, sich von hemdsärmeligen oder gar unseriösen Vermittlern fernzuhalten. Ihr Ruf ist Ihr wichtigstes Kapital. Den dürfen Sie auf keinen Fall in Gefahr bringen, indem Sie Ihre Unterlagen Firmen anvertrauen, deren Reputation nicht untadelig ist. Das heißt, selbst dann, wenn ein Headhunter auf Sie zukommt, sollten Sie diesen erst sehr genau unter die Lupe nehmen, bevor Sie sich mit ihm näher einlassen. Das gilt sogar für Headhunter, die Sie von früher kennen und mit denen Sie erfolgreich zusammengearbeitet haben. Die Sitten sind rauer geworden und als Bewerber sind Sie erheblich größeren Gefahren ausgesetzt, als Sie es als  Auftraggeber jemals waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Sven ist Gründer und Spiritus Rector der Karrierehelden. Er coacht leidenschaftlich gerne, schreibt und liest. Seine Lieblingsthemen sind Genetik, Soziologie, Künstliche Intelligenz, Psychologie, Neurobiologie und Entrepreneurship.